Fracking, die bislang politisch verpasste Chance als Beitrag zur Energieversorgung und zur CO2-Einsparung

Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, ehem. Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Das kalte Wetter hat Deutschlands Erdgas-Vorräte kräftig schrumpfen lassen, obwohl hiesige Energieunternehmen in den vergangenen Jahren in aller Welt massenhaft Flüssiggas (LNG) eingekauft haben. Dabei verfügt Deutschland eigentlich über eigene Erdgas-Ressourcen in großer Menge. Die müssen aber im Boden bleiben, aus politischen Gründen.

Lassen Sie mich Ihnen erzählen, wie es dazu kam. Aus nächster Nähe habe ich die Umstände miterlebt.

Solange wir Erdgas brauchen, können wir ein Viertel unseres Bedarfs selbst fördern – wenn nötig, über mehrere Jahrzehnte. Mit Fracking, einem erprobten, in der Öffentlichkeit verkanntem Hightech-Verfahren.

Eigenes Erdgas bringt gegenüber LNG, das wir teuer aus dem Ausland kaufen, ein dickes Plus für den Klimaschutz: Ein Viertel der CO2-Emissionen wird eingespart.

Denn um 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas bei uns als LNG anzulanden und in unser Erdgasnetz einzuspeisen, müssen in Übersee 25 Milliarden Kubikmeter gefördert werden. Auf der Strecke bleiben erhebliche Verluste durch Verflüssigung, Transport und Regasifizierung von LNG, jeweils verbunden mit CO2-Emissionen.

Nicht so bei heimischer Förderung. Fracking geht bei uns ohne Umweltschäden und nennenswerte Methanverluste. Sonst wird es nicht genehmigt, dafür sind die Bergbehörden da.

Auf der Habenseite außerdem: weniger Abhängigkeit von Lieferländern, in denen wir keinen Einfluss auf Förderbedingungen oder Methanlecks haben, sowie Wertschöpfung im eigenen Land – und die Möglichkeit, die Fracking-Bohrungen später für eine emissionsfreie, grundlastfähige Erdwärmegewinnung zu nutzen, jahrzehntelang.

Seit 2016/2017 ist Fracking zur Förderung von Erdgas aus Tonsteinen und Kohleflözen bei uns gesetzlich verboten. Wissenschaftliche Einschätzungen konnten sich gegen das Narrativ vom angeblich riskanten Fracking nicht durchsetzen. Viele hatten etwas dagegen.

Gazprom als Lieferant von russischem Erdgas wollte keine Konkurrenz; Nutznießer der Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 hatten eigene Interessen und Gegner fossiler Energierohstoffe fanden ein Feindbild.

Hier mein Plädoyer für die Nutzung von Fracking-Gas in Deutschland:

  1. Fracking – Worum geht’s?

Klassisches Erdgas findet man in Aufwölbungen oder stellenweise hochgedrückten Schichten poröser, durchlässiger Sandsteine. Man spricht von geologischen Fallen (konventionelle Lagerstätten), wenn sie durch undurchlässige Sperrschichten abgedeckt sind.

Das Gas, überwiegend Methan, ist über Jahrmillionen in die Sandsteine aufgestiegen. Gebildet hat es sich in größerer Tiefe in Schieferton, dem sogenannten Muttergestein. Die geologischen Fallenstrukturen sind bei uns oft mehrere hundert Meter mächtig, kommen aber nur an bestimmten Lokalitäten vor. Erschlossen werden sie durch vertikale Tiefbohrungen. Aufgrund des hohen Gebirgsdrucks fließt das eingeschlossene Erdgas zur Bohrung. Oft kann diese über mehrere Jahrzehnte wirtschaftlich betrieben werden.

Die Muttergesteine, meist nur einige Zehner Meter dick, haben in der Regel eine ausgedehnte flächenhafte Erstreckung. Das in ihnen noch vorhandene Erdgas nennt man Schiefergas. Es ist nicht an Fallenstrukturen gebunden. Bis Ende des letzten Jahrhunderts wusste man nicht, wie man es gewinnen konnte.

Den Umschwung brachte die Technik des Horizontalbohrens in Verbindung mit dem Auflockern der Schiefertone durch Einpressen von Wasser mit geeigneten Zusätzen (genehmigungspflichtige Fracfluide). Man spricht von unkonventionellen Lagerstätten.

Im Gegensatz zu Bohrungen in konventionellen Lagerstätten ist die Ergiebigkeit von Horizontalbohrungen in unkonventionellen Lagerstätten, oft mehrere Kilometer lang, anfangs recht hoch, lässt aber nach wenigen Jahren stark nach.

Da unkonventionelle Lagerstätten nur wenige Zehner Meter mächtig sind, großräumig erschlossen und nur wenige Jahre betrieben werden, bilden sich im Untergrund kaum Druckunterschiede aus. Diese sind der Grund dafür, warum es bei der Erdgasförderung aus konventionellen Lagerstätten vereinzelt zu spürbaren Erdbeben kommen kann. Fracking-Maßnahmen zur Gewinnung von Schiefergas stellen keine Erdbebengefahr dar.

