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UN-IPCC bestätigt die Notwendigkeit der Kernenergie für das 1,5 Grad-Ziel

 

Der am 8. Oktober 2018 veröffentliche „IPCC Special Report on Global Warming of 1.5°C“ *) war ein Hauptthema in den Medien:

Hiernach muss der weltweite Kohlendioxidausstoß 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach deutlich absinken, um die 1,5 Grad-Grenze einzuhalten. Bis 2050 müsse Treibhausgasneutralität erreicht sein.

Der Anteil erneuerbarer Energieträger müsse nach Ansicht der Autoren bis zur Mitte des Jahrhunderts von derzeit etwa 20 % auf mindestens 70 % ansteigen. Der Kohle-Anteil müsse möglichst auf null, der Gas-Anteil selbst in Verbindung mit CO2-Abscheidern (die es in der Praxis noch nicht gibt) auf 8 % sinken. Der Rest müsse, was in den Medien zumeist unerwähnt bleibt, wohl vorwiegend auf die Nutzung der Kernenergie entfallen. Das wären 30 %!

 Der Bericht befasst sich mit den Auswirkungen der globalen Erwärmung um 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau und den damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit der Stärkung der globalen Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, die nachhaltige Entwicklung und die Bemühungen zur Beseitigung der Armut. In allen im Bericht dargestellten Szenarien, die mit 1,5 Grad kompatibel sind, steigt der Beitrag der Kernenergie. Der Anteil der nuklearen und fossilen Brennstoffe mit Kohlendioxidabscheidung und -speicherung bei der Stromerzeugung wird auf den meisten untersuchten 1,5-Grad-Pfaden “ohne oder mit begrenzter Überschreitung” zunehmen.

“Bei den meisten 1,5-Grad-Untersuchungspfaden nimmt der Kernenergie-Anteil bis 2050 zu, aber in einigen Pfaden sinkt sowohl die absolute Kapazität als auch der Anteil der Energie von Kernkraftwerken”, heißt es in der Zusammenfassung für Entscheidungsträger des Berichts. “Es gibt große Unterschiede in der Kernenergie zwischen den Modellen und den verschiedenen Wegen. Einer der Gründe für diese Variation ist, dass der zukünftige Einsatz der Kernenergie durch gesellschaftliche Präferenzen eingeschränkt werden kann, die in den Annahmen, die den Pfaden zugrunde liegen, unterstellt werden. Während bei einigen 1,5-Grad-Pfaden die Kernenergie bis zum Ende des Jahrhunderts keine Rolle mehr spielt, kommen andere Untersuchungspfade zu über 200 EJ im Jahr Kernkraft im Jahr 2100.”

Dies entspräche umgerechnet 56000 Mrd. kWh im Jahr. Die globale Stromerzeugung durch Kernenergie betrug hingegen in 2016 rund 2.477 Mrd. kWh.

Im Originaltext heißt es:

“Nuclear power increases its share in most 1.5-degree pathways by 2050, but in some pathways both the absolute capacity and share of power from nuclear generators declines,” the Summary for Policymakers of the report says. “There are large differences in nuclear power between models and across pathways. One of the reasons for this variation is that the future deployment of nuclear can be constrained by societal preferences assumed in narratives underlying the pathways. Some 1.5-degree pathways no longer see a role for nuclear fission by the end of the century, while others project over 200 EJ year of nuclear power in 2100.”

Mit der endgültigen Abschaltung des letzten deutschen Kernkraftwerkes im Jahr 2022 steigt Deutschland aus der nuklearen Stromerzeugung aus. Entgegen dem Rat der Fachwelt und entgegen dem weltweiten Ausbautrend der Kernkraftwerke hat sich die Bundesregierung in 2011 zu diesem Schritt entschlossen, ohne eine überzeugende Stromerzeugungsalternative anzubieten. Nach Lage der Dinge eine folgenschwere Fehlentscheidung.

*)  https://www.ipcc.ch/index.htm

 

Schlechtes Wetter für die Windkraft: FDP fordert Rücksicht auf den Natur- und Artenschutz – Bericht Nr. 2

Auch dieser zweite Bericht handelt von der endlich auch im Bundestag aufgelebten kritischen Debatte über die Windenergie. Die letzten Wochen waren in der GroKo durch erheblichen Streit über die Bedingungen für den beschlossenen weiteren Windkraftausbau gekennzeichnet – dazu gab es auf dieser Webseite den Bericht Nr. 1. Aber auch die Opposition im Parlament meldete sich mit Kritik und Forderungen. Nach der grundsätzlichen Kritik der AfD an der gesamten Klima- und Energiepolitik der Regierung hat jetzt auch – überraschenderweise – die oppositionelle FDP Forderungen erhoben, die dem Natur- und Artenschutz dienen und zerstörerische Konsequenzen des Windkraftausbaus verhindern sollen.

Es scheint sich tatsächlich bei einigen politischen Parteien – jedoch nicht bei den GRÜNEN und der Partei DIE LINKE – eine zunehmend kritische Bewertung der Konsequenzen des extremen Ausbaus der Windenergieanlagen durchzusetzen. Die mittlerweile über 1000 Bürgerinitiativen, die dagegen kämpfen, haben offenbar ein Umdenken bewirkt. Und nun die Liberalen…

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20 Fragen zur Energiewende

Die im Folgenden aufgeworfenen Fragen und Antworten sollen die grundlegenden Probleme der Energiewende in übersichtlicher, möglichst kurzer und verständlicher Form beleuchten, ohne dabei in die Tiefe zu gehen und sollen Anregungen für vertiefte Nachforschungen geben. Einige vertiefte Darstellungen sind bereits auf dieser Internetseite enthalten.

 

  1. Können die Wind- und Solaranlagen Kohle- und Kernkraftwerke vollständig ersetzen?
  2. Ist der Verzicht auf Kohle, Gas und Öl zum jetzigen Zeitpunkt infolge ihrer begrenzten Verfügbarkeit zwingend?
  3. Lässt sich der Strom speichern und welche „Speichermöglichkeiten“ gibt es real?
  4. Sind die EEG-Regelungen aus marktwirtschaftlicher Sicht sinnvoll und was bewirken sie?
  5. Warum muss das Stromnetz ausgebaut werden?
  6. Ist das vom Menschen erzeugte CO2für den Klimawandel verantwortlich?
  7. Lässt sich das Klima schützen?
  8. Was bedeuten die Klimaziele quantitativ und welchen globalen Beitrag liefert die in Deutschland angestrebte CO2-Einsparung?
  9. Was führen Politiker mit der Energiewende wirklich im Schilde?
  10. Welche Bedeutung haben Batterien der Elektroautos als Hilfsspeicher für die sichere Stromversorgung?
  11. Was bedeutet Emissionshandel und wie wirkt er?
  12. War der Verzicht auf Kernenergie zwingend und welche Folgen hat er?
  13. Aus welchen Kosten setzt sich der Strompreis zusammen und wie kommt es zum Strompreisanstieg, wo doch die Sonne keine Rechnung schickt?
  14. Wer sind die Träger der Windkraft- und Solaranlagen?
  15. Ist ökologischer Strom tatsächlich ökologisch?
  16. Wie kommt es zum Stromüberfluss und was geschieht damit?
  17. Was versteht man unter „Redispatch“ und wie häufig sind diese Maßnahmen?
  18. Welchen Einfluss übte die Energiewende auf den Strommarkt aus?
  19. Wie beurteilt das Ausland die deutsche Energiewende?
  20. Wie wird die Energiewende von maßgeblicher Seite beurteilt?

Nachfolgend die Antworten, die denen, die sich für dieses Thema interessieren, nicht aber mit diesem Thema vertraut sind, Anlass zum Nachdenken geben sollten.

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Meeresspiegelanstieg bislang wissenschaftlich ungeklärt

Über den Anstieg des Meeresspiegels besteht eine wissenschaftliche Kontroverse, trotz auch Satelliten gestützter Daten. Dies bedeutet, dass man äußerste Sorgfalt beim Betrachten und Interpretieren der Daten der Vergangenheit, bei neuen Studien und insbesondere der Berichterstattung in den Medien zu diesem Thema walten lassen muss. Dies gilt auch für den jüngsten Bericht des Weltklimarates, in dem der globale Anstieg zwischen 1901 und 2015 mit 19,5 cm angegeben wird, d.h. um 1,7 mm pro Jahr. Im Textende angegebenen Link*heißt es, „Es spricht nichts dafür, dass der Meeresspiegel gefährlich oder rapide steigt. Auch beschleunigt sich der Anstieg im globalen Maßstab nicht, wobei unsere Fähigkeit, globale Änderungen in diesen kleinen Größenordnungen (millimeterweise) zu messen, sehr fragwürdig ist.“

Bedauerlicherweise wird ein Meeresspiegelanstieg unverhohlen als Taktik der Panikmache seitens der Propagandisten einer katastrophalen globalen Erwärmung herangezogen.

