Privacy Policy Dr. Klaus Tägder, Autor auf AG E+U - Die Realisten - Seite 8 von 15

Asse: Siegt der Aberglaube?

 

Dr. Hermann Hinsch nahm den Artikel “Lies rechnet bei Asse mit Kosten in Milliardenhöhe” in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 06.12.2018 zum Anlass für nachfolgenden Kommentar:

Dr. Hermann Hinsch, Diplomphysiker und promovierter Biophysiker, arbeitete unter anderem auf dem Gebiet der Strahlenwirkung und in der Schachtanlage Asse auf den Gebieten Auslaugverhalten von radioaktiven Abfällen, Einlagerung hochradioaktiver Abfälle und Dosimetrie.

Kommentar

Berichtet wird über den Besuch des “tapferen” Niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies im Bergwerk Asse. Dort hat er sich der Strahlung aus den teilweise schadhaften Abfallfässern ausgesetzt und radioaktives Tritium und Radon mit der Grubenluft eingeatmet. Zwar wird gesagt, jedes strahlende Teilchen wäre gefährlich, aber anscheinend hat Lies die Grubenluft gut überstanden.

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EU: Kernkraft für kohlenstofffreie Stromerzeugung unerlässlich

In dem im November 2016 vom Bundeskabinett beschlossenen Klimaschutzplan 2050 heißt es: „Die deutsche Klimaschutzpolitik orientiert sich am Leitbild einer weitgehenden Treibhausgasneutralität. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer schrittweisen Abkehr von der Verbrennung fossiler Energieträger bis 2050.“

Diese Zielsetzung ist mit der gleichwertigen Erfüllung der Maßstäbe Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit bei der Stromversorgung nicht zu erreichen. Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie nunmehr auch auf konventionelle Kraftwerke zu verzichten, würde die sichere Stromversorgung erheblich gefährden. Die regenerativen Energien werden, solange keine geeigneten Stromspeicher existieren – und das wird auf absehbare Zeit der Fall sein – Kohle und Gas nicht ersetzen können.

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“Öko-Energien überholen Kohle, Gas und Atom”: Eine irreführende Berichterstattung

Der folgende Artikel entstammt einem Leserbrief von Prof. Dr. Helmut Alt, Lehrbeauftragter an der FH Aachen, an die Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30.11.2018.

In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 29.11.2018 ließ Wolf Dewitz die Leser wissen, dass “erstmals die mit Öko-Energie betriebenen Anlagen in Deutschland mehr Strom liefern können, als konventionelle Kraftwerke.”

Dieser Bericht führt zu einer vollkommen irreführenden Vorstellung der realen Erfordernisse zur Gewährleistung einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung, schreibt Alt in seinem Leserbrief. Bereits die im ersten Absatz genannten Werte der installierten Kraftwerkskapzitäten: 112,5 GW Leistung der Erneuerbaren und 105,1 GW Leistung der Kohle-, Kernkraftwerke und anderer Anlagen sind zwar korrekt, sagen aber überhaupt nichts über deren reale Verfügbarkeit. Es folgtdann im dritten Ansatz der harmlose, verschönernde Satz: „Allerdings werden die Kapazitäten der Erneuerbaren nicht ausgeschöpft“ … „Von den im Jahr 2017 insgesamt erzeugten 601,4 TWh kommt nur gut ein Drittel (204,8 TWh) von erneuerbaren Energieträgern. Die Konventionellen liegen bei 396,6 TWh“.

Genau das ist das Problem, denn obschon die konventionellen Erzeugungsanlagen ganzjährig rund um die Uhr verfügbar sind, sind das die Erneuerbaren aus Wind- und Sonnenenergie leider nicht. Tatsache ist nun, dass unsere Stromversorgung ebenso bedarfsgerecht und sicher verfügbar wäre, wenn es die nur fluktuierend verfügbaren Wind- und Solaranlagen nicht geben würde. Dann hätten die Stromverbraucher aber auch deren Kosten nicht zu tragen, denn was nicht vorhanden ist, verursacht auch keine Kosten.