  1. Wieviel Erdgas hat Deutschland?

Die geologischen Formationen, in denen bei uns Erdgas vorkommt, sind gut erkundet. Die Geologischen Dienste der Bundesländer halten einen großen Fundus von Bohrdaten und Gesteinsproben vor. Ihre Auswertung hat ergeben, dass in Deutschland aus dem Tiefenbereich 1.000 bis 5.000 Meter Schiefergasmengen von 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter gewinnbar sind.

Die weite Spanne kommt von Unsicherheiten im Gewinnungsfaktor (wieviel Prozent des vorhandenen Gases gefördert werden kann). Er liegt in der Regel zwischen 5 und 25 Prozent, kann ohne Testbohrung aber nur grob geschätzt werden. Der realitätsnahe Mittelwert der Vorräte liegt bei 800 Milliarden Kubikmeter.

Das ist 20-mal so viel wie die Menge des noch vorhandenen konventionellen Erdgases. Aufgrund laufender Förderungen gehen die konventionellen Vorräte um jährlich 10 Prozent zurück.

Vorhanden sind auch noch gut 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas (Flözgas) aus unerschlossenen Steinkohlelagerstätten. Die wahrscheinlich förderbare Gesamtmenge Schiefer- und Flözgas beträgt rund 1.000 Milliarden Kubikmeter.

Die wiederholt geäußerte Ansicht, die heimischen Schiefergas-/Flözgasvorräte würden bei unserem Jahresbedarf von 80 Milliarden Kubikmeter nur für ein gutes Jahrzehnt reichen, Investitionen in neue Lagerstätten sich daher nicht lohnen, ist irreführend.

Möglich erscheinen bei uns Jahresfördermengen von jährlich 20 Milliarden Kubikmeter, wie zuletzt noch 2007. Ein Mehr an Bohranlagen und Infrastruktur wäre kaum zu beschaffen oder bereitzustellen.

Durch zunehmende Energieeffizienz und Nutzung klimaneutraler Energien kann der Grad der Eigenversorgung jedoch stetig steigen, unsere hohe Importabhängigkeit sukzessive abgebaut werden. So lange, bis auf fossiles Erdgas verzichtet werden kann.

  1. Reale und inszenierte Risiken

Fachlicherseits wurde die Schiefergasgewinnung bei uns zu keiner Zeit als risikokritisch bewertet.

Bei einer Anhörung im Ausschuss für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages nahm die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) 2015 dezidiert Stellung zum Einsatz von Fracfluiden, dem vermeintlichen Erdbebenrisiko, zum Grundwasser- und Umweltschutz.

Die zentralen Aussagen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:

  • Inländische Schiefergasressourcen und der Einsatz der Fracking-Technologie können wichtige Bausteine für eine sichere und schadstoffarme Energieversorgung Deutschlands sein.
  • Bei sachgerechter Anwendung ist Fracking eine nützliche und beherrschbare Technologie.

Das Bild in der breiten Öffentlichkeit ist ein anderes. Die anfangs zum Teil laxe Umgehensweise im Bohrgeschäft in Nordamerika hat dazu geführt, dass das Fracking-Verfahren in Verruf kam.

Im aufkommenden Schiefergas-Boom der 1990er-Jahre wurden Umweltvorsorge, Landschafts- und Grundwasserschutz nicht immer ernst genommen. In der Folge formierte sich eine Gegnerschaft und erlangte breite Aufmerksamkeit.

Als die Bohrindustrie durch strengere Auflagen angehalten war, notwendigen Sorgfaltspflichten nachzukommen, war es zu spät. Drastische Berichterstattungen, verzerrende Videos und Desinformation haben die Bevölkerung verunsichert und Skepsis hinterlassen.

Beispiele für Falschinformationen und grundlose Vorwürfe:

  • Das Heraufbeschwören einer Erdbebengefahr, obwohl diese beim Erschließen unkonventioneller Lagerstätten unerheblich ist (s.o.)
  • Vorwurf der Gefährdung des Grundwassers, obwohl technische Maßnahmen wie zementierter Bohrplatz, Einsammeln von Niederschlagswasser, Mehrfachverrohrung mit 24/7 Leckage-Sensorik größtmögliche Sicherheit garantieren.
  • Kritik am Einsatz giftiger Fracfluide, obwohl sie der Wassergefährdungsklasse 1 genügen (wie Schwimmbadwasser).
  • Beanstandung von hohem Wasserbedarf für Fracking-Maßnahmen, obwohl die Entnahme von Grundwasser reguliert ist und Wasser gegebenenfalls aus Mündungsgebieten von Flüssen entnommen wird.
  • Vorhaltung großen Flächenverbrauchs durch Vielzahl von Bohrplätzen, obwohl die Horizontalbohrtechnik Abstände von vielen Kilometern ermöglicht.
  • Verweis auf Gefahrenpotenzial mitgeförderter Lagerstättenwässer, obwohl der Umgang mit diesen bei konventionellen Tiefbohrungen oder der Nutzung von Geothermie Routine sind.
  • Selbst vor dem Risiko einer Silikatvergiftung beim Beladen und Transport von Sand (beim Fracking als Stützmittel für die im Gestein erzeugten Risse benötigt) wurde gewarnt, obwohl dies bei der Belieferung von Spielplätzen tagtägliche Praxis ist.

