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England forciert Ausbau der Kernkraft

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Am 15. September stimmte die britische Regierung unter Theresa May dem Kernkraftwerksneubau Hinkley Point C nach einer Neubeurteilung des Projektes zu.

Bemerkenswert ist: Die britische Regierung betrachtet Kernkraftwerke als wichtige Technologie zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Energieversorgung. Der Ausbau der Kernenergie soll den Verzicht auf Kohlekraftwerke erleichtern und mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie einhergehen.

Interessant: Nicht Großbritannien wird den Ausbau stemmen, sondern die französische Elecricite de France (EDF) zusammen mit der China General Nuclear Power Group (CGN). Beide Unternehmen unterzeichneten zusammen mit der britischen Regierung am 3. Oktober 2016 die Verträge zum Bau von zwei EPR-Einheiten am Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Jede EPR-Einheit wird eine Leistung von 1600 Megawatt haben. Die Baukosten werden auf 18 Milliarden britische Pfund geschätzt. CGN ist mit einem Drittel an den Kosten beteiligt.

Der Baubeginn ist für Mitte 2019 geplant. Nach der für 2025 erwarteten Inbetriebnahme soll Hinkley Point C 7% des britischen Stroms liefern und 60 Jahre am Netz bleiben. Der Bau schafft während der Bauzeit 25.000 Arbeitsplätze in Somerset.

Um das Risiko für das Konsortium kalkulierbar zu halten, ist Großbritannien bereit – über eine Zeit von 35 Jahren – einen Strompreis von 10 Cent pro Kilowattstunde zu garantieren. Eine einfache Überschlagsrechnung zeigt, dass das Doppelkraftwerk mit 3200 Megawatt diese Baukosten in etwa 10 Jahren wieder einspielt, sofern man 8000 Betriebsstunden pro Jahr unterstellt (1).

Die Standorte für sechs weitere Doppelkraftwerke in England sind bereits festgelegt. Es sind: Sizewell, Bradwell, Oldbury, Wylfa und Moorside.

Kernkraftwerke haben in England eine lange Tradition. Das erste Kernkraftwerk mit einer Leistung von 50 Megawatt nahm bereits 1956 den Betrieb in Calder Hall auf. Danach folgten etwa fünfzig weitere Reaktoren, welche fast alle grafitmoderiert und gasgekühlt waren. Von denen sind 16 noch in Betrieb und stellen 20 Prozent des benötigten Stroms bereit. Nach Angaben des britischen Business, Energy &Industrial Strategy Department (DECC) muss die Kraftwerkskapazität bis etwa 2035 um 31 Gigawatt ausgebaut werden. Da im gleichen Zeitraum 64 Gigawatt des heutigen Kraftwerksparks ersetzt werden müssen, besteht ein Ausbaubedarf von 95 Gigawatt. England plant, rund 14 Gigawatt des nötigen Ausbaus mit Kernenergie zu decken.

Das Committee Economics Affaires des Houses of Lords kam bereits in seinem Bericht „The Economics of Renewable Energy“ vom November 2008 zu der Erkenntnis, dass sich die erneuerbaren Energie sowohl als kostspielig wie auch gewagt (risky) erweisen könnte und die Kernenergie die am meisten zuverlässige CO2-arme Alternative sei.

Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte das britische unabhängige Committee on Climate Change im Dezember 2008. Es sprach sich für einen beschleunigten Ausbau der Kernenergie aus, um Lücken der Stromversorgung durch Windkraft auszugleichen.

Großbritannien will gemäß dem Climate Change Act von 2008 die Treibhausgasemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um 80% verringern. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, setzt die Regierung auch weiterhin auf eine emissionsarme Stromproduktion mit Wind, Sonne und Kernenergie. Heute verursachen Kohle- und Gaskraftwerke rund einen Viertel der Treibhausgasemissionen des Landes.

(1)            Marth, Blogg Das Kernkraftwerk Hinkley Point C: Energiewende auf englisch, 3.10.2016