Folgen und Defizite der großen Transformation

Deutschlands Ausstiege symbolisierend, keine Teilhabe mehr am Wachstum

Erinnern wir uns: Die Ex-Kanzlerin Angela Merkel konzentrierte sich in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum am 23. Januar 2020 in Davos auf das Thema Klimawandel. Hierzu führte sie unter anderem aus [1]:

„Klimaneutralität – die allermeisten Länder der Europäischen Union haben sich dazu verpflichtet. Die Kommissionspräsidentin […] hat Ihnen den „Green Deal“ vorgestellt. Europa will der erste Kontinent sein, der CO2-frei, also emissionsfrei, lebt. Das sind natürlich Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß. Diese Transformation bedeutet im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen – die ersten Schritte sind wir schon gegangen – und zu völlig neuen Wertschöpfungsformen zu kommen, die natürlich auch wieder eine industrielle Produktion enthalten und die vor allem durch die Digitalisierung verändert worden sind. Wir haben ja eine zweite Riesentransformation zu bewältigen. Und wir hoffen, dass sich die Transformation zur CO2-Emissionsfreiheit mit der Digitalisierung verstärken wird und die Digitalisierung das erleichtern kann.“

Der Begriff der „Großen Transformation“ im Kontext des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit wurde maßgeblich durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) geprägt. Im Jahr 2011 veröffentlichte der WBGU sein Hauptgutachten mit dem Titel „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“. Darin forderte der Beirat einen tiefgreifenden Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft, um den Klimawandel zu begrenzen und Nachhaltigkeit zu erreichen.

Eine weitgehend klimaneutrale, sichere und bezahlbare Energie- und Wirtschaftsweise in Deutschland (und europaweit) ist gemäß der Pariser Klimakonferenz 2015 bis ca. 2045/2050 zu erreichen. Dazu gehören die Sektoren Energieversorgung, Verkehr, Industrie, Wärme und Landwirtschaft.

Nach nunmehr über 25 Jahren deutscher Energiewende und angestrebter Transformation stellt sich die Frage, was wurde erreicht und was haben sie zur Folge. Die Bilanz am Beispiel einiger Kernelemente der Transformation fällt negativ aus:

Kernelement 1: Dekarbonisierung

Die weltweite CO2-Emissionen steigen unvermindert weiter an. Deutschland verzeichnete eine Minderung von 48,2 % gegenüber 1990. Das Ziel einer 65%igen Minderung bis 2030 gegenüber 1990 ist durch die aktuellen Entwicklungen in Reichweite. Ursachen der Minderung sind zwar im Wesentlichen der Ausbau der erneuerbaren Energien, aber auch die gegenwärtige wirtschaftliche Krise mit erheblichen Schließungen von Unternehmen in Deutschland und Verlagerung ins Ausland, wo dann das CO2 emittiert wird, was in Deutschland vermieden wird.

Die Zahl der Schließungen ist so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Vor allem die Industrie leidet, gleichwohl müssen alle Wirtschaftsbereiche mit Druck aus dem Ausland und den bis dato schlechten Rahmenbedingungen umgehen. Insgesamt haben bundesweit 196.100 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit allein 2024 eingestellt. 11 % mehr als im Vorjahr. Mit den Betrieben verschwindet auch wertvolles Know-how aus Deutschland [2].

Deutschland ist das einzige Land in der EU, das mit rigorosem Eifer die Dekarbonisierung verfolgt. Dabei ändert die CO2-Verminderung in Deutschland rein gar nichts an dem gegenwärtigen globalen CO2-Anstieg. Deutschland schadet sich wirtschaftlich mit dem Dekarmonisierungsziel selbst.