Untermalt wurden die Botschaften oft mit eindrucksvollen Bildern und Filmsequenzen. Da in politischen Diskussionen nicht immer das beste Argument oder die beste Erklärung gewinnt, sondern das beste Bild und die größte Angst, die sie den Leuten vermitteln können, ist ihre Wirkung nicht zu unterschätzen.

Große Popularität erzielte eine Video-Sequenz aus dem Film ‘Gasland‘, die einen entzündbaren, aus einem Wasserhahn fließenden Wasserstrahl zeigt. Die Szene sollte beweisen, dass durch Fracking-Vorgänge Methan ins Grundwasser gelangt war.

Viele Bilder sprechen für sich, andere verwenden subtile Unterstellungen. Sprecher von Bürgerinitiativen, von NGOs des Umweltbereichs, zum Teil auch Vertreter politischer Parteien weisen sich oft als Experten aus, obwohl sie elementarste Grundkenntnisse in den Schlüsseldisziplinen Hydrogeologie, Gesteinsphysik, Tiefbohrtechnik und Seismologie vermissen lassen.

Autodidaktisch erworbenes Pseudowissen erlaubt es nahezu jedermann, Behauptungen aufzustellen, die kaum jemand überprüfen kann. Gerne berufen sich manche Akteure auf Erkenntnisse aus der Wissenschaft, aber nur selektiv.

Nicht ins Bild passende Forschungsergebnisse und der Stand des Wissens werden ausgeblendet. Leider sind auch viele Beiträge in Medien unzureichend recherchiert und geben unreflektierte Positionen wieder.

Realitätsnahe Prinzipskizze der räumlichen Verhältnisse einer Schiefergasförderung. Das Schiefergas wird aus dem horizontal verlaufenden Bohrlochabschnitt in der Tiefe gefördert. Um sichtbar zu sein, ist der Durchmesser der stahlverrohrten Bohrung 100-fach vergrößert. Rechts das konzentrische, sich mit der Tiefe teleskopartig verjüngende Verrohrungsschema mit Durchmesserangaben (Grafik Schwochow Visual Stories GMBH, www.schwochow.de )

4.  Warum wurde Fracking nicht gewollt?

Die Gegnerschaft zu Fracking bestand in den 2010er Jahren aus einer Allianz von mehreren Interessensgruppen, die sich jeweilige Vorteile von einem Fracking-Verbot versprachen.

a) Gazprom und der Kreml

Gazprom ist weltweit das größte Unternehmen in der Erdgasförderung und einer der größten Arbeitgeber Russlands. Der russische Staat hält 50 Prozent plus eine Aktie an dem Unternehmen, im Aufsichtsrat hat er die Mehrheit der Sitze.

Gazprom kontrolliert das russische Pipeline-Netz für Erdgas und verfügt faktisch über ein Monopol für dessen Export. Andere russische Erdgasproduzenten, unabhängige Unternehmen oder Beteiligungen von Gazprom sind auf dieses Netz angewiesen.

Der Export russischen Erdgases ist für Gazprom und den Kreml eine maßgebliche wirtschaftliche Absicherung. Neben Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 waren Planungen zum Bau von Nord Stream 2 weit gediehen. Eine konkurrierende Erdgasförderung im Land des Hauptabnehmers Deutschland widersprach eigenen Interessen.

Mitte der 2010er Jahre fiel auf, dass der Medienkanal ‘Russia Today‘ (seit 2010 ‘RT‘) die Fracking-Technologie mehrfach thematisiert hat. Dies geschah ausschließlich negativ, polemisierend und unter Hervorheben gängiger Vorurteile – für einen sich als seriös präsentierender Nachrichtenkanal befremdlich.

Waren die Rolle Gazproms als Vertragspartner von Nord Stream 1 und die Aussicht auf Nord Stream 2 von Bedeutung? Hat man auf Weisung des Kreml versucht, deutsches Erdgas als Konkurrenz zu russischem Erdgas zu desavouieren?

Russia Today bzw. RT ist ein 2005 vom russischen Staat gegründetes und finanziertes Auslandsfernsehprogramm. Es wird im Internet und per Satellitentransponder verbreitet. 2014 ging mit “RT DE” ein deutschsprachiges Programm auf Sendung.

Im März 2022 trat EU-weit ein Verbot jeglicher Übertragung von RT-Inhalten in Kraft, um die „Verbreitung von Lügen“ über den russischen Überfall auf die Ukraine zu verhindern.

