Offshore-Windparks – Eine ernüchternde Betrachtung

Die zehn Nordsee- Anrainerstaaten planen den Aufbau einer gemeinsamen Offshore-Windenergiestrukur mit rund 300 GW Offshore-Windenergie inklusive Anbindungen und Netzanschlüssen in mehrere Länder. Davon rund 100 GW grenzüberschreitende Kooperationsprojekte [1].

Aktuell zeigt sich die Windbranche beim deutschen Ausbau pessimistisch: Verzögerungen beim Netzanschluss der Anlagen sowie das Ausbleiben von Geboten in der Ausschreibungsrunde im August 2025 hätten zur Folge, dass das Ausbauziel in Höhe von 30 GW bis 2030 verfehlt werden. Bis dahin sei lediglich ein Zubau von 20 GW zu erwarten.

Zum ersten Mal ging im August eine Ausschreibung für Offshore-Windflächen ohne Gebote zu Ende. Der Grund könnte die alte Flächenplanung für die Nordsee sein, die Verluste durch enge Bebauung zu wenig beachtet. Der Bundesverband Windenergie Offshore stellte die Wirtschaftlichkeit der ausgeschriebenen Flächen bereits vor Fristende in Frage. In Vorausberechnungen sollte der Park gerade einmal 3000 Volllaststunden erreichen, etwa ein Viertel weniger als auf der Nordsee üblich.

Darüber hinaus seien die geltenden Ausschreibungsregeln ein Hindernis. In den geringen Geboten sah die Windbranche schon im Sommer vergangenen Jahres ein Zeichen, dass die Risiken für die Windkrafterzeuger zu hoch sind. Dies liege zum einen an Engpässen in der Lieferkette, zum anderen an starren Vorgaben für die Überbauung der zugeteilten Flächen. Verpflichtend ist derzeit eine Überbauung von 10 bis 20 Prozent der Fläche [1].

Inspektions- und Reparaturkosten auf See, Kostensteigerungen, Rentabilitätsprobleme bis hin zur Aufgabe von Offshore-Windenergie-Projekten in Schweden, Norwegen und Australien, über die Medien [3][4] berichteten, belegen die unternehmerischen Risiken (hier, hier, hier, hier).

Kritische Anmerkungen

In Anbetracht der Vorgaben von Ausbaukapazität und Zeitraum ist zweifelhaft, ob die politischen Akteure realistische Vorstellungen haben über die Lieferkettenproblematik, über Materialverfügbarkeit und –beschaffung, über verfügbare Baukapazitäten und überhaupt über die Beeinträchtigung der Umwelt sowohl bei der Materialbeschaffung wie beim Bau und Betrieb der Windräder. Dabei ist der Umweltschutz ein grundlegendes Postulat der Energiewende. Im Bericht auf dieser Webseite über den ökologischen Fußabdruck eines Windrades wird die Kehrseite eindringlich beschrieben und mit Zahlen unterlegt.

Überdies ist anzunehmen, dass die tatsächlich erntebare Energiemenge deutlich überschätzt wird. Die prognostizierten Volllaststunden von 4.500 bis 5.000 Stunden werden im Mittel lediglich zu etwa 65 % erreicht, die aus der von Rolf Schuster [2] erstellten Grafik deutlich hervorgeht.

Das Maximum der Volllaststunden (VLS) liegt im Bereich von 3200 bis 3600 Stunden im Jahr, weitab von den notwendigen 8760 Stunden im Jahr für die Grundlastfähigkeit, die von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt werden muss. Offshore-Windenergie ist nicht viel zuverlässiger als Onshore-Windenergie, jedoch etwa doppelt so teuer.

Von den Herausforderungen von Windparks auf offener See wie Veränderungen des Meeresbodens, der Habitatsstrukturen durch Fundamentbau, den Auswirkungen auf Meereslebewesen (u.a. Geräuschbelastung), regionale Beeinträchtigung der Wetterentwicklung, was alles zur Umweltverträglichprüfung gehört, ist kaum etwas Konkretes zu erfahren. Liegen derartige Prüfungen vor, oder setzt man sich wiedermal im Sinne des „übergeordneten öffentlichen Interesses“ darüber hinweg?

In internationalen Gewässern sind Offshore-Anlage in besonderem Maße Angriffen auf Plattformen, unterseeischen Kabelverbindungen und Steuerungssysteme, Drohnen- und Cyberangriffen ausgesetzt. Der Spontanausfall einer großen Stromkapazität hätte erhebliche Auswirkung auf die Netzstabilität. Ein ausreichender Schutz der Offshore-Anlagen gegen Sabotage können von den Betreibern allein nicht erbracht werden. Auch hier ist der Staat gefragt.

Quellen

[1] https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/windenergie/hehre-ziele-und-ernuechternde-gegenwart-fuer-die-offshore-windbranche

[2] Rolf Schuster, www.vernunftkraft.de

https://splash247.com/another-australian-offshore-wind-project-bites-the-dust-as-agl-walks-away/

https://www.abc.net.au/news/2025-12-05/third-victorian-offshore-wind-project-abandoned/106108856