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Unterstützung für die Kernenergie in den Niederlanden

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Deutschland entwickelt sich zu einem kernenergiefreien “Inselstaat”. Die Vorbildabsicht war ein Trugschluss, mithin eine politische Fehlleistung. Kein Staat ließ Absichten erkennen, Deutschland zu folgen. Unmittelbar umgeben von Staaten, die die Kernenergie unverändert zur Stromerzeugung einsetzen, beziehungsweise, sie bald einsetzen werden: Schweden, Polen, Tschechien, Schweiz, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Sie sind auf die Kernenergie für ihre Stromerzeugung angewiesen, um gleichzeitig ihrer Pariser Umweltverpflichtung der CO2- Verminderung nachzukommen.

Auch in den Niederlanden mit dem einzigen Kernkraftwerk in Borssele kein Gedanke an den Ausstieg. Trotz der Katastrophe in Japan will das Land nach einer Meldung des Spiegels vom 23.03.2011 die Kernenergie ausbauen. Die neu entfachte Atomdebatte stieße vielmehr auf Unverständnis. Von der Diskussion in Deutschland um den Atomausstieg ließe sich die Regierung in Den Haag nicht beeindrucken. „Das deutsche Moratorium sei emotional getrieben und unnötig“, äußerte ein niederländischer EU-Parlamentarier dem Spiegel gegenüber. Der Spiegel zitierte das „NRC Handelsblad“ mit: „Es gibt keinen einzigen Grund für das sofortige Abschalten der sieben deutschen Kernkraftwerke. Es ist absolut unverständlich, das zu tun, weil es ein falsches Zeichen an die Bevölkerung sendet und auch Europa schadet“.

Am 23.09.2020 meldete „energate messenger.ch“, die niederländische Regierung prüfe den Bau neuer Kernkraftwerke. Das niederländische Wirtschaftsministerium habe eine Studie zu den Vorteilen der Kernenergienutzung präsentiert. Wörtlich heißt es in der Meldung: „Die Untersuchung der auf Nukleartechnologie spezialisierten Beratungsgesellschaft Enco sieht in der Atomkraft eine ernst zu nehmende Option neben Wind- und Solarenergie. Die Kosten seien nämlich vergleichbar, teilte das VVD-geführte Wirtschaftsministerium in Den Haag mit. Das gelte zumindest, wenn alle anfallenden Kosten in die Betrachtung einbezogen werden. So würden in der Regel die zusätzlichen Kosten der erneuerbaren Energien wie Netzanschluss, Netzregelung und Netzausbau außen vorgelassen und über den Netzbetreiber auf die Verbraucher abgewälzt. Um CO2 einzusparen, sei die Laufzeitverlängerung für bestehende Atomkraftwerke die wirtschaftlichste Option. Für den Neubau von Atommeilern in den Niederlanden sei es mit Blick auf lange Bauzeiten wichtig, Anschluss an die bestehende Serienproduktion im Ausland zu finden, empfiehlt Enco.“

Zur Förderung der Kernenergienutzung in den Niederlanden und im Ausland wurde nach einem Bericht der „World Nuclear News“ [1] Ende 2020 die e-Lise-Stiftung gegründet. Sie nehme derzeit an der Marktkonsultation der Regierung zur Nutzung der Kernenergie teil. Die Stiftung mit Sitz in Utrecht sagt, dass es möglich sei, die wachsende Unterstützung für Kernenergie zu nutzen, so dass Regierung, Versorgungsunternehmen, Investoren und Universitäten zusammenarbeiten, um die idealen Bedingungen für den Einsatz neuer Kernkraftwerke zu schaffen.

Die e-Lise-Stiftung legte jüngst ein Weißbuch mit 13 Empfehlungen für die niederländische Regierung vor, um den Bau neuer Kernkraftwerke in den Niederlanden zu verwirklichen. Ihre Empfehlungen sind:

  1. Garantien gegen politische Schwankungen bieten.
  2. Schaffung neuer Formen staatlicher Finanzierungsmechanismen, um zinsgünstige Darlehen für den Bau neuer Kernkraftwerke zu gewährleisten.
  3. Durchführung einer makroökonomische Kosten-Nutzen-Analyse der Kernenergie.
  4. Zusammenarbeit mit Energieunternehmen und Anbietern, um eine ausgewogene Kostenstruktur zu erreichen.
  5. Ermittlung nationaler und internationaler Kooperationsmöglichkeiten, die zur Serienproduktion in der Reaktortechnik führen.
  6. Förderung der Zusammenarbeit von Provinzen und regionalen Energieversorgern zur Entwicklung gemeinsamer Kernenergieprojekte
  7. Energieunternehmen ermutigen, ihre fossilen und/oder Biomassekraftwerke durch Kernkraftwerke zu ersetzen.
  8. Förderung der Forschung über die Nutzung der Kernenergie für nichtelektrische Prozesse.
  9. Berücksichtigung innovativer Reaktorsysteme.
  10. Erhöhung des nuklearen Wissens in der Regierung.
  11. Verständnis schaffen für die Strahlenschutzpolitik.
  12. Verständnis in der Gesellschaft schaffen und deren Diskussion über die Lagerung von Abfällen proaktiv aufnehmen.
  13. Sicherstellen, dass Kernenergie in der EU-Taxonomie als nachhaltig betrachtet wird.

Auch in den Niederlanden wird die Kernenergienutzung von Teilen der Gesellschaft abgelehnt. Mit den Empfehlungen soll gezeigt werden, dass die Regierung grundlegende Entscheidungen treffen kann, die Zeitpläne und Finanzierungskosten der Projekte positiv zu beeinflussen. Beide Aspekte sind für das wirtschaftliche Ergebnis des nuklearen Bauvorhabens von Bedeutung. Derzeit sei die niederländische Regierung zwar selbst ein Risikofaktor für Investoren, weil sie sich bisher als unzuverlässig erwiesen habe, aber die Stiftung glaubt, dass dies leicht behoben werden kann.

Die oben zitierten politischen Ansichten sind in Anbetracht der vergleichsweise bislang kleinen Rolle der Kernenergie in der niederländischen Stromversorgung bemerkenswert. Der 485 MWe (netto) Druckwasserreaktor Borssele liefert etwa 3 % der Gesamtstromerzeugung. Die Anlage ist seit 1973 in Betrieb und hatte vor wenigen Jahren eine Laufzeitverlängerung bis 2033 bekommen.

Im vergangenen Jahr forderte der Betreiber des Kernkraftwerks eine Verlängerung des Betriebs über 2033 hinaus und/oder den Bau von zwei neuen großen Reaktoren am Standort, um den Niederlanden zu helfen, ihre Energie- und Klimaziele zu erreichen.

 

[1] World Nuclear News, Dutch NGO calls for Government support for new build, 16.04.2021