Wetterabhängige Energiepolitik & der Klang von Sirenen

Sonne und Wind locken mit dem Angebot, dass sie allgegenwärtig und frei nutzbar für jedermann sind. Jeden Tag geht die Sonne auf. Irgendwo bläst immer der Wind. Der Mensch hat es seit Jahr und Tag verstanden, die Energie von Sonne und Wind zu nutzen, und er wird darin immer besser. Es gibt ein G20-Land, das seit einem Vierteljahrhundert von der fixen Idee getrieben ist, man könne seine hochentwickelte Industriegesellschaft von diesen beiden wetterabhängigen Energiequellen abhängig machen. Das Land heißt Deutschland.

Gemäß den Erzählungen der griechischen Mythologie versprachen die Sirenen den Seefahrern göttliches Allwissen, verpackt in betörenden Gesängen über ihre größten Taten. In Deutschland redete man sich allerdings selbst ein, man wäre allwissend und würde den richtigen Weg in eine goldene Zukunft kennen. Die Reise dorthin sollte auch nur eine Kugel Eis kosten.[1] Wie bewertet die Realität diese große Reise? Wurden alle Menschen mitgenommen auf diese Reise?

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Fortführung des Status Quo der Energiewende ist nicht tragfähig

Hiermit weisen wir auf die bereits im September 2025 veröffentlichte Studie von Frontier-Economics „Neue Wege für die Energiewende („Plan B“)“ hin, die im Auftrag der Deutschen Industrie- und Handelskammer erstellt wurde [1]. Die im Wesentlichen auf die Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Studie stellt einen alternativen Ansatz für die Energiepolitik vor. Im Zentrum steht eine Energiewende, die technologieoffen ist, Kosten reduziert, Raum für Innovationen schafft und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit als Voraussetzung für wirksamen Klimaschutz ernst nimmt.

Dieser „Plan B“ verzichtet bewusst auf staatliche Detailsteuerung und starre Technologievorgaben und setzt stattdessen auf klare Ziele, Flexibilität und Effizienz. Er ist die Antwort auf das bisherige Narrativ einer vermeintlich alternativlosen, zentral gesteuerten Energiewende, die große wirtschaftliche Chancen verspricht, in der Realität jedoch oft zu erheblichen Belastungen führt.  Die Studie unterzieht dieses Narrativ einer Realitätsprüfung.

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EEG-Novelle 2026/2027: Die Richtung stimmt

„Die Energiewende ist eine Erfolgsgeschichte“ heißt es in der Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) [1] zur Ankündigung der EEG-Novelle. Sicher gilt dies wohl für jene, die daran nicht unerheblich Geld verdient haben. Jene, die dafür berappt wurden und noch werden, beklagen zurecht die Strompreishöhe. Vielmehr wird das vermeintliche oder drohende Scheitern der Energiewende seit Jahren von verschiedenen Institutionen, Ökonomen, Politikern und Wirtschaftsverbänden beklagt, unter anderem vom Bundesrechnungshof, von der Energieökonomin Veronika Grimm [2] und von der Internationalen Politik [3]. Selbst die jetzige Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche hat im Herbst 2025 die Energiewende öffentlich als „gescheitert“ bezeichnet.

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Ideologische Ausrichtung der EU und ihre Folgen. Interview mit S. Furfari

Professor Samuel Furfari*) wurde von der französischen  Association des climato-réalistes [1] unter anderem zum REPowerEU-Plan befragt, mit dem die Europäische Union die rasche Reduzierung der Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen verfolgt. Er sparte nicht mit deutlicher Kritik an der EU und an Deutschland. Folgend Auszüge aus dem Interview [1]:

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Effekt der CO2-Reduzierung und wirtschaftliche Folgen

Deutschland strebt zum Schutz des Klimas weiterhin bis 2045 die Klimaneutralität an. Die Energieträger Kohle und Gas sollen zur CO2 Vermeidung bis zu diesem Zieldatum weitestgehend durch Elektrizität ersetzt werden.

