Nach Ansicht des Essener Institutes RWI gebe es gute Gründe, die Treibhausgas-Neutralität erst für das Jahr 2050 anzustreben [1]. Deutschland soll laut Klimaschutzgesetz bereits im Jahr 2045 klimaneutral werden und somit fünf Jahre früher als die Europäische Union (EU). Im Verbund mit anderen Wirtschaftsverbänden forderte auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im Jahr 2025, das deutsche Klimaneutralitätsziel von 2045 auf 2050 zu verschieben, denn Teile der Industrie sehen im schärferen nationalen Ziel einen Nachteil für hiesige Unternehmen. Ebenso die FDP forderte in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025, das Zieljahr 2045 an das EU-Zieljahr 2050 anzugleichen. Diese Forderung geht auf das vom ehemaligen FDP-Vorsitzenden Christian Lindner (2024) verfasste Papier zur „Wirtschaftswende Deutschland“ zurück.
In dem RWI-Diskussionspapier [1] wird argumentiert, dass eine wirksame Klimapolitik sich nicht auf nationale Maßnahmen konzentrieren darf, sondern zwangsläufig die globalen Effekte im Blick haben muss. Dazu gehört, nicht allein national und EU-weit auf die Bepreisung von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu setzen, sondern auch global, und Treibhausgase nur im Gleichschritt mit anderen Staaten zu mindern. Denn es würde dem Klima, einer globalen Herausforderung, nicht helfen, wenn Deutschland im Alleingang möglichst schnell und folglich mit erheblichen vermeidbaren wirtschaftlichen Nachteilen versucht, seine Volkswirtschaft klimaneutral aufzustellen. Diese Überlegung stellt sich umso mehr, als die Vorreiterrolle gravierende kontraproduktive Rückwirkungen für Deutschland haben kann, allen voran den möglichen Verlust an gesellschaftlicher Akzeptanz für die Klimapolitik.
Der „unmittelbare Einfluss Deutschlands“ auf die weltweite Emissionsentwicklung sei ohnehin „gering“, urteilt RWI-Experte Frondel. Der Anteil der Bundesrepublik am globalen Ausstoß von Treibhausgasen habe im Jahr 2024 noch bei knapp 1,2 Prozent gelegen – Tendenz sinkend. Inklusive China und Indien sei Asien im Jahr 2024 für 30,1 Milliarden Tonnen und somit weit mehr als die Hälfte des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Zwischen den Jahren 1990 und 2024 hätten sich die Emissionen Chinas etwa verdreifacht. Frondels Schlussfolgerung lautet: Ohne Bereitschaft der asiatischen Länder zur Treibhausgas-Minderung werde ein Anstieg des globalen CO2-Ausstoßes kaum gedämpft werden können. Die angestrebte Vorreiterrolle Deutschlands hat global keine Vorbildfunktion. Sie bleibt wirkungslos, wenn nicht zugleich stark CO2-emittierende Staaten mitziehen.
Die deutsche Klimapolitik wirkt sogar kontraproduktiv, denn sie führt dazu, dass Produktion in Regionen außerhalb Europas verlagert wird, in denen die CO2-Emission keiner Einschränkung unterliegt. Beispiel Aluminium-Hersteller.
„Deutschland zahlt einen hohen Preis für die verfehlte Klimapolitik“, gibt Frondel zu bedenken. „Was die deutsche Industrie angeht, erleben wir in weiten Teilen keine Transformation, sondern Destruktion. Die industrielle Basis wird zerstört.“
Soweit RWI. Aber beim Thema CO2 als Treibhausgas fügen wir schon beinahe gebetsmühlenartig an: Die Erforschung des Ursachenzusammenhangs zwischen den CO2-Emissionen fossile Brennstoffe nutzender Unternehmen … und dem Klimawandel“ wird seit Jahrzehnten betrieben. Sie hat bisher keinen naturwissenschaftlich belegbaren, d. h. messtechnisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen beiden Größen erbracht. Es gibt nicht eine einzige wissenschaftliche Veröffentlichung mit einem solchen Nachweis, auch nicht vom IPCC oder dem PIK. Es gibt allerdings wissenschaftliche Untersuchungen, die nachweisen, dass es einen solchen Zusammenhang nicht gibt und nicht geben kann (zum Beispiel hier, hier).
[1] https://www.rwi-essen.de/fileadmin/user_upload/RWI/Publikationen/RWI_Materialien/rwi-materialien_172.pdf