Norwegen hatte nie kommerziell betriebene Kernkraftwerke. Interessanterweise konzentrierte sich das Land auf nukleare Forschung (Halden), Silllegung alter Reaktoren und seit ein paar Jahren auf die Prüfung zukünftiger Small Modular Reactors (SMR)-Technologien. Es betrieb allerdings zwei Forschungsreaktoren zur Herstellung medizinischer Radioisotope und zu Forschungszwecken. Eine zentrale Zwischen- und Endlagerstätte für schwach- und mittelradioaktive Abfälle wird in Himdalen betrieben. Norwegen betreibt ein weitreichendes Überwachungssystem für radioaktive Strahlung, besonders im Hinblick auf russische Aktivitäten in der Arktis.
Bislang sah Norwegen keinen Bedarf für die nukleare Stromerzeugung. Es war gewissermaßen mit Wasserkraft gesegnet, die etwa 88 % der Stromerzeugungskapazität Norwegens ausmacht. Den Rest mit 11 % liefern Windparks.
Aufgrund der gestiegenen Akzeptanz in der Bevölkerung prüft die Regierung den Einstieg in die Kernenergie. Im Fokus stehen SMR, insbesondere ein geplantes Projekt von Norsk Kjernekraft in Aure und Heim.
Die Tochtergesellschaft des norwegischen Kernkraft-Projekts Norsk Kjernekraft, Fensfjorden Kjernekraft, wird eine Wirkungsprüfung für eine kleine modulare Reaktoranlage (SMR) in der Nähe der Mongstad-Ölraffinerie an der Südwestküste des nordischen Landes beginnen.
Das in Bergen ansässige Unternehmen Norsk Kjernekraft erklärte, die Entscheidung beruhe darauf, dass Regierungsministerien bereits ein Studienprogramm für ein ähnliches Projekt eingerichtet haben, das von der Tochtergesellschaft Trondheimsleia Kjernekraft in den Gemeinden Aure und Heim im Westen Norwegens durchgeführt wird.
Dieses Projekt soll bis zu 1.500 MW Kernenergie aus SMRs erschließen.
Der geplante Standort für das Kernkraftwerk Trondheimsleia Kjernekraft ist ein gemeinsames Industriegebiet in der Grenzregion zwischen den beiden Gemeinden, etwa 150 km westlich der Stadt Trondheim.
Bereits im vergangenen Jahr gab Norsk Kjernekraft bekannt, dass es eine Absichtserklärung mit dem französischen Unternehmen Hexana unterzeichnet hat, das sein RNR Natrium entwickelt, ein SMR mit Generation IV natriumgekühlter Schnellneutronenreaktortechnologie. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsame Möglichkeiten für den Einsatz fortschrittlicher Kernenergietechnologie in Norwegen erkunden.
Der Mongstad-Plan sieht die mögliche Errichtung eines Kernkraftwerks mit mehreren SMRs in der Nähe der Mongstad-Ölraffinerie in der Fensfjord-Region vor. Die Raffinerie verfügt über Einrichtungen für das in Norwegen ansässige Equinor und andere Ölkonzerne, darunter Shell. Die Ankündigung von Mongstad erfolgte im Anschluss an einen von der Regierung in Auftrag gegebenen Bericht, der vorerst gegen die Entwicklung der Kernenergie im Land rät.