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Kehrtwende: CO2 weit weniger klimaschädlich

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Millionen Menschen rund um den Erdball sind überzeugt, dass der Mensch mit der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl das Klima beeinflusst, dass das von ihm erzeugte Kohlendioxid COSchuld ist am Klimawandel. Die Dauerberieselung durch Politiker, Medien und Umweltverbände hat gewirkt. Der Kohlendioxid-Anstieg in der Atmosphäre führe zu einer weltweiten Erwärmung der Erdtemperatur und in deren Folge zum Abschmelzen der Polkappen und somit zu einem katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels. Der Weltklimarat IPCC hält das Eintreten dieser Ereignisse in diesem Jahrhundert für wahrscheinlich.

Aktuell steht IPCC vor einem Problem: Seine auf Computermodellen beruhende These, dass die CO2-Zunahme in der Atmosphäre zu erhöhter Erdtemperatur führt, widerspricht der aktuellen Gegebenheit. In den letzten 20 Jahren ist die globale Temperatur nahezu gleichgeblieben, während der CO2-Gehalt in der Atmosphäre in dem Zeitraum kräftig zugenommen hat. Rund ein Drittel aller CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe seit Beginn der Industrialisierung 1750 fallen in diesen kurzen Zeitraum.

Für Überraschung sorgt nunmehr ein Interview mit Prof. Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und einer der Leitautoren des IPCC, das am 6.10.2018 Der Spiegel veröffentlichte[1] und vor wenigen Tagen am 22.2.2019 in Auszügen auf der EIKE-Webseite erschien.

 

Eike schreibt: „Prof. Marotzke kündigt in erfreulicher Offenheit und Klarheit an, der Weltklimarat werde zur Erreichung des 1,5-Grad-Erwärmungszieles den Höchstwert für das CO2-Budget auf etwa tausend Gigatonnen mindestens verdoppeln. Plötzlich werden also fünfhundert Gigatonnen – fünfhundert Milliarden Tonnen CO2– als „nicht-erwärmungs-wirksam“ frei gegeben. Gleichzeitig wird in Deutschland auf das Härteste um die Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke gerungen. Der jährliche CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Kohle-Kraftwerkes beträgt etwa 20 Mio. Tonnen. Folglich könnten weltweit zusätzlich 2.500 durchschnittlich große Kohlekraftwerke etwa zehn Jahre lang im Vollast-Betrieb Kohle verbrennen, um das riesige CO2-Budget zu verbrauchen, das so überraschend zusätzlich frei gegeben worden wird.“

Marotzke begründet die CO2-Kehrtwende mit dem Versagen der Klima-Modelle: „Unsere früheren Modelle sind an einer entscheidenden Stelle zu empfindlich. Die Simulationen geben zwar korrekt wieder, wie eine erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu dem entsprechenden Temperaturanstieg führt. Das Problem ist nur: Weitere Emissionen führen zu einer geringeren CO2-Konzentration in der Luft als vermutet. Offenbar verbleibt ein kleinerer Teil der Treibhausgase in der Atmosphäre, weil Wälder und Ozeane mehr davon schlucken als gedacht. Anders ausgedrückt: In den früheren Simulationen erzeugten die angenommenen Emissionen eine stärkere Erwärmung als in der Wirklichkeit.“ Ob seine Begründung stichhaltig ist, ist zweifelhaft, denn zunehmend mehr Wissenschaftler kritisieren nicht nur die Klima-Modelle als solche, sondern auch die Nicht-Beachtung der Sonnenaktivitäten und die Rolle der Ozeane bei der Klimabildung. (siehe hierzu auch [2])

Auch der renommierte schwedische Klimaforscher Lennart Bengtsson, ehemals Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, ist ebenfalls skeptisch, was die gängigen Vorhersagen angeht. „Prognosen“, so schrieb er im April 2014 in der NZZ [3], „sind mehr eine Sache des Glaubens als ein Faktum.“ Auch die Sensitivität des Klimas bezüglich des CO2 werde seiner Meinung nach überschätzt. Die Erwärmung falle markant geringer aus als von den meisten Klimamodellen vorhergesagt. Angesichts dieser bescheidenen Faktenlage warnt Bengtsson vor übereilten Entschlüssen:

„Bevor man […] radikale und hastige Änderungen am heutigen Energiesystem vornimmt, muss es robuste Beweise für einen beträchtlichen Klimawandel geben. Davon sind wir noch weit entfernt.“

Zig Milliarden sollen weltweit für die Verminderung der CO2-Emissionen ausgegeben werden. Gelder, die für eine Anpassung an den unvermeidbaren Klimawandel fehlen werden.