Der derzeitige Netto-Null-Ansatz in der Klimapolitik basiert auf der Annahme, dass die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen in den nächsten 30 Jahren längerfristig zu vorhersehbaren und signifikanten Vorteilen in Bezug auf reduzierte Klimakatastrophen führen wird. Es gibt viele Unsicherheiten in dieser Annahme. Und es ist nicht im Entferntesten klar, dass die wahrscheinlichen Vorteile die atemberaubenden Summen öffentlicher und privater Ausgaben rechtfertigen, die für die Dekarbonisierung der Gesellschaft erforderlich wären.

Kernelement 2: Ausbau der Erneuerbaren

Aktuell wurden 52,7 % des täglich produzierten Strom nach Angaben des Fraunhofer ISE zu 14,9 % aus Windenergie und zu 25,2 % aus Solarenergie erzeugt. Dieser Strombeitrag macht etwa 20 % der Primärenergie aus, die aus fossilen Energieträgern gewonnen wird.

Wegen fehlender Energiespeicher in ausreichender Kapazität – dies bleibt ein Dauerproblem -, sind in ständiger Betriebsbereitschaft mitlaufende Fossilkraftwerke für den Ausgleich ausbleibenden Stroms aus den Erneuerbaren erforderlich. Diese Backup-Leistung liegt zwischen 50 und 60 GW. Die erforderliche Kraftwerksleistung lag vor der Energiewende bei rund 80 GW.

Eine weitere Folge der Erneuerbaren und erst recht ihr weiterer Ausbau ist der produzierte Strom-Überschuss („Hellbrise“). Dieser sowie auch ein Strommangel durch so genannte Dunkelflaute macht ständig Eingriffe (Engpassmanagements) ins Stromnetz zur Netzstabilisierung erforderlich. Die hierbei anfallenden Kosten sind

Volumen und Kosten der Engpassmanagements seit 2022 nach [3].

Teil des Strompreises. Die monatliche Kostenentwicklung dieser Maßnahmen zeigt obige Abbildung. Nach vorläufigen Daten von SMARG betrugen die Gesamtkosten in 2024 rund 1, 03 Mrd. Euro. Netzbetreiber Tennet [4] geht sogar von Kosten in Höhe von etwa 2,8 Mrd. Euro aus, was die Komplexität und unterschiedliche Definitionen der Kostenaufstellung unterstreicht.

Erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne tragen trotz ihres Ausbaues im Vergleich zu fossilen Brennstoffen immer noch nur einen kleinen Teil zur globalen Energieversorgung bei. Die steigende Nachfrage nach Elektrizität – insbesondere aus neuen Technologien und Rechenzentren – und die Schwankungen der erneuerbaren Energien haben zu höheren Systemkosten geführt, wobei die Kernenergie (erneut) auf dem Vormarsch ist, diesmal jedoch als praktikablere Option für eine stabile und kontinuierliche Energieversorgung.

Weitere Folgekosten der Erneuerbaren sind der Netzausbau und der Parallelbetrieb von Kohle- bzw. Gaskraftwerken.

Kernelement 3: Energieeffizienz

Die Bundesregierung strebt im Hinblick auf Energieeffizienz in allen Sektoren eine stärkere Reduktion des Energieverbrauchs und eine bessere Nutzung vorhandener Energie an. Ím Endenergieverbrauch: Reduktion gegenüber 2020 um ca. 30% bis 2030; weitere Reduktion bis 2040.

Der Primärenergieverbrauch in Deutschland wird 2025 mit großer Wahrscheinlichkeit stagnieren oder infolge der Wirtschaftskrise leicht fallen. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen [5] geht in ihrer jetzt vorgelegten Jahresschätzung von einem Rückgang des Verbrauchs um etwa 0,1 Prozent auf 10.553 Petajoule (PJ) gegenüber dem Vorjahr aus. Das entspricht einem Wert von 2.931 Terawattstunden (TWh) und liegt um 26,6 Prozent unter dem Ausgangswert des Jahres 2008 für die bis 2030 zu erreichenden Energieeffizienzziele.

