Energie ist, unabhängig von der Art, für die Industrie und generell für das menschliche Leben alternativlos. „Menschen, die in ihrer ganzen Geschichte ihre Bedürfnisse mehr schlecht als recht unter Verwendung ihrer regenerativen Energien gedeckt hatten, stand durch die schnell wachsende Energietechnik gegenüber früheren Zeiten ein Vielfaches an Nutzenergie, an Arbeitsfähigkeit, zur Verfügung, gewonnen aus der in vielen Millionen Jahren aus Sonnenenergie gespeicherten fossilen Energie Kohle“, schreibt Klaus Knizia*) in seinem Buch „Schöpferische Zerstörung = zerstörte Schöpfung“. Und weiter „Hat die Menschheit die vorhandenen Energiemengen nur zu Bruchteilen zur Verfügung, wird die Versorgung der Menschheit zusammenbrechen mit entsprechenden populationsdynamischen Katastrophen und vorherigen oder damit einhergehenden Umweltschäden. Es gibt kein Zurück zu den Schäferidyllen des 18. Jahrhunderts, zu den Zuständen einfachen und friedlichen Lebens in ländlicher Abgeschiedenheit mit ihrer offenbar so erstrebenswerten Hungerepidemien.“
Energie ist und bleibt das Nonplusultra. Das erfordert, die Energieversorgung auf eine breite Basis zu stellen und jede im eigenen Land verfügbare und vernünftigerweise einsetzbare Energieform auch zu nutzen. Insbesondere in der Zeit einer durch politische Unruhen ausgelösten massiven Energiekrise.
Daher muss man sich fragen, warum Deutschland ohne Zwang auf Energieträger und Energieformen verzichtet, obgleich keine versorgungssicheren Alternativen vorhanden oder nicht in Sicht sind.
Nutzung deutscher Energieträger
Im Folgenden ein Überblick über heimisches Energiepotential von verfügbaren Daten aus 2024/2025:
| Energieträger | Heimische Vorkommen | Nutzung in Deutschland | Importabhängigkeit |
| Braunkohle | sehr groß | weiterhin erhebliche Förderung und Verstromung | praktisch keine |
| Steinkohle | große geologische Vorkommen, aber wirtschaftlich kaum nutzbar | Förderung seit 2018/19 beendet | 100 % |
| Erdöl | begrenzte Reserven | geringe Förderung | ca. 98 % |
| Erdgas | begrenzte, aber relevante Reserven | geringe Förderung | ca. 95 % |
| Erneuerbare Energien | praktisch unbegrenzt im menschlichen Zeithorizont, aber durch Fläche/Standorte begrenzt | stark zunehmend | überwiegend heimisch |
| Uran | keine wirtschaftlich genutzte heimische Förderung | Kernkraft seit April 2023 beendet | vollständig importabhängig gewesen |
| Geothermie | großes geothermisches Potenzial | bisher relativ wenig genutzt | heimische Energiequelle |
2024 wurden nur rund 32 % des deutschen Primärenergieverbrauchs durch heimische Gewinnung gedeckt; knapp 70 % kamen netto aus dem Ausland.
Bezogen auf die ausschließlich im Inland gewonnene Primärenergie (also ohne Importe von Energieträgern wie Erdöl oder Erdgas), hatte die Braunkohle im Jahr 2024 einen Anteil von 25 Prozent und ist damit bislang ein bedeutender heimischer Energieträger, der nach dem Kohleausstiegsgesetz spätestens bis 2038 ausfällt.
2025 stammten zwar 55,1 % des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien, insgesamt 290 TWh. Bezogen auf den gesamten Bruttoendenergieverbrauch trugen die erneuerbaren Energien (nur) 23,8 % bei.
Deutschland hat große heimische Energiereserven vor allem bei Braunkohle, Schiefer-/Fracking-Gas und im Prinzip auch bei Kernenergie, da das Uran aus Ländern mit stabiler Staatsform importiert wird. Bei Erdöl und konventionelles Erdgas sind die heimischen Vorkommen dagegen klein, und bei Steinkohle sind sie wirtschaftlich nicht mehr nutzbar. Deshalb ist Deutschland beim heutigen Gesamtenergieverbrauch weiterhin zu etwa zwei Dritteln auf Energie aus dem Ausland angewiesen.
