Ein Grundfehler der Energiewende, auf den bereits Günter Keil 2012 hinwies, war im Vergleich zum Stromsektor die viel zu zögerliche Ausrichtung auf die Wärmeerzeugung. Mehr als 50 % des gesamten Endenergiebereichs in Deutschland entfallen auf den Wärmebereich. Ein Großteil der Heizungen und Industrieprozesse läuft nach wie vor mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Erdöl. Der Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmesektor liegt bei knapp 20 %. Trotz hoher dreistelliger Milliardeninvestments in die Energiewende ist Deutschland heute immer noch zu 80 % auf fossile Brennstoffe angewiesen.
Kernenergie
EU: Neubewertung der Kernenergie
Lange Zeit sagten viele das schrittweise Verschwinden der Kernenergie in Europa voraus. Die Realität hat sie eingeholt. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben eine grundlegende Tatsache wieder in Erinnerung gerufen: Eine moderne Wirtschaft kann ohne reichlich verfügbare, steuerbare, CO₂-arme und im eigenen Land erzeugte Energie nicht souverän sein.
Nachdem die Kernenergie von der Europäischen Union (EU) über Jahrzehnte vernachlässigt, offiziell aber nie aufgegeben wurde, erlangt sie neue Bedeutung. Der Europaabgeordnete Christophe Grudler*) fordert, dass sie im europäischen Klima-, Industrie- und Finanzierungsrahmen gleichberechtigt mit anderen sauberen Technologien behandelt wird [1]:
Finnland: Sicherheit des Endlagers für hochaktiven Abfall bestätigt

Tunnel des Tiefenlagers Onkalo in Finnland. Aufnahme: chatgpt.com entnommen
Die Sicherheitsanforderungen für die Erteilung einer Betriebsgenehmigung für die Verpackungsanlage und das finnische Tiefenlager Onkalo für ausgediente Kernbrennstoffe sind erfüllt. Dies hat die finnische Behörde Stuk am 4. August 2026 nach einer umfassenden Sicherheitsbewertung bestätigt.
Globale Reichweite des Kernbrennstoffs Uran
Nach Angaben von OECD-NEA [1] hat die Dynamik des Kernenergieausbaues global deutlich zugenommen. Viele Länder verlängern die Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke, planen neue Großreaktoren oder investieren in die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR). Laufzeitverlängerungen gelten als eine der kostengünstigsten und schnellsten Möglichkeiten, kohlenstoffarmen Strom bereitzustellen und gleichzeitig Zeit für den Bau neuer Anlagen zu gewinnen. Mit ein Grund für die Dynamik ist der wachsende Strombedarf durch Elektrifizierung, Digitalisierung und den Aufbau neuer Industrie.
Die OECD-NEA macht daher deutlich, dass der Neubau großer Kernkraftwerke weiterhin unverzichtbar bleibt. Ergänzend könnten SMR in Zukunft zusätzlich Einsatzmöglichkeiten eröffnen und den Ausbau beschleunigen. Entscheidend sei jedoch, dass alle verfügbaren Technologien parallel entwickelt und eingesetzt werden, um den steigenden Strombedarf zuverlässig decken zu können.
Im Hinblick auf den zunehmenden Kernkraftwerksbedarf stellt sich die Frage nach der Verfügbarkeit des Urans und inwieweit politische Unwägbarkeiten die Transportwege gefährden.
Appell an Bund und Länder zum nuklearen Kompetenzerhalt
Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie verfolgt die Bundesregierung zugleich keine Programme zur Forschung und Entwicklung fortgeschrittener Kernkraftwerke. Auch gibt es kein Förderprogramm zum Bau oder zur Einführung kommerzieller Smal Modular Reactors (SMR) in Deutschland, obwohl im Koalitionsvertrag der derzeitigen Regierung der SMR erwähnt wurde. Staatliche Unterstützung beschränkt sich auf nukleare Sicherheits- und Entsorgungsfragen.