 

Auf die parlamentarische Anfrage, welche Veränderung des Meeresspiegels an Nord- und Ostsee zu erwarten sind, wenn die Durchschnittstemperatur bis 2050 um 20 Celsius ansteigt, antwortete die Bundesregierung**)unter anderem:

„Der Bundesregierung liegen derzeit nicht die für die angefragte Bewertung erforderlichen genauen Zahlenwerte vor, welche Veränderungen und mögliche Einschränkungen durch den Meeresspiegelanstieg an der Nord- und Ostseeküste, insbesondere auf den Inseln, zu erwarten sind und inwieweit mögliche Gebiete unbewohnbar sein werden.“

„Um mögliche, mit dem Meeresspiegelanstieg zusammenhängende Gefahren und Anpassungsnotwendigkeiten frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Verringerung der Betroffenheit zu identifizieren und umzusetzen, erarbeitet die interministerielle Arbeitsgruppe Anpassung (IMAA) unter der Federführung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) derzeit an einer Strategie zum Umgang mit dem Meeresspiegelanstieg im Ressortkreis und mit den Bundesländern. Die wissenschaftlichen Einrichtungen der Bundesregierung prüfen die neuen wissenschaftlichen Arbeiten zum Meeresspiegelanstieg. Wichtige Basis für die Identifizierung von Handlungsoptionen wird in diesem Zusammenhang der „IPCC-Sonderbericht über die Ozeane und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima“ sein, der im September 2019 erwartet wird.“

Die Bundesregierung bestätigt zwar in ihrer Antwort die fortlaufenden wissenschaftlichen Diskussionen über den Meeresspiegelanstieg, beruft sich aber zugleich – was fragwürdig ist -auf  “neuere Arbeiten, die es möglich erscheinen lassen, dass es zu einem höheren und beschleunigten Anstieg kommen kann, als vom Weltklimarat 2013 angenommen wurde.“

*) https://wattsupwiththat.com/2018/01/09/sea-level-rise-and-fall-part-4-getting-a-rise-out-of-nothing/

**) Bundestagsdrucksache 19/3677 vom 27. Juli 2018

China baut westliche Kernkraftwerke

Klimaschutz: Deutschland rettet (wieder einmal) die Welt

Gastautor Willy Marth

Willy Marth, geboren 1933 im Fichtelgebirge, promovierte in Physik an der Technischen Hochschule in München und erhielt anschliessend ein Diplom in Betriebswirtschaft der Universität München. Ein Post-Doc-Aufenthalt in den USA vervollständigte seine Ausbildung. Am „Atomei“ FRM in Garching war er für den Aufbau der Bestrahlungseinrichtungen verantwortlich, am FR 2 in Karlsruhe für die Durchführung der Reaktorexperimente. Als Projektleiter wirkte er bei den beiden natriumgekühlten Kernkraftwerken KNK I und II, sowie bei der Entwicklung des Schnellen Brüter SNR 300 in Kalkar. Beim europäischen Brüter EFR war er als Executive Director zuständig für die gesamte Forschung an 12 Forschungszentren in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Im Jahr 1994 wurde er als Finanzchef für verschiedene Stilllegungsprojekte berufen. Dabei handelte es sich um vier Reaktoren und Kernkraftwerke sowie um die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, wo er für ein Jahresbudget von 300 Millionen Euro verantwortlich war.

