Ist die Erdgasversorgung im Winter 2026/2027 gesichert?

Die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland liegen derzeit bei 61 % (151 TWh). Sie sind deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre. Gleichwohl beurteilt die Bundesnetzagentur [1] die Gasversorgung in Deutschland als stabil. Die Agentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung nach aktuellem Erkenntnisstand weiterhin als gering ein. Die Gasspeicher entleeren sich im Rahmen der marktlichen und wetterbedingten Erwartungen. Abnehmende Füllstände sind kein Indiz für eine Mangellage. Für die sichere Gasversorgung ist es auch nicht zwingend, dass die Füllstandsziele zum 1. Februar erreicht werden. Für die Versorgungssicherheit entscheidend ist ein Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage. Die Gasimporte sind stabil. Über Pipelines wurden vom 25. Oktober 2026 – 31. Oktober 2026 insgesamt 18 TWh importiert. Über die deutschen LNG-Terminals sind im selben Zeitraum 1,3 TWh importiert worden. Dies entspricht einer durchschnittlichen Auslastung der LNG-Terminals von erst 29 %. Das spricht dafür, dass noch zusätzliche Importkapazität vorhanden war.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat die seit dem 23. Juni 2022 geltende Alarmstufe des Notfallplans Gas in Deutschland aufgehoben. Seit dem 1. Juli 2025 gilt die Frühwarnstufe.

Die Befüllung sowie die Bewirtschaftung der Speicher über den Winter sind grundsätzlich eine Aufgabe der Gashändler. Sie haben Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Versorgern, Industrie und anderen Kunden. Diese Verpflichtung müssen sie ausreichend absichern und durch eine angemessene Speicherbewirtschaftung im Zusammenspiel mit den anderen Importquellen jederzeit erfüllen können. Auf dem Weltmarkt ist ausreichend Gas verfügbar, und es sind ausreichend Importmöglichkeiten vorhanden [1].

Wie ist der Speicherstand von 61 % einzuordnen?

Der Speicherstand von 61 % entspricht einer gespeicherten Energie von 152,4 TWh. Bei einem durchschnittlichen deutschen Gasverbrauch von beispielsweise 3 TWh pro Tag würden die Speicher an normalen Wintertagen rechnerisch etwa 51 Tage reichen, bei kalten Wintertagen mit einem beispielhaften Tagesverbrauch von 4 TWh ca. 38 Tage.  Das ist allerdings keine Prognose für die tatsächliche Reichweite, denn Deutschland importiert währenddessen laufend weiteres Gas.

Dazu ist allerdings kritisch anzumerken: Damit ein LNG-Terminal technisch mehr Gas annehmen kann, müssen

  • LNG-Lieferungen auf dem Weltmarkt verfügbar sein,
  • Tanker rechtzeitig ankommen,
  • Gas zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen beschafft werden,
  • die Transportnetze das Gas zu den Verbrauchern bringen können.

Bei gleichzeitig hoher Nachfrage in ganz Europa kann Deutschland zwar weiterhin Gas kaufen, möglicherweise aber nur zu erheblich höheren Preisen.

Außerdem können die Importe bei sehr kalten Tagen den Bedarf nicht vollständig decken. Im vergangenen Winter lag die deutsche Bedarfsspitze bei rund 6 TWh pro Tag, während die Importe unter realistischen Netzbedingungen maximal etwa 3 TWh pro Tag beitragen konnten. Der Rest musste vor allem aus Speichern kommen.

Fazit

Die entscheidende Kennzahl ist jetzt weniger der Speicherfüllstand allein, sondern die Kombination aus täglichen Importen, täglichem Verbrauch, Ausspeicherleistung und dem verbleibenden Speicherbestand. Ob allerdings die zu fast 100 % notwendigen Gas-Importe auch zur Deckung des Gasbedarfs der neuen – noch zu bauenden – Gaskraftwerke ausreichen werden, steht vorerst in den Sternen. Angaben darüber sind nicht bekannt.

Deutschland bräuchte sich aber in den nächsten 20 Jahren überhaupt keine Sorgen über die Gasversorgung machen, wenn endlich die enormen Reserven an Schiefergas genutzt werden dürften, was wegen der notwendigen Fracking-Fördertechnik verboten ist. Ein absolut ambivalentes Verhalten unserer Regierung, denn das aus den USA importierte LNG wird durch Fracking gefördert.

Quelle

[1] https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/artikel.html?utm_source=chatgpt.com