Sonne und Wind locken mit dem Angebot, dass sie allgegenwärtig und frei nutzbar für jedermann sind. Jeden Tag geht die Sonne auf. Irgendwo bläst immer der Wind. Der Mensch hat es seit Jahr und Tag verstanden, die Energie von Sonne und Wind zu nutzen, und er wird darin immer besser. Es gibt ein G20-Land, das seit einem Vierteljahrhundert von der fixen Idee getrieben ist, man könne seine hochentwickelte Industriegesellschaft von diesen beiden wetterabhängigen Energiequellen abhängig machen. Das Land heißt Deutschland.
Gemäß den Erzählungen der griechischen Mythologie versprachen die Sirenen den Seefahrern göttliches Allwissen, verpackt in betörenden Gesängen über ihre größten Taten. In Deutschland redete man sich allerdings selbst ein, man wäre allwissend und würde den richtigen Weg in eine goldene Zukunft kennen. Die Reise dorthin sollte auch nur eine Kugel Eis kosten.[1] Wie bewertet die Realität diese große Reise? Wurden alle Menschen mitgenommen auf diese Reise?
Warnsirenen
Das Geburtsstunde des EEG (Erneuerbare Energiegesetz) war im Jahr 2000.[2] Es war eine Entscheidung, das Energieangebot peu-a-peu zu verknappen.
Frühe Warnsirenen ertönten schon 2004: Das Magazin ‚Der Spiegel’ schrieb auf seiner Titelseite vom ‚Windmühlen Wahn‘, von Landschaftszerstörung und von Subventionen.[3] Die Regierung war aber weder Sachargumenten noch emotionalen Bedenken gegenüber zugänglich. Es gab keine konventionellen Warnsignale, wie Fakten und Emotionen, die diese Reise hätten aufhalten können.
Späte Warnsirenen ertönten dann 2019 aus den USA: Das ‚Wall Street Journal‘ nannte es ‚The World‘s Dummest Energy Policy‘, weil Deutschland die Nutzung aller fossilen Brennstoffe und Kernbrennstoffe ablehnte.[4] Selbst diese Verspottung stieß auf taube Ohren. „Jetzt erst recht!“, ertönte es wohl in Deutschland hinter vorgehaltener Hand. ‚Klimaschutz mittels Energiewende’, das war der Titel des Sirenengesangs, und das Bundesverfassungsgericht fügte 2021 eine folgenschwere Strophe hinzu, sie schrieb es ins Gesetzbuch.[5]
Inzwischen hat die Realität Einzug gehalten. Besonders der Ausstieg aus der Kernenergie wird mittlerweile wenigstens als strategischer Fehler anerkannt, und zwar von EU-Präsidentin Ursula von der Leyen [6a]. Bundeskanzler Merz bestätigt diese Einschätzung, bezeichnet den Ausstieg aus der Kernenergie aber trotzdem im gleichen Atemzug als ‚unumkehrbar‘.[6b] Schlimmer noch als ‚unumkehrbar’ ist die Tatsache, dass man in der Regierung nicht einmal mehr Interesse an Zahlen hat, um den eigenen Standort zu bestimmen. Finanzminister Klingbeil drückt das sehr deutlich aus: „Ich will es hier deutlich für mich sagen: Ich brauche keine Zahlen, die belegen, dass der Weg richtig ist, auf erneuerbare Energien zu setzen. – Ich möchte nicht, dass wir vom russischen Gas abhängig sind.“[7] Wer navigiert schon mit Zahlen, um zu wissen, wo er steht und wo er hin will? Aber nicht nur der Finanzminister tut das!
Das ganze Land verabschiedet sich kollektiv von der Realität. Man könnte Deutschlands Reise als ‚Blind Booking‘, beschreiben, eine Überraschungsreise: Man wird überrascht sein, wo man ankommt, wenn man so weiterreist.
Der Lockruf – Die Intuition
Die Energie von Sonnenstrahlen und Wind kann technisch relativ leicht in Strom umgewandelt werden. Beide Energiequellen sind außerdem unerschöpflich, und Strom ist universell verwendbar.
Energiequellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas sind nur unter Schwierigkeiten und erheblichen Gefahren aus der Erde zu holen. Uran muss durch hoch technisierte Verfahren überhaupt erst ‚brennbar’ gemacht werden. Zudem sind die Vorräte endlich, zumindest die fossilen Brennstoffe.
Die Intuition sagt einem sofort, was hier zu tun ist: Weg von fossilen und gefährlichen (Uran) Brennstoffen und hin zu Sonne und Wind. Sauberer Strom aus Wind und Sonne! Es ist eine geniale Idee! Man folgt einem Bauchgefühl und träumt.
„Bauchentscheider werden letztlich nur von der Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung gerettet“, sagte einmal der amerikanische Mathematiker und Investor James Simon. Spieler müssen daher oft spielen, um einmal Glück zu haben. Die Energiewende ist ein Spiel, bei dem man alles auf eine Karte setzt. Aber man ist natürlich auf dem richtigen Weg, Finanzminister Klingbeil hat es selbst deutlich gesagt.[7] Zahlen sind überflüssig. Zahlen lenken nur (vom Kurs?) ab.
Die Aufgabe
Folgerichtig ist die Energiewende in Deutschland alternativlos geworden, getragen von Regierung, (großen Teilen) der Wirtschaft, Leitmedien und Gesellschaft. Jeder grüßt noch immer offiziell den Gesslerhut der Energiewende. Ja, der Finanzminister ist nicht der einzige, der sich nicht für Zahlen und Fakten interessiert, Regierung, Leitmedien, Wirtschaft und Gesellschaft tun es auch.
Die eigentliche Aufgabe der Energiewende gerät dabei immer weiter aus dem Blickfeld.
William S. Jevons, ein Geschäftspartner von James Watt, sagte seinerzeit: „Energie ist kein Produktionsfaktor unter vielen, Energie ist die Bedingung für die Möglichkeit aller anderen.“ An dieser Weisheit hat sich nichts geändert, sie hat sich sogar verstärkt: „Wer den Fluss der Energie kontrolliert, kontrolliert die Welt“ hatte Henry Kissinger treffend erkannt. Deutschland gerät immer mehr in Zugzwang, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Energieversorgung im Land muss:
- In der benötigten Menge und
- zum benötigten Zeitpunkt
- am gewünschten Ort sein, und all das
- zu wettbewerbsfähigen Preisen
Mit fossilen Energiequellen hat das 200 Jahre lang gut funktioniert. Als Uran nach Beendigung des 2. Weltkriegs das Energieangebot erweiterte, funktionierte die Energieversorgung, und damit die Wirtschaft, noch besser. Diese Energiequellen sind aber in Misskredit geraten: Die Klima-Ideologie ächtet fossile Brennstoffe, die Anti-Kernkraft-Ideologie ächtet Kernenergie. Beide Ideologien sind in Deutschland tief verankert. Die deutsche Fregatte sitzt fest, die Reise ist ins Stocken geraten, denn:
- Mit wetterabhängigen Energiequellen ist das nicht zu machen!
Mit dem EnEfG (Energieeffizienzgesetz) aus dem Jahr 2023 hat sich Deutschland einen weiteren Mühlstein um den Hals gelegt: Man hat sich entschieden, komplett entgegen dem globalen Trend, seinen Energieverbrauch zu verringern.[8]
Energiemenge – Das Problem der Energiedichte
Die Energiedichte von Sonnenstrahlen und Wind ist um einige Größenordnungen kleiner, als die der konventionellen Energiequellen, insbesondere Uran. Das hat Konsequenzen, und die Bereitstellung der benötigten Energiemenge hat damit ein gravierendes Problem.
„Um eine Technologie erfolgreich zu entwickeln, muss die Realität Vorrang über die öffentliche Meinung haben, denn die Natur kann nicht überlistet werden.“ sagte einmal der charismatische Physik Nobelpreisträger Richard Feynman.