 

Im Klimaschutz glauben die Deutschen – anders als bei der WM-Fußball 2018 – ganz vorn zu sein. Mit Stolz verweist man auf die 30.000 Windräder, welche viele Gegenden, sogar die windstillen, in unübersehbarer Weise zieren und verunstalten. Und auf die, ach so schrecklichen, Kernkraftwerke, welche, Gottseidank, nunmehr zu 90 Prozent stillgelegt sind. So war man denn auch hoch erfreut, als die “Klimapäpste” der UN die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn als Ausrichtungsort ihrer nächsten Klimakonferenz, der COP 23, auswählten. Etwa 25.000 Teilnehmer aus 197 Ländern reisten an, dazu 500 Nichtregierungsorganisationen, sowie der Experte Arnold Schwarzenegger. Deutschland fungierte brav als “technischer Gastgeber”, die Bundesregierung steuerte 115 Millionen bei und die Bonner Hoteliers waren zufrieden. Die “Hohe Präsidentschaft” dieser Weltkonferenz übte der mächtige Inselstaat Fidschi aus.

Der Ablauf der COP 23 entsprach allerdings nicht den Erwartungen der deutschen Delegation: man war auf Lob eingestellt, aber statt Liebe gab es Hiebe für den Gastgeber. Kritisiert wurde vor allem die Kohlepolitik der Bundesrepublik und die daraus erwachsenden viel zu hohen CO2-Emissionen. Das früher verabredete Ziel der 40 prozentigen Minderung dieser Abgase war offensichtlich nicht einzuhalten. Das mussten die Bonner Gastgeber kleinlaut zugeben.

Blick zurück im Zorn

Wie konnte es zu dieser blamablen Situation bei den CO2-Emissionen kommen? Nun, der (erste) Fehler wurde bereits 2007, also vor gut zwanzig Jahren, bei der Klimakonferenz COP 13 im exotischen Bali gemacht. Dort wurde als internationales Ziel die 25-prozentige Reduktion der emittierten Klimagase bis zum Jahr 2020 beschlossen – bezogen auf das Ausgangsjahr 1990. Die deutschen Unterhändler boten, im nationalen Überschwang, nicht 25 sondern gleich 40 Prozent an, wobei sie auf die Schließung der unwirtschaftlichen Betriebe in Ostdeutschland hofften.

Der zweite Fehler war die sofortige Abschaltung von acht deutschen Kernkraftwerken im Nachgang zu Fukushima; bis heute sind zwei weitere Großkraftwerke dazu gekommen. Das führte dazu, dass der Treibhausgasausstoß in Deutschland seit 2011 bei ca. 900 Millionen Tonnen stagniert. Der flatterhafte Wind- und Sonnenstrom konnte da nichts Gegenteiliges bewirken. Im übrigen wurden die Reduktionen praktisch nur von der Energiewirtschaft erbracht, die anderen Sektoren, insbesondere der Verkehr, haben praktisch Null beigetragen. Der dritte Fehler war die terminliche Abkopplung der KKW-Stilllegung von der Inbetriebnahme der leistungsstarken Nord-Süd-Transportnetze. Letztere werden wohl erst ab 2025 operativ, die letzten, derzeit noch laufenden Kernkraftwerke werden hingegen bereits 2022 abgeschaltet.

Kaum thematisiert wird, dass die deutschen CO2-Emissionen nur 160 Millionen Tonnen über dem 40 Prozent-Zielwert liegen. Die globalen Emissionen betragen demgegenüber 36.000 Millionen Tonnen. Der deutsche “Fehlbetrag” liegt also nur bei mickrigen 0,5 Prozent dieser riesigen Abgasmenge. Und dafür wurden wir von den großmäuligen Klimaschützern der Bonner Konferenz beschimpft – welche im übrigen fast alle per Flugzeug anreisten. Und dafür haben unsere Vertreter öffentlich Reue und Buße gelobt, nach dem Motto:
“Deutschland muss die Welt retten”.
Und in China wird jede Woche ein neues, großes Kohlekraftwerk in Betrieb genommen!

Die Kohle-Kommission soll´s richten

Es  ist offenkundig, dass die vermehrten CO2-Emissionen in Deutschland mit der Verbrennung der Steinkohle und insbesondere der Braunkohle zusammen hängen. Beide werden gebraucht, um die Regelenergie bereitzustellen und die herbstliche Dunkelflaute zu überwinden. Indes, die deutschen Abgasziele (gegenüber 1990) sind bekannt und praktisch schon festgeschrieben: 60 Prozent bis zum Jahr 2030 sowie unglaubliche 95 Prozent bis 2050. Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sah sich in der Klemme und in solchen Situationen bilden Politiker gerne eine Kommission – in diesem Fall die Kohlekommission. Damit das Ziel – nämlich die Reduktion des Kohleabbaus und damit der Arbeitsplätze – aber dem Publikum nicht sofort sauer aufstößt, wurde ein umfänglicher und unauffälliger Name gewählt:Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung. Im Kern geht es jedoch um die Reduktion des Abbaus in den deutschen Kohleregionen: die rheinische, die mitteldeutschen sowie die Lausitz.

