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Deutsche CO2-Einsparungen bringen global fast NICHTS

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Gesicherte wissenschaftliche Grundlagen spielen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie eine maßgebliche Rolle. Im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung mit ihren einschneidenden Maßnahmen für Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft sucht man sie vergebens. Man findet dort Angaben über die Verminderung der CO2-Emissionen bis 2030 und 2050, aber nichts darüber, warum das vom Menschen erzeugte CO2 maßgeblich für die Erdtemperaturzunahme sein soll und auch nichts darüber, welchen globalen Beitrag die deutschen resp. europäischen CO2-Reduktionen ausmachen.

Nicht nur, dass sich die „Papers for policymakers“ des Weltklimarates IPCC in wesentlichen Teilen als lückenhaft, manipuliert und falsch erwiesen haben, auch gibt es gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über den nur geringen Einfluss des CO2 auf die Erdtemperatur. Auch die NASA bestätigt, dass derzeit trotz des ungebremsten CO2-Anstiegs in der Atmosphäre keine globale Erderwärmung stattfindet.

In welchem Verhältnis stehen nunmehr die geplanten deutschen CO2-Reduktionen zu den vom Menschen verursachten globalen CO2-Emissionen? Welchen Beitrag zum Klimaschutz liefern die deutschen Verminderungsziele, wenn andere Nationen sogar verstärkt auf Kohle setzen?

Nach Angaben des Bundesumweltamtes betrugen die CO2-Emissionen in Deutschland in 2018 rund 753 Mio. Tonnen und in 2019 rund 713 Mio. Tonnen. Bezogen auf das Jahr 1990 sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um 55 % auf rund 495 Mio. Tonnen gesenkt werden. Die CO2-Verringerung der letzten Jahre ist auf den steigenden Anteil der Windenergie- und Solaranlagen an der Stromerzeugung zurückzuführen. Da bis Ende 2022 sämtliche noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke vom Netz genommen werden müssen, wird deren Stromanteil im wesentlich von Fossilkraftwerke übernommen werden, was die CO2-Emissionen wieder ansteigen lässt. Um das Reduktionsziel 2030 zu erreichen, müssen gleichwohl mindestens noch rund 220 Mio. Tonnen „eingespart“ werden.

Nun schauen wir uns an, was diese Mengen im Vergleich zur globalen CO2-Emission beziehungsweise zum weiteren Ausbau der Kohlenutzung bedeuten.

China, Indien und USA sind die Nationen mit dem größten Kohlebedarf

Die drei größten Kohleverbraucher der Welt, China, Indien und USA, lassen nach Angaben von Bloomberg [1] keine realen Absichten erkennen, den Kohleeinsatz in den nächsten Jahren zu reduzieren.

China und USA verkündeten weit in der Zukunft liegende Reduktionsabsichten. Der chinesische Präsident Xi Jingping will erst bis 2060 Netto-Null-Emissionen erreichen. In Chinas jüngstem Fünfjahresplan, der am 5. März angekündigt wurde, hat Ministerpräsident Li Keqiang kein hartes Ziel für die Emissionsreduzierung festgelegt, und Kohle werde ein wesentlicher Bestandteil der Elektrizitätsstrategie bleiben. In China ist eine Kohlekraftkapazität von 249,6 Gigawatt im Bau oder in Planung, die größer ist als die derzeitigen Kohleflotten der USA oder Indiens. Bereits jetzt verfügt China über die weltweit größte Flotte von Kohlekraftwerken. Mehr als die Hälfte davon sind weniger als 10 Jahre alt. Da sie noch mehrere Jahrzehnte laufen können, ist nicht zu erwarten, dass auf Alternativen umgestiegen wird.

Der USA Präsident Biden hatte angekündigt, dass die USA bis 2050 auf CO2-Neutralität anzielen werden. Aktuell sieht es so aus, dass die US-Kraftwerke in 2021 16% mehr Kohle verbrauchen werden als 2020 und in 2022 weitere 3 % mehr [1]. Der Anstieg sei auf die stark gestiegenen Erdgaspreise zurückzuführen.

Auch in Indien dominiert die Kohle als Stromerzeugungsquelle. Noch aber ist das Land keine ähnlichen Verpflichtungen wie China oder USA eingegangen. Trotz des wachsenden internationalen Drucks ist es unwahrscheinlich, dass Indien sich bis 2050 zur CO2-Neutralität bekennt, so ein Regierungsbeamter gegenüber Reuters [2]. Indien erwarte in den kommenden Jahrzehnten ein starkes Wachstum der Energienachfrage und wird China als größten Treiber des Energiewachstums in diesem Jahrzehnt sogar übertreffen. Es sei jedoch nicht bereit, sich an eine harte Frist zu binden, um die Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Das Wirtschaftswachstum und den Konsum solle nicht gefährdet werden, sagten die Quellen von Reuters [2].

