Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit auf Seiten der Wind- und Solarstrom-Befürworter mit der preiswertesten Stromerzeugung argumentiert und die Nutzung der Kernenergie zugleich als die teuerste Stromerzeugung diffamiert wird. Allein die Kosten des für die Ökostromerzeugung zwingend notwendigen Ausbaus der Stromnetze macht deren falsche Einschätzung deutlich.
Vorhandenes Leitungsnetz
Nach den jüngsten verfügbaren BDEW-Daten umfasst das deutsche Stromnetz über 1,9 Millionen Kilometer. Davon entfallen auf as Übertragungsnetz
- Höchstspannung (220 -380 kV) ca. 37.700 km
- Hochspannung (110 kV) ca.95.000 km
und auf die Verteilungsnetze
- Mittelspannung (3 – 30 kV) ca. 530.000 km
- Niederspannung (bis 1 kV) ca. 1,25 Millionen km
Notwendiger Leitungsausbau
Windparks stehen in Nord- und Ostsee und häufen sich auf Land in Norddeutschland, während große Stromverbraucher im Süden und Westen liegen. Dies und die Veränderung der Kraftwerksstruktur erfordert zwangsläufig den Um- und Ausbau des Übertragungsnetzes.
Der derzeitige festgelegte Ausbaubedarf für die Übertragungsleitungen beträgt etwa 16.8000 km. Mit Stand 31. März 2026 sind davon 2.919 km vollständig im Betrieb und 1.414 fertiggestellt. Die verbleibenden Kilometer Leitungen befinden sich in unterschiedlichen Genehmigungsphasen.
Im aktuellen Netzentwicklungsplan (NEP)Strom 2025–2037/2045 wird der Bedarf für zwei Zeithorizonte betrachtet: 2037 und 2045. Ein erheblicher Teil der Maßnahmen wird allerdings bereits bis 2037 benötigt. Im aktuellen Entwurf umfasst beispielsweise das Zubaunetz 2037 je nach Szenario rund 5.000 bis 5.900 km Netzmaßnahmen; für 2045 sind es im Szenario A rund 8.400 km zusätzlicher Maßnahmen [1]. In der Planung ist ein Stromverbrauch von 1.000TWh jährlich berücksichtigt.
Erwartete Kosten des Übertragungsnetz-Ausbaus
Die Übertragungsnetzbetreiber kommen in ihrem Entwurf – je nach Szenario – auf einen Investitionsbedarf von insgesamt etwa 360 bis 390 Milliarden Euro bis 2045 für das Übertragungsnetz einschließlich Offshore-Netzanbindungen.
Beim eigentlichen Zubau-Netz ergeben sich beispielsweise für Szenario B:
- bis 2037: rund 9.359 km neue Trassen, Investitionen 121,3 Mrd. €
- bis 2045: rund 17.147 km neue Trassen, Investitionen 207,8 Mrd. €
Dazu kommen bereits laufende bzw. beschlossene Projekte („Startnetz“). Deshalb landet man insgesamt bei den genannten 360–390 Mrd. €.
Das ist eine erhebliche Kostensteigerung gegenüber älteren Planungen. Der NEP 2023 hatte noch mit etwa 320 Mrd. € bis 2045 gerechnet; gestiegene Bau-, Material- und Finanzierungskosten haben den Bedarf deutlich erhöht. Gleichzeitig versucht der aktuelle NEP, durch mehr Freileitungen, effizientere Offshore-Anbindungen und teilweise mehr Redispatchkosten den Netzausbau günstiger zu halten.
Erwartete Kosten des Gesamtstromnetz-Ausbaus
Die Verteilnetze – also vor allem 110-kV-, Mittel- und Niederspannungsnetze – müssen ebenfalls massiv ausgebaut werden.
Denn dort kommen die neuen Verbraucher und Erzeuger an:
- Photovoltaikanlagen
- Windkraftanlagen
- Wärmepumpen
- Elektroautos
- Ladeinfrastruktur
- Batteriespeicher
- Elektrolyseure
- neue Industrieanlagen
Die aktuelle Größenordnung liegt nach einer Auswertung von Agora Energiewende auf Basis der Netzentwicklungs- und Netzausbaupläne bei ca. 237 Mrd. € für die Verteilnetze.
Für das gesamte deutsche Stromnetz sind bis 2045 nach heutigem Stand grob 600 – 627 Mrd. € an Investitionen zu erwarten.
Damit erhält man eine Vorstellung von der Größenordnung, was allein an Netzkosten durch die Ausrichtung der Stromversorgung auf Wind und Solar in den nächsten knapp 20 Jahren zukommt.
Doch selbst diese riesigen Kosten sind noch nicht das Ende der Fahnenstange. Viele der großen Nord-Süd-Verbindungen sollen als Erdkabel gebaut werden. Sie würden die Kosten um einige zehn Milliarden Euro erhöhen.
Last but not least sind auch die Kosten für den Bau und Betrieb der grundlastfähigen Reservekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von ca. 50 – 60 GW der Ausrichtung auf Wind und Solar anzulasten. Nur die Reservekraftwerke können eine stets zuverlässige Stromversorgung sicherstellen.
Nochmals: Der Um- und Ausbau des bestehenden Stromnetzes mit seinen oben genannten riesigen Kosten sind ein wesentlicher Grund für den zusätzlichen Netzausbau. Ein hoher Wind/PV-Anteil hat ferner erhebliche zusätzliche Netz-, Speicher-, Reserve- und Systemkosten zur Folge. Die Kosten werden auf den Strompreis umgelegt, der derzeit schon mit zu den höchsten in der EU zählt. In welcher Höhe sie sich im Strompreis auswirken, ist heute noch nicht zu beziffern. Zu einer Minderung des Strompreises jedenfalls werden die Kosten nicht führen. Es bleibt ein Rätsel, wie die Bundesregierung mit ihrer Wind/PV-Politik die von ihr gepredigten wettbewerbsfähigen Strompreise erreichen will. Den Wind- und Solarstrom als den preiswertesten Strom zu bezeichnen, ist schlicht unwahr.
Quelle