Die wichtigsten deutschen Kohlevorkommen

Anfangs wollte Altmaier einen effizienten Kader von 10 Kommissionsmitgliedern zusammenstellen. Dies gelang ihm jedoch nicht; möglicherweise weil er sich auch nach mehr als 100 Tagen nach Regierungsantritt immer noch nicht auf einen Staatssekretär für Energiefragen abstützen kann. (Der bisherige, Rainer Baake, hat gekündigt, was man auch durchaus positiv sehen kann). Nun hat die Kohlekommission 24 Mitglieder, 4 Vorsitzende, 3 Bundestagsabgeordnete ohne Stimmrecht sowie eine Steuerungsgruppe mit 8 Staatssekretären aus 8 beteiligten Bundesministerien. Ein Gremienmonster! In der Rekordzeit von einem halben Jahr soll der Pfad ins kohlenstoffdioxidfreie Energiezeitalter festgelegt werden.— Ein Mitglied der Kommission ist die flamboyante Marie-Luise Wolff, Leiterin eines kommunalen Mini-EVU und ehemalige Studentin der Anglistik und Musikwissenschaften. Sie soll gut Geige und Klavier spielen können. Und die Energiewende samt Atomausstieg hält sie auch für richtig. Man fühlt sich an die legendäre Ethikkommission erinnert mit Kardinal Marx als Experten. (“Die Atomenergie ist des Teufels”)

Die Kommission begann ihr Beratungen im vorigen Juni und hat sich einen strammen Zeitplan auferlegt. Die Eröffnungssitzung leitete der Bahn-Vorstand und frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, wobei er einen Bericht des Essener RWI- Instituts entgegen nahm. Diese Experten hatten ermittelt, dass in Deutschland rd. 56.000 Beschäftigte direkt oder indirekt von der Braunkohle abhängig sind und deren Anteil an der Stromerzeugung 22,6 Prozent beträgt (Steinkohle 14,4 Prozent). Anfang Oktober 2018 wird das Gremium das Lausitzer Braunkohlebecken in Augenschein nehmen und schon zum Ende dieses Monats soll ihr schriftlicher Zwischenbericht vorliegen. Rechtzeitig zum Start des nächsten Weltklimagipfels COP 24 in Kattowitz! Am 11. Dezember soll die Kommission in einer siebten und letzten Vollsitzung ihre Arbeit beenden. Das gesetzte Ziel: “Wir wollen niemand zurücklassen auf dem Weg des Umbaus der deutschen Energieindustrie”. Great!

Ausblick

Der geplante Ausstieg aus der Kohle ist der zweite energiepolitische Ausstieg, den die Bundeskanzlerin Angela Merkel einläutet: 2011 war es der Ausstieg aus der Atomkraft, 2018 ist es jener aus der Kohle. Der Terminplan für die Kohlekommission ist so eng, dass man bezweifeln muss, ob sie belastbare Ergebnisse zutage fördern kann. Es sollen – auf die Schnelle – Lösungen gefunden werden, an denen sich Fachleute und Politiker seit Jahren die Zähne ausgebissen haben. Nur ein Faktum sei stellvertretend dafür genannt.:
Um gegen die Dunkelflaute gewappnet zu sein, braucht Deutschland einen Kraftwerkspark, der (permanent) etwa 70 Gigawatt Leistung liefern kann oder rund 30 Terawattstunden Speicherkapazität. Die gesamten vorhandenen Pumpspeicherkraftwerke liefern aber nur 40 Gigawattstunden Speicherkapazität. Wie soll so die Stromversorgung in einem Industrieland, wie Deutschland, unterbrechungslos funktionieren?

Unter dem gegenwärtigen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier werden diese Probleme nicht mehr gelöst werden. Altmaier wird glaubhaft nachgesagt, dass er (Ende 2019) in Brüssel einen Kommissarposten anstrebt.

