Privacy Policy Geschätzte Kosten der Klimaneutralität bis 2050 - AG E+U - Die Realisten

Geschätzte Kosten der Klimaneutralität bis 2050

Print Friendly, PDF & Email

Offizielle Angaben über die voraussichtlichen Kosten der Klimaneutralitäts-Politik gibt es in Deutschland nicht. Zumeist beschränken sich vorhandene Angaben auf die Kosten der Energiewende und da wiederum nur auf die Kosten der allmählichen Umstellung der Stromerzeugung von konventioneller Kraftwerkstechnik auf erneuerbare Energien.

Noch in Erinnerung ist eine Angabe von Peter Altmaier in einem Interview mit der FAZ am 19.02.2013, damals war er Bundesumweltminister: „Die Kosten der Energiewende und des Umbaus unserer Energieversorgung könnten sich bis Ende der 30er Jahre dieses Jahrhunderts auf rund 1.000.000.000.000 Euro (eine Billion) summieren.“

Am 10. Oktober 2016 bezifferte „Die Welt“ die Kosten der Energiewende bis 2025 bereits mit „geschätzt rund 520 Milliarden Euro.“ Dieser Betrag wurde in 2021 von „Statista“ bestätigt, die prognostizierte Kosten der Energiewende (nur Strom betreffend) bis 2025 insgesamt mit rund 511 Milliarden Euro angibt “ [1]. Deren Aufschlüsselung ist aus der Abbildung zu ersehen:

Quelle: Statista 2021 [1]

Auf die parlamentarische Anfrage nach den Kosten der Energiewende antwortet die Bundesregierung in der Drucksache 19/14016 vom 15.10.2019 – ausweichend:

„Im Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ untersucht die Bundesregierung die Bezahlbarkeit von Energie anhand einer Vielzahl von Indikatoren, die in der Zusammenschau ein möglichst realistisches Bild der Kosten ergeben. Auf Grundlage eines engen Austausches mit der unabhängigen Expertenkommission zum Monitoring-Prozess und dem Nationalen Normenkontrollrat hat die Bundesregierung die Indikatorik zu den Kosten seit 2018 weiter ausgebaut und zum Beispiel den Indikator der Letztverbraucherausgaben für Energie und hier insbesondere der Letztverbraucherausgaben für Strom als geeignete Indikatoren für Bezahlbarkeit von Energie aufgenommen. Damit wird die Bezahlbarkeit als Dimension des energiepolitischen Zieldreiecks adressiert.“

Die Bundesregierung kann derzeit noch keine belastbaren Aussagen treffen, wie sich die Letztverbraucherausgaben in der Zukunft im Einzelnen entwickeln werden. Dies hängt u. a. von Trends im internationalen Marktumfeld bei den Brennstoffen Öl und Gas sowie von technologischen Entwicklungen und Innovationen sowie längerfristigen Verbrauchs- und Verhaltensänderungen in der Gesellschaft ab. Auch die weitere Ausgestaltung der Energiegesetzgebung, das Tempo des Stromnetzausbaus und die Entwicklung der CO2-Zertifikatpreise in der EU werden eine wichtige Rolle spielen.“

Modellrechnungen wären durchaus möglich. Vermutlich schreckt die Bundesregierung auch vor der Ermittlung der horrenden Kosten zurück, zumal, wenn das komplette Kostenausmaß unter Einschluss der Klimaneutralität miterfasst würde. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme errechnete in ihrer Studie zur System- und Kostenentwicklung einer klimaschutzkompatiblen Transformation des deutschen Energiesystems von heute bis 2050 die kumulativen Gesamtkosten für das günstigste Szenario bereits mit rund 11oo Milliarden Euro unter der Voraussetzung, dass „die Preise für fossile Energieträger bis 2050 gleich und die Kosten für CO2-Emissionen langfristig niedrig sind“ [2].

Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass diese Kosten von allen Staatsbürgern aufgebracht werden müssen, entweder in Form von Steuern, Energiepreisaufschlägen und/oder Aufschlägen auf Verbrauchsgüter. Die Bürger haben daher ein Recht darauf zu erfahren, welche Kosten auf sie zukommen und vor allem, wie der Staat seine kostenträchtigen Maßnahmen begründet, deren Wirkung angesichts eines international anhaltenden Kohlekraftwerkausbaus für das Klima unbedeutend sind.

Auch in Großbritannien werden die wahren Kosten der Net-Zero-Politik unter Verschluss gehalten. Wie Global Warming Policy Foundation (GWPF) berichtete [3], kämpfte die Regierung zwei Jahre lang gegen die Offenlegung einer vom Finanzministerium als “realistisch” bezeichneten internen Modellschätzung für die Kosten von Net-Zero. Die jetzt bekannt gewordene Modellrechnung schätzt die Nettokosten von Net-Zero bis 2050 auf 1.275 Mrd. GBP, wobei die jährlichen Kosten im Jahr 2050 um 40% höher sein würden, verglichen mit der Schätzung des britischen Ausschusses für Klimawandel (CCC). Das Finanzministerium räumte ein, dass “die Kosten für den Übergang [zu Net-Zero] höchst ungewiss sind”, während sie und das CCC weiterhin Einzelheiten zur Methodik zurückhalten. Aktivisten haben mehr Transparenz gefordert, da der Premierminister darauf besteht, dass Net Zero keine neuen Steuern zur Folge habe.

Nach Angaben von GWFP sind „die dargestellten Zahlen Nettokosten und werden teilweise durch Kosteneinsparungen in bestimmten Sektoren ausgeglichen. Die Gesamtbruttokosten sind also noch höher. Das Energy Technologies Institute hat angegeben, dass die Kosten für die Nachrüstung des britischen Wohnungsbestandes allein mehr als 2 Billionen GBP betragen könnten, und ein GWPF-Bericht beziffert die Gesamtkosten auf mehr als 3 Billionen GBP.“

Dass es gute Gründe gibt, in saubere Energieformen zu investieren, soll nicht in Abrede gestellt werden. Aber angesichts solcher Kosten, die vermutlich erst die Untergrenze sind, darf nicht übersehen werden, dass viele Länder zwar vage Zusagen zur Emissionsreduzierung gemacht, sich aber nur wenige mit verbindlichen Zielen verpflichtet haben. Die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen lassen seit Jahren trotz Bekundungen auf Klimakonferenzen keinen abnehmenden Trend erkennen. Auch darf nicht apodiktisch ausgeblendet werden, dass es keine wissenschaftlich gesicherten Beweise für die signifikante Beeinflussung des Klimas durch CO2 gibt. Was wäre erreicht, wenn die heimische Industrie ihre Produktionsstätten in Länder mit weniger Umweltauflagen und preiswerter Energie verlegen würde? Dieser Prozess hat bereits eingesetzt. Eine Verschlechterung des Lebensstandards wären die unausbleiblichen Folgen. Operation (Umweltschutz) gelungen, Patient tot. „Die Bezahlbarkeit als Dimension des energiepolitischen Zieldreiecks“ (siehe oben) wird sich als glatter Hohn erweisen.

 

[1] de.statista.com, „Prognostizierte Kosten der Energiewende insgesamt bis 2025, Statista 2021

[2] Fraunhofer-ISE-Studie-Was-kostet-die-Energiewende, 5.11.2015

[3] GWPF Press Release 05/03/2021 „Revealed: The 1,3 trillion GBP Net Zero cost estimate called ‘more realistic’ by Treasury, suppressed by government”