Deutschlands Chance zur Erschließung neuer Wirtschaftsmärkte in Asien und bei der Integration Europas in die Neue Seidenstrasse

2. Folge: Projekte, die die Welt verändern
von Andrea Andromidas und Rainer Six

Das Projekt „ Moderne Seidenstraße“, als Chance zur Erschließung und Integration des asiatischen Wirtschaftsraums in einer zukünftigen globalen Weltwirtschaft zu nutzen, ist der in den letzten 40 Jahren beispiellosen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas zu verdanken. Zurückzuführen ist das vor allen Dingen auf die Abkehr von der grünen Planwirtschaft nach Mao´s Tod, mit dem Ziel, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung an dem wissenschaft-lichen und technischen Stand westlicher Industrieländer orientieren muß. Längst hat das Land den Status des Billigproduzenten überwunden und sich in den letzten 15 Jahren zur Industrie-nation mit dem höchsten Anteil forschungsintensiver Güter entwickelt, einer Hightech-Infrastruktur und einem sehr ehrgeizigen Raumfahrtprogramm.
Am 7. September 2013 präsentierte Präsident Xi Jinping bei einer Konferenz in der zentralasiatischen Stadt Astana in Kasachstan dieses Entwicklungskonzept nun auch als Chinas Modell für die internationalen Beziehungen, als„ One Belt-One Road“ ( Eine Straße- ein Gürtel), abgekürzt OBOR. An dieser Entwicklungsidee sind mittlerweile über 70 Länder beteiligt.
Wo sich einst Karawanenstraßen schlängelten, fahren heute auf den Hauptstrecken Hochgeschwindigkeitszüge mit mehr als 350 km/Std und moderne Güter aller Art haben den antiken Schätzen wie Seide, Teppiche, Gewürze, Pelze, Porzellan, Parfüm und Medikamente längst den Rang streitig gemacht. Und dennoch ist das Zauberhafte der alten Seidenstrasse nicht verschwunden. Vorbei geht es an ausgedehnten Wüsten und Steppen, hinauf auf Höhen von über 5000 Metern, durch wilde Täler und durch viele Tunnel. Alte Zollstationen und Oasenstädte säumen genauso den Weg wie moderne Flughäfen und neue Städte.
Eine der Hauptstrecken von der Riesenstadt Chonqing über Lanzhou, Urumqi, Almaty  und Moskau reicht inzwischen bis Duisburg und Hamburg. Die ungefähr 10300 Kilometer bis Hamburg, mitten durch extreme Klimazonen mit ihren eigentümlichen Landschaften meisterte der erste Containerzug im Jahr 2008. Ab 2011 war auch Duisburg das Ziel, zunächst für nur drei Züge die Woche, heute sind es schon 20 und auch dabei soll es nicht bleiben.
Der immer noch größte Binnenhafen der Welt scheint wie geschaffen für die neuen Herausforderungen, zumal die südliche Strecke über die Türkei und den Iran Nordrhein-Westfalen sogar mit dem Pazifik und damit mit den Märkten in Nord-Ost China, Südkorea und Japan verbinden kann.
Die Region Sinqiang, etwa so groß wie Alaska, gilt als eine der Hauptentwicklungszonen.
Schon länger arbeitet China an der Entwicklung und Integration des westlichen Teils seines Landes mit der uralten Stadt Kashgar, die auch heute noch das Tor für Korridore in alle Richtungen ist.