Mit einer gewaltigen Materialschlacht versucht man, die Natur zu überlisten. Daher stehen in Deutschland zur Zeit etwa 32000 Windräder. Aber all diese Windräder decken lediglich 1/3 des gegenwärtig benötigten Stroms: 132 TWh von benötigten 419 TWh.[9] Strom macht aber nur etwa 1/5 der insgesamt benötigten Energie aus. Folgerichtig kann man sagen, dass alle 32000 Windräder gerade einmal 5-6% des gesamten jährlichen Energiebedarfs decken. Solarenergie deckt sogar noch weniger, etwa 3% des jährlichen Bedarfs.
Ideologie, Wunschdenken, öffentliche Meinung, gut gemeinte Vorsätze, Gesetze der Regierung und Hoffnung sind allesamt machtlos gegen die Physik. „Hoffnung ist nicht, dass die Dinge besser werden. Hoffnung ist das Richtige tun, auch wenn sie nicht besser werden“ sagte einmal Václav Havel, der letzte Präsident der Tschechoslowakei. Laut Finanzminister Klingbeil wird aber das Richtige getan, und dadurch wird mit Sicherheit nichts besser werden. Letztendlich wird sicherlich die Wirtschaft entscheiden, was richtig ist bzw. war.
Die geringe Energiedichte, eine speziell physikalische Tatsache, ist ein fundamentales Kernproblem der Energiewende. Die weiteren Probleme mit wetterabhängigen Energiequellen sind viel profaner, aber auch der widrigen Physik geschuldet: Flatterstrom führt zu Überproduktion und Unterproduktion.
Flatterstrom – Überproduktion
Flatterstrom ist wetterabhängiger Strom: Scheint die Sonne viel und stark, und weht der Wind und weht er stark (aber nicht zu stark), dann kann man viel Strom produzieren. Deutschland produziert immer öfter zu viel Strom. Im Jahr 2025 geschah das an 101 Tagen, insgesamt an etwa 573 Stunden (Anm.: das Jahr hat 8760 Stunden).[10] Das laufende Jahr wird neue Rekordwerte liefern. Das stellt enorme Herausforderungen an die Kontrolle der Netzstabilität, Tendenz steigend.[10]
2025 ereignete sich auf der iberischen Halbinsel ein 12-stündiger Blackout.[11] Eine sogenannte Hellbrise war zwar nicht der offizielle Grund, aber der Vorfall gibt einen Vorgeschmack darauf, dass solche Ereignisse immer wahrscheinlicher werden.
Überproduktion kostet immer Geld, da es auf die verschwenderische Nutzung von Ressourcen zurückzuführen ist. In diesem speziellen Fall sind Negativstrompreise eine Konsequenz dieses Phänomens. Warum ist es schlecht, wenn man zu viel von einem von allen geschätzten kostbaren Gut produziert?
Wieder gibt die Physik die Antwort: Überschussstrom kann man nicht im Stromnetz speichern. Strom muss verbraucht werden. Das beruht auf dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik in Kombination mit den kirchhoffschen Regeln der Elektrotechnik. Mark Andor vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen drückt es bildlicher aus: „Man kann Strom nicht auf eine Müllhalde leiten. Ohne Verbraucher bricht das Netz zusammen.“[12]
Notfalls müssen die Nachbarländer einspringen, wenn Deutschland zu Peakzeiten im Sommer zu viel Strom produziert. So ergibt sich die paradoxe Situation, dass der Produzent dem widerwilligen Kunden Geld zahlen muss, dass dieser ein Produkt annimmt, von dem er selbst ausreichend hat; leider existieren keine detaillierten und offiziellen Zahlen über die genaue Höhe dieser Kosten, aber sie geht in die Milliarden Euro.[12]
Alternativ könnte man Überschussstrom natürlich speichern, um ihn bei Bedarf zu verbrauchen. Die Speicherfrage ist die Gretchenfrage der Energiewende. Dieses Thema ist überaus komplex und würde den Rahmen sprengen.[13] Festgestellt werden muss, dass es eine Fortsetzung der Materialschlacht bedeutet. Außerdem müssen auch die Speicher in das Stromsystem integriert werden. All das kostet auch mehr als eine Kugel Eis.