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Stickstoffdioxid-Grenzwert “Straße” ist unverhältnismäßig

Fahrverbote für Dieselkraftfahrzeuge. Klagen. Rechtsurteile. Dringend benötigter Umweltschutz oder blinder Aktionismus? Ist das wieder einmal eine der für Deutschland typischen Hysterien? Das Umweltbundesamt warnt vor giftigem NO2. „6.000 vorzeitige Todesfälle durch Stickstoffdioxid“, lautete eine Schlagzeile von ZEIT-Online am 8. März 2018 und beruft sich dabei auf einen Bericht des Umweltbundesamtes. Stickoxide sollen Erkrankungen wie Asthma, Allergien und Herzkreislauferkrankungen begünstigen.

 

Gesundheitliche Bewertung

Was sagen Experten: „Aus medizinischer Sicht ist der Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m3) völliger Unsinn“, argumentierte kürzlich Alexander Kekulé, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg, im Magazin „Zeit Doctor“. Die Menge des Stickstoffdioxids in unserer Luft sei weder giftig noch krebserregend. „Asthmatiker reagieren bei Werten oberhalb von 180 μg/m3mit einer leichten Schleimhautreizung. Bei Gesunden hingegen gibt es bis 1000 μg/mkeinen messbaren Effekt.“ Die EU habe den 40 Mikrogramm-Grenzwert 1999 ungeprüft von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übernommen. Doch er tauge nicht, um ihn auf den Straßenverkehr zu übertragen.1) Die WHO wiederum gibt seit mehr als zwei Jahrzehnten an, dass der Grenzwert im Jahresmittel 40 Mikrogramm betragen solle. Sie räumt selbst ein, dass es keine besonderen Studien gäbe, die diesen Wert belegen.

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So kann es nicht weitergehen: Negativ-Bilanz der Energiewende

Eine Oppositionspartei richtete an die Bundesregierung die Frage nach der aktuellen Entwicklung des Anteils der erneuerbaren Energien und des Energieverbrauchs in Deutschland. Sie beruft sich dabei auf Vorgaben der Europäischen Union. Die Europäische Union hat für das Jahr 2020 verbindliche Ziele für den Anteil an erneuerbaren Energien in allen Mitgliedstaaten beschlossen. Demnach muss die Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch auf 18 Prozent steigern. In einer Bundestagsanfrage heißt es, imJahr 2016 läge der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoenergieverbrauch in Deutschland bei 14,8 Prozent. Es würde also eine deutliche Lücke zum 2020er- Ziel von 18 Prozent klaffen. Vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden Zielverfehlung bestehe die Gefahr, dass Deutschland hohe Strafzahlungen aufgrund eines Vertragsverletzungsverfahrens drohen.

Zur Erinnerung: In dem bislang nicht überarbeiteten Energiekonzept 2010 heißt es: „Die Sicherstellung einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Es wird dabei vor allem um die Umsetzung eines zentralen politischen Ziels für unser Energiesystem der Zukunft gehen: Deutschland soll in Zukunft bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen und hohem Wohlstandsniveau eine der energieeffizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaften der Welt werden. Ein hohes Maß an Versorgungssicherheit, ein wirksamer Klima­ und Umweltschutz sowie eine wirtschaftlich tragfähige Energieversorgung sind zugleich zentrale Voraussetzungen, dass Deutschland auch langfristig ein wettbewerbsfähiger Industriestandort bleibt.“

„Entscheidend kommt es darauf an, eine integrierte Gesamtstrategie zu formulieren. So muss beispielsweise im Strombereich der Ausbau der erneuerbaren Energien zusammen mit der Steigerung der Energieeffizienz, dem Ausbau der Stromnetze und dem Bau neuer Speicher angegangen werden.“ Demzufolge wird auch die Energieeffizienz als Schlüsselfrage im Energiekonzept herausgestellt. Soweit das Energiekonzept 2010. Waren das nun politische Wunschvorstellungen oder wurde seither tatsächlich etwas erreicht?