Das Gebiet grenzt an acht verschiedene Länder, umgeben von Hochgebirgsketten und mitten drin das Takla Makan Basin, eine der größten Wüsten. Die Entwicklung dieses Gebiets mit 22 Millionen Menschen gilt wegen der ausgedehnten Wüsten- und Gebirgslandschaft als geologisch besonders anspruchsvoll aber wegen seiner zentralen Lage auch als besonders bevorzugt. Auch hier wird eine neue Verbindung mit einer Hochgeschwindigkeitsbahntrasse gebaut, mitten durch die Wüste von Kashgar nach Hotan, Korla, Golmud bis nach Chonqing.
Von Kashgar geht es nach Süden über das Karakum-Gebirge nach Pakistan und quer durch das Land zu seiner Hafenstadt Gwadar am Arabischen Meer.
Von Kaschgar geht es auch westlich, über die nicht weniger anspruchsvolle Strecke zur Überquerung des Pamir-Plateaus Tadschikistan, durch Usbekistan, Turkmenistan und Iran bis in die Türkei, um von dort mit den bereits ausgebauten Strecken und dem neuen Tunnel in Istanbul Südost-Europa zu erreichen.
Für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ist die Strom- und Wasserversorgung von großer Bedeutung. Besonders in den gebirgsreichen Gegenden Tadschikistan, Kirgistans und auch Afghanistans gibt es mittlerweile eine enge Kooperation mit China und z.T. auch mit Russland beim Bau von Staudämmen und Elektrizitätsnetzen, beides unentbehrliche Voraussetzung für die Ansiedlung moderner Produktionskapazitäten, neuer Städte und Flughäfen.
In der Hafenstadt Gwadar stoßen wir auf die Maritime Seidenstraße, die im modernen China ihren Weg von Fuzhou aus nimmt und in südlicher Richtung die Kontinente umschifft. Auch hier ist vielen entgangen, dass es in jüngster Zeit neue Etappen zur Anbindung Europas gegeben hat. Mit dem seit August 2015 von Ägypten fertig gestellten parallelen Ausbau des Suezkanals können wir von Gwadar aus durch das Rote Meer ohne die bisher übliche  Wartezeit von mehreren Stunden das Mittelmeer erreichen und den Hafen Piräus ansteuern. Dieser, seit 2016 in chinesischer Hand, soll als großer Containerhafen ausgebaut und als Umschlagsplatz sowohl für den weiteren Land- als auch den weiteren Seeweg benutzt werden.
Nun haben wir von Sinqiang aus den Süden erobert. Der Weg nach Norden ist nicht weniger vielseitig, denn sobald wir die Steppe Kasachstans durchquert haben und in Astana angekommen sind, ist es nicht mehr weit zu dem großen Netz der alten Transsibirischen Eisenbahn mit ihren vielen neuen Verbindungen.
Entwicklungen dieser Art brauchen auch Visionen, Vorstellungen von der Zukunft, lange bevor diese Projekte in die Tat umgesetzt werden. Eines dieser Projekte ist die kontinentale Verbindung der Behringstrasse mit einem großen Tunnel, der als Plan schon eine ganze Weile existiert.
Und dann, wenn wir mit der Transsibirischen Eisenbahn auf dem Landweg Alaska erreichen und die Strecke nach Nordamerika vor uns haben, dann kommt man tatsächlich auf die Idee, die die Chinesen jetzt schon als Konzept erarbeitet haben: dass die Welt nämlich verbunden ist durch „ One Belt–One Road“, ( Ein Gürtel–Eine Straße) und dass die schreckliche Geopolitik, die uns so viele Kriege beschert hat, zukünftig ersetzt werden kann durch eine neue Entwicklungsstrategie, bei der alle Seiten nur gewinnen können.

