Privacy Policy Kernenergie in der EU: Unverzichtbar, aber Förderungswürdigkeit weiter offen - AG E+U - Die Realisten

Kernenergie in der EU: Unverzichtbar, aber Förderungswürdigkeit weiter offen

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Wird die Kernenergie von der EU als förderungswürdig im Sinne der Taxonomie eingestuft oder nicht? Die Einstellung der EU-Kommission zur Kernenergie ist unverändert ambivalent.

Die Entscheidung spitzt sich zu. Die Situation ist unverändert wie hier beschrieben. Kürzlich betonte eine EU-Direktorin die Bedeutung der nuklearen Forschung. Kernenergie ja, aber?

Auf dem gemeinsamen Workshop der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Anfang März sprach sich der stellvertretende Generaldirektor der GD Energie bei der EU-Kommission, Massimo Garribba, zwar eindeutig für die Förderungswürdigkeit der Kernenergie im Sinne der Taxonomie aus, wies aber daraufhin:

“Wir haben unseren wissenschaftlichen Zweig, die Gemeinsame Forschungsstelle, beauftragt, einen Bericht darüber zu erstellen. Dies wird dann von zwei aus Mitgliedstaaten bestehenden Ausschüssen geprüft, und dann wird die Kommission entscheiden, wie wir vorgehen und ob die Taxonomie-Kriterien erfüllt sind oder nicht. Derzeit finden sehr kritische Diskussionen statt. Die Kommission bewegt sich in diesem Jahr auf das erste Delegierte Gesetz zu, das die Kernenergie nicht einschließt. Wir haben ein klares Verständnis dafür, dass das Kriterium für eine kohlenstoffarme Umwelt auch von Kernenergie vollständig erfüllt wird.” [1]

In seinen Ausführungen erwähnte Garribba die europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren (SMR), deren Bedeutung unter anderem für die Stromerzeugung, für die Wasserstofferzeugung und für die Wassergewinnung durch Entsalzung. Mit der Industrie und mit Partnern in den USA und Japan würden hierüber Gespräche geführt.

„In den kommenden Monaten wollen wir uns eingehend mit optimierten und gemeinsamen Lizenzierungsprozessen für SMR, mit der Schaffung einer nuklearen Lieferkette und die Senkung der Kosten befassen.“

In 2019 machten kohlenstoffarme Energiequellen mehr als 60 % des EU-Strommix aus und zwar 34,7 % durch erneuerbare Energien und Biokraftstoffe und 26,4 % durch Kernenergie. In der EU sind aktuell 307 Kernkraftwerke mit einer Leistung von über 100 GWe in Betrieb. Die EU plant nach Worten von Garriba einen Strommix bis 2050 mit 80 % Strom aus erneuerbaren Energien, 15 % aus Kernkraftwerken und den Rest aus kohlenstoffarmen Quellen.

Die weitere Nutzung der Kernenergie bedeute entweder eine Laufzeitverlängerung bestehender Kernkraftwerke oder/und Neubauten. Im ersten Fall wären für die nächsten 10 bis 20 Jahre 50 Milliarden Euro zu veranschlagen, Neubauten machten bis 2050 Investitionen zwischen 350 und 450 Milliarden Euro erforderlich [1].

[1] World Nuclear News, Nuclear can bring balance to climate debate, says EC official, 8.3.2021