Zur Vermeidung von Negativstrompreisen werden Windräder oft rechtzeitig abgeregelt. Das ergibt die paradoxe Situation, dass sich Windräder trotz Wind nicht drehen, sie verursachen aber trotzdem Kosten. Die Betreiber sind vom Staat finanziell abgesichert und erhalten garantierte Renditen. Die Renditen sind größtenteils wetterunabhängig, im Gegensatz zum produzierten Windstrom.
Viel hilft hier nicht viel. Überproduktion ist Teil des zweiten Kernproblems der Energiewende, nämlich Flatterstrom.
Flatterstrom – Unterproduktion
Während der Nacht und bei Windstille liefern Sonne und Wind exakt null Strom. Nachts und bei Windstille sind wetterabhängige Energiequellen impotent. Sie versorgen, nur auf sich selbst gestellt, keinen einzigen Haushalt rund um die Uhr. Lange Dunkelflauten während der Wintermonate sind Teil des zweiten Kernproblems der Energiewende, nämlich Flatterstrom.
Paradoxerweise muss also Stromüberschuss, der tagsüber oder im Sommer entsteht, immer häufiger teuer abgegeben werden, und nachts oder im Winter, wenn Dunkelflaute herrscht, muss er teuer eingekauft werden. Das ist dem Flatterstrom geschuldet.
Zeitpunkt und Ort
Um Haushalte und Betriebe während widriger Wetterverhältnisse mit Strom zu versorgen, benötigt man ausreichend Speicherkapazitäten, ausreichend grundlastfähige Backup-Kapazitäten sowie Netzengpassmanagementmassnahmen, wie z. B. Redispatchmassnahmen.
Jede Art von Stromspeicher, ob chemische Speicher (Wasserstoff), Batteriespeicher (Kurzzeitspeicher, Langzeitspeicher), mobile Speicher (eAutos) oder topographische Speicher (Pumpspeicher in den Bergen), sie alle sprengen für sich den Rahmen des Artikels. Keine Speicherform ist in adäquatem Ausmaß vorhanden. Sie alle bedeuten Materialschlachten, und sie sind alle teuer.
Als Backup-Kraftwerke dienen immer noch fossile Kraftwerke. Die spezielle Situation der Energiewende sorgt dafür, dass deutscher Strom CO2-lastiger ist als Strom im EU-Durchschnitt.[14]
- Deutschland: 344g CO2/kWh
- EU-Durchschnitt: 244g CO2/kWh
- Frankreich: 43g CO2/kWh
Dieses Paradox wird in den Leitmedien nie thematisiert. Die mantramässig gefeierten 60%-Anteile der wetterabhängigen Energiequellen am deutschen Strommix sind nichts als Makulatur.[14] Es wird verschleiert, dass ein gigantisches System aufgebaut und gemanagt werden muss, um die Illusion der Energiewende aufrechterhalten zu können.
