Vor etwa einem Jahr, am 28. April 2025 um 12:32 Uhr, legte ein Blackout das gesellschaftliche Leben in ganz Spanien und Portugal lahm. Nach fast einem Jahr belegt nun der ICS Investigation Expert Panel Final Report „Grid Incident in Spain and Portugal on 28 April 2025“ [1] als Ursache eine gefährliche Kombination aus starken Spannungsschwankungen, hoher Solar-Einspeisung und fehlender stabilisierender Kraftwerksleistung.
Nach den Ausführungen von Manfred Haferburg [2] über die „überwältigende Detailfülle“ des Berichtes war ein zentraler Punkt die zu geringe Netzträgheit, die durch rotierende Massen der Großgeneratoren und Dampfturbinen bereitgestellt wird. Stromsysteme mit hohem Anteil wetterabhängiger Einspeisung verfügen nicht darüber und versuchen, die Drehzahl durch sensible Elektronik zu regeln. Aber nur echte rotierende Massen stabilisieren Frequenz und Spannung eines Stromnetzes in kritischen Momenten.
Bei solch komplexen Ereignissen gibt es niemals nur eine simple Ursache, sondern stets eine Spirale von Ereignissen, die in die Katastrophe führen. Die Ursachenfindung erfolgte entsprechend der besten internationalen Standards im Rahmen einer aufwändigen „Root-Cause-Analyse“. Dabei wird auf Basis einer wissenschaftlichen Ursachenanalyse ein „Ursachenbaumdiagramm“ erzeugt, ein grafisches Einfluss-Diagramm der Faktoren, die zu dem Ereignis führten. In unserem Fall werden auf diesem Diagramm drei Grundursachen und 16 beitragende Faktoren – eine Art „Nebenursachen“ – definiert und strukturiert. Auf der Seite 331 des Berichts wird das methodische Vorgehen bei einer Root-Cause-Analyse erläutert.
Die Zusammenfassung der Ursachen (in der Übersetzung des Autors):
„Insgesamt kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass der Stromausfall, der Spanien und Portugal am 28. April 2025 betroffen hat, das Ergebnis mehrerer miteinander wechselwirkender Faktoren war. Der Vorfall entwickelte sich durch eine Abfolge, die eine Kombination aus Spannungsschwankungen und oszillierenden Phänomenen beinhaltete, was zu weitreichenden Abschaltungen von Erzeugungsanlagen in Spanien führte, insbesondere von inverterbasierten Ressourcen, gefolgt von einer Kaskade von Überspannungsabschaltungen und schließlich zum Verlust der Synchronität des iberischen Systems mit dem Synchronbereich Kontinentaleuropa.
Die technischen Analysen zeigen, dass der schnelle Spannungsanstieg durch eine Kombination von im Root-Cause-Baum identifizierten miteinander wirkenden Faktoren verursacht wurde, die sich über sehr kurze Zeiträume abspielten und nur begrenzte Zeit für ein effektives operatives Eingreifen ließen. Dazu gehören Einschränkungen in der Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Spannungsregelungsressourcen, das Blindleistungsverhalten der angeschlossenen Anlagen, die Schutzeinstellungen der angeschlossenen Erzeuger und das Verhalten kleiner eingebetteter Erzeugungsanlagen, verschärft durch begrenzte Beobachtungsmöglichkeiten.“
Wir ersparen an dieser Stelle weitere Schilderung von Haferburgs Ausführungen, zumal er feststellt, „dass es ihm nicht gelungen sei, eine für Laien griffige Zusammenfassung zu erzeugen.“ „Umfang und Fachjargon stellen sicher, dass kein Politiker, Top-Manager oder Nicht-Fach-Journalist sich durch diesen Wust von Fachchinesisch durchwühlen wird.“
„Der normale Bürger bleibt etwas ratlos zurück. Zumindest dies hat man mit 472 Seiten erreicht. Eine verständliche Zusammenfassung war wohl nicht gewollt.“