Dr. Rainer Six – Arbeitsgemeinschaft Energie und Umwelt NRW
Andrea Andromidas – Schiller-Institut Wiesbaden

Journal Kabinett 2/2017, Seite 36-37

Leserbrief zum GA-Bericht „Kommunen gehen leer aus“ vom 23.02.2017

Wer geglaubt hat, dass die RWE-Tochter Innogy mit dem Schwenk zu den „Erneuerbaren Energien“ eine Konzernbilanzstabilisierung bewirken könnte, sieht sich derbe enttäuscht. Wie blind und gutgläubig muß man sein, wenn man die aktuelle Entwicklung bei den finanziellen Verpflichtungen des Mutterkonzerns bezüglich Ausstieg aus der konventionellen Energieerzeugung und den damit verbundenen Rückbau- und Entsorgungskosten völlig unrealistisch einschätzt. Es ist eine Farce, wenn Innogy Umweltprojekte fördert und Umweltpreise vergibt, die sich im Grunde genommen gegen das eigentliche Geschäftsmodell richten. Wer selber an dem Ast sägt, auf dem er sitzt, muss sich auf den Absturz gefaßt machen. Das gilt auch für kommunale Aktionäre, die auf eine alternative Energieerzeugung, insbesondere Windkraftnutzung, gesetzt haben und somit den Dividendenabsturz mit bewirkt zu haben.
Dr. Rainer Six

Deutschlands Chance zur Erschließung neuer Wirtschaftsmärkte in Asien und bei der Integration Europas in die Neue Seidenstrasse

Von Dr. Rainer Six und Andrea Andromidas

Durch zunehmende kriegerische Auseinandersetzungen, Massenmigration, Terroranschläge, wirtschaftliche Imbalancen und zunehmende Differenzen zwischen vermögenden und armen Gesellschaftsschichten gerät die bisher gewohnte Weltordnung wohlhabender Industriestaaten ins Wanken. Gründe hierfür sind einerseits das ungebremste Bevölkerungswachstum mit steigenden Ansprüchen an Lebensqualität und Bedarf an Ressourcen, Energie und Nahrung, andererseits deren ungerechte Verteilung. Ursache hierfür sind Privilegien einer gebildeten und wohlhabenden Gesellschaftsschicht, die die Produktivität ihrer Mitmenschen zur Wertschöpfung nutzen, sie aber nicht im gleichen Maße daran profitieren ließen und lassen und auch nicht daran interessiert waren und sind, deren Bildungsstand nachhaltig zu verbessern. Solange diese benachteiligten Bevölkerungsgruppen ihre Grundbedürfnisse eines erträglichen Lebens befrieden können, entsteht kein Gefährdungspotential und die Abhängigkeit wird als Selbstverständlichkeit akzeptiert. Bei drastischen Einschnitten in die individuelle Freiheit und Versagen gewohnter Lebensansprüche kann die Toleranzschwelle schnell erreicht werden, die zu einer heftigen Gegenreaktion führen kann. Folgen sind soziale Verwerfungen, Verlust von Moral und Idealen, die Gesellschaft driftet auseinander und zerfällt in zwei Lager, die kaum noch konsensfähig sind.

Ausweg aus dieser fatalen Entwicklung ist eine wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Neuorientierung und eine Überwindung der geopolitischen Konfrontationspolitik. Das Blockdenken West gegen Ost, Industrienationen im Kampf um wirtschaftliche Vormachtsstellung, Kontinent gegen Kontinent, Abschottung der Weltmärkte USA, Europa, Asien, Indien, Japan und Entwicklungsländer Afrika (trotz Bodenschätze) und osteuropäische Länder müssen beseitigt werden.

Eine Wende, so hoffen die Teilnehmer an den Verhandlungen auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos im Januar 2017, dass die Weltgemeinschaft die Unumkehrbarkeit der globalen Wirtschaftsentwicklung, aber auch die daraus zu nutzenden Vorteile für alle erkennt und sich gemeinsam für den Erfolg einer Wirtschaftsstrategie einsetzt. Dass ausgerechnet Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel nicht an dieser Veranstaltung teilnimmt, ist bedauerlich und zeugt nicht von politischem und wirtschaftlichen Weitblick.

Die Notwendigkeit und Vorteile bilateraler Zusammenarbeit bestätigen Wirtschaftsabkommen zwischen den BRICS-Staaten (Abkürzung von: Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika), die sich zusammengeschlossen haben, um gemeinsam eine Politik wirtschaftlicher Entwicklung nicht nur für ihre eigenen Länder, sondern zum Wohl der gesamten Menschheit zu betreiben.

