Die Energiekrise macht ein Zurück zu verlässlicher Energieversorgung erforderlich

Der vollständige Ausfall russischer Gasimporte nach Deutschland und die Kriege in Nahost machen die verfehlte Energiepolitik deutscher Regierungen deutlich.

Mit Beginn der als prioritär betrachteten Klimaschutz-Politik wurden die bis in die 90er Jahre nachhaltig sichere, preisgünstige Energieversorgung auf der diversitären Basis Kohle, Gas, Öl und Kernenergie einer Energiepolitik auf der Basis Wind-, Solar- und Bioenergie (die sogenannten Erneuerbaren) geradezu geopfert. Das Vorhaben, selbst die fossilen Energieträger allmählich auf elektrische Energie umzustellen, besteht weiterhin. Der Ausstieg aus der im Betrieb CO2-freien Kernenergie wurde immerhin offiziell als schwere politischer Fehler gebrandmarkt.

In Expertenkreisen war von vornherein klar, dass Windenergie- und Solaranlagen, die nur zeitweise Strom erzeugen, fossile Energieträger nicht ohne Weiteres in allen Bereichen der Wirtschaft ersetzen können.

Die Welt „läuft“ nach wie vor mit fossilen Energieträgern. Trotz der Hunderte von Milliarden Euro wie Dollar, die für Subventionen für erneuerbare Energien ausgegeben wurden, liefern fossile Energieträger mit Stand 2023 rund 81 % der weltweiten Energie – nur geringfügig weniger als die 81,4 % im Jahr 2000.

Infolge der von der Energiekrise ausgelösten erheblichen Wirtschaftskrise plädieren Energieunternehmen und Industrievertreter dafür, Reservekraftwerke zu reaktivieren und die Stilllegung von Kohlekraftwerken aufzuschieben. Andreas Reichel, Chef des Energiekonzerns Steag Iqony, sagte dem Handelsblatt [1]: „Der rasante Anstieg der Energiepreise verdeutlicht: Wir müssen unsere heimischen Erzeugungskapazitäten endlich besser nutzen.“ Reichel regt an, Kohlekraftwerke, die aktuell nur zur Netzstabilisierung in Notfällen vorgehalten werden, wieder regulär am Markt teilnehmen zu lassen.

Aktuell befinden sich fossile Kraftwerkskapazitäten von rund zehn Gigawatt (GW) in der sogenannten Netzreserve. Sie springen nur ein, wenn dies zur Stabilisierung des Netzes erforderlich ist, und nehmen nicht regulär am Strommarkt teil. Ihr unwirtschaftlicher Betrieb geht zu Lasten des Strompreises. Die Anlagen werden aktuell nur auf Anweisung der Stromübertragungsnetzbetreiber eingesetzt, wenn es ein „netztechnisches Erfordernis“ gibt, etwa Engpasssituationen im Übertragungsnetz oder eine Gefährdung der Netzstabilität. Für die Betreiber ist das nicht besonders lukrativ. Sie müssen die Anlagen und das erforderliche Personal vorhalten und bekommen den Aufwand, den sie dafür betreiben müssen, von den Netzbetreibern ersetzt. Könnten sie die Anlagen auch am Strommarkt teilnehmen lassen, würden sich Chancen auf zusätzliche Einnahmen ergeben.

Die Reaktivierung der Reservekraftwerke ist im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sogar schon angelegt. Dort heißt es, Reservekraftwerke sollten künftig „nicht nur zur Vermeidung von Versorgungsengpässen, sondern auch zur Stabilisierung der Strompreise zum Einsatz kommen“.

