Deutschland strebt zum Schutz des Klimas weiterhin bis 2045 die Klimaneutralität an. Die Energieträger Kohle und Gas sollen zur CO2 Vermeidung bis zu diesem Zieldatum weitestgehend durch Elektrizität ersetzt werden.
CO2 ist in der Atmosphäre global verteilt. Wenn eine Tonne CO2 in Deutschland vermieden wird, in China, Indien oder Indonesien aber weiterhin beträchtlich CO2 emittiert wird, ist der unterstellte Klimaeffekt nahezu null. Asien ist der entscheidende Schauplatz: Die IEA erwartet, dass China, Indien und andere Schwellenländer den größten Teil des zusätzlichen Strombedarfs tragen. Gleichzeitig werden dort sowohl erneuerbare Energien als auch fossile Kraftwerke ausgebaut.
2025 ging beispielsweise der Kohleverbrauch der EU um etwa 5 % zurück, während in China fast 80 GW neue Kohlekraftwerkskapazität in Betrieb genommen wurde. China hat ein Stromsystem für den nächsten Sprung aufgebaut. Die VR China basiert ihre Stromversorgung auf Kohle – einem Brennstoff, der Reichtum, Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit und Zuverlässigkeit gezeigt hat. Bis 2030 wird China über mehr als 1.500 GW kohlebasierten Strom haben. Die Vorstellung, dass intermittierender Wind- und Solarstrom die Kohlekraft in der Erzeugung oder Produktion in China ersetzen werden, ist in der Tat Wunschdenken. Über 500 GW Kohlekapazität befinden sich bereits in der Entwicklung [1].
China importiert etwa 550 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Diese Importe zusammen mit dem eigenen beträchtlichen Vorrat liefern die Energie, um China zum weltweit führenden Hersteller und Exporteur zu machen. China produziert über eine Milliarde Tonnen Stahl – 54 % der weltweiten Produktion, davon über 90 % mit Kohle. China liefert 52 % des Zements, wovon 97 % Kohleenergie nutzt. China produziert 80 % der weltweiten Solarmodule und Kohle liefert mindestens 75 % des Stroms für deren Herstellung. Bis 2030 wird Chinas Kohle-Gas-Kapazität von 9,4 Milliarden Kubikmetern auf 28 Milliarden wachsen [1].
Die politischen Entscheidungsträger der Welt müssen sich ihrer Abhängigkeit von Chinas Kohlenutzung und den weltweit verbreiteten Vorteilen bewusst sein.
Indien verfolgt beim Erdgasverbrauch einen klaren Expansionskurs. Am Primärenergieverbrauch soll der Gasanteil nach offiziellen Angaben auf 15 % bis 2030 erhöht werden. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 6 – 7 %. In einem moderaten Szenario werden für 2030 rund 297 Mio. m3/Tag erwartet, in einem ambitionierten Szenario 365 Mio. m3/Tag. Für 2040 liegen die entsprechenden Werte bei 495 bzw. 630 Mio. m3/Tag. Bei Verbrennung von 1 Mio. m3 Erdgas entstehen im Mittel 2.000 Tonnen CO2.
Bei diesen Fakten wird das „Klimaschützen“ sinnlos. Selbst wenn die Europäer sich selbst freiwillig ins wirtschaftliche Mittelalter zurückwerfen, die globalen Emissionen steigen trotzdem weiter an. Indien, aber auch China, Rest-Asien, Afrika und Südamerika, werden NICHT mitmachen, was die „klimaschutzwütigen Europäer“ wollen und einfach weiter ihren eigenen wirtschaftlichen Weg gehen.
Deren Weg bedeutet also, Ausbau der Kohle- und Gaskraftwerke und Beibehaltung aller Kraftfahrzeugtypen ohne sich in den nächsten Jahrzehnten irgendwelchen „Klimaschutzzwängen“ zu unterwerfen.
Der Effekt ist pervers: Europa reduziert seine territorialen Emissionen, während die weltweiten Emissionen unentwegt steigen.
Dieses Problem wird Carbon Leakage genannt. Die EU erkennt es ausdrücklich an und beziffert die internationale CO2-Lücke als relevantes Risiko. Außerhalb der EU lag der durchschnittliche explizite CO2-Preis für die Industrie laut OECD zuletzt bei rund 2,8 €/t, während der Europäische Emissionshandel -Preis (EU-ETS 1) für Industrie und Energiewirtschaft bei etwa 70 -75 €/t CO2 liegt. In Deutschland liegt der feste nationale CO2-Preis für Bereiche wie Heizen und Verkehr im Jahr 2026 bei max. 65 € /t CO2.
Der „Carbon Border Adjustment Mechanism“ (CBAM) soll zwar verhindern, dass CO2– intensive Produktionen einfach ins Ausland verlagert wird, aber nicht nur der CO2-Preis allein ist entscheidend, Europa hat gleichzeitig mit:
- hohen Stromkosten,
- hohen Netzentgelten,
- hohen Steuern und Abgaben,
- teilweise hohen Gaspreisen,
- umfangreicher Regulierung,
- langen Genehmigungsverfahren
zu kämpfen. Das führt inzwischen dazu, dass energieintensive Produktion nicht nur wegen der Klimapolitik, sondern auch wegen eines ganzen Bündels von Standortnachteilen aus Europa verschwindet.
Laut dem DIHK-Energiewende-Barometer 2024 planten oder realisierten 37 % der Industrieunternehmen Produktionseinschränkungen in Deutschland oder Verlagerungen ins Ausland. Bei großen Industrieunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten waren es sogar 51 %. 2022 waren es noch 21 % bzw. 37 %.
Die jüngste DIHK-Erhebung für 2026 [2] kommt weiterhin auf etwa 40 % der Industrieunternehmen, die Investitionen oder Produktionskapazitäten ins Ausland verlagern, dies umsetzen oder entsprechende Maßnahmenplanen. Bei großen Industrieunternehmen liegt der Anteil bei rund 60 %.
Fazit
Nochmals: Die politischen Entscheidungsträger der EU und in Deutschland müssen sich die gewaltigen energiepolitischen Entwicklungen in Ostasien bewusst machen, bevor sie den Klimaschutz absolut priorisieren und die deutsche Wirtschaft, der sie Deutschlands Leistung verdanken, in den Ruin treiben.
[1] https://www.cfact.org/2026/09/08/energy-future-made-in-china-by-coal/
[2] DIHK, Energiewende-Barometer 2026: Energiekosten als Standort-Risiko, 27. O7.2026