Ausreichende, sichere und preisgünstige (wettbewerbsfähige) Energie ist und bleibt für einen Industriestaat unerlässlich. Bei steigenden Energiepreisen werden – wie schon immer – zunächst unternehmensinterne Effizienzmaßnahmen ergriffen.Bleibt trotzdem die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, wären die Unternehmensschließung oder Verlagerung in andere Staaten mit günstigeren Bedingungen die Folge (siehe oben).

Das Gebäudeenergiegesetz (EEG) und die energetische Gebäudesanierung als Teil der angestrebten Energieeffizienz mit Vorgaben für Kälte-, Wärme- und Dämmstandards sowie dem Zwang zur Heizungsmodernisierung verursachen den privaten Haushalten nicht nur gewaltige Kosten, sie greifen auch tief in die persönliche Entscheidungsfreiheit ein.

Kernelement 4: Netzinfrastruktur

Der hohe Anteil an erneuerbarer Energie, zudem mit starker räumlicher Verteilung der Stromerzeugung, macht einen massiven Netzausbau auf allen Spannungsebenen erforderlich. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWK) wies darauf hin, dass in den kommenden Jahren über 13.000 bis 14.000 Kilometer allein im Übertragungsnetz optimiert oder komplett neu gebaut werden müssen. Der Netzausbau hinkt wegen fehlender Abstimmung mit dem Zubau von Windenergie- und Solaranlagen beträchtlich hinterher. Die Folge sind Stromüberschuss, daher Abregelungen der Stromerzeugung und sonstiger Lastmanagementmaßnahmen (s.o.).

Zur Steigerung der Akzeptanz sind bei den Projekten SuedLink und A-Nord rund 7.300 Kilometer Erdverkabelung vorgesehen. Sie sind deutlich teurer als Freilungen und zeitaufwändiger.

Die enormen Kosten des Netzausbaus werden zumeist bei dem angeblich billigen Wind- und Solarstrom („Sonne schickt keine Rechnung“) unterschlagen.

Kernelement 5: Stromspeicher

Stromspeicher sind Pumpspeicherkraftwerke, Druckluftspeicher, Batterien und Power-to-Gas-Technologien. Keine dieser Technologien steht in ausreichender Kapazität zur Verfügung und wird nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch nicht bereitgestellt werden können. Weder ist der Ausbau der Pumpspeicherkraftwerke in hinreichendem Maß möglich (geologische Voraussetzungen, Landschaftsschutz, öffentliche Ablehnung), noch liegen die Kosten für diese Technologien in vertretbarem Rahmen. Lösungen sind nicht in Sicht.

Aufgaben der Stromspeicher wäre es, die kurzzeitigen Schwankungen der fluktuierenden Stromquellen Wind und Sonne zu glätten, den überschüssigen Strom aufzunehmen und insbesondere die Stromversorgung zu sichern, wenn kein Wind- und Solarstrom zur Verfügung steht. Für Letzteres müsste eine Speicherkapazität für mindestens 12 Tage zur vorhanden sein. Die zurzeit vorhandene Speicherkapazität aller 35 Pumpspeicher-Kraftwerke in Deutschland beträgt 40 GWh. Dies reicht – rein rechnerisch – aus, um Deutschland 40 Minuten mit Strom zu versorgen. Gebraucht aber werden für eine zwölftägige Überbrückung beim aktuellen Strombedarf rund 16.000 GWh.

Die im Übrigen extrem teuren Großbatteriespeicher sind für den Ausgleich von kurzzeitigen Stromschwankungen geeignet, bei großflächigem Stromausfall ist ihre Kapazität zu gering. In 2025 betrug die Kapazität von Großbatteriespeicher in Deutschland über 11 GWh bei einer Leistung von etwa 2,4 GW.

Fehlende, kapazitätsgerechte Energiespeicher sind ein absolutes Defizit der Energiewende mit nahezu alleiniger Stromerzeugung durch Windenergie und Sonne.

