Wettbewerbsfähige Strompreise sind mit Gaskraftwerken nicht zu erreichen

Der Bau neuer Gaskraftwerke ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Debatte über Versorgungssicherheit, Strompreise und die Energiewende. Seit Januar 2026 gibt es eine Grundsatzeinigung mit der EU-Kommission zur Kraftwerksstrategie. Im Juli 2026 wurde das entsprechende Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (Strom VKG) verabschiedet. Vorgesehen sind zeitlich gestufte Ausschreibungen für zunächst 12 GW zusätzliche steuerbare Leistung.

Die Bundesnetzagentur bezifferte 2025 den möglichen zusätzlichen Bedarf an steuerbarer Leistung auf bis zu 22,4 GW im Zielszenario und 35,5 GW bei verzögerter Energiewende. Das umfasst nicht ausschließlich Gaskraftwerke, das hängt insbesondere vom weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, der Speicher, der Netze und der Nachfrageflexibilität ab.

Der Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland ist mit mehreren technischen, wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Herausforderungen verbunden. Sie sind zwar als Ergänzung zu Wind- und Solaranlagen vorgesehen, um die Stromversorgung bei längeren Dunkelflauten sicherzustellen. Allerdings gibt es einige erhebliche Schwachpunkte bei der Umsetzung.

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Deutschland braucht dringend eine diversifizierte sichere Energieversorgung

Energie ist, unabhängig von der Art, für die Industrie und generell für das menschliche Leben alternativlos. „Menschen, die in ihrer ganzen Geschichte ihre Bedürfnisse mehr schlecht als recht unter Verwendung ihrer regenerativen Energien gedeckt hatten, stand durch die schnell wachsende Energietechnik gegenüber früheren Zeiten ein Vielfaches an Nutzenergie, an Arbeitsfähigkeit, zur Verfügung, gewonnen aus der in vielen Millionen Jahren aus Sonnenenergie gespeicherten fossilen Energie Kohle“, schreibt Klaus Knizia*) in seinem Buch „Schöpferische Zerstörung = zerstörte Schöpfung“. Und weiter „Hat die Menschheit die vorhandenen Energiemengen nur zu Bruchteilen zur Verfügung, wird die Versorgung der Menschheit zusammenbrechen mit entsprechenden populationsdynamischen Katastrophen und vorherigen oder damit einhergehenden Umweltschäden. Es gibt kein Zurück zu den Schäferidyllen des 18. Jahrhunderts, zu den Zuständen einfachen und friedlichen Lebens in ländlicher Abgeschiedenheit mit ihrer offenbar so erstrebenswerten Hungerepidemien.“

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Steigender globaler Kohlebedarf und Kohleausstieg in Deutschland

Mit einer globalen Abnahme des Kohlebedarfs ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Im IEA-Bericht 2022 war bereits ein künftiges Allzeithoch vorhergesagt. Die aktuelle IEA-Prognose 2026 [1] zeichnet ein recht interessantes Bild:

  • Der weltweite Stromverbrauch wird 2026–2030 im Mittel um 3,6 % pro Jahr steigen. Rechenzentren sind dabei ein wichtiger, aber global gesehen nicht der größte Treiber.
  • Der Stromverbrauch von Rechenzentren soll sich ungefähr von 415 TWh (2024) auf rund 945 TWh (2030) mehr als verdoppeln. Rechenzentren brauchen nicht nur viel Energie, sondern rund um die Uhr zuverlässige Stromversorgung. Wind und Sonne scheiden für deren Versorgung folglich aus.
  • Kohle bleibt kurzfristig wichtig, insbesondere dort, wo neue Rechenzentren auf Netze mit hohem Kohleanteil treffen. Die IEA erwartet aber, dass weltweit Erneuerbare, Gas und Kernenergie den zusätzlichen Strombedarf bis 2030 insgesamt abdecken und die Kohleverstromung leicht zurückgeht. Gleichwohl geht IEA davon aus, dass Gas und Kohle zusammen bis 2030 mehr als 40 % des zusätzlichen Strombedarf der Rechenzentren decken werden.

