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Deutsche Markenzeichen: Schadstoff-Hysterie und Technikfeindlichkeit

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Deutschlands Ingenieursleistung hat das nicht verdient

Dieser Artikel greift auf ältere Quellen zurückgreift. Ein Ausspruch von Goethe gibt mir „Rückendeckung“: „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohlig und behaglich im Gefühl der Majorität, die stets auf seiner Seite ist.“

„Wer in der Tagesschau oder in den ‚heute’-Meldungen genannt werden will, muss schlechte Nachrichten liefern, am besten solche von nationaler Bedeutung,“ so Dr. Michael Gestmann (1958-2016). Der Medienexperte hätte auch die Rezipienten der übrigen veröffentlichten Meinung hinzuzählen können. Er schrieb das vor einem Jahrzehnt, hat sich inzwischenetwas geändert? Stimmt wirklich der Spruch: Only bad news is good news?

Seit Jahren das ständige Jammern über vermeintliche Missstände im Umweltbereich und über Informationen, die als Missstände empfunden werden. Dabei hat diese Generation keine materiellen Sorgen. Sie lebt in der üppigsten, selbst für Randgruppen abgepolsterten Wohlstandsgesellschaft, die es je in unserer Geschichte gab und die haushoch über dem Lebensstandard der großen Masse der Erdbevölkerung liegt. Überdies, die Atemluft wird immer reiner, die Flüsse immer sauberer, wir sind so gesund wie nie. Seit 1990 ist laut den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Lebenserwartung der deutschen Männer von 72 auf 78 und die der deutschen Frauen von 79 auf 83 Jahre gestiegen. Die deutsche Gesundheitsvorsorge nimmt im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein. Ein grandioser Erfolg deutscher Leistungen auf technischem und medizinischem Gebiet.

Im Gegensatz dazu: „Deutschland ist und bleibt“, so zitiert Ulrich Bumann [1] die Stiftung für Zukunftsfragen, „in vielerlei Hinsicht das Land der Skeptiker und Pessimisten. Ob Angst vor Terroranschlägen oder Überfremdung, Einbrüchen oder Klimawandel – viele Bundesbürger haben das Gefühl, in unsicheren Zeiten zu leben. Parallel verlieren sie zunehmend das Vertrauen in Politik, Unternehmen und Medien.“ Unverkennbar ist der deutsche Hang, auch kleinste Begebenheiten theatralisch aufzubauschen bis hin zu extremer Übersteigerung.

Hat Deutschland Lust an der Selbstzerstörung? Ist Deutschland ein Volk der Hypochonder und der Technikfeinde geworden? Lassen sich größere aussichtsreiche Vorhaben überhaupt noch verwirklichen, ohne dass eine imaginäre Rotbauchunke sie zu Fall bringt? Wie will Deutschland seine wirtschaftliche Stellung in der Welt behaupten, wenn Chancen für technische Entwicklungen nicht erkannt oder gleich zu Beginn platt gemacht werden? Sind wir noch in der Lage die tatsächlichen Probleme der Gegenwart zu erkennen und rechtzeitig gegen zu steuern? Überbevölkerung, Armut und Hungersnot und dadurch ausgelöste Flüchtlingsbewegungen, Infektionskrankheiten und die Auswirkung der Globalisierung bei der Ausbreitung derselben, die Trinkwasser-Mangel, Verfügbarkeit von Energie, politische Instabilität und Terrorismus, vielleicht sogar die Cyber-Sicherheit sind weitaus dringlichere Probleme mit möglicherweise katastrophalen Folgen für die Menschheit, anstatt sich, um nur ein Beispiel zu nennen, unaufhörlich mit dem anthropogenen Klimawandel zu beschäftigen, dessen menschlichen Ursachen nicht nachweisbar und wissenschaftlich umstritten ist.

Sind wir immer noch Steinzeitmenschen, für die es eine Überlebensfrage war, über drohende Gefahren rechtzeitig informiert zu werden, durch wen oder was immer?