CO2 ist in der Atmosphäre global verteilt. Wenn eine Tonne CO2 in Deutschland vermieden wird, in China, Indien oder Indonesien aber weiterhin beträchtlich CO2 emittiert wird, ist der unterstellte Klimaeffekt nahezu null. Asien ist der entscheidende Schauplatz: Die IEA erwartet, dass China, Indien und andere Schwellenländer den größten Teil des zusätzlichen Strombedarfs tragen. Gleichzeitig werden dort sowohl erneuerbare Energien als auch fossile Kraftwerke ausgebaut.

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Herausforderungen für Strom-Versorgung und -Stabilität

Der in unserem Bericht „Kohleausstieg? Kohle ist ein unverzichtbarer Notanker“ erwähnte Evaluierungsbericht der Bundesregierung lässt auf sich warten. Der Bericht soll einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Stromversorgung liefern. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sowie die Dachverbände warnen regelmäßig vor enormen Herausforderungen für die Netzstabilität [1].

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Die Dekarbonisierung der EU stellt eine Sicherheitsbedrohung für den Westen dar

Die Energiesicherheit ist eine zentrale Voraussetzung für nationale und militärische Sicherheit. Wie Samuel Furfari *) darlegt kann Europa seine strategische und militärische Souveränität nur sichern, wenn es Klimaziele mit den realen Anforderungen an Energieverfügbarkeit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigungsfähigkeit in Einklang bringt. Energiesicherheit sollte deshalb nicht ausschließlich als Umwelt- oder Wirtschaftsfrage betrachtet werden, sondern als integralen Bestandteil der nationalen und europäischen Sicherheitspolitik.

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Kosten der Energiewende allein durch den Netzausbau

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit auf Seiten der Wind- und Solarstrom-Befürworter mit der preiswertesten Stromerzeugung argumentiert und die Nutzung der Kernenergie zugleich als die teuerste Stromerzeugung diffamiert wird. Allein die Kosten des für die Ökostromerzeugung zwingend notwendigen Ausbaus der Stromnetze macht deren falsche Einschätzung deutlich.

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Die klimapolitische Falle: Warum Misserfolge so oft dazu führen, dass alles beim Alten bleibt

Gruppenidentität, sozialer Status und ein von Qualifikationen dominiertes politisches Establishment machen die Klimadiskussion zunehmend immun gegen enttäuschende Ergebnisse, argumentiert Evert Doornhof von Clintel*). Das Ergebnis ist eine klimapolitische Falle, in der Misserfolge nicht zu einem Umdenken führen, sondern zu noch mehr Klimapolitik.

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Ökostrom-Bilanz im sonnenreichen Juli 2026

Der außergewöhnliche sonnenreiche Juli 2026 gibt einen Eindruck, welchen annähernd maximalen Strombeitrag die aktuell installierte Leistung der Solaranlagen von 125.452 MW lieferte, und zwar 4,14 TWh mit einem Anteil von 9 % an der Stromlast.

Der Windstrombeitrag der Meer- und Landanlagen zusammen betrug 7,82 TWh mit 17 % Anteil an der gesamten Stromlast von 46,0 TWh. Die installierte Leistung der Windenergieanlagen beträgt aktuell 81.149 MW.

Quelle: Darstellung von ChatGPT

Obige Grafik und Tabelle machen eines besonders deutlich: Ohne grundlastfähige Stromerzeuger ist eine gesicherte Stromversorgung nicht erreichbar. Braunkohle, Steinkohle (inkl. Importe), Erdgas, Laufwasser und Biomasse tragen deutlich über 50 % zur Stromerzeugung bei. Im Vergleich zur installierten Leistung der Erneuerbaren sind an gesicherter Grundlast (nur) rund 60.000 MW erforderlich.

Quelle:

ChatGPT verwendete bei öffentlicher Nettostromerzeugung bzw. die Stromlast in Deutschland Angaben aus den Energy-Charts des Fraunhofer ISE. Die Daten basieren u. a. auf ENTSO-E, AGEE-Stat, Destatis und der AG Energiebilanzen.