Wodurch wurde die Diskussion um die CO2-Wirkung auf das Klimageschehen ausgelöst? Dazu schrieb Horeis [4]: „Die ersten systematischen Untersuchungen dazu, inwieweit CO2 das Klima beeinflusst, stammen aus den 1970er-Jahren. So veröffentlichte das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien 1980 das erste globale Energieszenario, betitelt „Energie in einer endlichen Welt“. Das Thema Energie und Klima wird auf 20 Seiten behandelt, drei Seiten befassen sich mit dem möglichen Einfluss von CO2. Die Modellrechnung ergab, je nach eingeschlagener Energiestrategie, eine Temperaturerhöhung um weit weniger als ein Grad (Kernenergieszenario) bzw. bis zu vier Grad (fossile Energiestrategie) bis zur Mitte dieses Jahrhunderts.

Die amerikanische Akademie der Wissenschaften veröffentlichte 1979 einen Bericht, den ein Team unter Leitung des renommierten MIT-Meteorologen Jule G. Charney erstellt hatte [5]. Die Meteorologen untersuchten das, was Forscher heute als „Klimasensitivität“ bezeichnen: Welche Temperatur ist bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu erwarten? Ergebnis: Eine mittlere Erwärmung von 3 Grad Celsius (entsprechend einer Spanne von 1,5 bis 4,5 Grad Celsius). Regional würde dies zu merklichen Klimaänderungen führen.

Die Autoren beider Teams betonen ausdrücklich, dass die Modellrechnungen mit vielen Ungewissheiten behaftet seien und keine zuverlässigen Prognosen liefern könnten. Interessant ist, dass der Weltklimarat die Bandbreite eines möglichen Temperaturanstiegs heute nicht besser einschätzt als die Wissenschaftler vor über drei Jahrzehnten. Auch die heutigen Modelle, produziert mit superteuren Hochleistungsrechnern von tausenden von Wissenschaftlern, bewegen sich im Bereich von 1,5 bis 4,5 Grad Celsius. Dass „verlässliche“ Vorhersagen immer noch fehlen, mag daran liegen, dass das Erdklima ein sehr komplexes System ist. Und wie der Weltklimarat einmal selbst feststellte: Komplexe Systeme sind prinzipiell nicht vorhersagbar:  Im dritten Bericht des IPCC, veröffentlicht im Jahr 2001, heißt es: „In der Klimaforschung haben wir es mit einem gekoppeltem, nicht-linearen, chaotischen System zu tun. Deshalb ist eine langfristige Vorhersage zukünftiger Klimazustände nicht möglich.“[6]”

 

[1]  „Galgenfrist verlängert“ ; Klima: Der Physiker Jochem Marotzke über die überraschende Entdeckung, dass die Menschheit mehr Zeit hat, die globale Erwärmung zu stoppen; DER SPIEGEL, 06.10.2018, S.111

[2]  Tägder, Klaus „Nur marginale Temperaturerhöhung durch anthropogenes CO2“, <ageu-die-realisten.com>

[3 Bengtsson, Lennart, „Wissenschaft und Politik des Klimawandels. Gastkommentar zum Energiesystem“, NZZ Online, 14.04.2014

[4]  Horeis, Heinz, „Kohle versus Klima“, Novo Argumente, 04.05.2015

[5]  Jule G. Charney, „Carbon Dioxide and Climate: A Scientific Assessment“, US National Acadamy of Sciences, 27.06.1979

[6]  IPPC: Climate Change 2001: The scientific Basis. Contribution of Working Group I to the Third Assessment Report of the IPCC, Cambridge University Press 2001. Kapitel 14, Abschnitt 2.2.2