Im Land der Technikfeindlichkeit freuen wir uns nicht, wenn – um nur ein Beispiel zu nennen – ein Mikroskop erfunden wird, das offensichtlich Vergrößerungen machen kann, die man früher für unmöglich hielt. Nein, wir verwenden das, um vor winzig kleinen Würmchen im Fisch zu warnen, die unter dem neuen Mikroskop wie eine Anaconda aussehen. Oder die Verbesserung der Analysetechnik, die nachweisen kann, dass ein Stück Würfel-Zucker, morgens in den Starnberger See geworfen, abends schon nachgewiesen werden kann. Diese hoch entwickelte Technik ist in der Lage, Picomengen (ein billionstel Gramm) einer Substanz nach zu weisen. Somit werden Stoffe erfasst, die in geringsten Spuren vorhanden sind und bei denen die Konsumenten nicht abschätzen können, ob dennoch eine Gesundheitsbeeinträchtigung besteht [6].

Für jeden Buchstaben des ABC gibt es eine Substanz, die in Deutschland eine Zeit lang eine beispielslose Hysterie auslöste, inzwischen aber in Vergessenheit geriet, weil das Thema nach wenigen Wochen im Sande verlief. Eine dieser Substanzen war das Tetrachlordibenzodioxin, kurz Dioxin. Obwohl in der Natur Gifte vorkommen, welche die Wirksamkeit des Dioxins um ein Vielfaches übertreffen, blieb die Aufmerksamkeit auf das von Menschen hergestellte Gift gerichtet.

Dazu der auch vom Handelsblatt [2] zitierte amerikanische Wissenschaftler Bruce Ames, Professor für Biochemie und molekulare Biologie auf einem Kongress in Paris: “99,99 Prozent der Pestizide, die wir zu uns nehmen, sind natürlichen Ursprungs. Es gibt rund 10.000 verschiedene natürliche Pestizide in unserer Nahrung, normalerweise in einer viel höheren Dosis als synthetische Pestizide.“

Was der Wissenschaftler da sagte, das weiß jeder Kleingärtner: Pflanzen haben natürliche Abwehrstoffe, mit denen sie sich gegen ‚Konkurrenten‘ wehren können, eben die natürlichen Pestizide.

Kurz vor der Kaffeepause auf diesem Kongress in Paris warnte Professor Ames: “In einer Tasse Kaffee sind mehr als 1.000 chemische Substanzen, von denen erst 26 in Tierversuchen getestet worden sind und über die Hälfte waren krebserregend.“ Gleichzeitig warnte er die Biertrinker. “Wenn sie die gleichen Maßstäbe auf Bier übertragen, dann dürfen sie nur alle acht Jahre eine Flasche Bier trinken um jegliches Risiko einer Krebserkrankung auszuschließen.“

Der Kongress stand unter der Fragestellung: Sind die Ergebnisse von Tierversuchen auf Menschen zu übertragen. 132 Wissenschaftler und Experten aus der ganzen Welt nahmen teil, darunter ein Deutscher.

‚Das deutsche Volk klagt über Dinge, die anderen Nationen kein Thema sind, zum Beispiel das berühmte Waldsterben. Das Waldsterben, falls es überhaupt existierte, ist übrigens niemals kuriert, sondern nur verdrängt worden von der Beobachtung anderer eingebildeter oder tatsächlicher Leiden. Sie sind größtenteils eine Definitionsfrage. Die Furcht vor radioaktiver oder chemischer Vergiftung hat sich in einer Bestimmung extrem niedriger Grenzwerte niedergeschlagen, die zuverlässig dafür sorgen, dass es der Furcht nicht an Bestätigung mangeln wird’[3]. Patienten lassen sich zu Diagnosezwecken röntgen oder radioaktive Präparate spritzen, ohne dass ihnen der Gedanke einer Strahlenschädigung kommt. Hingegen verursachen die von Kernkraftwerken ausgehende Umgebungsstrahlung Ängste, obwohl diese Strahlung (genauer: Strahlendosis) weit unterhalb der natürlichen radioaktiven Strahlung liegt, jener Strahlung, der der Mensch permanent ausgesetzt ist und sich lebenslang nicht entziehen kann.

