Das deutsche Online-Portal „Report24“ berichtet [1] über die Insolvenz von Solara4 (bei Alcoutim an der Algarve), das einst als Portugals größter Vorzeige-Solarpark (~219 MW) gefeiert wurde, der ohne die üblichen staatlich geförderten Einspeisevergütungen errichtet wurde. Ein großes Problem war der massive Ausbau der Solarenergie auf der Iberischen Halbinsel, was heute dazu führt, dass während der sonnigsten Stunden Tausende Megawatt Solarstrom gleichzeitig ins Netz eingespeist werden. Dieses Überangebot führt dazu, dass die Großhandelsstrompreise genau dann auf null oder in den negativen Bereich fallen, wenn die Produktion der Anlage am höchsten ist, was die erwarteten Einnahmen drastisch schmälert.Zudem produzierte der Solarpark durchweg weniger Strom als ursprünglich in den ersten Prognosen berechnet worden war, was die finanziellen Prognosen des Projekts untergrub, obwohl ein langfristiger Stromabnahmevertrag (PPA) vorlag. Der riesige Solarpark litt zudem unter mehreren technischen Ausfällen, darunter Brände an Wechselrichtern in den 12 Monaten vor der Insolvenz. Ein Großbrand Ende Mai 2026 legte etwa 10 % der Anlage lahm; die Reparatur dauerte schätzungsweise 8 bis 14 Wochen und führte zu kostspieligen Ausfallzeiten und Wartungskosten.
Um den Preisverfall zu überstehen, plante WElink, den Standort in eine Hybridanlage mit Windkraft und einem 100-MW-Batteriespeichersystem umzuwandeln. Ironischerweise wurde der ursprüngliche Solarpark zwar als subventionsfrei angepriesen, das neue Batteriesystem wird jedoch mit 16,45 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln des portugiesischen Wiederaufbau- und Resilienzplans (PRR) gefördert.
Report24 argumentiert, dass „kostenlose Solarenergie“ nicht gleichbedeutend mit wirtschaftlich tragfähigem Strom ist. Investitionskosten, der Zeitpunkt der Stromerzeugung, die Netzstabilität und Preiskannibalisierung stellen erhebliche finanzielle Risiken für riesige, nicht subventionierte Solaranlagen dar.
Aktuell gibt es auch in Deutschland einen prominenten Fall: Die Hamburger Enerparc AG [2] hat am 7. September 2026 Insolvenz beantragt. Sie gehört zu den größten unabhängigen Solarpark-Eigentümern Europas. Enerparc hat rund 5,5 GW installierte PV-Leistung in etwa 500 Solarparks; davon sind etwa 3,8 GW bereits am Netz.
Die Solarparks selbst sind dadurch nicht automatisch insolvent. Die meisten sind über separate Projektgesellschaften strukturiert. Laut bisherigen Angaben laufen die bereits betriebenen Anlagen weiter. Allerdings standen nach der Insolvenz fertige Solarprojekte mit insgesamt etwa 1,7 GW zunächst still, während rund 3,8 GW im laufenden Betrieb weiter produzierten.
Grundprobleme von PV-Parks
- Netzanschluss – oft der Killer oder Gewinnbringer
Ein 100-MW-Park mit günstigem Netzverknüpfungspunkt kann hervorragend aussehen. Muss dagegen ein längerer Anschluss gebaut oder das Netz verstärkt werden, können schnell viele Millionen Euro zusätzlich anfallen.
- Ertrag des Standorts
Ein Park in Süddeutschland produziert deutlich mehr als einer in Norddeutschland. Interessanterweise können aber norddeutsche Standorte wegen anderer Netz- und Flächenbedingungen trotzdem wirtschaftlich attraktiv sein.
- Negative Börsenpreise und Kannibalisierung
Das ist mittlerweile ein wesentliches Thema. Wenn sehr viel Solarstrom gleichzeitig produziert wird, fällt der Börsenpreis gerade um die Mittagszeit. Ein Solarpark mit 100 MW produziert dann genau dann am meisten, wenn der Strom am wenigsten wert sein kann. Deshalb wird Batteriespeicherung zunehmend interessant: Strom mittags einspeichern und abends verkaufen bzw. bei günstigerem Marktpreis vermarkten. Allerdings werden große Batteriespeicher in Deutschland kritisch gesehen…aber das ist ein anderes Thema.
- Finanzierung
Bei 60 Mio. € Investition machen schon wenige Prozentpunkte Unterschied bei den Finanzierungskosten einen erheblichen Teil der Rendite aus. Für institutionelle Investoren ist deshalb ein gut abgesichertes Projekt mit planbaren Cashflows besonders wertvoll.
- Flächenpacht
Die Pacht ist relevant, aber bei großen Projekten häufig weniger entscheidend als Netzanschluss und Finanzierung. Eine ältere Analyse des Thünen-Instituts kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Anlagengröße, Standort und Netzanschluss besonders starken Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben.
[2] https://www.energate-messenger.ch/news/267625/enerparc-insolvenz-investorenprozess-nimmt-fahrt-auf