In Bezug auf Fracking steht außer Frage, dass “RT DE” für ein schlechtes Image gesorgt hat. Im Einklang damit wurde der Autor dieses Textes als Präsident der BGR im Januar 2014 bei Interviewanfragen durch eine Journalistin der Stimme Russlands gedrängt, kritische Stellungnahmen zum Fracking abzugeben. Bei der Stimme Russlands handelt es sich um eine staatliche Rundfunkgesellschaft.

Entscheidend für das gesetzlich erlassene Fracking-Verbot in Deutschland war jedoch etwas anderes.

b) Altkanzler Gerhard Schröder und Teile der SPD

Im Jahr 2005 unterzeichnete die Regierung aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Absichtserklärung für den Bau der Erdgaspipeline Nord Stream 1, die russisches Gas direkt nach Deutschland leiten sollte.

International wurde der Bau kritisiert, da russische Gasexporte zuvor ausschließlich über das Territorium osteuropäischer Staaten führten, über Polen, die Slowakei und die Ukraine. Abgeordnete dieser Staaten sahen in dem Nord-Stream-Projekt ein geopolitisches Druckmittel gegen ihre Länder. Die Ostsee-Pipeline wurde realisiert und 2011 in Betrieb genommen.

Ende 2005, von Regierungsverantwortung entbunden, war Gerhard Schröder bestrebt, die Kopplung der deutschen Energieversorgung an Gazprom auszubauen. In den Jahren 2013 bis 2015 wurde Nord Stream 2 geplant und ihr Bau vorbereitet.

Über die Verbindungen Schröders zum Machthaber im Kreml und über diesen auch zu Gazprom ist berichtet worden. Besonders wichtig aber waren die verzweigten, weiterhin gepflegten Kontakte zu den noch oder wieder in Regierungsverantwortung stehenden Parteigenossen aus seinem Umkreis.

Die Mutmaßung, Altkanzler Schröder habe im Sinne des Kreml gezielt auf ein inländisches Fracking-Verbot hingearbeitet, um eine Auslastung von Nord Stream 1 und 2 nicht zu gefährden, ist naheliegend. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Projektgesellschaft von Nord Stream 2 war Schröder unmittelbar Beteiligter.

Seine geschäftlichen und persönlichen Verbindungen nach Moskau und St. Petersburg lassen keine Zweifel an gravierenden Interessenkonflikten. Viel spricht dafür, dass er die zentrale Person hinter dem Fracking-Verbotsgesetz ist und Einfluss nahm.

2011/2012 lag zwischen dem damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Industrie unter Philipp Rösler (FDP) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter Peter Altmaier (CDU) ein abgestimmter Kabinettsbeschluss zur Gewinnung unkonventionellen Erdgases vor. Fracking sollte mit strengen Auflagen für den Grundwasserschutz erlaubt werden.

Da es von Bundestagsabgeordneten aus dem Koalitionslager Widerstände gab, insbesondere von einem Landkreisabgeordneten aus der niedersächsischen Erdgasregion, in der es bei konventioneller Förderung zu Erdstößen gekommen war, wurde das Gesetzgebungsverfahren vor den im Herbst 2013 anstehenden Bundestagswahlen aufgegeben.

Der Ende 2013 gebildeten Großen Koalition gehörte Sigmar Gabriel (SPD) als Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister an. Seine damalige Unterstützung des Nord Stream 2 Projekts, inzwischen von ihm als Fehler bekannt, ist hinreichend dokumentiert.

Fragen der Rohstoff- und Energieversorgung und damit der vorbereitete Entwurf des Fracking-Gesetzes fielen in seine Zuständigkeit. Auch die BGR gehört zum Geschäftsbereich des Wirtschaftsministeriums.

c) Vergeblicher Kampf der Wissenschaft um Aufklärung

In dieser Zeit haben die Staatlichen Geologischen Dienste Deutschlands als interessensneutrale Fachbehörden und Wissensträger der öffentlichen Hand auf Anfrage von Parlamentariern mehrfach fachliche Bewertungen zum Fracking abgegeben.

Eine gemeinsame Erklärung lautete: „Sofern die gesetzlichen Regelungen und die technischen Standards eingehalten und detaillierte standortbezogene Voruntersuchungen durchgeführt werden, ist der Einsatz der [Fracking-]Technologie aus geowissenschaftlicher Sicht sicher und umweltverträglich möglich“.

In einer ‘Kopenhagener Erklärung‘ sahen sich die Leiter Geologischer Dienste Europas 2014 dazu veranlasst, in Pressemitteilungen darauf hinzuweisen, dass die um sich greifende Desinformation zur Schiefergasthematik nachteilige Folgen für die Gesellschaft hat.

Auf Bundesebene haben Fachbeamte der BGR sowie Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) und des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) Regierungsverantwortliche und Mitglieder des Bundestages umfassend zur Thematik informiert. Vergeblich.

d) Mysteriöser Wechsel in der Bundesregierung

2014 wechselte die Federführung in Sachen Fracking überraschenderweise von Wirtschaftsminister Gabriel zur Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Ein eher ungewöhnlicher Vorgang, da Ministerien meist darauf bedacht sind, ihren Ressortzuschnitt zu behalten.

