Die Ukraine sitzt auf riesigen Gasreserven

So titelte die Neue Zürcher Zeitung (nzz) einen Bericht vom 20.10.2020 [1]. In der aktuellen europäischen Energiekrise könnte dieser Sachverhalt starke Bedeutung erlangen. Kurios nur, dass in der Aufstellung der weltweiten Länder mit den größten konventionellen Erdgasressourcen im Jahr 2020 von statista die Ukraine unerwähnt ist. Wurde sie vergessen? „Dass das riesige Land auch über beträchtliche Gasreserven verfügt, ist kaum bekannt,“ aber einen Grund dafür nennt auch die Zeitung nicht.

Betrachtet man die gewaltigen Erdgasreserven im asiatischen Teil Russlands als außereuropäische Lagerstätte, dann verfüge die Ukraine heute über die zweitgrößten bekannten europäischen Erdgasvorkommen. „Ende 2019 enthielten die bis dahin erkundeten ukrainischen Lagerstätten 1,09 Billionen Kubikmeter Erdgas. Dies ist ein Betrag, der innerhalb Europas nur den bekannten norwegischen Ressourcen von 1,53 Billionen Kubikmetern nachsteht,“ wie die nzz berichtete.

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Keine Stromversorgungssicherheit ohne grundlastfähige Stromerzeugung

Die Mehrfachauslegung sicherheitstechnischer Einrichtungen ist ein ehernes Prinzip in der Sicherheitsphilosophie. Wenn immer möglich sollte die Mehrfachauslegung auf verschiedene Techniken beruhen (Diversität), damit ein und der gleiche Fehler/Ausfall nicht gleichzeitig in mehreren Teilen einer Gesamtanlage auftreten kann.

Ein typischer Anwendungsfall ist die Stromversorgung von Sicherheitseinrichtungen. Fällt der Strom des öffentlichen Netzes aus, muss die Notstromversorgung mit Dieselgeneratoren einspringen. Bei deren Ausfall übernehmen Akkus (vorübergehend) die Stromversorgung.

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Italien: Nuklearforschungsförderung trotz KKW-Verbot

Das Besondere an der folgenden Mitteilung [1] ist, dass obwohl es in Italien ein Verbot für den Betrieb von Kernkraftwerken besteht, die staatliche nukleare Forschung davon unbeeinflusst weiter betrieben wird:

Das italienische Forschungszentrum Enea und das in Großbritannien ansässige Start-up Newcleo haben Mitte März 2022 eine Kooperationsvereinbarung über die Entwicklung eines kleinen, bleigekühlten Schnellen Reaktors der Generation IV abgeschlossen [1].

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Verzicht auf Kernenergie und Kohle wäre ein schwerwiegender Fehler

Zugegeben, auf den ersten Blick ist die folgende Grafik für jene verwirrend, die nicht mit der Stromerzeugung und der Zusammensetzung des Stromes vertraut sind. Gleichwohl gibt sie –bei Geduld und gutem Willen – einen informativen Einblick in die momentane Situation und die Voraussetzung für eine rund um die Uhr sichere Stromversorgung.

Die Grafik stellt unter Einbezug aller regenerativen Stromeinspeisungen, über die Deutschland verfügt, die Energieanteile an der Stromerzeugung dar, die der energiewirtschaftlich relevanten Stromabrechnung im Stunden- Raster im Januar 2022 zugrunde liegt (Grafiken anderer Monate unterscheiden sich nicht grundlegend):

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Brief an den Bundeskanzler zum Weiterbetrieb deutscher Kernkraftwerke

Bundeskanzleramt
Bundeskanzler
Olaf Scholz

Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

Berlin, 21. März 2022

 

Offener Brief an den Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland,
Herrn Olaf Scholz, zum Weiterbetrieb deutscher Kernkraftwerke

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

mit diesem Schreiben möchten wir, der Branchenverband Kerntechnik Deutschland e.V. (KernD), an Sie eindringlich appellieren, im Angesicht der potentiell gefährlichen Lage bei der Energieversorgung unseres Landes die aktuelle Position der Regierung betreffend Kernenergienutzung zu überdenken und alle Schritte sofort einzuleiten, um sich für eine Notsituation vorzubereiten.

Um in einer weiter eskalierenden Situation als Folge des Krieges um die Ukraine, die zu Lücken in der Stromversorgung durchaus noch dieses Jahr, ungünstigstenfalls im kommenden Winter 2022/2023, führen kann, gewappnet zu sein, müssen alle verfügbaren Energiequellen genutzt werden. Bei der Stromversorgung sind dies auch zweifelsohne deutsche Kernkraftwerke, die mit ihrer Verfügbarkeit rund um die Uhr, zudem dabei auch klimaschonend, nicht nur das Stromnetz im Notfall stabilisieren, sondern auch mit ihrer Erzeugung einen nicht unerheblichen Teil des Grundlastbedarfs decken können. Kernkraftwerke können mittels eines sogenannten Streckbetriebs sowie ggf. brennstoffsparender Fahrweise in diesem Sommer dann mindestens bis nächstes Frühjahr problemlos weiterbetrieben werden. Falls gewünscht, können sie durch Nachladung mit neuen Brennelementen auch durchaus noch weitere Jahre zur Sicherheit der deutschen sowie europäischen Stromversorgung beitragen und dabei gleichzeitig die Abhängigkeit von Einfuhren fossiler Energieträger reduzieren. Diese Maßnahme könnte sofort beschlossen und kurzfristig umgesetzt werden. Anders als beispielsweise die derzeit angedachten neuen Flüssiggasterminals oder auch Zubauten an Erneuerbaren Energien mit damit verbundenem Netzausbau.

