Ein Grundfehler der Energiewende, auf den bereits Günter Keil 2012 hinwies, war im Vergleich zum Stromsektor die viel zu zögerliche Ausrichtung auf die Wärmeerzeugung. Mehr als 50 % des gesamten Endenergiebereichs in Deutschland entfallen auf den Wärmebereich. Ein Großteil der Heizungen und Industrieprozesse läuft nach wie vor mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Erdöl. Der Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmesektor liegt bei knapp 20 %. Trotz hoher dreistelliger Milliardeninvestments in die Energiewende ist Deutschland heute immer noch zu 80 % auf fossile Brennstoffe angewiesen.
Das Umweltbundesamt [1] hält zwar eine CO₂-neutrale industrielle Prozesswärme-Erzeugung für die Bereiche Stahl, Aluminium, Glas, Zement bis 2045 für technisch realisierbar, betont aber gleichzeitig, dass die Umstellung wirtschaftlich und infrastrukturell erhebliche Voraussetzungen hat. Wie erheblich, dazu lieferte die künstliche Intelligenz folgende Zusammenstellung:

Wiedermal ist es die Kernenergie, die nicht nur für die Stromversorgung von erheblichem Nutzen ist – leider nicht mehr in Deutschland, auch als Wärmelieferant ließe sie sich einsetzen. Finnland macht dazu die Probe aufs Exempel. Wie die Welt [2] berichtet, baut Helen, der Energieversorger der finnischen Hauptstadt Helsinki, gerade eine Testanlage für die erste nuklear betriebene Distrikt-Heizung. Die unterirdische Nuklearanlage im Stadtteil Salmisaari steht im Stadtzentrum keine zwei Kilometer Luftlinie vom finnischen Parlamentsgebäude entfernt.
„Helsinki hat rund 700.000 Einwohner, und fast 90 Prozent der Gebäude sind an das Fernwärmenetz angeschlossen“, sagt Pekka Tolonen, CEO von Helen Nuclear. „Dadurch eignet sich die Stadt besonders gut für großflächige, verbrennungsfreie Heizlösungen auf Basis von Kernenergie.“
Nach Angaben von STUK [3] handelt es sich bei der Anlage um „LDR-50“, einen kleinen modularen Kernreaktor (SMR) des finnischen Forschungszentrums VTT, der ausschließlich CO2-freie Wärme für die Fernwärme erzeugt, für den Betrieb bei etwa 150 0C und unter 10 bar konzipiert wurde. Das Reaktormodul besteht aus zwei verschachtelten Druckbehältern, deren Zwischenraum teilweise mit Wasser gefüllt ist. Der LDR-50, die die Größe eines Standardschiffscontainers hat, ist so konzipiert, dass er unterirdisch gebaut werden kann, um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten und wertvolle Flächen für wichtige städtische Gebiete freizumachen. Er ist für Fernwärme, industrielle Dampferzeugung und Entsalzungsprojekte optimiert. Die Brennelemente müssen alle zwei bis drei Jahre ausgewechselt werden. Finnland ist das erste Land weltweit, das für die genutzten Brennelemente bereits ein genehmigtes Endlager hat.
Das System ist weder auf Strom noch mechanische bewegliche Teile angewiesen, die ausfallen und die Kühlfunktion behindern könnten. 2021 erhielt es ein Patent. Finnlands Steady Energy ist ein Start-up, das 2023 aus dem VTT Technical Research Centre of Finland ausgegliedert wurde, um ingenieurtechnische Dienstleistungen zur Entwicklung des LDR-50 anzubieten, der seit 2020 bei VTT entwickelt wurde [3].
Die Veröffentlichung des Zusammenfassungsberichts zur Gemeinsamen Frühüberprüfung (JER) durch die finnische Behörde für Strahlen- und Nuklearsicherheit (STUK – Säteilyturvakeskus) [3] markiert einen Meilenstein für den LDR-50 Modulreaktor (SMR) von Steady Energy. Indem festgestellt wird, dass keine grundlegenden Sicherheitslücken bestehen, setzt dieser kollaborative internationale Rahmen einen neuen Präzedenzfall für eine schlankere, grenzüberschreitende nukleare Regulierungsharmonisierung.
„Unsere Anlage ist klein und wahrscheinlich die einfachste der Welt“, sagt Hannes Haapalahti, Chief Technology Officer von Steady Energy., wie die WELT [2] berichtete. Das Unternehmen rechnet mit Wärmekosten von rund 50 Euro pro MWh, das ist die Hälfte bis ein Drittel der durchschnittlichen Fernwärmepreise in Deutschland.
Angesichts der Tatsache, dass mehr als 50 % des gesamten Endenergiebereichs auf den Wärmebereich entfallen, sollte die nukleare Wärmeerzeugung auch in Deutschland in Betracht gezogen werden. Rechtlich möglich wäre diese Option, denn das Atomgesetz verlangt ausdrücklich nur „die Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität geordnet zu beenden“. Zum Thema Wärmeerzeugung steht dort nichts.
Wie berichtet wurde, fand die finnische nukleare Wärmeerzeugung in einigen europäischen Ländern großes Interesse.
Quellen
[3] https://www.neimagazine.com/news/stuk-review-boosts-ldr-50/