Es bleibt noch die Möglichkeit der Umverteilung von Strom: Orte mit Überproduktion können Orte mit Unterproduktion versorgen. Das erfordert in Deutschland den Bau und die Integration gigantischer Stromtrassen, insbesondere von Norden (Überproduktion) nach Süden (Unterproduktion). Darunter fallen auch das Abregulieren und Hochfahren von Kraftwerken, sogenannte Redispatchmassnahmen. Zu Beginn der Energiewende konnte man die Zahl solcher Eingriffe an den Fingern einer Hand abzählen, und das über das Jahr verteilt, heute sind es mehrere Tausend pro Jahr. Im vergangenen Jahr fielen hierfür Kosten in Höhe von €3.1 Milliarden an.[15]
Wettbewerbsfähige Preise
Komplexe Themen können durchaus in einfacher Sprache ausgedrückt werden. Zahlen sprechen für sich, auch wenn man sich nicht dafür interessiert.[7])
- „Deutschland hat die höchsten Strompreise unter G20 Staaten“.[16]
- „Deutschlands Strompreise sind doppelt so hoch wie im G20 Durchschnitt“.[16]
- „Bund subventioniert Strompreise 2026 mit 29,5 Milliarden Euro“.[17]
- Der EEG-Finanzierungsbedarf für 2025 betrug €16,5 Milliarden.[18]
Qualitative Aussagen und Binsenweisheiten sind ebenfalls hilfreich:
- Bundeskanzler Merz 2025: „…um dafür zu sorgen, dass in Deutschland die Energiepreise wieder heruntergehen, die ja viel mit unserer eigenen Energiepolitik zu tun haben …“ [19]
- Clemens Fuest (Ifo-Institut; August 2023): „Ich gehe davon aus, dass die Energiepreise in Deutschland dauerhaft hoch bleiben“.[20] Herr Fuest wird weiterhin Recht behalten.
- Netzanschlüsse, Stromnetze, Netzengpassmanagmentmassnahmen und Batteriespeicher generieren keinen Strom. Dazu braucht man Kraftwerke. Das alles muss bezahlt werden.
Wo führt diese Reise hin? Das Wort Deindustrialisierung hat längst Einzug gehalten in den täglichen Sprachgebrauch. Die seit Jahren andauernde Malaise der deutschen Wirtschaft wird mittlerweile in der ganzen Gesellschaft ‚gespürt‘. Bauchgefühle können jedoch trügen. Doch hier ist das Bauchgefühl richtig.
Die Rankings der OECD zeigen unangenehme Wahrheiten. Bezogen auf das reale BIP-Wachstum der G20-Staaten und 38 OECD-Staaten rangiert Deutschland jeweils auf den Abstiegsplätzen:[21]
- 2024 Deutschland ist Vorletzter (-0,2%) unter G20 und Viertletzter unter OECD-Staaten. G20: Nur Deutschland und Argentinien (-1,7%) weisen ein negatives Wachstum auf. OECD: Nur 6 Länder weisen ein negatives Wachstum auf.
- 2025: Deutschland ist Letzter (0,4%) unter G20-Staaten und Drittletzter unter OECD-Staaten.
Wer leugnet, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang gibt zwischen der deutschen Energiepolitik und der Wirtschaft? Wer leugnet, dass die miserable Wirtschaftssituation direkt mit der sich immer weiter verschlechternden politischen und gesellschaftlichen Situation in Deutschland zu tun hat? Wer leugnet, dass William S. Jevons und Henry Kissinger Recht hatten?
Der Mythos der Sirenen
‚Stromerzeugung aus Wind und Sonne sind am billigsten‘, so lautet die Selbsterzählung. Dabei werden die Systemkosten völlig unter den Teppich gekehrt. Ohne ‚das System‘ haben Windstrom und Solarstrom keinen Nutzen für eine blühende Volkswirtschaft, denn der Strom kann nicht in der benötigten Menge zum benötigten Zeitpunkt am gewünschten Ort sein. Es fällt offensichtlich keinem Entscheidungsträger auf, dass nach einem Vierteljahrhundert Energiewende die Sache mit den niedrigen Strompreisen und dem grünen Wirtschaftswunder eine Illusion ist. Gerhard Uhlenbruck drückt in folgendem Zitat humoristisch aus, was in Deutschland mittlerweile jeder wissen sollte, falls die Reise so weitergeht: „Wir alle wissen, was uns blüht – nämlich immer weniger“.
Basierend auf allgemeinen Grundprinzipien der Ökonomie ist die Lösung für das Problem hoher Strompreise ganz einfach:
- Man muss das Angebot der Erzeugung von Strom erweitern, insbesondere auf wetterunabhängige Energiequellen, z. B. Kernenergie.
Kernenergie würde gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kernenergie ist wetterunabhängig, CO2-arm und effizient zur Stromgewinnung.
