Seit 2017 besteht in Deutschland ein weitgehendes Verbot des unkonventionellen Frackings, also des aufbrechen von dichten Tongestein- und Schieferformation zur Erschließung bislang unzugänglicher Gasvorkommen. Konventionelles Fracking in klassischen Sandsteinlagerstätten ist davon ausgenommen und wird hierzulande praktiziert. Das Verbot des unkonventionellen Verfahrens wurde mit diffusen Ängsten vor Grundwasserverunreinigung und Erdbeben begründet.
Eine von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie [1] des Geowissenschaftlers Hans-Joachim Kümpel legt nüchterne und wissenschaftsbasierte Neubewertung nahe
- Langfristig könnten rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr gefördert werden
- Studie sieht Potenzial zur Verringerung von Importabhängigkeit und Energiepreisdruck (≈ ein Viertel des heutigen deutschen Gasbedarfs)
- Bis zu 18 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente könnten jährlich vermieden werden
Deutschland verfügt über erhebliche bislang ungenutzte Schiefer- und Flözgasvorkommen. Die Studie schätzt die förderbaren Vorkommen auf rund 1.000 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Selbst unter vorsichtigen Annahmen könnten rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr gefördert werden. Dies entspricht etwa einem Viertel des heutigen deutschen Gasbedarfs.
„Deutschland bleibt langfristig auf Erdgas als Grundstoff für die Industrie, angewiesen, übergangsweise auch für die Strom- und Wärmeerzeugung. Gleichzeitig steigt die Importabhängigkeit weiter an. Die Studie zeigt, dass heimisches Schiefergas einen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz leisten könnte“, erklärt der Autor der Studie Hans-Joachim Kümpel.
Nach Einschätzung der Studie könnte heimisches Schiefergas zudem einen Teil der LNG-Importe aus Übersee ersetzen. Dadurch ließen sich entlang der Lieferkette erhebliche Emissionen aus Verflüssigung, Transport und Regasifizierung vermeiden. Das Einsparpotenzial wird – abhängig von Herkunft und Lieferkette – auf bis zu 18 Millionen Tonnen CO₂ und CO₂-Äquivalente pro Jahr geschätzt.
Die Studie argumentiert außerdem, dass sich Technik und Regulierung in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt haben. Bei Einhaltung moderner technischer Standards gelte die Technologie inzwischen als gut beherrschbar. Das bestehende Verbot der unkonventionellen Förderung stehe daher zunehmend im Widerspruch zum wissenschaftlichen Kenntnisstand und zur energiepolitischen Realität.
Neben einer stärkeren Versorgungssicherheit sieht die Studie weitere mögliche Vorteile:
- geringere geopolitische Abhängigkeiten
- zusätzliche Wertschöpfung im Inland
- potenziell preisdämpfende Wirkung
- Nutzung der vorhandenen Infrastruktur für Tiefengeothermie
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit spricht sich vor diesem Hintergrund für eine nüchterne, wissenschaftsbasierte Neubewertung der Schiefer- und Flözgasförderung in Deutschland aus.
Fracking-Technik
Fracking steht für „Hydraulic-Fracturing“: Gas wird nicht aus einem monolithischen Bohrloch gefördert, sondern bedarf des Zusammenspiels mehrerer hoch entwickelter Technologien. Zunächst wird eine sogenannte Richtbohrung niedergebracht: Die Bohrung setzt senkrecht an, biegt sich dann in Tiefen von 2000 Metern und mehr präzise in die Horizontale und folgt der gasführenden Gesteinsschicht über Strecken von bis zu zwei Kilometern, wo das Gas durch injizierte Fracking-Flüssigkeiten ausgetrieben wird. Ein direkt hinter dem Bohrkopf platziertes Messsystem überwacht den Bohrverlauf in Echtzeit und steuert zentimetergenau. Selbst unter ungünstigen Annahmen ist eine Beeinträchtigung der nutzbaren Grundwasserschichten ausgeschlossen.
Weltweite Anwendung
Weltweit wird Fracking erfolgreich und sicher angewendet. In den USA hat es zu einem Energieboom geführt, der nicht nur die Wirtschaft ankurbelte, sondern auch die CO2-Emissionen senkte, weil Kohle durch sauberes Gas verdrängt wurde. Die USA sind nach KI-Angabe der mit Abstand wichtigste Lieferant von Schiefer-Flüssiggas (LNG) für Deutschland. Im Jahr 2025 importierte Deutschland rund 101 Terawattstunden (TWh) LNG aus den Vereinigten Staaten. Das entspricht einem Anteil von rund 96 Prozent aller deutschen LNG-Direktimporte. Das LNG macht etwa 10 % des gesamten deutschen Gasverbrauchs aus.
Die Studie ist abrufbar unter: https://shop.freiheit.org/#!/Publikation/2094
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