 

 

USA: Tiefgreifende CO2-Minderung vorerst nur durch Einsatz von Kernkraftwerken

In den Vereinigten Staaten befinden sich rund 100 Kernkraftwerke in Betrieb. Weit mehr als die Hälfte der Kernkraftwerke erhielten in den letzten Jahren eine Laufzeitverlängerung auf 60 Betriebsjahre. Ihr Beitrag an der Gesamtstromerzeugung liegt bei rund 20 Prozent. Durch den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien wie auch durch den Einsatz von preisgünstigem Fracking-Gas wurde der Betrieb von Kernkraftwerken zunehmend unprofitabler. Seit 2013 kam es zur Abschaltung etlicher Kernkraftwerke, weitere „stehen auf der Kippe“ (at-risk). Mit der US-amerikanischen Herausforderung der Stromerzeugung befasst sich ein in der atw*erschienener Aufsatz, deren Autoren zu einer bemerkenswerten Schlussfolgerung kommen (ins Deutsche übersetzt):

 

Investitionen in erneuerbare Energien haben wesentlich zur emissionsfreien Stromerzeugung (in den USA) beigetragen. Für diejenigen, die mit dem Klimawandel zu tun haben, ist dies ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung. Die vorzeitige Abschaltung von „auf der Kippe stehenden“ Kernkraftwerken in den USA würde jedoch bedeuten, auf eine CO2-freie Stromerzeugung zu verzichten, die zwei Dritteln der gesamten CO2-freien Stromerzeugung aus Wind und Sonne entspricht. In US-Staaten mit diesen Nuklearanlagen hat der Verzicht einen deutlich größeren Einfluss. Die Verzichte könnten noch bedeutender werden, wenn mehr Kernkraftwerke ihre Betriebsgenehmigungen nicht erneuern würden.

Ein Hoffnungsschimmer entsteht jedoch, wenn Staaten wie New York und Illinois Politiken entwickeln, um die kohlenstofffreie Stromerzeugung durch Kernkraftwerke zu bewerten. Sogar Umweltschützer beginnen, Unterstützung für die Kernenergie anzubieten. In Illinois bezeichnete die “Union der besorgten Wissenschaftler” (Union of Concerned Scientists) das “Future Energy Jobs Bill” als eines des umfassendsten staatlichen Energiegesetzentwurfes, das jemals ausgearbeitet wurde und die wichtigste Klimagesetzgebung in der Geschichte Illinois ist. In einem offenen Brief, der von mehr als 70 Ökologen und Naturschutzforschern unterzeichnet wurde, heißt es außerdem, Wind und Sonne seien vielversprechend, aber die Kernenergie als die bei weitem kompakteste und energieintensivste Quelle könnte ebenfalls einen wichtigen und vielleicht auch führenden Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen leisten.

Wenn die Kernkraftwerkskapazität in naher Zukunft nicht erhalten bliebe, wird dies die gesamte Industrie gefährden. Wenn erst einmal ein Kernkraftwerk stillgelegt wird, wird es nicht zurückkommen. Wenn genug Kernkraftwerke stillgelegt werden, könnte ein Wendepunkt für die gesamte Industrie in den Vereinigten Staaten erreicht werden. Während man argumentieren könnte, dass dieses nukleare Loch auf lange Sicht mit erneuerbaren und anderen sich entwickelnden sauberen Technologien gefüllt sein wird, ist es für die nahe Zukunft aber gewiss, dass eine schnelle und tiefgreifende Kohlenstoffreduktion den Einsatz von Kernkraftwerke für die Stromerzeugung unverzichtbar macht.

*)  Chris Vlahoplus, Ed Baker, et.al. “While you are sleeping: The unnoticed loss of carbon-free generation in the United States”, atw International Journal for Nuclear Power 6/7 2018

 

Was erzeugt welche Strahlendosis?

