Das Emissionshandelssystem: Extrem teuer und ohne Klimaschutzwirkung

Die Europäische Union hat weitreichende Anpassungen am europäischen Emissionshandelssystem (ETS) vorgenommen [1], die teilweise als Abschwächung der ursprünglichen, strengeren Pläne gewertet werden. Die Maßnahmen zielen darauf ab, den CO2-Preis zu deckeln und die Einführung des neuen Handelssystems zu verschieben.

Wesentliche Punkte der Anpassungen (Stand Frühjahr 2026):

  • Verschiebung ETS 2:Der Start des neuen Emissionshandels (ETS 2) für Gebäude und Verkehr wird auf 2028 verschoben. Eigentlich war der Start für 2027 geplant.
  • Preisdeckelung:Das Parlament hat eine Position angenommen, um den CO2-Preis pro Tonne im ETS 2 zu deckeln, damit dieser nicht über 45 Euro steigt.
  • Abschwächung der Klimaziele 2040:Zwar wurde eine Reduktion der Treibhausgase um 90 % bis 2040 beschlossen, jedoch können 5 % davon durch Investitionen in Klimazertifikate im Ausland erreicht werden, was die tatsächliche Reduktion in Europa faktisch auf 85 % senkt.
  • Verlängerung kostenloser Zertifikate:Es ist geplant, die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten für energieintensive Industrien, die besonders unter der Gefahr von Produktionsverlagerungen (Carbon Leakage) leiden, zu verlängern.
  • Anpassung der Marktstabilitätsreserve:Es wird debattiert, häufiger Zertifikate in den Markt abzugeben, wenn bestimmte Preisschwellen erreicht werden, um den Preis zu dämpfen.

 Zum Verständnis

2005 wurde in der Europäischen Union der Handel mit CO2-Emissionsrechten (EU-ETS) gesetzlich verankert. Das „European Union Emissions Trading System“ (ETS) legt eine Obergrenze für CO2-Emissionen in bestimmten Sektoren fest. Für jede ausgestoßene Tonne CO2 müssen Unternehmen ein Emissionszertifikat erwerben. Diese Emissionsrechte können versteigert und gehandelt werden. Wer Emissionen vermeidet, kann Kosten sparen oder nicht benötigte Emissionszertifikate verkaufen. So entsteht ein Marktpreis für Kohlendioxid, der Innovationen und Klimaschutz wirtschaftlich attraktiv macht. Die Versteigerung der CO2-Zertifikate erfolgt über die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Das Geld fließt vollständig in den Klima- und Transformationsfonds, aus dem Energiewende- und Klimaschutz-Maßnahmen finanziert werden.

Kritik an der CO2-Besteuerung

Die Notwendigkeit der CO2-Besteuerung und des Emissionshandels wurde mit der wissenschaftlichen These begründet, dass die drohende Erwärmung der Erde gestoppt werden müsse, da ansonsten eine Klimakatastrophe eintreten würde. Für diese UN-IPCC-These gibt es keine anerkannten wissenschaftlichen Beweise. Zudem ist CO2 ein lebenswichtiges Naturgas.

Wie äußerst fragwürdig die von der UN propagierte Annahme einer Klimakatastrophe ist, wurde durch eine am 7. April 2026 erschienene Veröffentlichung von 44 IPCC-Autoren erneut deutlich. Unter der Federführung von Prof. Detlef van Vuuren erklärten die Wissenschaftler, die für die Klimaszenarien des Weltklimarates verantwortlich sind, dass die bislang in den letzten beiden Klimaberichten von 2013/2014 (AR5) sowie von 2021-2023 (AR6) aufgeführten Szenarien, die zu Temperaturerhöhungen bis zu 5 Grad Celsius im Jahre 2100 führen sollten, „unplausibel“ (implausible) sind. In diesen Szenarien (RCP 8.5) wurde angenommen, dass die Emissionen an CO2sich im Verlaufe dieses Jahrhunderts mehr als verdreifachen würden. Da der Weltklimarat in seinen Modellen das CO2 als den wesentlichen Klimafaktor zugrunde legt, kam man so auf erschreckende Temperaturanstiege. Im Modell RCP 8.5 sollte es nach dem letzten Bericht (AR6) bis zum Jahre 2100 um 4,4 bis 5,7 Grad wärmer werden.  Mit diesem Szenario wurde im politischen Raum gearbeitet und wurden Gesetze zur Einführung der CO2-Steuer, Klimaschutzprogramme und Verbrennerverbote begründet. Weitere Angaben sind in dem Artikel [3] des US-Klimawissenschaftlers Roger Pielke zu finden, der die Veröffentlichung der 44 Wissenschaftler untersucht hat.

Die CO2-Besteuerung steigt und steigt und steigt. Der nationale CO₂-Preis in Deutschland beträgt inzwischen im Jahr 2026 im Rahmen des nationalen Emissionshandels (nEHS) 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂. Dieser Preis wird jährlich festgelegt und gilt für fossile Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel.

Hinsichtlich steigender Energie- und Heizkosten für Verbraucher sowie auf Druck aus der Industrie, die eine Überlastung befürchtet, wurden von der EU eine Preisdeckelung vorgenommen.

2025 fielen die Erlöse aus dem Zertifikate-Verkauf so hoch aus wie noch nie. Seit 2008 hat Deutschland nun schon mehr als 100 Milliarden Euro eingenommen – zu Lasten von Industrie und Haushalten. Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Einnahmerekord mit dem Zertifikate-Verkauf erzielt. Aus dem europäischen und dem nationalen Emissionshandel kamen 2025 mehr als 21,4 Milliarden Euro zusammen, wie die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) mitteilte, die zum Umweltbundesamt (UBA) gehört. 2024 lag der Wert bei 18,5 Milliarden.

Deutliche Kritik übte der Arbeitgeberpräsident Italiens, Emanuele Orsini, am Emissionshandel im Interview mit der FAZ [2]:

„Das Europäische Emissionshandelssystem (ETS) sollte ausgesetzt werden, so dass eine schnelle und umfassende Überarbeitung des Mechanismus erfolgen kann. Das System gefährdet unsere Industrie. Das sollte vor allem Deutschland und Italien beunruhigen, die beiden Länder mit dem größten Industrieanteil in der Europäischen Union. 2017 kosteten Emissionsrechte für eine Tonne CO2 etwa sechs Euro, im Januar 2026 lagen sie über 80 Euro. Wie kann die Industrie unter diesen Bedingungen überleben, besonders energieintensive Sektoren wie Keramik, Glas und Papier? Amerikaner und Chinesen sind solchen Belastungen nicht ausgesetzt. Absurderweise müssen wir Emissionsrechte von den Chinesen und von Tesla kaufen.“

Besser noch sollte das Emissionshandelssystem abgeschafft werden und mit ihm alle Gesetze, Programme und Subventionen, die den angeblich zu erwartenden Klimanotstand bekämpfen sollen. Es handelt sich um ein System ohne Wirkung, sondern dient nur zum Geld abschöpfen.

[1] https://energy.ec.europa.eu/strategy/accelerateeu-strengthen-eu-energy-resilience_en

[2] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. März 2026

[3] https://rogerpielkejr.substack.com/p/rcp85-is-officially-dead