China hat kürzlich die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) ins Leben gerufen, der sich mehr als 20 Nationen Asiens als Gründungsmitglieder angeschlossen und einen Entwicklungsfonds für die Seidenstrasse gebildet haben. Bei der APEC-Konferenz in Beijing hat Chinas Präsident Xi Jinping den ausgeschiedenen US-Präsidenten Obama aufgefordert, sich den Bemühungen Chinas und anderer asiatischer Nationen einschließlich Rußlands zum Aufbau der Neuen Seidenstraße anzuschließen. Im Gegensatz zu der von Obama favorisierten Transpazifischen Partnerschaft (TPP), von der Rußland und China ausgeschlossen sind, stehen die Initiativen der BRICS-Staaten, darunter die von China vorgeschlagene Freihandelszone für Asien und den Pazifik (FTAAP), allen offen. Auf dem jüngsten G-20-Treffen in Australien sprachen deshalb sowohl Präsident Xi Jinping als auch der indische Premierminister Narendra Modi von dem doppelten Ziel, durch wirtschaftliche Entwicklung Frieden auf der Welt zu schaffen und die Armut zu beenden.

Der Schlüssel zur Integration Europas in die Entwicklungskorridore der Neuen Seidenstrasse ist Deutschland, das in der Vergangenheit Zentrum der Handels-und Kulturentwicklung zwischen Asien und Europa war. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wurde deutlich, dass die Wirtschaftsbeziehungen zu China und deren wirtschaftliche Entwicklung von großem Interesse sind, da sich Präsident Xi Jinping für eine Politik der offenen Märkte einsetzen will. Er plädiert für eine offene globale Wirtschaft und fordert die weitere Liberalisierung des internationalen Handels zu unterstützen. Desweiteren soll der Marktzugang für ausländische Unternehmen vereinfacht, erleichtert und die Rechtssicherheit verbessert werden. Die dringendste Aufgabe ist es, die Weltwirtschaft vor einer drohenden Rezession zu bewahren und so zu einer Schicksalsgemeinschaft der Industrienationen führen muß. China ist eines der Länder, das in den vergangenen 30 Jahren am meisten von der Globalisierung profitiert hat. Hunderte Millionen Menschen entkamen der Armut, weil sie Arbeitsplätze in neuen Industrien fanden, die überwiegend für den Weltmarkt fertigten.

Von einem Wirtschaftswachstum Chinas für 2016 von 6,7 % , trotz Rückgang, träumen die meisten europäischen und amerikanischen Industrien und sind deswegen gut beraten, sich von nationalen und hegemonistischen Wirtschaftsprinzipien zu lösen und alternative Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Der Arbeitnehmeranteil an der Produktivitätsentwicklung und Erwirtschaftung des Sozialprodukts der westlichen Industriestaaten hat sich in den letzten 40 Jahren drastisch verändert, nämlich von der Schaffung materieller Produkte und Güter in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im Bergbau und in Produktionsanlagen für Gebrauchsgegenstände wie Autos, Maschinen etc. hin zu Dienstleistungen (Verwaltung, soziale Dienste, Lehrberufe, Dienste im Gesundheitswesen, Justiz und Politik, usw.). Das kann langfristig nicht funktionieren und muß dringend geändert werden, zumal ein Großteil der Weltbevölkerung am Rande des Existenzminimums lebt, dringend Versorgungsgüter benötigt und nicht an qualifizierten Produktionsprozessen beteiligt ist.

In der folgenden Kabinett-Ausgabe möchten wir Sie mit dem Bericht „Projekte, die die Welt verändern“ mit auf die Reise von Europa nach Asien mitnehmen und Ihnen veranschaulichen, welch enormes Potential in einer gemeinschaftlich getragenen Weltwirtschaftspolitik zum Wohle der Menschheit und Sicherung des Weltfriedens schlummert.

