Asse: Rückholung der radioaktiven Abfälle wird zu einer Ewigkeits-Aufgabe

In der Schachtanlage Asse II im Landkreis Wolfenbüttel liegen in über 500 und über 700 Meter Tiefe rund 47.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Dort seien sie nicht sicher. Sie müssen zurückgeholt und das Bergwerk anschließend stillgelegt werden – so lautet der gesetzliche Auftrag an die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE).

Der Start der Räumung des Atommülllagers Asse ist wieder offen:  „Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten im Gesamtsystem, so dass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden kann«, sagte Dagmar Dehmer, Sprecherin der BGE. [1] Bisher hatte die zuständige Betreibergesellschaft mit Sitz im niedersächsischen Peine eine Rückholung der Abfälle ab dem Jahr 2033 anvisiert.

Mit Stand März 2026 sind die neuesten Entwicklungen:

  • Rückholung auf unbestimmte Zeit verschoben: Der geplante Beginn der Bergung der rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall ist nicht mehr haltbar. Ein Start im Jahr 2033 gilt als unrealistisch.
  • Wassereinbruch hält an: In das marode Bergwerk sickern weiterhin große Mengen Salzwasser ein. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) berichtet von etwa 10.000 Litern pro Tag, was rund 40 bis 50 Badewannen entspricht.
  • Erkundung der Kammern: Im August 2025 wurden erstmals Bilder aus der Einlagerungskammer 12 auf der 750-Meter-Sohle veröffentlicht, die Einblicke in den Zustand der dort lagernden Fässer ermöglichen. Geologische Voruntersuchungen ergaben jedoch, dass die Kammerdecke tiefer liegt als erwartet.
  • Stabilisierungsmaßnahmen: Die BGE arbeitet intensiv an der Stabilisierung des Bergwerks, um die Rückholung überhaupt zu ermöglichen, einschließlich der Verfüllung von Hohlräumen und der Schaffung neuer Infrastruktur (Rückholbergwerk).
  • Weiteres Vorgehen: Der Rückholplan von 2020 wird aufgrund der geologischen Bedingungen und der technischen Herausforderungen immer wieder angepasst. Die Rückholung von der 511-Meter-Ebene und der 750-Meter-Ebene bleibt der Kern des Vorhabens.

Gegenwärtig schätzen die Beteiligten die Kosten für die Vorbereitung der Rückholung auf rund 4,7 Milliarden Euro. Die Summe schließt den Aufwand für die Offenhaltung und Umsetzung der Vorsorgemaßnahmen der Notfallplanung ein. Die Unsicherheit der Schätzung liegt bei rund dreißig Prozent. Die Gesamtkosten für die Rückholung der radioaktiven Abfälle sind zurzeit ebenso wenig prognostizierbar wie die Kosten für die Stilllegung der Schachtanlage Asse II nach der erfolgten Rückholung [2].

Die BGE hatte 2020 einen Plan vorgelegt, nach dem 2033 mit der Rückholung begonnen werden sollte. Die Kosten nur bis zum Start kalkulierte die BGE schon seiner Zeit mit mehr als 3 Milliarden Euro. Das Vorhaben von 2020 sei ein Konzept gewesen, das »an vielen Stellen nicht planungsuntersetzt« gewesen sei, heißt es nun von der BGE. Der Plan habe grobe Zeitabschätzungen angenommen, die inzwischen überholt seien und sich teilweise als deutlich zu niedrig angesetzt herausgestellt hätten.

Im Mai 2020 haben wir ausführlich über das Räumungsvorhaben Asse II berichtet. Dort heißt es unter anderem:

Für den Fachverband für Strahlenschutz FS [3] ist „aus Sicht des Strahlenschutzes die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse sehr wahrscheinlich nicht die beste Lösung. Der Präsident des Fachverbands für Strahlenschutz befürchtet, dass dies zu mehr Dosis für die Beschäftigten und die Bevölkerung führen könnte als eine Verfüllung der Schachtanlage. Mit einer Rückholung wäre auch der Neubau des größten Zwischenlagers in Deutschland nötig. Auch dies sieht der FS kritisch.“

Quellen

[1] https://www.spiegel.de/wirtschaft/atommuelllager-asse-bergung-von-radioaktivem-abfall-auf-unbestimmte-zeit-verschoben-a-e54840cb-d7ee-4add-bf07-b5ad3c022ac1?xing_share=news

[2]  https://www.bge.de/de/asse/

[3] https://www.fs-ev.org/fileadmin/user_upload/02_Der_FS/Pressetext_Rueckholung_Asse_2012.pdf