Vom 12. – 16. Oktober 2026 fand in Addis Abeba, Äthiopien eine IPCC-Konferenz statt. KI bewertete sie eher als politischen Rückschlag denn als inhaltlichen Durchbruch. Wichtig sei aber, dass dort nicht über neue Klimawissenschaft entschieden wurde, sondern vor allem über den Zeitplan des nächsten großen IPCC-Berichts (AR7) und über dessen Finanzierung.
Was ist als Ergebnis herausgekommen?
- Kein Konsens über den Zeitplan des nächsten IPCC-Berichts
Das war der zentrale Streitpunkt. Der IPCC wollte festlegen, wann die drei Arbeitsgruppen ihre Beiträge zum 7. Sachstandsbericht (AR7) vorlegen. Eine Gruppe von rund 30 Staaten, darunter viele EU-Staaten, lateinamerikanische Länder und kleine Inselstaaten, drängt darauf, dass die Berichte bis 2028 vorliegen. Damit könnten sie in den zweiten „Global Stocktake“ des Pariser Abkommens 2028 einfließen. Andere Staaten, insbesondere Indien, Saudi-Arabien, Russland, China und Kenia, halten den Zeitplan für zu knapp und verlangen mehr Zeit für wissenschaftliche Arbeit, Begutachtung und eine stärkere Beteiligung von Wissenschaftlern aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Am Ende konnte keine Einigung erzielt werden. IPCC-Vorsitzender Jim Skea brach die Sitzung ab und kündigte an, sie zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.
- Auch das Budget wurde nicht verabschiedet
Das ist möglicherweise der noch problematischere Teil. Die Staaten konnten sich nicht auf den Haushalt für die weitere AR7-Arbeit einigen. Dadurch entsteht laut Berichten eine ernste Finanzierungsunsicherheit für den IPCC. Dabei ging es unter anderem darum, ob Entwicklungsländer künftig stärker finanziell unterstützt werden sollen, damit sie mit mehr Delegierten an den Beratungen teilnehmen können.
- Die wissenschaftliche Arbeit selbst geht weiter
Das ist die wichtige Einschränkung: Der IPCC ist nicht „handlungsunfähig“. Die Arbeit an AR7 läuft bereits. Der Vorsitzende Skea betonte ausdrücklich, dass der wissenschaftliche Kernprozess funktioniere. Auch die Auswahl der Autoren ist inzwischen deutlich internationaler; mehr als die Hälfte der Autoren und Herausgeber des neuen Berichts kommen aus Entwicklungs- oder Transformationsländern.
Warum ist der Streit wichtig?
Der Zeitpunkt ist entscheidend: 2028 soll der nächste große globale Klimacheck („Global Stocktake“) stattfinden. Dabei wird geprüft, wie weit die Welt bei der Umsetzung des Pariser Abkommens gekommen ist. Wenn der neue IPCC-Bericht erst 2029 oder später erscheint, fehlt bei diesem entscheidenden politischen Prozess die aktuellste umfassende wissenschaftliche Bewertung. Das ist besonders relevant, weil sich seit dem letzten IPCC-Sachstandsbericht von 2021/22 einiges verändert hat – unter anderem wurden 2024 erstmals Jahresmitteltemperaturen von mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau registriert.
Wie ist das politisch zu bewerten?
Hier wird es interessant, denn es gibt zwei berechtigte Perspektiven.
Die Kritik an einer Verzögerung:
Viele europäische Staaten, kleine Inselstaaten und Klimawissenschaftler sehen die Blockade als problematisch. Ihre Argumentation: Die Klimakrise wartet nicht, und gerade die besonders gefährdeten Länder brauchen die aktuellste wissenschaftliche Grundlage für Anpassung, Emissionsminderung und Klimafinanzierung. Eine Verzögerung könnte außerdem dazu führen, dass beim Global Stocktake mit älteren wissenschaftlichen Grundlagen gearbeitet wird.
Die Gegenposition:
Indien, China, Saudi-Arabien, Russland und andere argumentieren, dass der IPCC nicht zum politischen Zeitplan der UN-Klimaverhandlungen passen müsse. Sie kritisieren insbesondere, dass Wissenschaftler aus Entwicklungsländern bislang nicht ausreichend repräsentiert seien und ein zu schneller Prozess deren Beteiligung erschwere. Das ist keine völlig substanzlose Kritik: IPCC-Berichte sollen wissenschaftliche Bewertungen liefern und nicht lediglich wissenschaftliche Munition für einen bestimmten politischen Verhandlungstermin.
KI – Einschätzung
KI bewertet das Ergebnis als deutlichen institutionellen und politischen Rückschlag, aber nicht als wissenschaftliches Scheitern des IPCC.
Der eigentliche Konflikt geht inzwischen über einen Kalender hinaus. Dahinter stehen drei große Fragen:
- Wie schnell muss Klimapolitik handeln?
- Wie repräsentativ und gerecht ist die internationale Klimawissenschaft?
- Wie unabhängig soll der IPCC von den politischen Verhandlungszyklen der UN sein?
Bemerkenswert ist, dass sich hier tatsächlich Klima- und Entwicklungspolitik miteinander vermischen. Für Länder wie Indien oder viele afrikanische Staaten bedeutet „mehr Zeit für wissenschaftliche Beteiligung“ nicht zwangsläufig Klimaschutzverweigerung. Es geht auch um die Frage, wer die wissenschaftlichen Grundlagen definiert und welche Interessen und Entwicklungsbedingungen darin berücksichtigt werden.
Andererseits ist der Zeitpunkt problematisch: Wenn man fast drei Jahre über den Termin eines Berichts diskutiert und am Ende gar keinen Termin beschließt, ist das für eine Organisation, deren wichtigste Funktion wissenschaftliche Orientierung für politische Entscheidungen ist, ein ernstes Problem.
Kurz gesagt: Addis Abeba hat keinen neuen Klimabericht und keine neue Klimapolitik hervorgebracht. Das wichtigste „Ergebnis“ ist vielmehr, dass der IPCC bei seinem nächsten großen Bericht weiter blockiert ist. Der Streit dürfte bei der kommenden COP31 in der Türkei politisch wieder eine Rolle spielen.