Nach einer wettbewerbsorientierten Bewertung hat das schwedische Nukleartechnologieunternehmen Studsvik AB [1] GE Vernova Hitachi Nuclear Energy und Samsung C&T als strategische Partner für ein geplantes vierteiliges BWRX-300-Projekt mit einer Gesamtleistung von etwa 1.200 MWe ausgewählt. Das Projekt ist entweder für Studsviks lizenziertes Kernkraftwerk in Nyköping oder Målma in Valdemarsvik geplant, und die erste Einheit soll Mitte der 2030er Jahre in Betrieb genommen werden.
SMR
Appell an Bund und Länder zum nuklearen Kompetenzerhalt
Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie verfolgt die Bundesregierung zugleich keine Programme zur Forschung und Entwicklung fortgeschrittener Kernkraftwerke. Auch gibt es kein Förderprogramm zum Bau oder zur Einführung kommerzieller Smal Modular Reactors (SMR) in Deutschland, obwohl im Koalitionsvertrag der derzeitigen Regierung der SMR erwähnt wurde. Staatliche Unterstützung beschränkt sich auf nukleare Sicherheits- und Entsorgungsfragen.
Dies führt zwangsläufig mittelfristig zu einem Verlust an Kerntechnik-Ingenieuren und Physikern und von Erfahrungswissen, dass sich nicht allein aus Lehrbüchern vermitteln lässt. Auch an vielen deutschen Hochschulen hat der Ausstieg bereits zu Veränderungen geführt. So wurden teilweise Lehrstühle für Kerntechnik nicht wiederbesetzt, Studienangebote reduziert oder eingestellt.
Kleine Fernwärme-SMR für Städte
Small Modular Reactors (SMR) befinden sich weltweit in der Entwicklung. Sie können neben Strom Prozesswärme für die Industrie, Fernwärme oder gar für die Produktion von Wasserstoff eingesetzt werden. Die Erfolgsaussichten von SMRs hängen vor allem davon ab, ob die Serienfertigung die Kosten tatsächlich deutlich senken kann und wie schnell Genehmigungen erteilt werden und sie vor allem eine so genannte inhärente nukleare Sicherheit besitzen.
Der finnische Entwickler Steady Energy [1] [2] baut in der Stadt Helsinki eine nicht-nukleare Pilotanlage des kleinen, modularen Reaktors LDR-50 zur Fernwärmeversorgung. Dazu erhielt das Unternehmen ein Darlehen in Höhe von EUR 10,5 Mio. (umgerechnet rund CHF 9,7 Mio.). Innerhalb von drei Jahren soll der Baubeginn des kommerziellen Fernwärme-SMR erfolgen.
Deutschlands Atomausstieg ist kein Naturgesetz
Am 21. März 2026 ist in der Berliner Zeitung ein Gastbeitrag der KernD-Geschäftsführerin Nicole Koch erschienen. Vor dem Hintergrund der aktuellen energiepolitischen Entwicklungen in Europa plädiert sie darin für eine offene, sachliche Neubewertung der Kernenergie in Deutschland.
Warum Europa Kernenergie neu entdeckt – und auch wir den Mut zur Debatte wiederfinden müssen.
Die EU ändert ihre Energiepolitik und setzt verstärkt auf Kernenergie
Beim Nuclear Energy Summit der IAEA am 10. März 2026 kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Europäische Strategie für SMR an. Vor dem Hintergrund der Feststellung, dass Europa strukturell zu hohe Energiepreise habe, die sowohl die Verbraucher als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie belasteten, erklärte sie, dass es ein strategischer Fehler Europas war, den Anteil der Kernenergie abzusenken und so einer verlässlichen, wettbewerbsfähigen Quelle emissionsarmen Stroms den Rücken gekehrt zu haben.
Ohne Nuklearforschung verliert Deutschland nuklearwissenschaftliche Souveränität

Sprengung des dritten Kühlturmes des KKW Biblis
Deutschland ist mit seinem vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie in der EU inzwischen mehr oder weniger ein Außenseiter. Selbst Staaten, die schon aus der zivilen Kernkraft-Nutzung ausgestiegen waren, kehren wieder zurück oder denken darüber nach. Nicht Deutschland. „Es war eben ein schwerer strategischer Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen“(Merz)[1], aber es werden daraus keine Konsequenzen gezogen.
Nukem und Paul Scherrer Institut unterzeichnen Absichtserklärung zur Stärkung der nuklearen Forschung und Zusammenarbeit
Deutschland wolle „auf praktische Weise“ zur Atomkraft zurückkehren, sagt der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation. Rafael Grossi beruft sich dabei auf Gespräche mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU):
„Sie hat mir gegenüber geäußert, dass das Thema sehr ernsthaft geprüft wird“.
Zum Thema SMR sagte Reiche im Mai auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel: „Wir müssen zumindest Technologien mitshapen und entwickeln können. Wenn wir das auch verpassen, verpassen wir, glaube ich, eine große Chance.“ Ähnlich äußerte sie sich im Oktober beim Berlin Global Dialogue.
Italien tritt der europäischen Nuklear-Allianz bei
Italien widerruft den Ausstieg aus der Kernenergie. Nach einer Meldung der Morgenpost [1] trat Italien der europäischen Nuklear-Allianz bei. Sie wurde 2023 gegründet, um Kernkraft als eine zentrale Säule der Energiewende zu fördern. Bisher hatte Italien lediglich einen Beobachterstatus in der Allianz. Italien will wieder per Gesetz in die Kernenergie-Nutzung und zwar mit Mini-Reaktoren einsteigen.
Dänemark liebäugelt mit der Kernenergie
Dänemark könnte sich damit rühmen, dass 57 Prozent seines Stroms durch Windenergieanlagen erzeugt wird und auch darüber hinaus über weitere Ausbaumöglichkeiten verfügt. Zusammen mit dem Solarstrom werden knapp zwei Drittel der Elektrizität klimaneutral erzeugt.
Und doch, das Parlament in Kopenhagen veranlasste eine Prüfung für den Einstieg in die Kernenergie, obgleich seit 1985 ein kategorisches Verbot für diese Stromerzeugung gilt. Der Grund, Dänemark soll unabhängig von russischem Gas sein.
„Energiewende besser machen“
Der frühere Bundestagsabgeordnete Friedbert Pflüger*) (CDU) steht der deutschen Klima- und Energiepolitik kritisch gegenüber. In seinem in der Weltwoche [1] erschienenen Beitrag bestätigte sich aus meinen früheren Gesprächen mit ihm mein Eindruck, in denen er sich sachbezogen und kompetent zu Energie- und Umweltthemen äußerte. Hier sein Beitrag:
„Klimapolitik stürzt auf der Rangliste der von den Bürgern als wichtig erachteten Themen ab. Das ist keine gute Nachricht. Selbst wer vom Dauer-Hype um die Erderwärmung genervt ist und die radikalen Protestformen von Aktivisten ablehnt, muss zugeben, dass die überwältigende Mehrheit der seriösen Forscher den Klimawandel als ernste Realität betrachtet. Erfreulich, dass angesichts des Ukraine-Krieges andere Zukunftsthemen wie Frieden und Sicherheit in den Vordergrund rücken oder innere Sicherheit und Migration endlich auch in Deutschland Gehör finden. Aber es wäre fatal, wenn das Klima dauerhaft auf dem back seat bliebe. Um das zu verhindern, bedarf es allerdings einer Kurskorrektur der bisherigen Klimapolitik in der EU, in Deutschland und der Schweiz: weniger Ideologie und Reglementierung, mehr Freiheit und Technikoffenheit.