Journal Kabinett 1/2017, Seite 34-35

Schadstoffe in Lebensmitteln und Entwicklung der Landwirtschaft. Eine kritische Betrachtung

Meldungen über Giftstoffe in Lebensmitteln und Getränken, in Textilien, Mobiliar, Baustoffen, Schadstoffe in der Luft, eigentlich in allem, was uns umgibt, verunsichern unsere Mitmenschen derart, dass sie ständig in Angst leben, davon gesundheitlich geschädigt zu werden. Ministerien und deren Behörden fordern deswegen Grenzwerte für die Unbedenklichkeit eines Produktes, die in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten, Landwirtschaftskammern und Produktherstellern überprüft und wissenschaftlich abgesichert werden müssen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird erst nach langjährigen Freilandversuchen mit wissenschaftlich fundierten Analysenmethoden vor einer Zulassung überprüft und erst nach einer Unbedenklichkeitsbescheinigung zugelassen.

Dennoch werden immer häufiger Meldungen veröffentlicht, die von “Schadstoffbelastungen“ in Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen berichten.

Aktuell gibt es eine kontroverse Diskussion über die Weiterzulassung von Glyphosat, ein überwiegend in der Landwirtschaft eingesetztes Unkrautbekämpfungsmittel, dem eine kanzerogene (krebsauslösende) Wirkung unterstellt wird. Nach bisher 30 Jahren im Einsatz konnte bei vorgeschriebener Anwendung und sachgemäßer Ausbringung jedoch kein Beleg dafür erbracht werden.

Es geht auch mehr um Rückstände des Wirkstoffs im Ernteprodukt. In Textilfasern und im Bier wurde dieser, wie in den Medien berichtet, nachgewiesen. Wäre die Untersuchung vor 40 Jahren durchgeführt worden, würde die Probe als unbelastet gelten. In dem oben genannten Zeitraum hat sich nämlich die Analysentechnik und somit die Nachweisgrenze von Mikrogramm (1 millionsstel Gramm) auf Nanogramm (1milliardstel Gramm) und Picogramm (1 billionstel Gramm) bis hin sogar in molekulare Strukturen verfeinert, so daß nun Stoffe erfaßt werden, die in geringsten Spuren vorhanden sind und die Konsumenten nicht abschätzen können, ob dennoch keine Gesundheitsbeeinträchtigung besteht. Reinprodukte gibt es in der Natur nicht, sondern sind stets mehr oder weniger stark kontaminiert mit Begleitstoffen.

Selbst in “Bioprodukten“ kann nahezu das gesamte Periodensystem der Elemente nachgewiesen werden, die je nach ihrer Konzentration nicht oder doch gesundheitsgefährdent sind. Die Sensibilität und Stoffwechseltoleranz der Konsumenten ist auch stark von deren genetischen Konstitution

abhängig. Bestes Beispiel dafür ist die Nitratunverträglichkeit bei Säuglingen mit der genetisch veranlagten Säuglingsmethämoglobinämie, die eine Begrenzung von 50 mg pro Liter erforderte.

Ab welcher Konzentration ein Stoff in einem Produkt gesundheitsschädliche Wirkung hat, bzw. haben könnte, wird durch EU-weite Grenzwertfestlegung geregelt und auch international von UN-Gremien gefordert, um auch bei einer geringsten Auffälligkeit den Verdacht einer negativen Beeinträchtigung auszuräumen.