Mit Hilfe des ihr unterstehenden Umweltbundesamtes (UBA) hat Frau Hendricks die Schiefergasförderung zu einem Wasserschutzthema gemacht. Der Schritt wurde kaum hinterfragt.

Der Film ‘Gasland‘ hatte ja gezeigt, so glaubten es viele, dass Fracking-Gas ins Grundwasser eindringe. Der fachliche Rat der BGR, der diese Sichtweise entlarvte, lief fortan ins Leere.

Entgegen den Aussagen eines externen, vom UBA beauftragten neutralen Fachgutachters wurde die Schiefergasförderung bald als Hochrisikotechnologie eingestuft, ein Vorgang, der Ende 2014 durch eine Panorama-Sendung der ARD an die Öffentlichkeit gelangte.

e) Das Verbotsgesetz und andere Tricks

Bald folgte ein Gesetz, das Fracking in unkonventionellen, nicht aber konventionellen Lagerstätten verbot. Eine Schwachstelle des Verbotsgesetzes war die von Regierungsbeamten als ungenügend empfundene fachliche Begründung des Verbots. Juristisch konnte es anfechtbar sein.

Politisch wurde das Dilemma gelöst, indem das Verbotsgesetz zum einen die Option von bis zu vier Probebohrungen vorsah (‚Erprobungsmaßnahmen‘), die in unkonventionelle Lagerstätten niedergebracht werden durften. Gleichzeitig machte man den interessierten Firmen jedoch keine Hoffnung auf Genehmigung einer Erdgasförderung, sollte sich eine Produktion als wirtschaftlich erweisen. Finanzielle Zuschüsse für die millionenteuren Probebohrungen wurden nicht in Aussicht gestellt. Im Ergebnis hat kein Unternehmen von der Option Probebohrung Gebrauch gemacht – erwartungsgemäß.

Zum anderen hat man mit der ‘Expertenkommission Fracking‘ ein unabhängiges Gremium installiert, dem namhafte, fachlich ausgewiesene Persönlichkeiten aus Behörden und Forschungseinrichtungen angehörten. Ihre Aufgabe war es, „die durchgeführten Erprobungsmaßnahmen wissenschaftlich zu begleiten und zum Stand der Technik Erfahrungsberichte zu erstellen“.

Dem Bundestag war bis Ende 2021 zu berichten. Die Entscheidung über eine mögliche Revision des Fracking-Verbots wurde so in die nächste Legislaturperiode verschoben. Zugleich hatte man den Experten die Basis für ihre Arbeit entzogen, weil abzusehen war, dass es keine Probebohrungen gab.

f) Ignorierte Expertenberichte

Dennoch hat die Expertenkommission termingerecht einen Bericht vorgelegt und in den Folgejahren aktualisiert. Ausgewertet wurden internationale Erfahrungen über Fracking-Maßnahmen.

Während in Deutschland bisher etwa 300 Fracking-Maßnahmen durchgeführt wurden, waren es in Nordamerika mehrere Hunderttausend. Im Ergebnis erachtet das Gremium ein generelles Verbot der unkonventionellen Schiefergasförderung für nicht geboten.

Der überfälligen, im Gesetz vorgesehenen Selbstverpflichtung des Bundestages, die Angemessenheit eines Fracking-Verbots auf Grundlage des Ende 2021 vorgelegten Standes von Wissenschaft und Technik zu überprüfen, sind die Parlamentarier bislang nicht nachgekommen.

Manchem Abgeordneten dürfte das Thema nach wie vor zu heikel sein. Lieber verfolgte man eine Strategie der Vermeidung politischer Auseinandersetzungen. Bundeskanzler Scholz hat, als in seiner Amtszeit die russischen Erdgaslieferungen zurückgingen, sein Nein zum Fracking bekräftigt und wusste sich einig mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stefan Weil.

g) Entlarvtes Statement

Wie sehr die Dinge von einzelnen Regierungsträgern der SPD auf den Kopf gestellt wurden, belegt ein 2014 gegebenes Statement von Hannelore Kraft, Kennerin der unvermeidbaren Begleiterscheinungen des Braunkohletagebaus:

„Solange ich in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin bin, wird es hier kein Fracking für unkonventionelle Erdgasförderung geben. […] Für mich ist völlig klar, dass Fracking mit gravierenden ökologischen Folgen in unseren dichtbesiedelten Regionen nicht verantwortbar wäre. […] Es geht nicht nur um mögliche Gefahren für das Grundwasser durch Chemikalien-Einsatz, sondern auch um einen massiven Eingriff in die Natur wie durch enormen Wasserverbrauch oder LKW-Verkehr.“

h) Verlust der Souveränität

Die Entscheidungsspielräume Deutschlands wurden durch das Fracking-Verbot eingeschränkt. Der Verlust an staatlicher Souveränität und die nach dem kriegerischen Überfall auf die Ukraine eingetretene Energiekrise haben dem Land Schaden zugefügt.

