Privacy Policy EU braucht "kolossale" Investitionen für den KKW-Ausbau - AG E+U - Die Realisten

EU braucht “kolossale” Investitionen für den KKW-Ausbau

Print Friendly, PDF & Email

Investitionen in die Kernenergie in Höhe von 50 Milliarden Euro bis 2030 und von rund 500 Milliarden Euro bis 2050 werden erforderlich sein, wenn das Ziel der Europäischen Union der Klimaneutralität erreicht werden soll, sagte der EU-Kommissar für den Binnenmarkt Thierry Breton in einem Interview mit dem französischen Le Journal du Dimanche.

Seine Aussage erfolgte nachdem die EU vorgeschlagen hatte, Kernkraft und Erdgas in die Taxonomie aufzunehmen. Nach seinen Worten spiele die Kernenergie eine grundlegende Rolle, wenn die EU Netto-Null erreichen wolle.

“Um Klimaneutralität zu erreichen, ist es wirklich notwendig, bei der Produktion von kohlenstofffreiem Strom in Europa einen Gang höher zu schalten, da man weiß, dass sich die Nachfrage nach Strom selbst in 30 Jahren verdoppeln wird”, sagte Breton gegenüber Le Journal du Dimanche.

Die Taxonomie ermöglicht den Zugang zum Kapital bei Vorliegen eines „grünen Labels“ zu günstigen Bedingungen. Für die Kernenergie wäre ein „grünes“ Label von entscheidender Bedeutung, um die benötigte Finanzierung zu erreichen.

“Der grüne Übergang wird zu einer industriellen Revolution von beispiellosem Ausmaß führen”, betonte Breton.

Er fügte hinzu, dass zwar jeder der 27 EU-Mitgliedstaaten für seinen eigenen Energiemix verantwortlich sei, “sich die kollektive Verantwortung jedoch auf die Mittel konzentrieren muss, die in der gesamten Europäischen Union eingesetzt werden müssen, um gemeinsam das von allen Staaten festgelegte Ziel zu erreichen: Netto-Null im Jahr 2050”.

Rund die Hälfte der EU-Mitgliedstaaten habe beschlossen, die Kernenergie in ihren Energiemix aufzunehmen, während “einige es vorziehen, auf Gas zu setzen”.

“Ich urteile nicht über die souveränen Entscheidungen der Staaten”, fügte er hinzu. “Die Hauptsache ist, dass die Bemühungen des europäischen Kontinents, der sich bei weitem am meisten für den Schutz des Planeten einsetzt, innerhalb der vorgegebenen Zeit erfolgreich sein können.”

Die Kommission hat am 31. Dezember Konsultationen mit der Sachverständigengruppe der Mitgliedstaaten für ein nachhaltiges Finanzwesen und der Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen über den Entwurf eines ergänzenden delegierten Rechtsakts (CDA) zur Taxonomie aufgenommen, der bestimmte Gas- und Nukleartätigkeiten abdeckt. Dieses Dokument sei durchgesickert, berichtete World Nuclear News am 1o.1.2022 und vom unabhängigen europäischen Mediennetzwerk Euractiv veröffentlicht worden. In einem unerwarteten Schritt hat die Kommission beschlossen, diesen vorgeschlagenen CDA nicht zur öffentlichen Konsultation freizugeben, da bereits genügend Konsultationen stattgefunden hätten.

Das Europäische Parlament und der Rat haben vier Monate Zeit, um das Dokument zu prüfen. Im Einklang mit der Taxonomie-Verordnung können beide Organe eine zusätzliche Prüfungszeit von zwei Monaten beantragen.