Winterkapriolen 2025/2026 nichts Ungewöhnliches

Das Winterwetter macht mal wieder Kapriolen. Zum Jahreswechsel wurde es richtig eisig und zu Beginn des neuen Jahres fiel bis weit in den Norden Deutschlands Schnee. Wintersturm ELLI sorgte dann für Glatteis, Chaos und viele Unfälle. Die Kaltluft bleibt laut Wettervorhersage also weiterhin wetterbestimmend, voraussichtlich auch noch in der ersten Februarwoche.

Auf die Spitze trieb es das Winterwetter auf der Halbinsel Kamtschatka im äußersten Nordosten Russlands. Erschreckende Bilder von gigantischen Schneefällen flimmerten über den Fernsehbildschirm. Aktuell werden Rekordschneehöhen in Shippiro/Japan gemeldet, ebenso arktische Temperaturen in den USA und Rekordtiefstwerte in Kanada.

Wie erklären die Meteorologen derartige chaotischen Wetterentwicklungen? In deren Fachsprache heißt es, maßgebend sei das Zusammenwirken von Polarwirbel und Polarjetstream:

Der Polarwirbel sei gewissermaßen ein zentraler Wetter-Weichensteller für Mitteleuropa am fernen Nordpol. Er liegt in der Stratosphäre in 10 bis 50 km Höhe und entsteht durch Temperaturunterschied zwischen Äquator und Pol, der im Winter besonders groß ist. Dadurch verstärken sich der Polarwirbel und die Kaltluftmasse, in der bis zu minus 80 Grad herrschen.  Wenn dieser Wirbel, eine große westlich zirkulierende Luftmasse, stark zusammenhält, bliebe kalte polare Luft oben. Schiebt sich der Wirbel auseinander oder bricht ein, sendet er kalte Luft südwärts. Die Veränderung des Wirbelwinkels beeinflusst, wie oft und wie lange kalte Luft in mittlere Breiten kommt.

Der Polarjetstream „umrast“ in Höhe von etwa 10 bis 12 km mit Tempo 200 bis über 300 km/h den Polarwirbel. Ein starker, schwach welliger Polarjetstream, begünstigt durch einen stabilen Polarwirbel, bringt Mitteleuropa meist abwechslungsreiches Wetter vom Atlantik: Hoch, Tief, Hoch, Tief. Er folgt grob den Temperaturunterschieden zwischen Polar- und mittleren Breitengraden. Eine stratosphärische Warmluftströmung aus der oberen Stratosphäre kann den Polarwirbel schwächen, ebenso auch den Polarjetstream, der dann zu schlingern beginnt und das Risiko erhöht, dass Teile der Kaltluftmasse nach Süden ausbrechen. Eine solche Störung kann den Wirbel schließlich spalten oder gar zusammenbrechen lassen, was einige Wettermodelle für diesen Februar erwarten. Dann käme es zu einem Zustrom eisiger arktischer Luft nach Süden.

Trotz rechenintensiver Prognosen bleibt das Kapitel „Polarwirbel“ im Kern unberechenbar. Auch ist nicht bekannt, welchen Einfluss der Klimawandel auf die beschriebenen Wetterkapriolen hat.

Mittels KI lässt sich das Zusammenwirken von beiden, Wirbel und Stream, vereinfacht wie folgt beschreiben:

  • Starke, stabile Polarwirbel und gut geformter Polarjet führen oft zu kontinentalem kaltem Wetter in Europa, Nordamerika, je nach Lage.
  • Wenn der Polarwirbel schwächelt oder bricht, wird der Jetstream oft mehr wellig, wodurch kalte Luft ostwärts oder südwärts drängt, und wieder mildere Luft aus Süden nachkommt.
  • Stratosphärische Warmluftbewegungen können den Polarwirbel destabilisieren. Nach einer solchen Störung kann der Jetstream in stärkere Wellen geraten, was zu extremen Wetterlagen, wie wiederholten Kältefällen oder Wärmewellen, führen kann.

Sollte in den nächsten Tagen in den Medien für Mitteleuropa vom Jahrhundertwinter gesprochen werden, dann genügt ein Blick auf das Datenmeer seit 1881, dem Beginn der Aufzeichnungen: Der kälteste Deutsche Winter war derjenige von 1962/1963. Im Zeitraum 1.12. bis 28./29.2. betrug die Durchschnittstemperatur minus 5,48 Grad Celsius. Königssee und Bodensee waren damals vollständig zugefroren.