Unsere Angst vor vielen Gefahren steht oft im umgekehrten Verhältnis zu den Gefahren selbst. Natürliche oder freiwillig übernommene Risiken werden häufig unterschätzt. Die meisten menschengemachten oder aufgezwungenen Risiken bauschen wir dagegen eher auf. Woher kommt das? Warum frönen wir den Katastrophenszenarien und verfallen der Öko-Religion? Krämer[2] ist der Ansicht, dass „wir Zeugen einer beispielslosen Desinformationskampagne sind, die unsere Umwelt kaputtredet, unsere Gesundheit als ständig gefährdet ansieht, und ein ganzes Volk zu Opfern des Fortschritts, zu Kranken und Hilfsbedürftigen zu machen sucht.“

Diese Desinformationen werden bewusst und gezielt eingesetzt. Matthias Horx [4] zitiert Stephen Schneider, der im „Scientific American“ schrieb: „Wir sind nicht nur Wissenschaftler, sondern auch menschliche Wesen. Und wie die meisten Menschen möchten wir, dass sich die Welt verbessert. Dafür brauchen wir breite Unterstützung, wir müssen die öffentliche Meinung für uns gewinnen. Das heißt auch: Medienaufmerksamkeit. Deshalb müssen wir auch Angstszenarien anbieten, vereinfachte Stellungnahmen verbreiten und unsere Zweifel hintanstellen.“ Das ist der eigentliche Skandal, dass sich Wissenschaftler nicht mehr der Wissenschaft selbst verpflichtet fühlen, sondern im Namen der nutzvollen Übertreibung über die Jahre ein dichtes Netzwerk guter Lobbyisten entstanden ist, deren wahre Intentionen nur noch schwer zu beurteilen sind. Oder verfolgt der Klimaexperte, der die Klimakatastrophe permanent publiziert, nicht auch die Etatabsicherung seines Institutes?

Wir alle sind Zeugen einer beispielslosen verdeckt geführten Desinformationskampagne, die unsere Umwelt kaputtredet, unsere Gesellschaft ständig als gefährdet einstuft und ein ganzes Volk zu Opfern des Fortschritts, zu Kranken und Hilfsbedürftigen zu machen sucht [2].  Die Panikmacher haben große Teile der Medien im Griff. In kaum einem anderen Land haben Greenpeace-Aktivisten und so genannte Umweltschützer eine derart gute Resonanz wie in Deutschland. Nirgendwo erzeugen sie eine solche Bremswirkung wie in unserem Land. Horx sieht in der eigentlichen Gefahr des Alarmismus, der allenthalben von Kanzeln gepredigt wird, „dass er uns früher oder später in einen Haufen Zyniker verwandelt und unsere gesunden Reflexe gegen reale Probleme, die es ja unabweislich gibt, immunisiert. Dass er die Gesellschaft in Hysterie versetzt, sie auf immer größere Dosen der Droge „Untergangsgefahr“ eicht, die die Medien bereitwillig per Titelseite verabreichen. Und auf diese Weise eine Gesellschaft entstehen lässt, die vor lauter Waldsterben die Bäume nicht mehr sieht und nicht mehr zu vernünftigen und demokratischen Entscheidungen fähig ist.“

Einer, der das Dickicht der Desinformationen intensiv analysiert hat, ist Björn Lomborg, Ex-Greenpeace-Mitglied, der seine Erkenntnisse in „The Sceptical Environmentalist“ zusammengefasst hat und seither zu den wohl meistgehassten Personen in der grünen Diskurswelt zählt. Wie Horx schreibt, belegt Lomborg akribisch, dass 99 Prozent aller Meinungen über die Negativentwicklung unserer Welt vom Artensterben über Waldsterben, Überbevölkerung, Hunger und Armut, Umweltverschmutzung und so fort auf tönernen Füßen stehen. Unsachliche Statistiken, willkürliche Zahlenreihen, verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung weist er nicht nur vielen Ökologen, sondern auch den Globalisierungsgegnern nach.

