Privacy Policy Netto Null und die Augenwischerei - AG E+U - Die Realisten

Netto Null und die Augenwischerei

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Egal, ob Green Deal der Europäischen Union, ob Klimaneutralität, Netto Null oder Dekarbonisierung, hinter allen Begriffen steht die Verminderung des vom Menschen verursachten Kohlenstoffdioxids (CO2) in der Atmosphäre bis hin zur vollständigen Vermeidung von CO2-Emissionen.

Die Größenordnung, um die es dabei allerdings geht, sollte allen bewusst sein, um das politische Vorhaben beurteilen zu können. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre beträgt derzeit 420 ppm (particles per million) mit einer jährlichen Zunahme um ca. 2,2 ppm (Mittelwert der letzten 15 Jahre).  Diese Angabe bedeutet:

420 CO2-Parikel in 1.000.000 Luftpartikel

Doch aufgepasst: Von den 420 ppm sind 96 %, also ca. 403 ppm, natürlichen Ursprungs, somit ein vom Menschen nicht zu beeinflussender CO2-Anteil in der Atmosphäre. Bei der globalen Verminderung geht es ausschließlich um die Reduzierung des vom Menschen verursachten (anthropogenen) CO2-Anteils und das sind:

17 CO2-Partikel in 1.000.000 Luftpartikel.

Diese 17 ppm CO2, in ihrer Konzentration vergleichbar einer homöopathischen Dosis,  seien nach Ansicht des Weltklimarates maßgeblich für die Zunahme der Erderwärmung verantwortlich. Eine Ansicht, für die es keine wissenschaftlich gesicherten Belege gibt. Wir berichteten wiederholt hierüber.

Wegen des global unverändert hohen Anteils der Kohle an der Stromerzeugung wird sich, wie sich jetzt auch wieder bei COP 26 gezeigt hat, dieser CO2-Anteil in den nächsten Jahrzehnten nicht verringern lassen. Bestenfalls wird es bei den von Statista für 2020 angegebenen globalen CO2-Ausstoß von 34,8 Milliarden Tonnen CO2 trotz aller (äußerst kostspieligen) Verminderungsbemühungen bleiben.

Diese Angaben sollte man sich vor Augen führen, wenn es um die CO2– Verminderung geht, wobei der deutsche Anteil an den globalen CO2-Emissionen aktuell 2,1 % beträgt, beziehungsweise

0,36 CO2-Partikel in 1.000.000 Luftpartikel.

CO2-Verminderung in Deutschland oder auch in der EU können überdies nur im Zuge internationaler Abkommen wirksam werden. Oder, wie es der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, formulierte [1]:

„Alleingänge reichen grundsätzlich nicht. Für den globalen Klimaschutz bringen sie so gut wie gar nichts, wenn sie nicht mit einer aktiven und effizienten internationalen Politik und ihrer eindringlichen Förderung durch nationale Politik einhergehen.“

Genau das wurde auch auf der COP 26 nicht erreicht.

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind von 1990 bis 2020 um 40,8 Prozent auf rund 739 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gesunken. Allein im Jahr 2020 sanken die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent, was rund 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entspricht [2]. Kohlenstoffdioxid hat daran einen Anteil von 87 Prozent, entsprechend ca. 61 Millionen Tonnen.

Quelle: Klimaschutzbericht 2021 [2]

Bei dieser Emissionsverringerung wird es nicht bleiben. Durch die Abschaltung der drei Kernkraftwerke Brokdorf, Gundremmingen C und Grohnde entfallen ca. 23.000.000 MWh CO2-freie Strom-Jahresproduktion, die in den nächsten Jahren weitgehend durch Kohlestrom ersetzt werden muss. In diesem Fall ist

in 2022 mit einem CO2-Anstieg von 23 Mio. Tonnen CO2

zu rechnen. Mit der Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke Ende 2022 wird sich dieser CO2-Anstieg im Folgejahr noch verdoppeln.

Deutschland will bei der CO2-Verminderung mit gutem Beispiel vorangehen. Der Minderungsbeitrag aber ist Augenwischerei, eine kostenträchtige obendrein.

Soll der Wegfall von 8,11 GW der sechs Kernkraftwerke durch Windenergieanlagen ersetzt werden, was langfristig das politische Ziel ist, ist

rechnerisch der Zubau von mindestens 11.000 Windenergieanlagen

erforderlich, wobei die gegenwärtige mittlere Jahresstromerzeugung pro Anlage mit 4,33 MWh angenommen wird.

Dabei muss allerdings klar sein:

Unabhängig vom Zubau an Windenergieanlagen, weht kein Wind, ist der Windstrom Null.

In den nächsten Jahren können Kohlekraftwerke die Stromversorgung noch sicherstellen. Mit dem Ausstieg aus der Kohle in 2038, schlimmer noch in 2030, stünde im Prinzip nur mit Gaskraftwerken eine zwar geeignete, aber gegenüber Kohle deutlich teuere Stromerzeugung zur Verfügung, deren Beitrag zu mehr Klimaschutz wegen hoher Methan-Leckagen allerdings sehr zweifelhaft ist. Gegenwärtig sieht es nicht danach aus, dass eine ausreichende Kapazität an Gaskraftwerken fristgerecht vorhanden ist. Wegen des Vorrangs des Ökostroms vor konventionell erzeugtem Strom (Ökostrom hat immer Vorfahrt: Ist genügend „grüner“ Strom im Angebot, müssen die Kohlekraftwerke heruntergeregelt werden.) ist ein wirtschaftlicher Betrieb von Gaskraftwerken nicht möglich, was verständlicherweise Investoren abschreckt.

Bereits aktuell müssen bei Stromknappheit Stromabschaltungen im industriellen Bereich vorgenommen werden, um das Stromnetz vor einem Blackout zu sichern.

Fazit

Der Umfang der Anstrengungen, die erforderlich sind, um die Netto-Null-Ziele zu erreichen, ist extrem groß, exorbitant teuer und scheint in einem angemessenen Zeitrahmen nicht erreichbar zu sein. Alle Alternativen zu aktuellen Energiesystemen gehen von relativ sehr niedrigen Grundlagen aus und stoßen auf ernsthafte und vielleicht unüberwindbare ökologische, wirtschaftliche und materielle Barrieren. Die Debatte über Netto-Null braucht viel mehr Ehrlichkeit, einen Sinn für Realismus und eine Wertschätzung der breiteren globalen Entwicklungs-, Wirtschafts- und Umweltbedürfnisse.

Alle Technologien müssen auf einer ehrlichen Materialbedarfs- und Lebenszyklusbasis bewertet werden, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich den Emissionsnutzen bieten, den sie versprechen, und keine unbeabsichtigten Folgen haben.

Wenn es bei realer Betrachtung unmöglich ist, bis 2050 global Netto-Null-Emissionen zu erreichen, wird die Menschheit keine andere Wahl haben, als sich an die Folgen einer zukünftigen Erwärmung anzupassen. Selbst wenn Netto-Null erreicht würde, gäbe es immer noch Naturkatastrophen und Wetterextreme. Diese Realität muss anerkannt und mehr Gewicht auf Anpassungspolitiken gelegt werden, die die Gesellschaften auf mögliche Folgen eines zukünftigen Klimawandels vorbereiten.

 

[1] Tichys Einblick 12/21, Interview, „Unsere Freiheit ist in Gefahr“

[2] Klimaschutzbericht 2021 der Bundesregierung vom 05.11.2021, Drucksache 20/47