Ohne Frage hat das Verbot es dem Kreml-Chef erleichtert, seine Expansionspolitik fortzuschreiben. Dass Nord Stream 2 keineswegs ein ’privatwirtschaftliches Projekt‘ war, wie seinerzeit von Regierungsseite ausgegeben, belegt eine jüngst vom Bundeswirtschaftsministerium gewährte Einsicht in Akten der letzten Großen Koalition.

Mögliche Kostenvorteile durch Bezug russischen Erdgases über Nord Stream 1 und 2 hatten in den Debatten um das gesetzliche Fracking-Verbot keine Rolle gespielt. Eine Aufarbeitung der Vorgänge hat nicht stattgefunden.

i) Opportunistische Industrie

Neben Gazprom verbanden auch deutsche und internationale Unternehmen Geschäftsinteressen mit Nord Stream 2, so BASF/Wintershall, E.ON, Shell, OMV, Engie und die Stahlröhrenhersteller Salzgitter AG und Dillinger Hüttenwerke.Laut BASF-Vorstandsvorsitzendem Martin Brudermüller hatte man aufgrund politischer Vorgaben kaum eine andere Wahl.

Die Salzgitter AG und Dillinger Hüttenwerke waren über die EUROPIPE GmbH zu gleichen Teilen Auftragnehmer der Röhren für Nord Stream 1 und 2. Ihre Standorte gehörten zu den Wahlkreisen der Bundesminister Sigmar Gabriel und Peter Altmaier.

Wenig verwunderlich ist, dass den Branchen der Erneuerbaren Energien die Proteste gegen eine inländische Schiefergasförderung entgegenkamen.

Eine deutlich vernehmbare Gegnerschaft hatte und hat das Fracking in Getränkeherstellern und Brauerei-Betrieben. Sie fürchten um Markteinbußen aufgrund bestehender Besorgnisse der Bevölkerung, in der Umgebung von Trinkwasser-Entnahmestellen könne es zu Verunreinigungen kommen.

In der Sache grundlos, denn die Brunnen der Unternehmen liegen weit ab von potenziellen Schiefergas- bzw. Flözgaslagerstätten, zumal eine Beeinträchtigung des nutzbaren Grundwassers ohnehin ausgeschlossen werden kann. Missweisende Darstellungen in Medien und Öffentlichkeit zeigen hier Wirkung.

j) Bündnis 90/Die Grünen

Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen waren, anders als noch bei Nord Stream 1, frühzeitig gegen das Nord Stream 2 Projekt, ebenso gegen eine Ausweitung der heimischen Erdgasförderung. In der grundsätzlichen Ablehnung fossiler Energieträger und damit auch des inländischen Frackings besteht ein zur Parteilinie passendes Identifikationsfeld.

Der Ausstieg aus der Kernenergie infolge des Reaktorunfalls von Fukushima 2011 war bereits beschlossen, ein identitätsstiftendes Thema ‚befriedet‘. Debatten um Fracking boten ein neues Betätigungsfeld. Manche Parteimitglieder haben sich früh mit zweifelhaften Darstellungen in Anti-Fracking Kampagnen engagiert und nicht zuletzt darauf ihre politische Karriere begründet.

5. Verpasste Klimachancen

Nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 lebte die Fracking-Debatte zunächst wieder auf, die Regierung unter Kanzler Scholz lehnte aber eine erneute Befassung mit dem Thema kategorisch ab und setzte dafür auf beschleunigte LNG-Importe mit den beschriebenen ökonomischen und ökologischen Nachteilen.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels unternehmen wir große Anstrengungen, unsere Treibhausgasbilanz zu verbessern. Dabei gilt es auch, das Einsparpotenzial von CO2-Emissionen aus dem Erdgasbezug zu bewerten.

Seit dem Herbst 2022 bezieht Deutschland sein Erdgas vorwiegend aus Norwegen, den Niederlanden und vom LNG-Angebot auf dem Weltmarkt. Etwa fünf Prozent stammen noch aus der Eigenförderung (4,4 Milliarden Kubikmeter in 2024).

Ganz können wir auf LNG nicht verzichten. Es bietet Resilienz in einem volatilen Gasmarkt und Sicherheit bei strengen Wintern. Das importierte LNG kommt zum größten Teil aus den USA. Es wird dort vornehmlich mit Fracking aus Schiefertonen gewonnen. Um zu uns zu gelangen, muss es verflüssigt (auf -162° Grad Celsius gekühlt), mit Tankschiffen transportiert und schließlich wieder erwärmt (regasifiziert) werden.

Die dafür aufgewendete Energie verzehrt etwa 20 Prozent der geförderten Energiemenge. Die Folge: LNG hat quasi einen um diesen Anteil niedrigeren energetischen Wirkungsgrad als heimisches Erdgas.

Heißt: Statt 25 Milliarden Kubikmeter geförderten Erdgases in Übersee bräuchten bei uns nur 20 Milliarden gefördert werden.

Einfache Umrechnungen zeigen, dass die energetische Nutzung der zusätzlich benötigten 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr etwa 10 Millionen Tonnen CO2 freisetzt. (Auch der Pipelinetransport von Erdgas ist über größere Entfernungen nicht verlustfrei).

