Privacy Policy Grüne Ziele treiben die Materialpreise in die Höhe - AG E+U - Die Realisten

Grüne Ziele treiben die Materialpreise in die Höhe

Print Friendly, PDF & Email

Die Europäische Union und weitere westliche Staaten stehen vor einem wachsenden Paradoxon in der Kampagne zur Eindämmung des Klimawandels, einem Wandel, der dem Menschen angelastet wird und wofür der Beweis fehlt. Je härter sie den Übergang zu einer grüneren Wirtschaft vorantreiben, desto teurer wird die Kampagne und desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie das Ziel erreichen, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu begrenzen und vor allem einen nennenswerten Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Neue, grünorientierte und der Nachhaltigkeit dienende staatliche Regelungen treiben die Nachfrage nach Materialien in die Höhe, die für den Aufbau einer in diesem Sinn „saubereren“ Wirtschaft benötigt werden. Gleichzeitig schränkt die Verschärfung der Regulierung das Angebot ein, indem Investitionen in Minen, Hütten oder andere Quellen, die Kohlenstoffdioxid ausstoßen, gesenkt werden. Das unbeabsichtigte Ergebnis ist eine „grüne“ Inflation, wofür im englischen Sprachraum der Begriff “Greenflation” gebraucht wird: steigende Preise für Metalle und Mineralien wie Kupfer, Aluminium, Kobalt und Lithium, die für Solar- und Windenergie, Elektroautos und andere erneuerbare Technologien unerlässlich sind.

Die Investitionen werden auch durch Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) gedämpft.  ESG-Kriterien werden bei Finanzanlegern genutzt, um Unternehmen zu bewerten, in die sie möglicherweise investieren möchten. ESG-Kriterien können Investoren auch dabei helfen, Unternehmen zu meiden, die aufgrund ihrer Umwelt- oder anderen Praktiken ein höheres finanzielles Risiko darstellen könnten. Auch die von der EU angestrebte Taxonomie-Regelung wirkt in ähnlicher Weise wie die ESG-Kriterien.

ESG war vormals ein Luxus reicher Nationen. Heute nicht mehr. Der von ESG ausgehende Druck schränkt die Versorgung sogar aus Lateinamerika ein. Fast 40 Prozent der Kupferversorgung kommt aus Chile und Peru, und in beiden Ländern können Bergbauprojekte, die früher fünf Jahre dauerten, jetzt 10 oder mehr dauern. Ein großes Kupferprojekt in Peru, das 2011 eröffnet werden sollte, ist aufgrund des Widerstands der lokalen Gemeinschaft unvollendet. Allein in diesem Jahr hat Chile zwei weitreichende Umweltregeln verabschiedet und erwägt eine neue Lizenzgebühr, die einige seiner größten Minen unrentabel machen könnte [1].

Erneuerbare Technologien erfordern mehr Verkabelung als die Fossilien. Solar- oder Windkraftanlagen verbrauchen bis zu sechsmal mehr Kupfer als herkömmliche Stromerzeugung. In den letzten 18 Monaten, als die Regierungen neue grüne Ausgabenpläne und Zusagen ankündigten, erhöhten die Analysten stetig ihre Schätzungen für das Wachstum der Nachfrage nach Kupfer. Grüne Regulierung treibt somit die Nachfrage an, da sie das Angebot verengt und die „Greenflation“ fördert. Seit dem Tiefpunkt Anfang letzten Jahres ist der Kupferpreis um mehr als 100 Prozent gestiegen, während Aluminium um 75 Prozent gestiegen ist [1]. Auf den durch die Energiewende ausgelösten Rohstoff bedarf hatten wir in einem früheren Artikel hingewiesen.

Auch Chinas Rolle als großer Rohstofflieferant hat sich drastisch verändert. Vor einem Jahrzehnt produzierte das Land noch Rohstoffe wie Eisenerz und Stahl und warf den Überschuss auf ausländische Märkte. Jetzt hat Peking die Produktion im Rahmen seiner Kampagne zur Klimaneutralität reduziert. Fast 60 Prozent des Aluminiums stammen aus China, das kürzlich aufgrund seines enormen CO2-Fußabdrucks neue Alu-Schmelzen gekappt hat. Das sah nach einer grünen Entscheidung aus. Aluminium ist eines der „schmutzigsten“ Metalle [2]. Es wird aus Bauxit gewonnen, wobei Rotschlamm als Abfallprodukt anfällt. Der Schlamm enthält viele giftige Chemikalien. Eine Weiterverarbeitung ist nicht möglich. Aluminium ist jedoch eines der wichtigsten Metalle für Solar- und andere grüne Energieprojekte, und es wird in den kommenden Jahrzehnten mit einem besonders starken Anstieg der Nachfrage konfrontiert sein, so die Weltbank.

In den 2000er Jahren waren die Analysten aufgrund der Nachfrage aus China optimistisch in Bezug auf die Rohstoffpreise. Steigende Nachfragen infolge des grünen Trends hat sie in die Höhe getrieben [1].

Regierungen und insbesondere Grüne müssen erkennen, dass der Versuch, die alte Wirtschaft zu schnell herunterzufahren, den Preis für den Bau einer saubereren Wirtschaft außer Reichweite zu treiben droht.

 

[1] https://www.ft.com/content/49c19d8f-c3c3-4450-b869-50c7126076ee?mc_cid=14d5bfc90a&mc_eid=2560bc397b

[2] https://utopia.de/ratgeber/wie-schaedlich-ist-aluminium-fuer-umwelt-und-gesundheit/