Kernelement 6: Wasserstoffstrategie

Die nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ist der zentrale Rahmen, um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen, indem – vorrangig „grüner“ – Wasserstoff als Schlüsselelement in Industrie und Verkehr etabliert wir. Sie setzt auf den Ausbau von Elektrolysekapazitäten von 10 GW bis 2030 und auf etwa zwei Drittel importierten grünen Wasserstoff.

Laut Bundesrechnungshof (Stand Ende 2025) stockt der Markthochlauf und die Erzeugungsziele seien schwer zu erreichen, was zu Risiken bei der Versorgung führe. Die Effizienz von importierten grünem Wasserstoff ist miserabel und teuer. Der Energieverlust bis zum Einsatz in Deutschland liegt bei etwa 70 – 80 Prozent. Mehrere Firmen habe sich bereits aus dem geplanten Importgeschäft zurückgezogen.

Die Kosten des importierten grünen Wasserstoffs sind derart hoch, dass ihm keine marktkompatible Option eingeräumt werden kann, wie bereits in den Berichten hier, hier, hier, und hier beschrieben.

Kernelement 7: Industrie- und Innovationspolitik

Durch den Umbau der Wirtschaft, den Ausbau erneuerbarer Energien und zwecks Steigerung der Energieeffizienz werden vom Staat sogenannte Netto-Null-Technologien, darunter Wasserstofftechnologien (Elektrolyseure), Wärmepumpen, Solarpaneele, Batteriezellen und Windturbinen gefördert. Auch Carbon Capture and Storage (CCS) – die Abscheidung und Speicherung von CO2 – wird für industrielle Prozesse, wie in der Zementindustrie, ermöglicht. Förderinstrument ist der Klima- und Transformationsfonds (siehe unten).

Mit der Möglichkeit der CO2-Speicherung vollzog die Bundesregierung eine Wende um 180 Grad. Ursprünglich war sie verboten, wegen Sicherheits- und Umweltbedenken, wegen Widerstände in der Bevölkerung und wegen des Verdachts, fossile Energie könnte länger genutzt werden. Die Gründe waren offenbar wenig triftig.

Denn „zum Erreichen der Klimaziele und für den Industriestandort Deutschland ist es notwendig, in einigen Bereichen die Speicherung von COim Boden zu erlauben“, verkündigte das Bundeswirtschaftsministerium. Die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes trat am 28. November 2025 in Kraft. Die Anwendung des Gesetzes allerdings bleibt eingeschränkt auf Fälle, in denen die CO2-Emissionen unvermeidbar sind.

Aktuelle Studien gehen für Abscheidung, Transport und Speicherung von 150 – 300 EUR pro Tonne CO2 aus. Zum Vergleich: Der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel lag zuletzt bei ungefähr 70 – 80 Euro pro Tonne CO2.

Kernelement 8: Regulierung und Preise

Der Gesetzes- und Verordnungsbedarf durch die Energiewende in Deutschland war und ist nach KI-Angabe enorm. Eine finale Zahl lässt sich nicht festlegen, da es sich um einen kontinuierlichen Prozess aus hunderten von Rechtsakten handelt. Die Energiewende erfordert eine umfassende Neuregelung fast aller Bereiche der Energieversorgung (Strom, Wärme, Verkehr) und erzeugte statt eines Bürokratieabbaus ein Mehr an Bürokratie.

Hier sind die zentralen Fakten zum Umfang:

  • Zentrale Gesetzeskomplexe:Das Fundament bildet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das seit dem Jahr 2000 mehrfach grundlegend novelliert wurde (z.B. EEG 2014, 2017, 2021, 2023, 2024). Hinzu kommen das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), das Gebäudeenergiegesetz (GEG)(Heizungsgesetz) und das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG).
  • Hohes Tempo und Volumen:Allein ein einzelnes Maßnahmenpaket im Jahr 2022 zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien umfasste Änderungen an mehr als zehn Einzelgesetzen. Im Rahmen des „Osterpakets“ 2022 wurden weitreichende Anpassungen vorgenommen, um Erneuerbare Energien als „überragendes öffentliches Interesse“ zu definieren.
  • EU-Einfluss:Ein erheblicher Teil des Regelungsbedarfs stammt aus der Umsetzung von EU-Richtlinien, etwa zur Strombinnenmarktrichtlinie oder der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), die in nationales Recht überführt werden müssen.
  • Regelmäßige Anpassungen:Aufgrund der dynamischen Entwicklung (technischer Fortschritt, Erreichung von Zielen) ist eine ständige Anpassung notwendig, z. B. durch „atmende Deckel“ bei der Förderung oder neue Ausschreibungsregeln (z.B. EEG 2023, 2024).

Durch den Gesetzes- und Verordnungsbedarf durch Energiewende und Transformation griff die Bundesregierung umfangreich in die Entscheidungsfreiheit von Unternehmen und Bürgern ein: Elektroenergie statt Fossilenergie, Vorrang des Ökostroms vor KKW-Strom, Elektroauto statt Verbrenner, Wärmepumpe statt Öl/Gasheizung, Nutzung von Fernwärme, Reduktion des Energieverbrauchs, „intelligente“ Stromversorgung, u.dgl. Dies geschah und geschieht in einer Weise, die die freie Marktwirtschaft durch eine Planwirtschaft ersetzt. Beispiele für eine zum Wohle des Volkes funktionierende staatliche Planwirtschaft gibt es nicht.

Geradezu typisch ist die Entwicklung des Strompreises in Deutschland in den letzten 30 Jahren (1985 -2025). Sie ist von einem drastischen, langfristigen Anstieg geprägt. Noch Mitte der 1990er Jahre war der Strom vergleichsweise günstig, wozu auch die Aufhebung des Gebietsmonopols der Stromversorgungsunternehmen beitrug. Der Stromanbieter konnte frei gewählt werden. Mit Beginn der Energiewende führten vor allem staatliche Umlagen (EEG-Umlage), Netzentgelte und in jüngster Zeit der verstärkte Einsatz von Gaskraftwerken und Beschaffungskosten zu einer Vervielfachung des Preises für Haushaltskunden.

Mitte der 1990er Jahre lag der Strompreis für Haushalte noch unter 20 Ct/kWh (ca. 35 Pf/kWh), in 2010 bereits bei 23, 69 Ct/kWh, in 2020 im Schnitt bei 31,94 Ct/kWh und erreichte in 2023 Höchststände von teilweise über 45 Ct/kWh. Seit 2024 haben sich die Preise nach den Rekordhochs zwar wieder etwas beruhigt, verbleiben aber auf einem hohen Niveau. Die Strompreise in Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt die höchsten in der EU. Langfristig wird durch den Netzausbau eher mit weiter steigenden Preisen gerechnet, wobei für 2025/2026 von einer Stabilisierung um die 37- 40 Ct/kWh ausgegangen wird.

Seit dem 1. Juli 2022 (endgültig seit 2023) wird die EEG-Umlage nicht mehr direkt von den Stromkunden bezahlt, sondern aus dem Bundeshaushalt, primär über den Klima- und Transformationsfonds (KTF), finanziert. Der Staat trägt somit die Differenzkosten zwischen der garantierten Einspeisevergütung für Erneuerbare-Energien-Anlagen und den erzielten Erlösen an der Strombörse. Der Fonds wiederum wird vom nationalen und europäischen Emissionshandel und durch CO2-Besteuerung gespeist, Steuern die alle Nutzer von Strom und fossile Energien zahlen müssen. Der staatliche Finanzierungsbedarf ist hoch und schwankt nach Ki-Angaben je nach Börsenstrompreis. Für das Jahr 2024 lagen die Kosten für die EEG-Vergütungen bei rund 18,5 Milliarden Euro.