„Zu den bemerkenswerten Vorgängen unserer Gegenwart gehört es, dass weithin die Fortschrittzuversicht in Fortschrittangst umkippt“, schrieb schon vor mehr als zwanzig Jahren Odo Marquard, ehemaliger Philosoph an der Universität Gießen [5].  „Gegenwärtig kommt es zum großen Umschlag der Modernisierungsbejahung in jenem fortschrittskritischen Antimodernismus, zu dem als Teilvorgang gehört, dass die Zuversicht in die Fortschritte der Technik abgelöst wird durch die Angst vor den Fortschritten der Technik. All das, was am modernen Fortschritt einstmals zustimmungsfähig und positiv schien, wird heute zum Auslöser von Ablehnungen. Die Leistungssteigerung der Wirtschaft wird nicht mehr als Hebung des Lebensstandards, sondern als Zunahme der Lebensbelastung empfunden.“ Einen weiteren Grund für die Technikfeindlichkeit sieht er auch in den „übermäßigen, nämlich absoluten Ansprüchen, die auch und gerade an die Technik gestellt werden. Diese Ansprüche können nur enttäuscht werden und führen zwangsläufig in die Dauerkritik.“

Alle zukunftweisenden Vorhaben in unserem Land, von der Gentechnik über den Transrapid bis hin zum Schnellen Brüter (der 1969 vom SPIEGEL als Goldesel der deutschen Atomphysik bezeichnet wurde), dem Hochtemperaturreaktor und zur fortgeschrittenen Reaktortechnik trafen auf die große Koalition der „Reichsbedenkenträger“, wie Manfred Lahnstein sie nannte. „Ein riesiges freischwebendes Angst-, Protest- und Verweigerungspotential steht wie die Klospülung all denen zur Verfügung, die neue Ideen schon bei der Geburt ertränken wollen“, beschreibt Krämer [2] die Situation schon vor fast zwanzig Jahren. In Deutschland haben Entwickler neuer Ideen zu beweisen, dass das Neue nicht schadet. Wenn hierbei der Bogen überspannt wird und die im Rechtswesen verankerte Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt wird, dann führe das in einer Welt, in der Hunderttausende von Ingenieuren, Biologen, Physikern und Chemikern in Kalifornien, China, Südkorea und Indien Tag und Nacht daran arbeiten, uns technisch und wirtschaftlich zu überholen, für Deutschland in die wirtschaftliche und soziale Katastrophe.

Nochmals: Diese Erkenntnisse sind fast zwanzig Jahre alt, geschehen ist seither nichts, das diesen gordischen Knoten durchschlagen könnte. An Mahnern fehlte es nicht, doch politische Reaktionen bleiben Fehlanzeige.

 

[1] Ulrich Bumann, Gackern im Stall, General-Anzeiger 22./23.09.2018

[2] Walter Krämer, Im Land der Panikmacher und Hypochonder, Handelsblatt 15.11.2001

[3] Jens Jessen, Im Land der Versorger, Zeit Online Nr.31/2005

[4] Matthias Horx, Die Welt geht einfach nicht unter, Die Welt 23.02.2002

[5] Odo Marquard, Gießen, „Technikfeindlichkeit – Philosophische Betrachtungen über die Erhaltung des Negativitätsbedarfs“, ca. 1998

[6] Rainer Six, Schadstoffe in Lebensmitteln und Entwicklung der Landwirtschaft, www.ageu-die-realisten.com, 17.3.2017