Klimawirksam ist zudem der sogenannte Methanschlupf, das Ablassen oder unbeabsichtigte Entweichen von Erdgas vom Zeitpunkt der Förderung bis zur Nutzung, auch als Vorkettenverlust bezeichnet. Beim Fracking selbst, dem Prozess der Risserzeugung, kommt es nicht zu Methanemissionen.

Hauptursachen sind Nachlässigkeiten bei übertägigen Maßnahmen, der Erdgasaufbereitung und beim Verschluss von Bohrungen (laxe Wartungen, Fehlfunktion an Ventilen, Unfälle, Abschlussarbeiten).

In den USA kann man nach Vergleichsstudien im Mittel von 2 Prozent Methanverlusten ausgehen. Nicht unerheblich, da die Treibhausgaswirkung von Methan (nach 100 Jahren) ungefähr 30-mal höher ist als die von CO2.

Bei uns garantieren strenge gesetzliche Vorgaben, auch die jüngst verabschiedeten EU-Richtlinien zur Eindämmung von Methanemissionen im Öl- und Gassektor, dass die Methanleckagen niedrig sind (geschätzt nicht über einem halben Prozent).

Umgerechnet in CO2-äquivalente Treibhausgaswirkung macht die Differenz zu Förderstätten in Übersee bei einer dortigen Fördermenge von 25 Milliarden Kubikmeter noch einmal 8 Millionen Tonnen CO2 aus.

Ergo:

Ohne Fracking-Verbotsgesetz wären allein in den letzten fünf Jahren 90 Millionen Tonnen CO2 nicht in die Atmosphäre gelangt, soviel wie der CO2-Ausstoß der gesamten deutschen Zementindustrie in diesem Zeitraum.

Wer sich angesichts dieser Mengen gegen eigene Schiefergasförderung ausspricht und das Klimaproblem als eines unserer dringendsten nennt, stellt genau das in Frage.

Bohrplätze und Tiefbohrungen sind überdies bedeutende Investitionen. Bei auskömmlicher Schiefergas-/Flözgasförderung sind sie nach wenigen Jahren abgeschrieben (kein Lock-in Effekt). Ist ein weiterer Betrieb nicht wirtschaftlich, werden sie zurück gebaut, die Bohrlöcher verfüllt.

Im Rahmen der Energiewende rückt aber zunehmend eine Nachnutzung zur Gewinnung von Erdwärme (Geothermie) ins Blickfeld. Für die ‚tiefe‘ Geothermie sind die initial anfallenden Bohrkosten der größte Hemmschuh.

In Tiefen zwischen 1.000 und 5.000 Metern, in denen die Horizontalstrecken der Fracking-Bohrungen verlaufen, herrschen Temperaturen von 40° bis 160° Celsius. Je nach örtlichen Verhältnissen kommen verschiedene Verfahren der Erdwärmenutzung in Betracht.

Einmal installiert, kann über mehrere Jahrzehnte beständig vorhandene, emissionsfreie, erneuerbare Energie bereitgestellt werden.

Fazit

Beim Thema Nutzung eigener Erdgasvorräte durch Fracking wurde Sachverstand ausgeblendet, offensichtlich gezielt. Selbst mehr Klimaschutz durch geringere Vorkettenverluste konnten nichts daran ändern, dass Vorteile eigener Erdgasförderung in ihr Gegenteil verkehrt wurden.

Weitere Chancen, die man nicht genutzt hat, sind:

  • Geringere Abhängigkeit von Lieferländern, Krisen und Kriegen bei einem preisvolatilen Spotmarkt
  • Ein merklicher Beitrag zur eigenen Versorgungssicherheit, damit verbunden ein Mehr an politischer Handlungsfreiheit und Resilienz
  • Ein preishemmendes Signal für den Weltmarkt, das zur Senkung der Energiekosten beiträgt
  • Die fragliche Moral, im Lande vorhandenes Erdgas nicht zu nutzen, unausweichliche Belastungen aber outzusourcen, wobei unsere strengen Vorgaben zum Umwelt- und Grundwasserschutz kaum irgendwo überboten werden
  • Entfall von Devisenzahlungen in Fremdwährung (US-Dollar), die für hier gewonnenes Schiefergas nicht anfallen
  • Erhalt von Wertschöpfung und Know-how, das für die Nutzung tiefer Erdwärme und das untertägige Speichern unvermeidbarer CO2-Emissionen benötigt wird.
  • Arbeitsplätze und Teilhabe an technologischen Entwicklungen in Zeiten geringen Wirtschaftswachstums
  • Einbehalt von Förderabgaben, die der öffentlichen Hand für dringende staatliche Ausgaben zufließen. Legt man den mittleren Börsenpreis für Erdgas zugrunde, kosteten 20 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2025 ca. 60 Milliarden Euro

Unterm Strich ist das Fracking-Verbot klima- und gesellschaftspolitisch ein Desaster und ein Beispiel für energiewirtschaftliche Kurzsichtigkeit.

