Kleine Reaktoren (SMR): Verschläft Deutschland die Entwicklung?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder setzte sich am 15.3.2026 für die Erforschung und den Bau von Small Modular Reactors (SMR) als Pilotprojekt in Bayern ein [1]. Er sieht darin eine Möglichkeit, die bayerische Energieversorgung zukunftsfähig zu gestalten, CO2-frei zu produzieren und den Industriestandort zu sichern. Deutschland dürfe nicht den Anschluss an die Kerntechnik verlieren, während andere Länder auf diese Technik setzen.

Wir nehmen Söders Vorstoß zum Anlass, nochmals einen Blick auf diese Reaktorart zu werfen. SMRs haben eine geringere Leistung (unter 300 MWe) als herkömmliche Kernkraftwerke. Weltweit gibt es derzeit einige dieser Anlagen, z.B. in Russland und China.

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Asse: Rückholung der radioaktiven Abfälle wird zu einer Ewigkeits-Aufgabe

In der Schachtanlage Asse II im Landkreis Wolfenbüttel liegen in über 500 und über 700 Meter Tiefe rund 47.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Dort seien sie nicht sicher. Sie müssen zurückgeholt und das Bergwerk anschließend stillgelegt werden – so lautet der gesetzliche Auftrag an die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE).

Der Start der Räumung des Atommülllagers Asse ist wieder offen:  „Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten im Gesamtsystem, so dass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden kann«, sagte Dagmar Dehmer, Sprecherin der BGE. [1] Bisher hatte die zuständige Betreibergesellschaft mit Sitz im niedersächsischen Peine eine Rückholung der Abfälle ab dem Jahr 2033 anvisiert.

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Folgen und Defizite der großen Transformation

Deutschlands Ausstiege symbolisierend, keine Teilhabe mehr am Wachstum, Quelle: iStock [6]

Erinnern wir uns: Die Ex-Kanzlerin Angela Merkel konzentrierte sich in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum am 23. Januar 2020 in Davos auf das Thema Klimawandel. Hierzu führte sie unter anderem aus [1]:

„Klimaneutralität – die allermeisten Länder der Europäischen Union haben sich dazu verpflichtet. Die Kommissionspräsidentin […] hat Ihnen den „Green Deal“ vorgestellt. Europa will der erste Kontinent sein, der CO2-frei, also emissionsfrei, lebt. Das sind natürlich Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß. Diese Transformation bedeutet im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen – die ersten Schritte sind wir schon gegangen – und zu völlig neuen Wertschöpfungsformen zu kommen, die natürlich auch wieder eine industrielle Produktion enthalten und die vor allem durch die Digitalisierung verändert worden sind. Wir haben ja eine zweite Riesentransformation zu bewältigen. Und wir hoffen, dass sich die Transformation zur CO2-Emissionsfreiheit mit der Digitalisierung verstärken wird und die Digitalisierung das erleichtern kann.“

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Die EU ändert ihre Energiepolitik und setzt verstärkt auf Kernenergie

Beim Nuclear Energy Summit der IAEA am 10. März 2026 kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Europäische Strategie für SMR an. Vor dem Hintergrund der Feststellung, dass Europa strukturell zu hohe Energiepreise habe, die sowohl die Verbraucher als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie belasteten, erklärte sie, dass es ein strategischer Fehler Europas war, den Anteil der Kernenergie abzusenken und so einer verlässlichen, wettbewerbsfähigen Quelle emissionsarmen Stroms den Rücken gekehrt zu haben.

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Zeitpunkt der Endlager-Standortauswahl wird gestrichen

Im Vordergrund links die Schachtanlage des Endlager-Erkundungsbergwerkes Gorleben. Im Hintergrund das Castor-Behälterlager und Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Quelle: https://www.bge.de/de/das-bergwerk-gorleben/

Im Standortauswahlgesetz (StandAG) von 2013, die die Suche eines Standortes für die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle regelt, heißt es in § 1 Abs. 5: „Die Festlegung des Standortes wird für das Jahr 2031 angestrebt“. Medien vom 4.2.2026 berichten nunmehr über einen Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums, wonach das Zieljahr 2031 ersatzlos gestrichen wird. Das Ziel sei nicht realistisch, hieß es demnach in der Begründung. Zudem sei eine gesetzliche Vorgabe nicht mit den Anforderungen an das Auswahlverfahren kompatibel. Details dazu wurden nicht bekannt.

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Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke stärkt Europas Energieversorgung

Das wissenschaftliche Beratungsgremium der European Nuclear Society, der High Scientific Council, plädiert in seinem Positionspapier nachdrücklich für den Langzeitbetrieb (LZB) der Kernkraftwerke in Europa. Der LZB sei entscheidend für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Strompreise und wirke drohenden Kapazitätslücken sowie steigenden Emissionen entgegen.

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Fracking, die bislang politisch verpasste Chance als Beitrag zur Energieversorgung und zur CO2-Einsparung

Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, ehem. Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Das kalte Wetter hat Deutschlands Erdgas-Vorräte kräftig schrumpfen lassen, obwohl hiesige Energieunternehmen in den vergangenen Jahren in aller Welt massenhaft Flüssiggas (LNG) eingekauft haben. Dabei verfügt Deutschland eigentlich über eigene Erdgas-Ressourcen in großer Menge. Die müssen aber im Boden bleiben, aus politischen Gründen.

Lassen Sie mich Ihnen erzählen, wie es dazu kam. Aus nächster Nähe habe ich die Umstände miterlebt.

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Hohe Kosten durch mangelnden Netzausbau

Der Anteil von Wind- und Solarstrom beträgt mittlerweile rund 60 Prozent an der Stromerzeugung. Aber der erforderliche Netzausbau hinkt dem Ausbau der Erneuerbaren hinterher. Er erfolgt von Anbeginn der Energiewende nicht synchron. Außerdem erfordern die neuen Netze Milliarden Euro, die letztlich die Verbraucher über die Stromrechnungen bezahlen.

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„Der qualvolle Niedergang eine der europäischen Kernindustrien“

Wall Street Journal’s Newsletter ‚Klima & Energie‘ vom 29.1.2026 lese sich mit dieser Überschrift weniger wie ein Branchenbericht als vielmehr wie eine forensische Untersuchung einer industriellen Autopsie, schreibt Tilak Doshi [1]. Folgend ein paar Auszüge aus seinem Bericht, wie er über den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands und über seine jetzige wirtschaftliche Krise urteilt:

Einst Europas beeindruckende Fertigungsmacht, herrscht Deutschland nun über den stetigen Abbau einer seiner grundlegendsten Industrien – der Chemie – unter dem kombinierten Gewicht von selbst zugefügter Energieknappheit, Klimamoralismus und geopolitischer Fehleinschätzung.

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Offshore-Windparks – Eine ernüchternde Betrachtung

Die zehn Nordsee- Anrainerstaaten planen den Aufbau einer gemeinsamen Offshore-Windenergiestrukur mit rund 300 GW Offshore-Windenergie inklusive Anbindungen und Netzanschlüssen in mehrere Länder. Davon rund 100 GW grenzüberschreitende Kooperationsprojekte [1].

Aktuell zeigt sich die Windbranche beim deutschen Ausbau pessimistisch: Verzögerungen beim Netzanschluss der Anlagen sowie das Ausbleiben von Geboten in der Ausschreibungsrunde im August 2025 hätten zur Folge, dass das Ausbauziel in Höhe von 30 GW bis 2030 verfehlt werden. Bis dahin sei lediglich ein Zubau von 20 GW zu erwarten.

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