Allein der Hinweis, dass Pflanzenschutzmittel, soganannte Pestizide (Begriff suggeriert giftig und Pest verursachend) und Unkrautbekämpfungsmittel in unseren konventionell erzeugten Lebensmitteln nachgewiesen werden, fördert den Markt “Ökologische Produktion“ als Alternative einer Produktionsweise ohne chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Dennoch muß der Mineralstoffentzug durch das Ernteprodukt ausgeglichen werden, um eine weitere Bewirtschaftung zu ermöglichen. Dieses erfolgt mit tierischen Exkrementen (Mist und Gülle) und Ernterückständen, wie es in der Vergangenheit in der Kombination Ackerbau, Grünland und Viehhaltung üblich war. Erst durch den Einsatz chemischer Düngemittel konnten jeweils Acker-, Pflanzenbau- und Grünlandbetriebe entstehen und somit in Folge auch Massentierhaltungsbetriebe, die ihre Futtermittel auf dem Markt zukaufen konnten. Damit war der Grundstein für eine industrielle Landwirtschaft gelegt worden. Hohe Produktionsleistung in Quantität und Qualität sind Marktforderungen einer beängstigend wachsenden Weltbevölkerung, die nur noch großflächig mit hohem technischen Einsatz und mit Massentierhaltung erreichbar sind.

So erklärt es sich auch, dass neue Erkenntnisse der Biotechnologie große Bedeutung erlangen, wie sich in der Anwendung der Gentechnik, insbesondere bei der Futtermittelindustrie in Form von Gen-Mais zeigt. Durch Resistenzen gegen Schädlingsbefall wird der Ernteertrag erheblich gesteigert und trägt somit zur Ertragssicherheit bei.

Produktionstechnische Optimierungsverfahren dürfen jedoch ökologische Aspekte nicht verdrängen und müssen zukunftsbezogen zwischen Ökologie und Ökonomie ausgewogen werden. Auch die Abkehr von originären Zielen der Landwirtschaft zur Lebensmittelerzeugung hin zu “Energiewirten“ sollte nachdenklich stimmen, da Flächen für die Energieproduktion (Gas und Treibstoffe) der Nahrungs- und Futtermittelproduktion entzogen werden, eine Folge, die auf die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung zurückzuführen ist.

Journal Kabinett 4/2016, Seite 20-21

Pumpspeicherwerke – Die Lösung für das Gelingen der Energiewende?

Wie viele Pumspeicherwerke benötigt Deutschland zur Versorgungssicherheit nach Verzicht auf die konventionelle Energieerzeugung (fossile Energieträger und Kernenergie)?

Deutschland benötigt im Jahr durchschnittlich 610 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das ist ein Verbrauch von täglich etwa 1,68 Milliarden Kilowattstunden (1.680.000 Megawattstunden).

Nach der Energiewende will Deutschland ohne Atomstrom und ohne fossile Energieträger nur noch mit Wind- und Solarenergie, Energie aus nachwachsenden Rohstoffe, Biogas und Wasserkraft den Strombedarf decken.

Bei Windstille und fehlender Solarnutzung fällt jedoch der größte Anteil an der Energieerzeugung aus, so dass Speicher den Versorgungszeitraum überbrücken müssen.

Am Beispiel der im Jahr 2011 geplanten Aufstockung des Rurstausees in der Eifel um ein weiteres Oberbecken mit einer Leistungssteigerung auf 640 Megawatt, mit der bei ca. 6 Stunden Betriebsbereitschaft (640 x 6 ) 3.840 MWh Strom bereitgestellt werden kann, soll veranschaulicht werden, wie viele in dieser Größe zur Überbrückung des Strombedarfs bei Flaute und ausbleibendem Solarstrom benötigt werden.

Um ganz Deutschland einen Tag mit Pumspeicherstrom zu versorgen (wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint), nämlich 1,68 Millionen Megawattstunden, müssen: 1.680.000 MWh geteilt durch 3.840 MWh = rund 440 Pumspeicherwerke des Typs Rurstausee zur Verfügung stehen. Wenn das Wasserspeicherbecken leer ist, werden zur Füllung ca. 8 Stunden und ein Mehrenergieaufwand von einem Viertel des Nutzens von 3.840 MWh (ca. 1000 MWh) 4.800 MWh benötigt, um das Becken wieder zu füllen. Dieser Strom muß natürlich vor der nächsten Flaute zur Verfügung stehen.

