Es gibt sehr deutliche meteorologische Hinweise darauf, dass sich El Niño („das Christkind“) bis Ende 2026 erheblich verstärken könnte. Wo und wie entsteht dieses mächtige Klimaphänomen und wie beeinflusst es unser weltweites Wettergeschehen? Aufgrund der aktuellen Entwicklung greifen wir dieses Phänomen erneut auf.
El Niño-Entstehung
Das Phänomen bewirkt eine unregelmäßige Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik. Normalerweise wehen im tropischen Pazifik beständige Ost-West-Winde (die Passatwinde). Diese schieben warme Wassermassen vor sich her in Richtung Südostasien und Australien. An der Küste Südamerikas steigt dadurch kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf.
Bei einem El-Niño-Ereignis (das alle 2 bis 7 Jahre auftritt) schwächen sich diese Passatwinde stark ab oder kehren sich sogar um. Das warme Wasser „schwappt“ von Asien zurück nach Osten. Vor der Küste Südamerikas staut sich eine riesige Menge warmen Wassers und blockiert dadurch das Aufsteigen des kalten Wassers.
Meist im Frühjahr zwischen März und Juni entsteht ein El Niño- Zyklus und verstärkt sich im Sommer. Seine stärkste Phase erreicht er dann meist im Spätherbst oder im Winter.
El Niño-Auswirkung
Durch die Verlagerung des warmen Wassers im Pazifik verschieben sich die globalen Wind- und Regenzonen. In Südamerika treten starke Regenfälle mit der Gefahr von Überschwemmungen auf. In Australien und Südostasien genau das Gegenteil: Dürren und Wassermangel.
In Europa ist der direkte Einfluss vergleichsweise schwach. Unser Wetter wird primär vom Atlantischen Ozean und der Nordatlantischen Oszillation (NAO) gesteuert. Dennoch zeigen statistische Daten, dass starke El-Niño-Phasen über komplexe Luftdruckmuster auch in Europa bestimmte Strömungstendenzen begünstigen können.
El Niño ist keine Folge des Klimawandels, verstärkt jedoch dessen Auswirkungen wie Hitze und Extremwetter.
El Niño-Voraussage für 2026
Es gibt deutliche meteorologische Hinweise darauf, dass sich El Niño bis Ende 2026 noch erheblich verstärken könnte:
- NOAA/CPC*) geht mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 % von einem sehr starken El Niño im Herbst/Winter 2026/27 aus. Im Juli lagen die Niño-3.4-Anomalien bereits bei +1,4 °C, während im östlichen äquatorialen Pazifik Anomalien von über +2 °C gemessen wurden. Auch unterhalb der Meeresoberfläche herrscht ein außergewöhnlich großer Wärmeüberschuss.
- Noch auffälliger sind die aktuellen Beobachtungen des IRI*): Der Niño-3.4-Wert lag im Juli bei +2,03 °C, in der Woche um den 12. August sogar bei +2,7 °C. Der Southern Oscillation Index war gleichzeitig stark negativ – Ozean und Atmosphäre zeigen also beide ein konsistentes El-Niño-Signal.
- Die IRI-Modellgemeinschaft sieht für Oktober–Dezember 2026 ein außergewöhnlich starkes Signal: 25 von 26 Modellen prognostizieren einen Niño-3.4-Wert von mindestens +2 °C; 15 Modelle kommen sogar auf ≥ +3 °C.
- Auch die WMO*) erwartet eine weitere Verstärkung. Ihr Multimodell-Ensemble prognostizierte für August–Oktober bereits etwa +2,9 °C und eine Intensivierung bis zu einem Maximum im November 2026.
Die Modelle sind sich zwar einig, dass es eine El Niño-Verstärkung geben wird, unterscheiden sich aber im Verstärkungsgrad. WMO sieht derzeit nicht nur einen starken El Niño, sondern einen möglichen außergewöhnlich starken El Niño mit Höhepunkt etwa im Oktober/November 2026 voraus.
*) NOAA/CPC, IRI und WMO sind drei der weltweit einflussreichsten Organisationen und Forschungszentren für Wetter-, Klima- und Saisonalprognosen. Sie arbeiten eng zusammen, um globale Klimaphänomene wie El Niño zu überwachen und Frühwarnsysteme bereitzustellen:
- NOAA/CPC: National Ocean and Atmospheric Administration/ Climate Prediction Center
- IRI: International Research Institute for Climate and Society
- WMO: World Meteorological Organization