Fazit
Deutschland ist im Begriff, dem betörenden Klang seines selbstkomponierten Sirenengesangs zum Opfer zu fallen, weil es sich immer stärker von den Unbilden des Wetters abhängig macht … und alle Warnsirenen immer noch ignoriert werden.
Etwas nüchterner drückte es der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, im März 2026 aus: „Wir haben uns entschlossen, ein Land zu sein, in dem Energie knapp ist. Das haben wir politisch alle gemeinsam so gewählt, und die Konsequenzen müssen wir jetzt tragen“.[22]
Abkürzungen
EEG-Finanzierungsbedarf: die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben bei der Förderung wetterabhängigen Energiequellen.
Quellen
[1] J. Trittin: „Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis.“ https://beruhmte-zitate.de/zitate/2001327-jurgen-trittin-es-bleibt-dabei-dass-die-forderung-erneuerbarer-e/
[3] Der Spiegel, Nr. 14, 29.3.2004: „Der Windmühlen Wahn -Vom Traum umweltfreundlicher Energie zur hoch subventionierten Landschaftszerstörung“.
[4] https://www.wsj.com/articles/worlds-dumbest-energy-policy-11548807424
[5] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2021/03/rs20210324_1bvr265618.html
[6a] „Es war ein strategischer Fehler für Europa, sich von einer verlässlichen, erschwinglichen Quelle emissionsarmer Energie abzuwenden.“ (U. v L. zur Atomkraft in der EU, Nuclear Energy Summit in Paris, März 2026); [6b] „Irreversibler Beschluss: Merz nennt Ausstieg aus Kernenergie unumkehrbar“: https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/wirtschaft/detailansicht-wirtschaft/artikel/irreversibler-beschluss.html#topPosition
[7] Seite 9409 auf Webseite: https://dserver.bundestag.de/btp/21/21079.pdf – am 20.5.2026 – Regierungsbefragung im Bundestag in Sachen Energiewende
[8] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/06/20260624-bundeskabinett-beschliesst-eeg.html
[9] https://strom-report.com/strommix/
[11] https://www.amprion.net/Netzjournal/Beitraege-2025/Blackout-in-Spanien-zeigt-„Systemstabilitaet-ist-wachsende-Herausforderung“.html
[12] https://www1.wdr.de/wirtschaft/negative-strompreise-kosten-milliarden-100.html
[14] J. Schulz: „Märchen der deutschen Energiepolitik“: https://www.ageu-die-realisten.com/archives/9037/
[16] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/deutschland-strompreise-vergleich-100.html
[17] „Der Bund wendet weit mehr Geld als in den vergangenen Jahren auf, um die Strompreise auf einem für die Verbraucher erträglichen Niveau zu halten. Fachleute halten das für wenig nachhaltig.“: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-bund-subventioniert-strompreise-2026-mit-295-milliarden-euro/100182362.html
[18] https://www.netztransparenz.de/xspproxy/api/staticfiles/ntp-relaunch/dokumente/erneuerbare energien und umlagen/eeg/20241025 veröffentlichung eeg-finanzierungsbedarf 2025.pdf
[19] https://www.deutschlandfunk.de/ifo-chef-fuest-rechnet-mit-dauerhaft-hohen-energiepreisen-in-deutschland-und-warnt-vor-teilweiser-de-100.html
[20] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rede-merz-arbeitgebertag-2025-2395964
[21] https://www.oecd.org/en/publications/oecd-economic-outlook-volume-2025-issue-1_83363382-en.html
[22a] https://www.bild.de/politik/inland/top-oekonom-energieintensive-industrie-hat-keine-zukunft-bei-uns-69b3c04d17184da7cffd8233; [22b] https://www.thepioneer.de/originals/others/articles/prof-clemens-fuest-wir-sind-kaum-bewegungsfaehig; [22c] https://www.focus.de/finanzen/news/energieintensive-industrie-hat-keine-zukunft-bei-uns_5d2b7cad-0984-4eb4-92e2-3b391fa87499.html