Dies führt zwangsläufig mittelfristig zu einem Verlust an Kerntechnik-Ingenieuren und Physikern und von Erfahrungswissen, dass sich nicht allein aus Lehrbüchern vermitteln lässt. Auch an vielen deutschen Hochschulen hat der Ausstieg bereits zu Veränderungen geführt. So wurden teilweise Lehrstühle für Kerntechnik nicht wiederbesetzt, Studienangebote reduziert oder eingestellt.
Kleine Fernwärme-SMR für Städte
Small Modular Reactors (SMR) befinden sich weltweit in der Entwicklung. Sie können neben Strom Prozesswärme für die Industrie, Fernwärme oder gar für die Produktion von Wasserstoff eingesetzt werden. Die Erfolgsaussichten von SMRs hängen vor allem davon ab, ob die Serienfertigung die Kosten tatsächlich deutlich senken kann und wie schnell Genehmigungen erteilt werden und sie vor allem eine so genannte inhärente nukleare Sicherheit besitzen.
Der finnische Entwickler Steady Energy [1] [2] baut in der Stadt Helsinki eine nicht-nukleare Pilotanlage des kleinen, modularen Reaktors LDR-50 zur Fernwärmeversorgung. Dazu erhielt das Unternehmen ein Darlehen in Höhe von EUR 10,5 Mio. (umgerechnet rund CHF 9,7 Mio.). Innerhalb von drei Jahren soll der Baubeginn des kommerziellen Fernwärme-SMR erfolgen.
Deutsche Kernkraftwerke können wirtschaftlich und zeitnah reaktiviert werden
Am 19. Juni 2026 stellte Nukleria in einer Pressemitteilung den neuen Bericht »Wiederinbetriebnahme deutscher Kernkraftwerke – Wirtschaftliche Tragfähigkeit und Ausblick« der Radiant Energy Group [1] der deutschen Öffentlichkeit vor. Der Bericht entstand unter maßgeblicher Mitwirkung deutscher kerntechnischer Fachleute aus dem Umfeld von Nuklearia. Als Co-Autor und technischer Redakteur wirkte der stellvertretende Vorsitzende Noah Jakob Rettberg an seiner Erstellung mit. Die Analyse liefert erstmals eine umfassende wirtschaftliche und technische Bewertung der Reaktivierungsoptionen deutscher Kernkraftwerke.
Kernenergie: Offener Brief an Regierungsvertreterin und -vertreter
Am 25.06.2026 veröffentlichte Nukleria.de den vollständigen Wortlaut eines offenen Briefes einer Gruppe ehemaliger Leiter deutscher Kernkraftwerke und weiterer kerntechnischer Experten an Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und den Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn:
Initiative für die Kernenergie in Deutschland
Die Organisation WePlanet*) hat einen offenen Brief an die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, veröffentlicht. Darin wird angeregt, Kernenergie in den kommenden Langfristszenarien zur Energiewende im Rahmen einer technologieoffenen und ergebnisoffenen Modellierung zu berücksichtigen.
Wie es mit der Energiewende weitergeht, entscheidet nicht nur über das Erreichen der Klimaziele, sondern auch über Wohlstand, Zukunftsfähigkeit und letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. WePlanet will, dass diese Weichenstellung nicht entlang politischer Vorannahmen erfolgt, sondern auf Basis von Evidenz und Wissenschaft.
„Ausstieg führt zum Abstieg“
Mit diesem Slogan warnte der langjährige Sprecher des Deutschen Atomforums Manfred Petroll bereits in 1998 vor der Abkehr von der Kernenergie, die den wirtschaftlichen Wohlstand und die technologische Führungsposition Deutschlands gefährden würden. Heute, 28 Jahre später zeigt sich, wie recht er hatte. Sein damaliges Eintreten und seine Argumente für die Kernenergie haben noch heute unverändert Gültigkeit: