
„The Last Day of the Drought“ (Der letzte Tag der Dürre“)(1881) von Homer Watson ist ein Ölgemälde auf Leinwand, das eine karge Landschaft am Ende einer langanhaltenden Dürre darstellt. Die trockene, rissige Erde und gedämpften Farben spiegeln die Härte der Umgebung wider.
Kaum ein Thema begleitet den Menschen so zuverlässig durch den Alltag wie das Wetter. Über das Wetter kann man sprechen, ohne viel zu erklären. Es ist ein gemeinsamer Erfahrungsraum, ein unverfänglicher Gesprächseinstieg und doch von großer praktischer Bedeutung. Anders verhält es sich mit dem Klima. In der medialen Öffentlichkeit werden beide Begriffe jedoch häufig miteinander vermischt.
Klima oder Wetter
Klima beschreibt statistische Eigenschaften des Wetters über lange Zeiträume – typischerweise mindestens mehrere Jahrzehnte. Ist von Klima im täglichen Sprachgebrauch die Rede, ist hingegen das Wetter gemeint, die wechselhaften meteorologischen Zustände Temperatur, Wind, Regen, Schneefall, Hoch- oder Tiefdruckgebiete an bestimmten Orten und zu bestimmter Zeit. Gegen diese Zustände lässt sich in gewisser Weise schützen, nicht aber gegen eine statistische Größe.Ein einzelnes Wetterereignis ist zunächst kein Beweis für eine langfristige Klimaveränderung. Dennoch können sich Häufigkeit, Intensität und Dauer bestimmter Wetterlagen im Zuge des Klimawandels verändern.
Darüber hinaus ist Klima ein sehr komplexes Zusammenspiel von Atmosphäre, Ozeanen, Eisschilden, Sonnenaktivitäten und Planetenkonstellationen, das bei weitem noch nicht vollständig verstanden wird. Wenn gegenwärtig in politischen und öffentlichen Erörterungen das Augenmerk hauptsächlich auf Geschwindigkeit und Ursache der aktuellen Erderwärmung (0,16 0C pro Dekade) gerichtet und dazu noch das vom Menschen verursachte CO2 als nahezu alleinige Ursache für den Temperaturanstieg unterstellt wird, trägt diese Betrachtung nicht zur Aufklärung des Zusammenspiels bei. So ist zum Beispiel bekannt, dass natürliche Schwankungen wie El Niño und La Niña die Temperatur von Jahr zu Jahr erheblich beeinflussen können.
Klimawandel als Sündenbock
Wissenschaftlich lässt sich meist nicht sagen: „Dieses oder jenes Ereignis wurde durch Klimawandel verursacht“. In Ermangelung einer Erklärung für Ereignisse wird allzu schnell dem Klimawandel die Schuld angelastet. Medien und Politik bevorzugen einfache Erklärungen. Komplexe Zusammenhänge lassen sich schwer in Schlagzeilen oder bei Befragungen darstellen. Nachprüfbarkeit gleich null.
Obwohl ein Faktor unter vielen klingt es überzeugend, wenn für die Dürre, Wasserknappheit unter anderem in Flüssen, Ernteausfälle, Hitze, Waldbrände, Waldschäden, generell Schäden durch Naturkatastrophen allein der Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Der Klimawandel ist schuld, basta! Für den Bürger sind Hauptursache, Mitfaktor oder nur spektakuläre Erklärung zumeist ohnehin nicht unterscheidbar.
Das Abschmelzen von Gletschern, von Eisschilden und Eisverluste der Polkappen sind fraglos eine Folge des Klimawandels. Aber eine Folge der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen? Dafür fehlen wissenschaftliche Beweise. Machen wir uns doch mal die Klimaveränderungen in den Jahren bewusst, in denen der Mensch ohne die technischen Errungenschaften der Neuzeit auskommen musste.
Vergangene Warmzeiten*)
Für Deutschland und Mitteleuropa lässt sich die Klimageschichte von einigen Tausend Jahren recht gut aus Pollen, Baumringen, Sedimenten, Gletscherspuren und Tropfsteinen rekonstruieren. Allein in den letzten 2.000 Jahren gab es in Mitteleuropa mehrere Warmphasen mit ausgeprägten Hitze- und Dürreperioden.
Im ersten Jahrtausend gab es eine ausgeprägte warme Phase, häufig als Römisches Klimaoptimum (1. – 3. Jahrhundert) bezeichnet. Rekonstruktionen zeigen für Europa insbesondere in den ersten Jahrhunderten n. Chr. ungewöhnlich warme Bedingungen.
Für die Alpen gibt es dabei einen interessanten Befund: Gletscher waren während der römischen Warmphase deutlich zurückgezogen. Eine 2.000-jährige Rekonstruktion aus den Zentralalpen identifiziert sowohl die römische Zeit als auch die mittelalterliche Warmphase als Perioden von Gletscherrückzug.
