Mythos von preisgünstiger erneuerbarer Energie

Die oft genannten EEG-Kosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Quelle: [1]

Nach Ansicht des Fraunhofer-Instituts für Solare Systeme aus 2024 sind die Stromgestehungskosten von Photovoltaik- und Windenergieanlagen die günstigsten in Deutschland. Und warum hat Deutschland mit die höchsten Strompreise in Europa?

Der Beginn der Energiewende lässt sich mit dem Umlegen eines Schalters vergleichen. Von jetzt auf gleich. Die Energiewende wurde vollzogen ohne Eignungs-, Machbarkeits-, Zuverlässigkeits-, Kosten- und Umweltverträglichkeitsprüfung im Hinblick auf die Prosperität der deutschen Wirtschaft und den Erhalt der Lebensqualität der Bürger, was Grundvoraussetzung vorausgehenden verantwortlichen politischen Handelns gewesen wäre.

Als Reaktion auf Risiken und unvorhergesehenen Auswirkungen wissenschaftlich-technischen Fortschritts wurde zu Beginn der 90er Jahre als zentrales Instrument der Politikberatung die Technikfolgenabschätzung mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Folgen technischer Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und Handlungsoptionen für Entscheidungsträger aufzuzeigen.

Dieses Instrument wandte die Politik leider nicht auf ihr eigenes Vorgehen an. Sie hätte sonst erkennen müssen, dass neben den unmittelbaren durchaus günstigen Erzeugungskosten, die Kosten der Stromverteilung und Stromspeicherung entscheidende Kostentreiber sind.

Als Folge mangelnder politischer Planung gehen die Strompreise inzwischen für Unternehmer und Haushalte durch die Decke. Eine Kostenwende ist nicht in Sicht. Unter Bezug auf das Handelsblatt [2] schrieben wir bereits: Deutschland braucht 1,1 Billionen Euro, um das gesetzlich verankerte Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen.

In 2023 veröffentlichte EWI eine Studie, in der diese Kosten noch übertroffen werden: Deutschland benötige über 2 Billionen Euro bis 2030 benötigt, um seine „grünen Klimaversprechen“ einzuhalten.

In Ermangelung offizieller politischer Angaben befragten wir die Künstlich Intelligenz nach den Kosten der Energiewende und erhielten die nachfolgendenAngaben. Eine exakte Gesamtsumme der Energiewende gäbe es nicht, schickte KI voraus, weil sie von der Abgrenzung abhängt (nur Strom vs. Energiesystem, Zeitraum, Einbezug von Steuermittel usw.). Aber man könne die Größenordnung unter Betrachtung aller strompreisrelevanten Komponenten recht gut einordnen.

Gesamtkosten Strom (Größenordnung)

Ca. 520 Milliarden Euro für die Jahre 2000 bis 2025 allein für die Stromwende entsprechend im Mittel ca. 20 Mrd. Euro pro Jahr. KI bezieht sich hierbei auf ungenannte aber oft wiederholte Veröffentlichungen (s.o).

Dieser Betrag umfasst die EEG-Förderung sowie die Netz- und Systemkosten in diesem Zeitraum. Nicht enthalten sind Verkehr, Wärme, Wasserstoff (siehe unten).

Größte Einzelposten

a) EEG-Förderung

Bis 2018 bereits ca. 200 Mrd. Euro insgesamt, die durch Umlage auf den Strompreis aufgebracht wurden. Jährlich typischerweise 20 – 25 Mrd. Euro. Seit 2022 Zahlungsumstellung auf den Bundeshaushalt und keine Umlage mehr auf den Strompreis.

b) Netzausbau & Netzentgelte

Je nach Studie bewegen sich die Kosten in der Größenordnung zweistelliger Milliardenbeträge pro Jahr.

Diese Kosten machen heute etwa ca. 25 % des Strompreises aus. Sie steigen seit Jahren kontinuierlich. Kostenarten sind Ausbau der Übertragungsnetze, der Verteilernetze und der Anschluss der Offshore-Windenergieanlagen.

c) Systemkosten

Dazu zählen Redispatchmaßnahmen, Einspeisemangement und Reservekraftwerke. Die hierbei anfallenden Kosten werden auf den Strompreis umgelegt.  Die Umlagen steigen ständig. Nach neuerer Abschätzung steigen die Stromsystemkosten von ca. 63 auf ca. 77 Mrd. Euro/Jahr bis 2025. Das entspricht Mehrkosten von etwa 14 Mrd. Euro im Jahr.

Weitere Umlagen, die mehrere ct/kWh ausmachen, sind die KWK-Umlage, die Offshore-Netzumlage und die §19-StromNEV.