Die Radioaktivität ist in der Natur etwas Allgegenwärtiges. Das Leben auf der Erde hat sich  darauf eingestellt. Der Mensch verfügt allerdings über kein Sinnesorgan, die radioaktive Strahlung wahrzunehmen. Weder kann man sie sehen, riechen oder fühlen. Wohl auch deswegen und in dem Wissen, dass sie schädigend wirken kann,  ist sie für viele Menschen etwas Unheimliches. Doch unter allen den Menschen schädigenden Wirkungen durch chemische und radioaktive Stoffe ist die radioaktive Strahlung die am besten und intensivsten untersuchte “Substanz”. Seit rund 100 Jahren existiert eine speziell auf die Wirkung radioaktiver Strahlen ausgerichtete Forschungsdisziplin. Weltweit haben sich Organisationen gebildet, die sich der radiologischen Forschung, dem Strahlenschutz und dem Erfahrungsaustausch auf diesem Sektor widmen.

Die nachfolgende vom Schweizer Nuklearforum*) aufgebaute Grafik gibt eine gute Auskunft über typische äußere Strahlendosen  aus natürlichen und künstlichen radioaktiven Quellen während eines Jahres, also bei einem Ganzjahresaufenthalt im Umfeld der Quellen. Bei Strahlendosen unter 100 mSv (Millisievert) sind keine epidemiologischen Veränderungen erkennbar. Man beachte auch die äußerst geringe Strahlendosis durch den Betrieb von Kernkraftwerken. (Siehe auch die Artikel auf dieser Webseite, die sich mit natürlichen radioaktiven Stoffen befassen.)

 

 

*)  https://www.nuklearforum.ch/sites/default/files/folder-pdf/170508_Faktenblatt-Strahlung-d_Printer.pdf

Auch das Klimaziel 2030 ist gefährdet

Die Bundesregierung setzte eine Kommission ein, die den Ausstieg aus der Kohle regeln soll. Unter der Überschrift „Hohe Erwartungen, ehrgeiziger Zeitplan, unterschiedliche Interessen“ berichtete Die Welt, dass noch bevor sie ihre Arbeit begonnen habe, die Interessen in der Kohle-Kommission weit auseinandergehen würden. Ihr Ziel bestehe darin, einen Plan auf den Weg zu mehr Klimaschutz durch einen Ausstieg aus der Verstromung von Stein- und Braunkohle zu entwerfen und zugleich die Kohleregionen im Rheinland, in der Lausitz und in Mitteldeutschland mit ihren knapp 21.000 Arbeitsplätzen vor Strukturbrüchen zu bewahren.

Wenige Wochen zuvor auf der Hannover-Messe setzte der Bundesverband der Deutschen Wasser- und Energiewirtschaft (BDEW) einen „Weckruf an die Politik“ ab: Die Politik wird das Klimaziel 2030 nicht erreichen, wenn sie nicht endlich die Bedingungen für Kraft-Wärmekopplung, Energiespeicher, neue Gaswerke und den Netzausbau verbessert.

Nach BDEW-Angaben gibt es in Deutschland 52 Projekte zum Neubau von Kraftwerke, davon sind jedoch lediglich 14 tatsächlich in Bau. Unter den weiteren geplanten Anlagen sind 22 Gas- und sechs Pumpspeicherkraftwerke. Aufgrund der aktuellen Marktsituation rechnen sich diese Kraftwerkstypen jedoch nicht. Ihre Realisierung ist daher sehr fraglich.

Dem bis 2023 zu erwartenden Zubau an Kraftwerkskapazität in Höhe von etwa 4.400 Megawatt stehen bereits absehbare und schon erfolgte Stilllegungen mit einer Kapazität von 18.600 Megawatt gegenüber. Ein klares Minus. Damit sinkt bis 2023 die konventionelle Kraftwerkskapazität von heute knall 90.000 Megawatt auf 75.300 Megawatt. Bereits 2022 wird das letzte Kernkraftwerk außer Betrieb genommen. Derzeit sind noch 8 Kernkraftwerke mit einer elektrischen Leistung von rund 11.400 Megawatt am Netz, die in 2023 auch komplett fehlen werden.

Nach einer Prognose der Bundesnetzagentur wird die höchste Stromnachfrage in Deutschland zu Beginn der 2020er Jahre bei etwa 81.800 Megawatt liegen. Diese Leistung kann nach BDEW-Ansicht nur noch dadurch erreicht werden, indem weitere bereits zur Stilllegung vorgesehene Kraftwerke nicht vom Netz genommen werden dürfen, da sie als systemrelevant für die Versorgungssicherheit eingestuft werden.

