Kohle, Öl und Erdgas waren und sind das Herz der industriellen Entwicklung. Ihnen verdanken wir unseren Lebensstandard. Seit Bestehen der – bis zum heutigen Tage unbewiesenen- Hypothese, dass das vom Menschen durch Verbrennung der Kohle erzeugte CO2 zur Erderwärmung beiträgt, wird Kohle wie ein Relikt behandelt. Ein Relikt, das durch die Energiewende möglichst schnell aus der Welt zu schaffen ist. Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 OC ist das erklärte Ziel seit der Weltklimakonferenz Paris 2015. Asiatische Staaten und die USA halten sich nicht daran. Gesicherte Energieversorgung hat bei ihnen Vorrang. Global steigt die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre stetig an. Die von der UN geforderten CO2-Einsparungen sind derzeit und in den nächsten Dekaden in Sinne des Klimaschutzes global deutungslos.
Für Lars Schernikau, ein Energieökonom, Unternehmer, Rohstoffhändler und Buchautor, ist der natürliche Energieträger noch lange unverzichtbar:
„Der weltweite Kohleverbrauch ist definitiv nicht zurückgegangen, ganz im Gegenteil, er ist nur von etwa 6 Milliarden Tonnen im Jahr 2008 (als ich mein erstes Buch über Kohle „The Renaissance of Steam Coal“ schrieb) auf heute etwa 9 Milliarden Tonnen gestiegen. Ganz zu schweigen vom Kohlehandel per Schiffsversand, der sich fast verdoppelte! Die Frage ist also nicht, ob Kohle verschwindet, wie uns gesagt wurde, sondern ob wir auf diesen nützlichen schwarzen Stein überhaupt verzichten können. Unsere materielle Welt wird von ihm angetrieben.
Nur zu gern wollen wir in einer „sauberen“ digitalen Welt mit all unseren Geräten, Apps, KI und Cloud-Speicher leben, aber unsere physische Welt ist nicht verschwunden und sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden.
Kohleeinsatz
Stahl, Zement, Metalle, Düngemittel… viele industrielle Basisstoffe sind nötig, um unser modernes Leben aufrecht zu erhalten, das immer noch stark – direkt oder indirekt – von Kohle abhängt.
Wussten Sie, dass etwa ein Drittel aller Kohle nicht für Strom, sondern für die Industrie genutzt wird? Tatsächlich wird mehr als die Hälfte aller Kohle weltweit von Industrien verbraucht, die für unsere täglichen Annehmlichkeiten Voraussetzung sind:
- Stahlproduktion,
- Chemikalien und Düngemittel,
- Zementherstellung,
- Hochtemperatur-Industrieheizung (auch zur Herstellung von Silikon für sehr beliebte Solarpanels verwendet) und so weiter.
Nimmt man Kohle aus diesem System, verliert man nicht nur Strom, sondern auch die Fähigkeit, unsere physische Umwelt fortzuführen und zu verbessern.
Die überraschende Realität über Strom ist, dass Kohle immer noch über ein Drittel des weltweiten Stroms produziert… Nicht weil Kohle die angesagte Wahl ist, sondern weil sie reichlich vorhanden und absolut dienlich ist – sie ist „demokratisch“ und so verdammt kostengünstig!
Schauen wir uns an, warum ich das sage:
- Kohlekraftwerke sind nicht wetterabhängig. Sie bleiben in Betrieb, auch wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.
- Kohle hat kein Explosionsrisiko. Sie benötigt keine komplexen Transport-, Lager- und Hilfssysteme und sie ist reichlich verfügbar, ohne dass die Region das Angebot monopolisiert.
- Kohlekraftwerke verrichten still und zuverlässig ihre Arbeit zu niedrigen Kosten, Stunde für Stunde Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt.
- Moderne kohlebefeuerte Kraftwerke verfügen über hochkomplexe Abgasreinigungssysteme, deren Ausstoß klassischer Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide und Staub unbedenklicher sind als eine stark befahrene Kreuzung!
Deshalb wird auf Kohle immer wieder zurückgegriffen, wenn Energiesysteme unter Druck stehen, selbst in Ländern, die behaupten, sich davon entfernt zu haben.
Kohleförderung und -ressourcen
Jedes Jahr fördert die Menschheit etwa 110 Milliarden Tonnen Ressourcen aus der Erde, und allein Kohle ist daran mit etwa 9 Milliarden Tonnen beteiligt.

Fast die Hälfte der weltweiten Schifffahrtsaktivitäten gilt dem Transport von Energie in Form von Öl, Gas und Kohle von einem Ort zum anderen. Kohle ist kein Nischenbrennstoff… Es ist eines der größten beweglichen Teile der Weltwirtschaft mit jährlich 1,5 Milliarden Tonnen Versand.
Ich vermute, Sie haben schon vom Argument gehört, dass das Kohlevorkommen begrenzt ist, und ja, das stimmt, aber uns wird die Kohle so bald nicht ausgehen. Nicht mal annähernd! Unsere Erde verfügt
- über 100 Jahre nachweisliche Reserven und
- Tausende Jahre an Gesamtressourcen, die wir heute bereits kennen, 20- bis 30-mal mehr als Gas, Öl oder Uran
- Kohle ist auch geografisch weit verbreitet, was bedeutet, dass sie nicht leicht zu kontrollieren, stören oder „abgeschaltet“ werden kann. Aus Sicht der Energiesicherheit ist das wichtig… Sehr!

Während China weiterhin die Kohlekapazität in großem Umfang ausbaut, plant Indien eine deutliche Steigerung der Kohleenergieproduktion, und Südostasien ist für Wachstum auf Kohle angewiesen.
Sogar die USA überdenken die Rolle der Kohle zur Stabilisierung ihrer Netze.
Und wie sieht es mit Europa aus? Alle greifen immer wieder auf Kohle zurück, wenn die Systeme unter Druck stehen.
In diesen Krisenzeiten griffen nicht nur Indien, Japan, die Philippinen und die USA darauf zurück, sondern sogar Italien kehrte zur Kohle zurück.
Was ist nun die eigentliche Geschichte?
Bei meinem Blogbeitrag [1] – „coal keeps the lights on“… geht es nicht darum, „pro“ oder „anti“ zu sein. Es geht darum, die Realität von Kohle zu verstehen, nämlich dass Kohle ist:
- tief in industrielle Systeme verankert
- strukturell mit der Zuverlässigkeit der Elektrizität verbunden und verantwortlich für sie und
- weiterhin zentral für globales Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung erforderlich.
Die eigentliche Frage ist nicht die Existenz des Kohleverbrauchs… Es geht darum, ob wir tatsächlich verstehen, was der Ersatz von Kohle erfordern würde. Der Verzicht auf Kohle, die Ausrichtung auf andere Energieträger und der Umbau unseres Industrie- und Wirtschaftssystems, die große Transformation, ist viel komplexer, teurer und viel relevanter, als die meisten Schlagzeilen vermuten lassen.“
[1] Details einschließlich des vollständigen Blogs über Kohle „Kohle hält das Licht an… Erleben wir eine „neue“ Renaissance der Kohle?“ sind erhältlich bei www.unpopular-truth.com