Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke stärkt Europas Energieversorgung

Das wissenschaftliche Beratungsgremium der European Nuclear Society, der High Scientific Council, plädiert in seinem Positionspapier nachdrücklich für den Langzeitbetrieb (LZB) der Kernkraftwerke in Europa. Der LZB sei entscheidend für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Strompreise und wirke drohenden Kapazitätslücken sowie steigenden Emissionen entgegen.

Das Positionspapier des High Scientific Council (HSC) [1 ]bezeichnet den Langzeitbetrieb als «von entscheidender Bedeutung für das soziale und wirtschaftliche Wohlergehen Europas und insbesondere der EU-Gemeinschaft». Es verweist dabei auf das Kernenergie-Strategieprogramm der EU, das Nuclear Illustrative Programme (PINC 2025), welches für das Jahr 2050 von 109 GWe Nettoleistung aus großen Kernkraftwerken ausgeht. Diese Kapazität basiert auf Neubauten und der sicheren Verlängerung der Betriebsdauer bestehender Kernkraftwerke über ihre ursprüngliche Auslegungsdauer hinaus.

Gemäß HSC ist der Langzeitbetrieb ein strategischer Baustein der Energiewende und eine unverzichtbare Brücke zwischen heutiger Stromerzeugung aus Kernkraftwerken und künftigen Kernkraftwerksneubauten. Er verschaffe Zeit, um neue Großreaktoren und kleine, modulare Reaktoren (SMRs) zu realisieren. Die EU könne es sich nicht leisten, «verlässliche, CO2-arme Energieerzeuger, die das gesamte Stromsystem stützen, vorzeitig stillzulegen». Ein technologieneutraler Rahmen sei unerlässlich, damit das Potenzial aller Netto-Null-Technologien genutzt werden könne. «Folglich muss die Kernenergie – sowohl in Form des Langzeitbetriebs als auch durch Neubauten – weiterhin eine zentrale Rolle in der Energiewende spielen», hält der HSC fest.

Vorteile für Klima, Wirtschaft und Netzstabilität

Der Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke sei eine wirtschaftlich effiziente Möglichkeit zur Sicherung CO2-armer Stromerzeugung, da vorhandene Anlagen weiter genutzt und modernisiert würden und so lange Bauzeiten sowie hohe Anfangsinvestitionen von Neubauten entfielen. Laut HSC tragen Kernkraftwerke zur Grundlastversorgung bei und ermöglichen zugleich einen flexiblen Betrieb sowie das Erbringen von Systemdienstleistungen wie Frequenzregelung und Trägheit. Dadurch stärken sie die Netzstabilität in einem Energiesystem mit wachsendem Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien. Zudem verringern sie den Bedarf an Netzausbau, an Reservekapazitäten sowie an großen Speichern, wodurch die zur Stabilität der Strompreise beitragen.

Sicherheit und regulatorischer Rahmen

Voraussetzung für jede Laufzeitverlängerung ist gemäß Positionspapier der uneingeschränkte Nachweis der nuklearen Sicherheit. Anlagen unterliegen regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen, in deren Rahmen Alterungsprozesse bewertet, Modernisierungen umgesetzt und internationale Betriebserfahrungen sowie aktuelle Forschungsergebnisse berücksichtigt werden. Der HSC verweist darauf, dass der Zustand sicherheitsrelevanter Komponenten häufig besser sei als ursprünglich prognostiziert; ein abruptes Sicherheitsdefizit beim Erreichen der Auslegungsdauer gebe es nicht. Ein Weiterbetrieb über 30 oder 40 Jahre hinaus sei nach Zustimmung der Aufsichtsbehörden möglich. Je nach Mitgliedstaat erfolge dies entweder im Rahmen eines unbefristeten Betriebs mit periodischen Sicherheitsprüfungen oder durch formelle Verlängerung einer befristeten Genehmigung.

Anmerkung: Die US-Kernenergieaufsichtsbehörde (NRC) hat mehreren Reaktoren die Lizenz für eine Laufzeit von 80 Jahren erteilt.

Quelle

[1] HSC-Positionspapier von ENS, 4. Februar 2026

entnommen:

https://www.nuklearforum.ch/de/news/positionspapier-langzeitbetrieb-der-kernkraftwerke-staerkt-europas-energieversorgung