Wie Bloomberg [3] berichtete, hat Indien die bisher größte Versteigerung von Kohlebergwerken im Land in Gang gesetzt, obwohl der fossile Brennstoff eine Schlüsselrolle bei der globalen Erwärmung spielt. Das Land wird 67 Minen versteigern lassen, die meisten in einer einzigen Auktion. Die „Gewinner“ dürfen den Brennstoff produzieren und verkaufen. Grundlage ist eine Reform, die das staatliche Monopol über den heimischen Kohlemarkt aufheben und für private Unternehmen öffnen soll.

Nach einer Meldung von The Springfield News-Leader [4] im Jahre 2009 hatte China eine Emissionsminderung bis 2020 um 40 bis 45 % gegenüber der Emission in 2005 angekündigt. Indien wollte bis 2020 die Emissionen um 20 bis 25 % senken. Diese Projektionen waren mehr Versprechen als Vorhersagen. Sie blieben weit hinter der Zielmarke zurück.Indien und China haben ihre Kohlenstoffemissionen seit 2005 erhöht. Nach Angaben der Weltbank [5] hat Indien in 2005 etwa 1200 Millionen Tonnen CO2 und in 2018 etwa 2400 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Eine Verdoppelung des Ausstoßes. China emittierte in 2005 etwa 5900 Millionen Tonnen und in 2019 etwa 10175 Millionen Tonnen [6], was einer Steigerung von 172 Prozent entspricht. Von einer Emissionsminderung ist weit und breit nichts zu sehen.

Künftige Klimakonferenzen werden an dem bevorzugten Einsatz von Kohle zur Stromerzeugung zumindest in Indien und China nichts ändern. Im Pariser Klimaabkommen war das Schlüsselprinzip der Vereinten Nationen „Gemeinsame, aber differenzierte Verantwortlichkeiten und jeweilige Fähigkeiten“ gefestigt worden. Dieses Prinzip erkennt an, dass Entwicklungsländer unterschiedliche Fähigkeiten und unterschiedliche Verantwortlichkeiten bei der Reduzierung der CO2-Emissionen haben.

An dem steigenden Trend der CO2– Emissionen wird sich bis 2030 und vermutlich auch weit darüber hinaus nichts ändern. Bis 2030 will/muss Deutschland mindestens 220 Millionen Tonnen einsparen. Setzt man diesen Wert in Relation allein nur zu den Emissionen von Indien und China in den Jahren 2018 bzw. 2019 sowie USA mit 5285 Millionen Tonnen CO2 in 2019, in Summe also 17860 Millionen Tonnen CO2, dann wird die deutsche Einsparung mit gerade mal 1,2 % dieses Emissionswertes mehr als wettgemacht.

Überspitzt formuliert: Nutznießer der deutschen und europäischen CO2-Einsparungen ist nicht der Klimaschutz – Nutznießer sind China, Indien und alle Staaten , die weiter auf Kohle setzen.

Die Bundesregierung vertritt mit aller Macht international ihre Energiewende- und Klimaschutzpolitik und verbindet damit die Hoffnung, dass andere Nationen ihr folgen. Dazu passend ein Zitat aus dem Artikel von Henning und Wendt „Sonderweg in die Logikfalle“ [7]:

 Obwohl weltweit belächelt, sieht sich die Bundesregierung und die Mehrheit im Deutschen Bundestag als Vorreiter einer vermeintlichen Entwicklung. Und die Öffentlichkeit glaubt es. Dabei unterliegt sie einem Trugschluss. Niemand folgt uns, wir sind die Geisterfahrer der globalen Energiewirtschaft.

Zurück zum Anfang: Eine Energiewende- und Klimaschutzpolitik, zu der man Vertrauen haben kann und soll, bedarf unverzichtbar einer gesicherten wissenschaftlichen Grundlage. Wo bleibt sie?

 

[1] https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-03-16/world-s-three-biggest-coal-users-getting-ready-to-burn-even-more?mc_cid=76dce637b3&mc_eid=2560bc397b

[2] https://oilprice.com/Latest-Energy-News/World-News/India-Unlikely-To-Commit-To-Net-Zero-Emissions-Target.html?mc_cid=64a4535f40&mc_eid=2560bc397b

[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-03-25/india-to-double-down-on-coal-projects-amid-climate-warnings?mc_cid=64a4535f40&mc_eid=2560bc397b

[4] https://junkscience.com/wp-content/uploads/2020/12/The_Springfield_News_Leader_Sun__Dec_6__2009_.pdf?mc_cid=ef4659fc5d&mc_eid=2560bc397b

[5] https://www.macrotrends.net/countries/IND/india/carbon-co2-emissions?mc_cid=ef4659fc5d&mc_eid=2560bc397b

[6] http://www.globalcarbonatlas.org/en/CO2-emissions

[7] Frank Hennig, Alexander Wendt, „Energiepolitik. Sonderweg in die Logikfalle“, Tichys Einblick 04/21, Seite 40ff