Wir hatten als Industrie unser Hilfsangebot des Weiterbetriebs deutscher Kernkraftwerke bereits am 4. März publik gemacht. In einem Prüfvermerk mit dem Titel „Prüfung des Weiterbetriebs von Atomkraftwerken aufgrund des Ukraine-Kriegs“ hat die Bundesregierung kurz darauf der Öffentlichkeit einen Katalog von Hinderungsgründen vorgelegt, der nach unserer Ansicht vielfach fachlich nichtzutreffend ist und vor allem der derzeit kritischen Lage nicht gerecht wird. Wir haben daraufhin den Prüfvermerk eingehend kommentiert und dies veröffentlicht.

Auch wenn wir alle hoffen, dass der Ukraine-Konflikt möglichst bald beigelegt werden kann, ist das aktuell nicht mehr als ein Wunsch. Und auch das Streben nach einer Reduzierung des Gasverbrauchs und der Gasimporte im Sinne des Klimaschutzes ist nicht kurzfristig zu realisieren. Solche Maßnahmen müssen unbedingt von einer sicheren und verlässlichen Energieversorgung flankiert sein.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, bitte sorgen Sie jetzt für die Grundsatzentscheidung für einen Weiterbetrieb von Kernkraftwerken zur Energiesicherung, damit die erforderlichen Maßnahmen rechtzeitig ergriffen werden können.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. Thomas Behringer

Geschäftsführer KernD e.V.

Deutschlands Energie-Fiasko

„Sowohl kurz- als auch langfristig wird Deutschland nicht in der Lage sein, die russischen Gasimporte zu beenden, ohne wirtschaftliches Chaos, öffentliche Empörung und Widerstand vieler Unternehmen auszulösen. Dafür muss die jahrelange fehlgeleitete Energiestrategie einen Großteil der Schuld tragen,“ schrieb Hans-Werner Sinn in project-syndicat [1].

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Zuständigkeit für Kernkraft muss wieder ins Wirtschaftsministerium

Unter diesem Titel veröffentlichte der Deutsche Arbeitgeber Verband am 21.3.2022 anlässlich der Ablehnung des Weiterbetriebes der noch am Netz befindlichen Kernkraftwerke einen vom energiepolitischen Sprecher Dr. Björn Peters verfassten Hintergrundbericht über einen ministeriellen Vorgang, der in Teilen skandalös ist und dringend Konsequenzen fordert.

In der aktuellen Krisensituation hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eine „ideologiefreie Prüfung“ einer Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke angekündigt.

Was ist daraus geworden? In leicht gekürzter Form geben wir den Wortlaut  von Dr. Peters Analyse*) nachfolgend wieder:

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Kanzler Olaf Scholz: Falsche Begründung für seine weitere Ablehnung der Kernenergie

Die Zeitschrift DIE WELT berichtete am 17. März über ihren WELT-Wirtschaftsgipfel, der zwei Tage zuvor stattfand 1). Dort hätte Bundeskanzler Olaf Scholz im Zusammenhang mit den neuen Herausforderungen, die sich aus dem Angriff Russlands auf die Ukraine ergeben würden, sehr deutlich Stellung genommen. Es war insbesondere darum gegangen, wie Deutschland auf die neue Situation reagieren sollte, indem sie ihre bisherige Energiepolitik, die zu einer extremen Abhängigkeit von Russland bei der Versorgung Deutschlands insbesondere mit Erdgas geführt hat, weitestgehend verändern müsste. Auch die Rohöl-Lieferungen aus Russland gehören zu diesem Problemkreis.

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Woher soll das dringend notwendige Erdgas kommen?

„Erdgaskraftwerke können eine wichtige Rolle beim Ausgleich von Stromschwankungen aus erneuerbaren Energiequellen spielen, die je nach Wetterlage und Jahreszeit erheblichen Produktionsschwankungen unterliegen“ [1]. Diese triviale Erkenntnis hat inzwischen auch Eingang in dem Ampel-Koalitionsvertrag gefunden. Jedenfalls halbwegs, vollkommen wird sie erst, wenn „können“ durch „müssen“ ersetzt wird. Mit dem Ausstieg aus der CO2-freien Kernenergie und in wenigen Jahre auch der Kohle steht nämlich auf absehbare Zeit keine grundlastfähige und einsatzfähige Alternative zum Erdgas zur Verfügung.

Ohne Not hat sich Deutschland aus einer sehr komfortablen Stromversorgung mit 17 Kernkraftwerken und enormen Braunkohle-Lagerstätten in eine Sackgasse manövriert, mit dem Ziel ein energetisch reines Wind- und Sonnenparadies zu schaffen. Gas höchstens als „Übergangstechnologie“.

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Kernkraftwerke würden mit ihrer grundlastfähigen Stromerzeugung weiterhin einen entscheidenden Beitrag zur Energiesicherheit leisten

Kernenergieverband widerspricht Bundesregierung

Im Zuge der aktuell geführten Diskussion über einen möglichen Weiterbetrieb einzelner Kernkraftwerke zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in Deutschland erklärt Kerntechnik Deutschland (KernD), der Verband von Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen der Kerntechnik in Deutschland [1]:

Der Weiterbetrieb von deutschen Kernkraftwerken über den aktuell verbindlichen Abschalttermin 31.12.2022 hinaus kann einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit Deutschlands leisten, sowohl im kommenden Winter als auch in der Zeit danach. Die kerntechnische Wirtschaft – Betreiber, Industrie, Dienstleister – ist bereit, den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken in Deutschland zu unterstützen und die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

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