Der Landesverband Nordrhein-Westfalen des CDU-Wirtschaftsrates schlug vor, länger an der Kohlekraft festzuhalten, und stellt damit den Kohleausstieg insgesamt infrage. „Es sollten keine zusätzlichen Stilllegungen durchgeführt werden, bevor nicht neue steuerbare, wettbewerbsfähige Kapazität am Markt ist.“ Das würde bedeuten, dass keine weiteren Kohlekraftwerke mehr abgeschaltet werden, bevor erste neue Gaskraftwerke fertig sind. Das allerdings dürfte frühestens 2031 der Fall sein.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das Ziel der EU infrage gestellt, bis 2050 klimaneutral zu sein. »Wir müssen wieder flexibler werden, uns nicht nur mit 100-prozentigen Lösungen zufriedengeben«, sagte Reiche laut Politico [2] am Montag bei der Energiekonferenz Ceraweek im texanischen Houston. Es müsse akzeptiert werden, »dass bis 2050 vielleicht noch eine Lücke von etwa fünf oder zehn Prozent bestehen könnte«.

Sie sei nicht gegen Nachhaltigkeit, doch wenn diese »die Wirtschaft zum Einsturz bringt, muss man umdenken«, sagte die Wirtschaftsministerin. Unternehmen bräuchten bezahlbare Energie. »Wenn man strenge und starre Ziele hat, fesselt man sich selbst, und am Ende verliert man Industrien, die man braucht«, so Reiche. Und weiter: »Wir können es uns nicht leisten, unsere energieintensiven Industrien in Europa und Deutschland zu verlieren.«

Der EU-Rechnungshof hat die Kommission bereist 2024 gewarnt, ihre Klimaziele nicht auf die Spitze zu treiben. Europa dürfe bei seinem Ehrgeiz in Sachen Klimaschutz nicht die industrielle Souveränität aufs Spiel setzen [3].

Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur entfallen für das Jahr 2024 knapp 30 % des globalen Energieangebots auf Erdöl. Damit ist Öl der wichtigste Energieträger geblieben, vor Kohle mit 25 % und dem Erdgas mit 22 %. Aus Wind- und Sonnenenergie stammten lediglich 5 %. […] Solange die Ressourcen nicht erschöpft sind, werden sie – und sei es über den Preis – ihre Abnehmer finden. Europa erreiche seine ehrgeizigen Klimaziele auf kosten der Wohlstandserzeugung [3].

Fazit

Ein Schwenk zurück zur Energie-Realität ist unerlässlich. Zurück zu einem ausgewogenen Verhältnis aller verfügbaren Energieträger. Wir haben Jahrzehnte und enorme Kapitalmengen in die Energiewende investiert, und dennoch fehlt Deutschland immer noch eine ausreichend zuverlässige Stromkapazität. Darüber kann auch kein 60 %-Anteil der Erneuerbaren hinwegtäuschen. Das ist keine Meinung, das ist Fakt. Energie ist nicht nur ein Teil der Wirtschaft. Es ist die Wirtschaft. Ohne Energie gäbe es die heutige Wirtschaft nicht. Wind- und Solarenergie werden immer Schwierigkeiten haben, zuverlässigen, erschwinglichen und skalierbaren Strom zu liefern. Mindestens drei Einschränkungen der Erneuerbaren dürfen nicht weiter ignoriert werden: Energiedichte, Intermittenz und Lebensdauer. Die Erneuerbaren daher allein zum Maß aller Dinge zu machen, ist grundfalsch.

Auch ohne hellseherische Fähigkeiten ist festzustellen, die fossilen Energieträger werden nicht bis 2050 auslaufen, sondern noch mindestens bis ans Ende dieses Jahrhundert genutzt werden, wenn man die jüngsten Trends extrapoliert.

Quellen

[1]

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energie-hohe-gaspreise-bringen-debatte-um-kohleausstieg-zurueck/100209443.html?mls-token=9b564ef44fe4dc65be7152c1e54e1f8902217a4cedd0ade2947d9e757beaf63e4b6ca6232f976aecb39e3143ef1991110100209443&xing_share=news

[2] https://www.politico.eu/article/german-energy-minister-katherina-reiche-says-eu-should-relax-net-zero-target/

[3] Gabor Steingart, „Systemversagen“, erschienen Oktober 2025