Fazit Strom

Die oft genannten Gesamtkosten der Energiewende allein nur für Strom liegt realistisch bei ca. 500+ Mrd. Euro, von denen mehrere zehn Milliarden Euro jährlich direkt oder indirekt auf Verbraucher umgelegt werden. Entscheidend dabei, dass ein großer Teil nicht mehr sichtbar im Strompreis steckt, sondern inzwischen im Staatshaushalt und in Netzentgelten.

Hinzu kommen natürlich noch die Kosten, die die Stromverbraucher für die von der Politik geforderten Anpassungen an die Energiewende in den Unternehmen oder in Haushalten zu tragen haben.

Gesamt-Vollkosten (Aufbau)

 Zusätzlich zu den bisher betrachteten Förder- und Stromsystemkosten sind ferner

  • der Aufbau kompletter Infrastruktur
  • die Backup-Systeme für Dunkelflauten
  • Energiespeicher
  • die Stromerzeugung mittels grünem Wasserstoff
  • Betriebskosten und Ineffizienten

in Betracht zu ziehen, die teils bereits angefallen sind, größtenteils erst in Zukunft anfallen werden

Große Studien weisen hierfür Kosten in Höhe von ca. 3,4 Billionen Euro bis 2045 und 4,8 – 5,4 Billionen Euro bis 2049 aus.

In diesen Vollkosten bis 2049 werden die Kosten

  • der Stromerzeugung durch Windparks, Solaranlage, Biomasse etc. mit 1,1 – 1,5 Billionen Euro
  • für die Stromtrassen, Verteilernetze und Wasserstoffnetze mit ca. 1,2 Billionen Euro
  • für Importe von grünem Wasserstoff und E-Fuels mit 2,0 – 2,3 Billionen Euro
  • die Betriebskosten für Wartung, Personal, Ersatzteile mit ca. 500 Milliarden Euro

veranschlagt.

Abriss und Entsorgung

Abriss und Entsorgung seien laut KI technisch lösbar, aber nicht überall rechtlich perfekt standardisiert. Die Rückbaukosten pro Anlage werden mit etwa 100.000 – 500.000 Euro pro Anlage (je nach Größe, Fundament, Standort) angegeben. Der Rückbau selbst wird mit ungefähr 75 – 80 % der Gesamtkosten und die Entsorgung mit 10 – 25 % angenommen. Die Rückbau- und Entsorgungskosten seien Bestandteil der gesamten Stromgestehungskosten. Bereits bei der Genehmigung müssen die Betreiber finanzielle Sicherheiten in Form von z.B. Bankbürgschaften oder Rückstellungen nachweisen, dass der Rückbau bezahlt werden kann.

Ausstieg aus der Kernenergie

Die Kostenaufstellung der Energiewende wäre unvollständig, bliebe der volkswirtschaftliche Schaden durch den Ausstieg aus der Kernenergie unerwähnt. Sämtliche Kernkraftwerke wurden mehrere Jahre vor ihrer konzipierten Laufzeit von 40 Jahren abgeschaltet. Laufzeitverlängerungen auf 60 Jahre sind inzwischen üblich. Die abgeschalteten Kernkraftwerke hatten sich weitgehend amortisiert, ihr Weiterbetrieb wäre sehr wirtschaftlich gewesen. Hätte Deutschland an der Kernkraft festgehalten, hätte das Land bis zu 600 Milliarden Euro eingespart und mehr CO2-freien Strom produziert [3].

Die dümmste Energiepolitik der Welt“, so lautete die Bewertung der deutschen Energiewende im Wall Street Journal vom 29. Jan. 2019. Wie recht sie hat!

Zusammenfassung

Nach KI-Angaben sind bis Ende 2025 Kosten der Energiewende in der Größenordnung 600 – 800 Milliarden Euro angefallen, die sich bis 2045 auf ungefähr 3 – 5+ Billionen Euro summieren werden.

Die Ökostrom-Erzeugung ist zwar günstig, das System drumherum ist teuer, sehr teuer. Die oft genannten EEG-Kosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Der größte Kostenblock mit Speicher, Backup-Systeme, grüner Wasserstoff und Infrastruktur kommt erst noch.

Die hier genannten Kosten der Energiewende sind Größenordnungen, belegen aber den Mythos der preisgünstigen Stromerzeugung mittels Windenergie- und Solaranlagen.

Quellen

[1] https://wattsupwiththat.com/2026/03/27/renewables-are-cheap-myth/

[2] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energiewende-so-viel-kostet-die-infrastruktur-der-zukunft/100002597.html

[3] https://www.welt.de/wissenschaft/plus253434654/Atomausstieg-kostete-Deutschland-Hunderte-Milliarden-Euro-und-verschlechterte-die-CO2-Bilanz.html