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Muttertag war EEG-Zahltag

Mit diesem Bericht wollen wir über die Folgen informieren, die durch den politisch geforderten Ausbau der Solar-und Windenergie zur Umstellung der bisherigen fossilen und kerntechnischen Stromerzeugung entstehen.

Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass bei Windflaute und Dunkelheit kein und bei bedecktem Himmel nicht ausreichend Strom produziert werden kann. Andererseits kann Starkwind nicht genutzt werden, weil statische und sicherheitstechnische Probleme es nicht zulassen. Da Deutschland nicht gerade zu den sonnigen Ländern Mitteleuropas zählt und auch mit keiner kontinuierlichen Windenergienutzung rechnen kann, sind die “ertragsreichen Zeiten“ dieser Energiequellen sehr begrenzt. Kommt es jedoch zu einer gleichzeitig hohen Windkraft-und Solarenergieeinspeisung, kann in Spitzen die Leistung von bis zu 40 Großkraftwerken (über 40.000MW) im Netz zur Verfügung stehen. Genau das bereitet den Netzbetreibern große Probleme. Auch das europäische Verbundnetz, aber größtenteils regional angekoppelte Verteilernetze sind nicht auf eine plötzliche Stromeinspeisung in dieser Größenordnung ausgelegt. Ein weiteres Problem besteht in der Vorrangigkeit der Einspeisung, da die “alternativen Energien“ bevorzugt gegenüber den “konservativen“ eingespeist werden dürfen, was kaum noch mit den beängstigt zunehmenden Netzeingriffen zu bewerkstelligen ist und vorraussichtlich schon bald zu einem Stromausfall führen kann. Konventionelle Kraftwerke müssen in einem solchen Fall in immer größerer Zahl ganz schnell runtergefahren werden und stehen somit stets nur als Reservekraftwerke zur Verfügung, wenn durch Wind-und Solarenergie die Absicherung der Grundlast nicht gewährleistet ist. Derartig betrieben Kraftwerke können nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, da sie einerseits nur noch zur Deckung der Residuallast eingesetzt werden, aber andererseits unverzichtbar bereitstehen müssen.

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Kategorien EEG

Kohlenstoffdioxid (CO₂) – Eine Bestandsaufnahme

Dr. agr. Rainer Six

Kein anderes chemisches Element steht so im Fokus der Öffentlichkeit wie der Kohlenstoff (C), der bei Verbrennung das angeblich “klimaschädliche“ Kohlenstoffdioxid (CO₂) entstehen lässt. Diese Bestandsaufnahme soll veranschaulichen, in welchen Mengen Kohlenstoff bzw. Kohlenstoffdioxid vorhanden ist, wie es entsteht und welche Austausch,- Freisetzungs- und Fixierungsprozesse stattfinden.
Die durch alle menschlichen Aktivitäten direkt (durch Verbrennung fossiler Energieträger) oder indirekt (durch technische und chemische Prozesse) freigesetzten CO₂- Emissionen betragen, wie auch das Bundesumweltamt bestätigt, weniger als 3% der globalen Gesamtmenge. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass 97% des CO₂ nicht durch Menschen verursacht wurden, sondern natürlichen Ursprungs sind und somit auch nicht in ihrer “klimaschädlichen“ Wirkung vom Menschen beeinflusst werden können.
Da die Mengenangaben mehr oder weniger kalkulatorisch sind und im Vergleich zueinander um mehrere Zehnerpotenzen divergieren, ist es zur Beurteilung der globalen Zusammenhänge ausreichend, die Zahlen auf wenige signifikante Stellen zu runden. Die jährlichen CO₂-Emissionen einzelner Länder liegen im 108 Tonnen-Bereich, die gesamten anthropogenen Emissionen im 1010 Tonnen-Bereich und die globalen Gesamtemissionen im 1011 Tonnen-Bereich.

