Die Energiewende: Vorwärts in die Vergangenheit

Energie ist die Grundlage für die Art und Weise wie wir leben. Im Mittelalter baute man Mühlen in küstennahen Regionen und an großen Flüssen, um Wind – und Wasserkraft zu nutzen. Die Energieform, Energiemenge und Verlässlichkeit der Energieversorgung bestimmten die Standorte der ersten Produktionsstätten. Die Erweiterung des Energieangebots auf fossile Energieträger und Kernenergie führte zu enormen Wirtschaftswachstum und Wohlstand.

Die Welt hungert nach immer mehr zuverlässig verfügbarer und billiger Energie. „Ohne Energie geht nichts, gar nichts und überhaupt nichts“ (Folker Hellmeyer).

Deutschland hat sich für einen anderen Weg entschieden: Deutschland verringert Jahr für Jahr das Energieangebot und die zur Verfügung stehende Energiemenge. Wie will man mit dieser Strategie die Zukunft erfolgreich gestalten? Deutschland setzt offensichtlich auf eine Tugend, für die es in der ganzen Welt berühmt ist: Effizienz. Effizienz steckt den Deutschen quasi in den Genen. Das 2023 verabschiedete Energieeffizienzgesetz verankert es sogar juristisch.[1]

Heute lehrt uns die ‚normative Kraft des Faktischen‘ (Folker Hellmeyer), dass dieser Weg ein Irrweg ist. Muss Deutschland nicht eher zurück in die Zukunft, als vorwärts in die Vergangenheit?

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Folgen und Defizite der großen Transformation

Deutschlands Ausstiege symbolisierend, keine Teilhabe mehr am Wachstum, Quelle: iStock [6]

Erinnern wir uns: Die Ex-Kanzlerin Angela Merkel konzentrierte sich in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum am 23. Januar 2020 in Davos auf das Thema Klimawandel. Hierzu führte sie unter anderem aus [1]:

„Klimaneutralität – die allermeisten Länder der Europäischen Union haben sich dazu verpflichtet. Die Kommissionspräsidentin […] hat Ihnen den „Green Deal“ vorgestellt. Europa will der erste Kontinent sein, der CO2-frei, also emissionsfrei, lebt. Das sind natürlich Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß. Diese Transformation bedeutet im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen – die ersten Schritte sind wir schon gegangen – und zu völlig neuen Wertschöpfungsformen zu kommen, die natürlich auch wieder eine industrielle Produktion enthalten und die vor allem durch die Digitalisierung verändert worden sind. Wir haben ja eine zweite Riesentransformation zu bewältigen. Und wir hoffen, dass sich die Transformation zur CO2-Emissionsfreiheit mit der Digitalisierung verstärken wird und die Digitalisierung das erleichtern kann.“

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Der goldene Weg der nachhaltigen Entwicklung

Die Energiedebatten der letzten zwanzig Jahre werden in unserem Land viel zu sehr durch die deutsche Brille geführt. Parteipolitische Sichtweisen spielen dabei eine dominante Rolle. Abgestimmtes Vorgehen in der Europäischen Union: Fehlanzeige. Gemeinsame Errungenschaften wie der EURATOM-Vertrag würden allzu gern aufgeweicht, lieber noch gecancelt. Seine funktionale Wertschätzung: erneut Fehlanzeige. Dabei werden die weltweiten Entwicklungen und Fortschritte zumindest auf dem Kernenergiegebiet übersehen oder ganz bewusst ausgeblendet. Egal, welche Verbesserungen sich inzwischen ergeben haben. International wird der energiepolitische Weg Deutschlands, gelinde gesagt, belächelt. Es werden Ziele ausgegeben, die auf Dauer nicht erfüllbar sein werden. Die Rede von der ökonomischen Selbstverstümmelung macht die Runde (hier). Umso wesentlicher ist es, auf die Erkenntnisse und Empfehlungen internationaler Ratgeber zu hören. Einer von ihnen ist:

Scott Foster, Direktor der Abteilung Nachhaltige Energie der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE). Er beschreibt, inwiefern die Energie der „goldene Weg“ ist, der die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung verbindet und dass die Kernenergie eine Rolle im Energiemix der Zukunft zu spielen hat. Im Folgenden wesentliche Auszüge eines (ins Deutsche übersetzten) Vortrags [1], den Foster im Rahmen des Webinars der OECD-Atomenergieagentur hielt, um über seinen kürzlich veröffentlichten Policy Brief, Kernenergie und die kostengünstige Dekarbonisierung von Stromsystemen zu diskutieren [2].

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