Eine Jahrring-Rekonstruktion aus Bayern, die bis 500 n. Chr. zurückreicht, zeigte wiederholt trockene Sommer mit allerdings dazwischen deutlich feuchteren Phasen:
- etwa 600–800
- 900–1000
- 1200–1400
- 1700–1900
Die wohl bekannteste historische mittelalterliche Warmphase lag zwischen ca. 900 – 1300. Besonders warme Bedingungen in Europa traten im 9. – 12. Jahrhundert auf, mit einem Maximum ungefähr im 10. Jahrhundert und nochmals einer warmen Phase im späten bis frühen 13. Jahrhundert.
Die Jahre 1531–1540 waren in Mitteleuropa außergewöhnlich trocken. Eine detaillierte Rekonstruktion kommt für die tschechischen Länder zu dem Ergebnis, dass es die trockenste Sommerdekade des gesamten Zeitraums 1501–2015 war. Besonders trocken waren 1532, 1534–1536, 1538 und vor allem 1540.
1540 war dabei geradezu extrem: sehr hohe Temperaturen, monatelang kaum Niederschlag und sehr niedrige Flusspegel.
Eine Untersuchung kommt sogar zu dem Schluss, dass die Hitze 1540 in der Schweiz die von 2003 wahrscheinlich übertraf; rekonstruierte Frühjahrs-/Sommertemperaturanomalien liegen dort bei etwa +4,7 bis +6,8 °C gegenüber der Referenzperiode.
Allerdings gibt es bei der genauen Größenordnung von 1540 wissenschaftliche Diskussionen – insbesondere darüber, wie extrem die gesamteuropäische „Megadürre“ tatsächlich war. Die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit selbst sind dagegen sehr gut dokumentiert. Das heißt aber nicht, dass ganz Mitteleuropa damals ständig unter Dürre litt. Temperatur und Niederschlag entwickelten sich regional unterschiedlich.
Auf die mittelalterliche Wärmephase folgte ein sehr wechselhaftes Klima. In den Alpen begann die eigentliche Gletschervorstoßphase der Kleinen Eiszeit ungefähr um 1260. Es gab mehrere Phasen, unter anderem starke Vorstöße um etwa 1380, 1680 und 1860. Dabei gab es innerhalb der Kleinen Eiszeit durchaus warme und trockene Sommer. Sie war keineswegs 500 Jahre lang kalt und nass.
Für Mitteleuropa zeigen 1.000-jährige Rekonstruktionen, dass die großen historischen Megadürren – insbesondere während der Spörer-Minimum-Phase (~1400–1480) und der Dalton-Minimum-Phase (~1770–1840) – teilweise länger und insgesamt heftiger waren als die großen Dürren des 21. Jahrhunderts. 2003, 2015 und 2018 liegen hinsichtlich ihrer Dauer und Schwere also durchaus innerhalb der natürlichen Variabilität des letzten Jahrtausends.
Und noch etwas ist außerordentlich bemerkenswert: In den Hunderten von Jahren mit wechselhaftem Klima blieb bis etwa 1750 die CO2-Konzentration in der Atmosphäre relativ stabil und bewegte sich grob um 275–285 ppm. Die relativ konstante CO2-Konzentration kann folglich für die Klimawechsel nicht ursächlich gewesen sein. Es gab Klimawechsel ohne menschliche Beeinflussungen!
Mit der industriellen Entwicklung ab etwa 1750 begannen die Menschen in großem Stil, Kohle zu verbrennen. Infolge der CO2-Emissionen lag 2024 der globale Mittelwert bereits bei 422 ppm, rund 52 % über dem vorindustriellen Niveau. Etwa zeitlich parallel stieg die globale Erdtemperatur um rund 1 bis 1,2 0C.
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass der CO2-Anstieg dem Temperaturanstieg nachfolgt und nicht umgekehrt, was mit der CO2-Emission aus dem Meerwasser durch steigende Meerwasser-Temperaturen erklärt werden kann.
Auf der Dialog-Plattform kommt Helmholz-Klima [1] im Fazit zwar zu dem Ergebnis, dass sich „die mittelalterliche Erwärmung auf Teilen der Nordhalbkugel andere Gründe hatte als die heute zu beobachtende“. Indirekt aber soll dadurch wohl die Hypothese von der vom Menschen verursachten Temperaturerhöhung und mithin die von ihm ausgelösten Klimawandel nicht gefährdet werden.
Solange das komplexe Zusammenwirken von Atmosphäre, Ozeanen, Eisschilden, Sonnenaktivitäten und Planetenkonstellationen nicht geklärt ist, sind erhebliche Zweifel an dieser Hypothese gerechtfertigt, zumal auch etliche wissenschaftliche Erkenntnisse dieser Hypothese widersprechen.
Und solange diese Klärung auf sich warten lässt, wird wohl auch der Klimawandel für vieles Weiteres als Sündenbock erhalten bleiben.
*) Die Temperaturangaben entstammen vielfach dem sogenannten Old World Drought Atlas, der die sommerliche Trockenheit für Europa und dem Mittelmeerraum Jahr für Jahr über rund 2.000 Jahre rekonstruiert.
[1] https://www.helmholtz-klima.de/klimafakten/behauptung-im-mittelalter-war-es-waermer-als-heute