Diese Entwicklung sieht der BDEW mit Blick auf die Klimaziele 2030 als besorgniserregend an: „Weitere Kohlekraftwerke können in den 2020er Jahren nur vom Netz genommen werden, wenn CO2-arme Ersatzkapazitäten geschaffen werden.“ Welche das sind, wurde im obigen zweiten Absatz erwähnt.

Die neue Shale-Erdöl-Technik, die die OPEC das Fürchten lehrt

Die amerikanischen, vor allem in Texas angesiedelten  Firmen, die schon immer die führende Position in der Technologie der Gas- und Erdölgewinnung einnahmen und den technischen Standard für sämtliche Länder bestimmten, die diese Energieträger fördern wollten, haben auch in den innovativen Gewinnungsmethoden, die als Shalegas- bzw. Shaleöl-Förderung  bekannt wurden, eindrucksvolle Erfolge erzielt.
Hierzulande, wo auch die Chance bestand, in Norddeutschland mit dieser Technik Erdgas zu fördern, wurde diese Möglichkeit politisch mit der in Deutschland gerne bevorzugt angewendeten Angstpropaganda verhindert– in diesem Falle wegen des dafür benutzten „Fracking“-Verfahrens, das von Umweltschützern , Medien und Politikern zu einem Synonym für gefährliche Technik gemacht wurde. In Nordamerika  dagegen nutzte man konsequent und bei allen geeigneten Standorten diese neue Technik – mit dem Ergebnis, dass die USA inzwischen eine enorme Erdgasproduktion erreicht haben und sogar damit beginnen, es mit Flüssiggastankern zu exportieren. Ebenfalls haben die dortigen Technologieunternehmen diese neuen Erdgas-Förderungsmethoden auf Erdöl angewendet und auch damit treten sie jetzt auf dem Weltmarkt als ernsthafte Konkurrenz der bisherigen, in der Organisation Erdöl-exportierender Länder (OPEC) zusammenarbeitenden Lieferländer auf.

Ein positiver Nebeneffekt dieser erstaunlich wirtschaftlichen Shalegas-Gewinnung ist die Umstellung vieler großer Energieverbraucher – Kohlekraftwerke, Fernverkehr, Heizungen – auf das inzwischen konkurrenzlos günstige Erdgas, was im Übrigen den Anstieg der Emissionen gestoppt hat.

Der Zeitungsartikel von Spencer Jakob im Wall Street Journal (s.u. bei „Quelle“) schildert den Kampf der OPEC gegen diese Bedrohung ihres bisherigen Monopols – und dessen Ausgang.

Aus diesem Artikel:
„Vor zwei Jahren sah es aus, als ob Saudi-Arabien seinen Kampf gegen die U.S.-Shale-Industrie gewinnen würde, indem es mit größter Anstrengung besonders große Mengen an Rohöl förderte und es auf den Markt warf, um die Preise zu drücken. Einigen Firmen in Amerika ging es dadurch tatsächlich sehr schlecht; Fördergebiete in West-Texas und Nord-Dakota mussten aufgegeben werden. Insolvenzen drohten.

Aber dieser Angriff der Saudis ging nach hinten los. Anstatt die Shale-Technik zu erledigen, erzeugte dieser Angriff eine Welle von technischen Innovationen und verwandelte die Ölbohrtechnik in den U.S.A. in einen hocheffizienten industriellen Prozess, mit dem dramatische Kostensenkungen bei erhöhten Fördermengen erreicht wurden.
Mittlerweile geschieht Bemerkenswertes: Die U.S.A., über die man einst annahm, dass der Gipfel ihrer Erdölproduktion vor ca. 50 Jahren überschritten worden sei, werden im kommenden Jahr der größte Erdölproduzent auf diesem Planeten sein.

Was die Energieminister in Riad, Teheran und Moskau wirklich erschrecken sollte, ist die Art und Weise, wie jetzt das Öl gewonnen wird: Die Anzahl der Bohrtürme im Permian Bassin, das sich von West-Texas bis New Mexiko erstreckt, ist immer noch die gleiche wie im Oktober 2011. Aber diese Region erzeugt heute drei Mal soviel Rohöl wie damals…“

 

Quelle:
Spencer Jakob: „The New Shale Tech That Terrifies OPEC”, The Wall Street Journal, 1. Juni 2018;
https://www.wsj.com/article/the-new.tech-that-terrifies-opec..