Die tatsächlichen finanziellen Kosten der Energiewende in Deutschland überwiegen aufgrund all der erforderlichen Nebensysteme bei weitem alle bisherigen Schätzungen. Wenn Wind und Sonne Energie sparen, eine kostengünstige Lösung darstellen und wirklich zu 100 % effizient wären, dann hätten wir natürlich kein Argument und Deutschland hätte nicht die höchsten Strompreise aller Industrienationen. Seine Wirtschaft würde mit kostengünstiger und zuverlässiger Energie florieren, aber nichts davon ist eingetreten:

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schätzt, dass zu den bereits investierten Billionen, die buchstäblich in eine grüne Umverteilungsmaschine gelenkt wurden, weitere 5,4 Billionen Euro hinzukämen, um bis zum Jahr 2045 eine emissionsfreie Ökonomie allein in Deutschland zu errichten. Die Wirtschaft dürfte dann in der Tat emissionsfrei operieren, weil es unter diesen Umständen keinerlei nennenswerte Industrieproduktion in Deutschland mehr geben kann. Ein großer Erfolg für die De-Growth-Religion.

 Fazit

Die Energiewende und die angestrebte Transformation der Wirtschaft haben nicht, wie von Politikern erhofft, die Grundlage für neuen Wohlstand und nachhaltiges Wirtschaftswachstum gelegt, sondern zu den höchsten Strompreisen in Europa geführt und die Versorgungssicherheit gefährdet. Folge: De-Industrialisierung, Nettoabfluss an Direktinvestitionen aus Deutschland, verarbeitendes Gewerbe in der Krise, zunehmende Regulierung und Bürokratie.

„Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß“, hatte die Ex-Kanzlerin in Davos angekündigt (siehe oben). Doch Transformationen funktionieren nur mit Planungssicherheiten, Kostenabschätzungen und realistischen Finanzierungsgrundlagen. Nichts davon lag vor. Vielmehr zerstörte die „Energiewende“ mit Kernenergieausstieg und Kohleausstieg die energetische Basis Deutschlands. Die grüne Transformation führte zur Zerstörung marktwirtschaftlicher Grundlagen.

Seit Jahren eine Politik gegen das Verbrenner-Auto, gegen die im Betrieb CO2-freie Kernkraftnutzung, gegen Kohle ohne Gaskraftwerksvorsorge, Verstromung von Mobilität und Wärme, während es an sicherer Erzeugungskapazität, Stromleitungen oder Ladeinfrastruktur fehlt. CO2-Maut und höhere CO2-Abgaben, die keine Lenkungswirkung entfalten können, weil es an gleichwertigen Alternativen mangelt. Woher die Milliarden kommen sollen, um das alles zu finanzieren, wurde nicht gesagt. Dafür immer höhere Steuern und Abgaben, die aber die Wirtschaft ins Ausland treiben und nötige Investitionen in die Energiewende verhindern.

„Deutschland kämpft nicht mehr in der Gewichtsklasse der führenden Industrienationen. Unsere Entwicklung ist nicht mehr Vorbild, sondern warnendes Beispiel und zeigt, wie man innerhalb einer Generation seinen Vorsprung verspielen kann“, schreibt Gabor Steingart in seinem Buch „Systemversagen“ (S. 405).

Mit Blick auf die EU urteilte Thomas Kolbe am 8.2. 2026 „Der Green Deal ist das größte fiskalpolitische Projekt Europas seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zugleich stellt er den massivsten Eingriff in das Design der nationalen Energiemärkte dar. Er ist der grell ausgeleuchtete Beweis dafür, dass zentral geplante Ökonomien vor allem eines hervorbringen: künstliche Knappheit und ökonomischen Niedergang.“

Quellen

[1] https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/rede-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-1715862

[2] www.creditforum.de

[3] https://www.smard.de/page/home/topic-article/444/216636/volumen-und-kosten-gesunken

[4] https://www.tennet.eu/node/3843

[5] https://ag-energiebilanzen.de/energieverbrauch-wird-2025-stagnieren/