Gefährliche Autotransporte?

Abendspaziergang an dem Seeschifffahrtszeichen Kugelbarke in Cuxhaven – im Hintergrund der historischen Kugelbarke verlässt ein rotes Schiff in einem modernen Design die Elbmündung. Ein schönes Fotomotiv bei untergehender Abendsonne. Doch was hat es mit dem ‚schönen Schiff‘ auf sich? Meine erste Vermutung war, dass es sich um einen Gasttanker halten könnte. Ich recherchiere weiter und komme zu dem Ergebnis:

Die riesigen Schriftzüge KESS an der Seite des Schiffes stehen für „K“-Linie European Sea Highway Services GmbH – eine deutsch-japanische Reederei, die sich auf Autotransporte im nordeuropäischen Bereich spezialisiert hat. Autotransporte? Hat es da nicht in letzter Zeit Meldungen über brennende Schiffe gegeben? War da nicht der Autofrachter ‚FELICITY ACE‘, der im Februar 2022 versank? Hierzu eine Meldung:

„Eine Autobatterie setzte im Februar 2022 den Autofrachter MS „Felicity Ace“ in Brand. Viele Fragen sind aber noch immer ungeklärt. Der Autofrachter MS „Felicity Ace“ sank nach einem Brand, wobei tausende VW-Fahrzeuge verloren gingen. Nun steht die Frage im Raum, wer für diesen Verlust aufkommen muss. Es soll ein Porsche mit E-Antrieb gewesen sein, der den Brandauslöste  Vor dem Landgericht Braunschweig hat die Verhandlung einer Schadenersatzklage begonnen“.

Ich recherchiere weiter und stoße auf einen Artikel in dem Newsletter ‚Gefahrgut aktuell‘: „Brände zählen weiterhin zu den gravierenden Risiken und stellen das größte Schadensrisiko in der Seeschifffahrt dar. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilt, seien laut aktuellen Zahlen der Nordic Association of Marine Insurers (CEFOR) 2025 vier Großschäden durch Feuer gemeldet worden – jeweils mit Schadenssummen von mehr als 20 Mill. US-Dollar“.

„Über 80 Mill. US-Dollar Schaden durch Schiffsbrände in sechs Monaten – das ist Ausdruck eines besorgniserregenden Trends“, so wird die Aussage des Hauptgeschäftsführers Jörg Asmussen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zitiert. Und Jörg Asmussen weiter: „In den vergangenen 10 Jahren waren durchschnittlich 62 % aller Großschäden auf Feuer zurückzuführen“.

Ein zentraler Auslöser für die zunehmenden Brände sind Lithium-Ionen-Batterien – vor allem in Elektrofahrzeugen, die häufig als Ladung transportiert werden. Gerät eine dieser Batterien in einen Thermischen Durchgehprozess (Thermal Runaway) kann das explosionsartige Brände auslösen.

Brände auf See sind schwer zu bekämpfen, weil bedingt durch die Schiffskonstruktion an den Brandherd schwer heranzukommen ist. Betroffen sind vor allem Containerschiffe, aber auch sog. Ro/Ro-Frachter.

Ich erinnere mich noch an den Brand auf dem Containerschiff ‚Flaminia‘ im Jahre 2012. Auf dem knapp 300 Meter langen Frachter war am 14. Juli 2012 ein Feuer ausgebrochen. Das Schiff befand damals mit mehr als 2.800 Containern beladen im Atlantik. Von den Containern waren 151 mit bedenklichen Industriechemikalien (=Gefahrgütern) gefüllt – darunter etwa Klebstoffe, der pharmazeutische Grundstoff Testosteron, entzündliche Kosmetik-Sprays sowie Nitromethan, ein brennbares Lösungs- und Reinigungsmittel, das auch als Treibstoffzusatz im Motorsport verwendet wird. Etwa 100 Gefahrgut-Container wurden durch Brände beschädigt oder zerstört, Teile der Ladung explodierten. Ein Seemann starb, drei weitere wurden verletzt. Die Feuer in den riesigen Laderäumen wüteten tagelang unkontrolliert. Das Schiff wurde durch den Ärmelkanal in den Jadehafen bei Wilhelmshaven abgeschleppt und dort erfolgte eine endgültige Löschung und Bergung der zerstörten Container  von Land aus.

Aufgrund der massiven Schiffsbrände, vor allem auf Autotransportern, fordert die GDV verbindliche internationale Vorgaben für Brandmeldesysteme und verbesserte Löschtechnik auf Containerschiffen und Autotransportern. Gleichzeitig müssten die Abläufe für den Transport von E-Fahrzeugen verbessert werden. Hier wird von ‚Wasserhochdrucknebel Systemen‘ gesprochen, die das Löschen verbessern sollen.

Lithium-Ionen-Batterien haben die Batterietechnik revolutioniert. Da werden enorme Energiemengen gespeichert. Doch wehe wenn diese unkontrolliert freikommen – dann ist die Hölle los!