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Schiefergas: Deutsches Vorkommen würde zur energiepolitischen Resilienz beitragen

Seit 2017 besteht in Deutschland ein weitgehendes Verbot des unkonventionellen Frackings, also des aufbrechen von dichten Tongestein- und Schieferformation zur Erschließung bislang unzugänglicher Gasvorkommen. Konventionelles Fracking in klassischen Sandsteinlagerstätten ist davon ausgenommen und wird hierzulande praktiziert. Das Verbot des unkonventionellen Verfahrens wurde mit diffusen Ängsten vor Grundwasserverunreinigung und Erdbeben begründet.

Eine von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie [1] des Geowissenschaftlers Hans-Joachim Kümpel legt nüchterne und wissenschaftsbasierte Neubewertung nahe

  • Langfristig könnten rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr gefördert werden
  • Studie sieht Potenzial zur Verringerung von Importabhängigkeit und Energiepreisdruck (≈ ein Viertel des heutigen deutschen Gasbedarfs)
  • Bis zu 18 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente könnten jährlich vermieden werden

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Bedeutung der Wasserstoffversprödung für Gaskraftwerke

Wasserstoff ist mit großem Abstand das häufigste Element im Universum. Er kommt chemisch gebunden in praktisch allen organisch-chemischen Verbindungen vor. Wasserstoff ist als Baustoff für das Leben unersetzlich. Auch als Baustoff für unsere Industrie und Wirtschaft ist er ebenso unverzichtbar.

Nun aber sieht sich die Politik durch ihre Energiewende gezwungen, Wasserstoff für fast alles einzusetzen, was der Politik in den Sinn kommt. Für Mobilität im Verkehr, fürs Heizen in Wohnhäusern, als chemischer Speicher für überschüssige elektrische Energie. Das alles ist heute technisch möglich, es ist jedoch unbezahlbar. Seine chemischen und physikalischen Eigenschaften schlichtweg determinieren ‚was geht‘.

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Kohle ist vorerst nicht zu ersetzen

Kohle, Öl und Erdgas waren und sind das Herz der industriellen Entwicklung. Ihnen verdanken wir unseren Lebensstandard. Seit Bestehen der – bis zum heutigen Tage unbewiesenen- Hypothese, dass das vom Menschen durch Verbrennung der Kohle erzeugte CO2 zur Erderwärmung beiträgt, wird Kohle wie ein Relikt behandelt. Ein Relikt, das durch die Energiewende möglichst schnell aus der Welt zu schaffen ist. Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 OC ist das erklärte Ziel seit der Weltklimakonferenz Paris 2015. Asiatische Staaten und die USA halten sich nicht daran. Gesicherte Energieversorgung hat bei ihnen Vorrang. Global steigt die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre stetig an. Die von der UN geforderten CO2-Einsparungen sind derzeit und in den nächsten Dekaden in Sinne des Klimaschutzes global deutungslos.

Für Lars Schernikau, ein Energieökonom, Unternehmer, Rohstoffhändler und Buchautor, ist der natürliche Energieträger noch lange unverzichtbar:

„Der weltweite Kohleverbrauch ist definitiv nicht zurückgegangen, ganz im Gegenteil, er ist nur von etwa 6 Milliarden Tonnen im Jahr 2008 (als ich mein erstes Buch über Kohle „The Renaissance of Steam Coal“ schrieb) auf heute etwa 9 Milliarden Tonnen gestiegen. Ganz zu schweigen vom Kohlehandel per Schiffsversand, der sich fast verdoppelte! Die Frage ist also nicht, ob Kohle verschwindet, wie uns gesagt wurde, sondern ob wir auf diesen nützlichen schwarzen Stein überhaupt verzichten können. Unsere materielle Welt wird von ihm angetrieben.

Nur zu gern wollen wir in einer „sauberen“ digitalen Welt mit all unseren Geräten, Apps, KI und Cloud-Speicher leben, aber unsere physische Welt ist nicht verschwunden und sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden.