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Nachwachsende Rohstoffe, Erneuerbare Energien und ihr Beitrag zur Energiewende

von Dr. agr. Rainer Six und Dr.- Ing., Dr. rer. pol. Herbert Backhaus

Die den deutschen Stromverbrauchern regierungsamtlich verordnete Energiewende ist die Folge des weder technisch noch wirtschaftlich oder ökologisch (Klimaschutz) begründeten Ausstiegs aus der Kernenergie. Um den deutschen Stromverbrauch zu- künftig decken zu können, sollen vermehrt alternative Energieträger eingesetzt werden. Im Wesentlichen sind dies Wind und Sonne, aber auch nachwachsende Energie-Rohstoffe, die sogenannte Biomasse. Der so alternativ produzierte Strom soll die kerntechnische und fossile Erzeugung ersetzen. Die Versorgungssicherheit jedoch ist aber aufgrund der wetter- und tageszeitabhängigen Verfügbarkeit von Wind- und Solarstrom nicht gegeben. Bei der Stromerzeugung mit Biomasse ist der hohe Flächenverbrauch und der hohe Energieaufwand bei seiner Anpflanzung, Ernte und Verarbeitung in Rechnung zu stellen. Biomasse hat gegenwärtig einen Anteil von ca. 7% am Bruttostromverbrauch in Deutschland. Für die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne stehen in Deutschland mehr als 60.000 MW an installierter Leistung zur Verfügung. (Dies würde einer Leistung von etwa 54 Kernkraftwerken entsprechen.) Dennoch leisten sie gemeinsam nur einen Beitrag von ca. 12% am Bruttostromverbrauch. Der wetterabhängig aber bedarfsunabhängig erzeugte Strom ist oft zu wenig, aber meist zu viel. Der Überschuß müsste also gespeichert werden, wofür – nach dem derzeitigen Stand der technischen Entwicklung – nur Pumpspeicher-Kraftwerke zur Verfügung stehen oder muß bei Überschuß zu Dumpingpreisen, unentgeltlich oder sogar mit Negativpreisen an der Strombörse gehandelt werden. Die in Spitzen erzeugten Strommengen, die im eigenen Land auch bei Volllast nicht genutzt werden können, werden als “Exportschlager“ gepriesen.

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Die Energiewende – Ein Erfolsprojekt oder zum Scheitern verurteilt?

Dr. W. Ritter und Dr. R. Six

Eine Wende wird vollzogen, wenn man erkennt, dass der bisherige Weg in die falsche Richtung führt, also zu erkennen ist, dass bei weiterem Verbleiben schwerwiegende Nachteile und unwiderrufliche Konsequenzen zu befürchten sind. Die Begründung für die Durchführung der deutschen Energiewende lag anfangs in der Behauptung, dass das bei der bisherigen Energieproduktion freigesetzte  Spurengas CO2 die globale klimatische Entwicklung nachhaltig negativ beinflussen würde. Obwohl diese Aussage weltweit von Naturwissenschaftlern kontrovers diskutiert und beurteilt wird, wird mit den Medien der Eindruck erweckt, dass die überwiegende wissenschaftliche Meinung die Kimaschädlichkeit des CO2 bestätigt. In seriösen wissenschaftlichen Fachberichten und im Internet kann man sich informieren, dass es eher umgekehrt ist und im komplexen Ökosystem aufgrund einer Fülle von Variablen eine statistisch gesicherte Aussage gar nicht möglich ist. Selbst mit den noch so weit greifenden Rechenmodellen ist man nicht mal in der Lage, die vergangenen Klimaverläufe trotz belegbarer Daten aus Sedimenten, Eisbohrkernen, Pflanzenproben und Relikten der Vergangenheit mit modernsten Analysenmethoden nachzu-vollziehen. Die vom Staat verordneten Klimamodelle sind spekulativ und stehen im Widerspruch zum Verlauf der Klimageschichte.

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