Ob eine inländische Schiefergasförderung wirtschaftlich ist oder nicht, kann nur die ausführende Industrie entscheiden. Sie allein trägt die Kosten und das Risiko der Investitionen und trifft ihre Entscheidungen anhand unternehmenseigener Kriterien, die von einer Vielzahl von Randbedingungen abhängen.

Es ist anzunehmen, dass die Erdgas-Förderkosten in Deutschland höher sind als in den USA oder im Mittleren und Nahen Osten. Dafür zahlen andere Standortvorteile ein, und es entfallen die Mehrkosten für Regasifizierung und Betrieb von LNG-Terminals.

Würde der Einstieg in die Schiefer-/Flözgasgewinnung jetzt noch Sinn ergeben?

Vier Fragen sind vorrangig zu beantworten:

  1. Brauchen wir noch Erdgas und wie lange noch?

Antwort: Ja, und sicher wohl noch 20 Jahre. Bis zum Jahr 2045 nicht nur auf Kohle und Kernkraft, sondern auch auf Erdöl und Erdgas zu verzichten, ist ein hochgestecktes Ziel. 2024 betrug der Anteil aller erneuerbarer Energien am Gesamt-Primärenergieverbrauch in Deutschland etwa 20 Prozent. 25 Prozent wurden durch Erdgas gedeckt (35 Prozent durch Erdöl, 17 Prozent durch Stein- und Braunkohle). Gaskraftwerke zur Überbrückung von Dunkelflauten und Erdgas als Reserve für kalte Wintertage sind auf Jahre hinaus nicht ersetzbar.

  1. Wie lange dauert es, bis wir Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten fördern können?

Antwort: Ein Bohrplatz ist in einem Monat errichtet. Ein 2.000 Meter tiefes und sich über 2.000 Meter horizontal erstreckendes Bohrloch kann heute ebenfalls in einem Monat erstellt werden. Rein technisch lässt sich eine Bohrstelle in wenigen Monaten zur Produktion bringen. Länger brauchen Vorerkundungen und der Genehmigungsprozess, für die zwei bis vier Jahre zu veranschlagen sind. Viel hängt vom politischen Willen ab, wie beschleunigte Genehmigungen beim Bau von LNG-Terminals 2021/2022 gezeigt haben.

  1. Wie wichtig ist uns Klimaschutz?

Antwort: Jedes Jahr erspart eine eigene Schiefergas-/Flözgasförderung von 20 Milliarden Kubikmeter, die LNG ersetzt, 18 Millionen Tonnen CO2-Emissionen – darin eingerechnet niedrigere Methanverluste bei uns. Die Gesamtemissionen Deutschlands lassen sich durch inländische Erdgasgewinnung in erheblichem Maße verringern. Die Nachnutzung von Tiefbohrungen zur Gewinnung von klimaneutraler Erdwärme kann die Energiewende beschleunigen.

  1. Lässt sich die in der Bevölkerung verbreitete Skepsis gegenüber Fracking revidieren?

Antwort: Hier ist viel Porzellan zerbrochen worden. Individuell mag gute Absicht hinter dem Bashing der Fracking-Technologie gestanden haben. Der breiten Öffentlichkeit ist eine kritische Einstellung nicht zu verdenken. Jeder will das Klima schützen und Umweltschäden vermeiden. Kenntnisse über Tiefengesteine und deren Schichtverhältnisse, über die im geologischen Untergrund wirkende Kräfte, den Chemismus dort vorkommender fester, flüssiger, gasförmiger Stoffe und ihre Wechselwirkungen sind genauso wenig Allgemeinwissen wie die Funktionsweise eines Quantencomputers oder die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen. Ohne fachliches Wissen ist die Zivilgesellschaft auf Berichte in den ihr zugänglichen Medien angewiesen – und auf qualifizierte Stellungnahmen aus dem politischen, medialen und öffentlichen Raum.

An der Nase herumgeführt

Ungerechtfertigterweise waren und sind viele Aussagen und Berichte zur Schiefergasförderung negativ oder falsch. Eine deutschsprachige Besonderheit mag die Klangverwandtschaft der Worte ‚Fracking‘, ‚dreckig‘ und ‚schrecklich‘ sein, in Talkshows ist oft schnell vom ‚dreckigen Fracking‘ die Rede.

Kein Wunder, dass dem Fracking das Attribut ‚umstritten‘ anheftet. Die oben genannten Hintergründe helfen zu verstehen, warum es so gekommen ist.

Umkehren lässt sich dieses Meinungsbild nur durch unvoreingenommene und nicht nur oberflächliche Befassung mit den zugrundeliegenden Sachverhalten – und vielleicht dem Eingeständnis, dass man an der Nase herumgeführt wurde.

Ohne ein Umdenken bleibt es bei verpassten Chancen. Dass CO2-Emissionen durch vermeidbare LNG-Importe nicht bei uns zu Buche schlagen, kann nicht beruhigen.

 

Dieser Artikel erschien unter <axelbojanowski@substack.com>