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Die Energiekrise macht ein Zurück zu verlässlicher Energieversorgung erforderlich

Der vollständige Ausfall russischer Gasimporte nach Deutschland und die Kriege in Nahost machen die verfehlte Energiepolitik deutscher Regierungen deutlich.

Mit Beginn der als prioritär betrachteten Klimaschutz-Politik wurden die bis in die 90er Jahre nachhaltig sichere, preisgünstige Energieversorgung auf der diversitären Basis Kohle, Gas, Öl und Kernenergie einer Energiepolitik auf der Basis Wind-, Solar- und Bioenergie (die sogenannten Erneuerbaren) geradezu geopfert. Das Vorhaben, selbst die fossilen Energieträger allmählich auf elektrische Energie umzustellen, besteht weiterhin. Der Ausstieg aus der im Betrieb CO2-freien Kernenergie wurde immerhin offiziell als schwere politischer Fehler gebrandmarkt.

In Expertenkreisen war von vornherein klar, dass Windenergie- und Solaranlagen, die nur zeitweise Strom erzeugen, fossile Energieträger nicht ohne Weiteres in allen Bereichen der Wirtschaft ersetzen können.

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Fracking, die bislang politisch verpasste Chance als Beitrag zur Energieversorgung und zur CO2-Einsparung

Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, ehem. Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Das kalte Wetter hat Deutschlands Erdgas-Vorräte kräftig schrumpfen lassen, obwohl hiesige Energieunternehmen in den vergangenen Jahren in aller Welt massenhaft Flüssiggas (LNG) eingekauft haben. Dabei verfügt Deutschland eigentlich über eigene Erdgas-Ressourcen in großer Menge. Die müssen aber im Boden bleiben, aus politischen Gründen.

Lassen Sie mich Ihnen erzählen, wie es dazu kam. Aus nächster Nähe habe ich die Umstände miterlebt.

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Bau von Gaskraftwerken: Eine Realisierung mit erheblichen Problemen

Die Stromerzeugung mit Windenergie- und Solaranlagen macht wegen ihrer Volatilität zwingend die Betriebsbereitschaft von steuerbaren Kraftwerken erforderlich, also von Kraftwerken, die rund um die Uhr bei Dunkelflaute die Stromversorgung sicherstellen.

Im jetzt vorliegenden „Versorgungssicherheitsbericht Strom“ [1] zu Stand und Entwicklung der Versorgung kommt die Bundesnetzagentur (BNA) zu dem Ergebnis, dass die Versorgungssicherheit mit Elektrizität in Deutschland nur gewährleistet werden kann, wenn zusätzliche steuerbare Kapazitäten von bis zu 22,4 GW (Zielszenario) bzw. bis zu 35,5 GW (Szenario „verzögerte Energiewende“) bis zum Jahr 2035 errichtet werden und zwar fristgerecht.  Die BNA legte sich bemerkenswerterweise auf keine Technologie fest und spricht nur von steuerbarer Kraftwerksleistung, obwohl offiziell die Rede von Gaskraftwerken ist. BNA rechnet damit, dass bis 2031 sämtliche Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Damit fehlen ab der Zeit 17 bis 21 GW Kraftwerksleistung.

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Deutsche Gasversorgung: Unsicherheiten bleiben

Die Bundesnetzagentur sieht die Gasversorgung in Deutschland zwar als „stabil an, dennoch bleibt ein sparsamer Gasverbrauch für sie wichtig“ [1]:

  • „Seit dem 1. Juli 2025 gilt wieder die Frühwarnstufe. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Lage genau und steht in engem Kontakt zu den Netzbetreibern.
  • Aufgrund des eingestellten Gastransits durch die Ukraine haben die Durchleitungen der Gasflüsse durch Deutschland zugenommen. Deutschland verfügt, auch dank der verfügbaren Kapazitäten an den LNG-Terminals, über ausreichend Transport-Kapazitäten für Exporte nach Südosteuropa.“

Das Missmanagement in der Energiewende lassen die zukünftige Gasversorgung als nicht gesichert erscheinen.

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