Theoretische Reichweite deutscher Energiereserven
Bei Betrachtung die Nutzungsdauer der heute für Deutschland ausgewiesenen heimischen Energiereserven zur vollständigen Deckung des heutigen jeweiligen Gesamtverbrauchs ergäbe sich rechnerisch (theoretisch) ein überraschend anderes Bild wie nachfolgende Darstellung zeigt:
| Energieträger | Noch ausgewiesene Reserven | Heutige Förderung | Theoretische Reichweite bei heutigem Gesamtverbrauch |
| Braunkohle | ca. 35,4 Mrd. t | ~100–110 Mio. t/Jahr | ca. 350–400 Jahre* |
| Erdöl | 20,15 Mio. t | 1,55 Mio. t/Jahr | ca. 225 Jahre |
| Erdgas**) | 29,3 Mrd. m³ | 4,25 Mrd. m³/Jahr | ca. 330 Jahre |
| Steinkohle | keine wirtschaftlich gewinnbaren Reserven | 0 | nicht sinnvoll anzugeben |
* Bei Braunkohle hängt die Umrechnung stark vom Heizwert der jeweiligen Lagerstätte ab; deshalb ist hier eine Bandbreite sinnvoller als eine scheinbar exakte Zahl.
** konventionelles Erdgas
Deutsches Schiefergas-Potenzial
Schiefergas wird in den offiziellen Statistiken nicht zu den konventionellen Erdgasreserven addiert. Daher fehlt es in obiger Darstellung. Es handelt sich überwiegend um Ressourcen, deren tatsächliche wirtschaftliche Gewinnbarkeit in Deutschland noch nicht durch großflächige Förderung nachgewiesen ist.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kommt im NIKO-Projekt zu einer bemerkenswerten Größenordnung:
320 bis 2.030 Milliarden m³ Schiefergas könnten nach dem damaligen Stand der Technologie grundsätzlich technisch förderbar sein. Allerdings gibt es noch einen interessanten Punkt: Die BGR-Zahl von 320–2.030 Mrd. m³ ist nicht gleichbedeutend mit „Deutschland hat 2 Billionen m³ Gasreserven“. Genau diese Unterscheidung zwischen geologischer Ressource → technisch förderbarer Ressource → wirtschaftlich gewinnbarer Reserve → tatsächlich jährlicher Förderrate ist bei Schiefergas besonders wichtig.
Zum Vergleich:
- konventionelle deutsche Erdgasreserven: Größenordnung 30 Mrd. m³ nach heutiger BVEG-Angabe
- Schiefergas-Ressourcen bzw. technisch förderbare Mengen: 320–2.030 Mrd. m³
- deutscher Erdgasverbrauch: etwa 90 Mrd. m³/Jahr
Rein rechnerisch entspräche das:
| Szenario | Menge | Reichweite bei ~90 Mrd. m³/Jahr |
| konventionelle Reserven | ~29 Mrd. m³ | ~4 Monate |
| Schiefergas, untere BGR-Spanne | 320 Mrd. m³ | ~3,6 Jahre |
| Schiefergas, obere BGR-Spanne | 2.030 Mrd. m³ | ~22,5 Jahre |
ABER: Kommerzielles unkonventionelles Fracking ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Das betrifft insbesondere Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgesteine. Das Umweltbundesamt beschreibt die entsprechenden gesetzlichen Einschränkungen als seit 2017 geltend
Siehe zu diesem Thema auch folgende Artikel: hier, hier, hier, hier.
Fazit
Da Deutschland stark von Energieimporten abhängt ist, ist es geradezu zwingend, sich möglichst viele Optionen offenzuhalten, statt einzelne Technologien ideologisch oder vorsorglich für immer auszuschließen. Deutschland deckt derzeit knapp 70 % seines Primärenergieaufkommens durch Importe; besonders hoch ist die Importabhängigkeit bei Mineralöl (98,2 %), Erdgas (94,9 %) und Steinkohle (100 %).
Gerade die Erfahrungen von 2022 haben gezeigt, wie problematisch die einseitige Abhängigkeit vom russischen Erdgas war. Das UBA selbst nennt deshalb neben dem Ausbau heimischer erneuerbarer Energien ausdrücklich auch die Diversifizierung von Lieferländern und Transportstrukturen. Zwingend ist auch, nicht leichtfertig oder ideologisch auf technologische Optionen und im Fall der Kernenergie auf eine bewährte, vorhandene Technik zu verzichten, die zudem noch CO2-freien Strom erzeugt.
Quelle
Die verwendeten Daten wurden von der künstlichen Intelligenz genannt.
*) Klaus Knizia (gest. 2012) war ein deutscher Ingenieur, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Energiewerke Westfalen (VEW) in Dortmund und emeritierter Honorarprofessor der Technischen Universität Dortmund für die Fächer Energietechnik und Energiewirtschaft.