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Naturschutz als Staatsziel – mit unerwarteten Folgen

Unter diesem Titel veröffentlichte der Deutsche Arbeitgeberverband (DAV) in seiner Kolumne “Die Energiefrage 63”, die von Dr. Björn Peters, Ressortleiter Energiepolitik beim DAV verfasst wurde *). Die Energiefrage 63 im Wortlaut:

 

Hessen hat im vergangenen Monat abgestimmt. Während an Kommentaren zum Ausgang der Landtagswahl kein Mangel ist, wollen wir uns heute mit einer der parallel stattgefundenen Volksabstimmungen beschäftigen. In die hessische Landesverfassung wurde als ein Staatsziel der Naturschutz aufgenommen, ähnlich wie bereits von einem Vierteljahrhundert in Artikel 20a des Grundgesetzes. Doch dieses Staatsziel könnte für die Ausbaufreunde von Solar- und Windkraft unerwartete und sehr negative Folgen haben.

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist heute nicht nur den Bürgern enorm wichtig, sondern sollte auch Grundlage allen staatlichen Handelns sein. Hierfür sorgen umfangreiche Staatsziele und das Bundesnaturschutzgesetz. Zuletzt wurde das Staatsziel Nachhaltigkeit am vergangenen Wochenende in die hessische Landesverfassung aufgenommen. Wörtlich heißt es in der Vorlage, die wohl mit großer Mehrheit von den Bürgern aufgenommen wurde, „Der Staat, die Gemeinden und Gemeindeverbände berücksichtigen bei ihrem Handeln das Prinzip der Nachhaltigkeit, um die Interessen künftiger Generationen zu wahren“.

Soweit die Theorie. Dass tatsächlich gerade unter der angeblichen Maßgabe der Nachhaltigkeit mit der hiesigen Energiepolitik erhebliche negative Eingriffe in die Natur, die Artenvielfalt und den Wasserhaushalt vorgenommen werden, ist ein Grundwiderspruch, der eine Angriffsfläche für fehlgeleitete Entscheidungen der öffentlichen Hand bietet. Es geht hier bei vor allem um drei Bereiche:

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Die schlimmsten Fehler und Irrtümer bei der Energiewende

Über die Probleme der Energiewende wurde auf dieser Webseite  wiederholt berichtet. Auch unser Gastautor Dr. Willy Marth lässt hieran kein “gutes Haar”.

Willy Marth, geboren 1933 im Fichtelgebirge, promovierte in Physik an der Technischen Hochschule in München und erhielt anschliessend ein Diplom in Betriebswirtschaft der Universität München. Ein Post-Doc-Aufenthalt in den USA vervollständigte seine Ausbildung. Am „Atomei“ FRM in Garching war er für den Aufbau der Bestrahlungseinrichtungen verantwortlich, am FR 2 in Karlsruhe für die Durchführung der Reaktorexperimente. Als Projektleiter wirkte er bei den beiden natriumgekühlten Kernkraftwerken KNK I und II, sowie bei der Entwicklung des Schnellen Brüter SNR 300 in Kalkar. Beim europäischen Brüter EFR war er als Executive Director zuständig für die gesamte Forschung an 12 Forschungszentren in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Im Jahr 1994 wurde er als Finanzchef für verschiedene Stilllegungsprojekte berufen. Dabei handelte es sich um vier Reaktoren und Kernkraftwerke sowie um die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, wo er für ein Jahresbudget von 300 Millionen Euro verantwortlich war.

 

Die sogenannte Energiewende ist das mit Abstand teuerste deutsche Projekt seit der Wiedervereinigung. Die Kosten der Eingliederung der ehemaligen DDR-Gebiete betrugen ca. 1.500 Milliarden Euro; für die Energiewende veranschlagt man rund das Doppelte. Inzwischen sind ca. 40 Prozent der vorgesehenen Investitionen und Desinvestitionen (Kernkraftwerke!) erledigt; die kostenträchtigen Nord-Süd-Gleichstromleitungen sind stark in Verzug.

In einer Zwischenbilanz lassen sich die schlimmsten Fehler und Irrtümer dieses Großprojekts bereits jetzt benennen. Dies soll im Folgenden für die Vergangenheit, die Gegenwart und die (absehbare) Zukunft geschehen. Es muss befürchtet werden, dass die Energiewende im kommenden Jahrzehnt – insbesondere aus technischen und energiewirtschaftlichen Gründen – vor die Wand läuft. Unter Hinterlassung gigantischer nichtrentierlicher Kosten!

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Ehemalige Entscheidungsgrundlage zur Kernenergie gilt noch immer. Ein lehrhafter Rückblick

Bewegt sich etwas in der Kernenergiediskussion? „Neuerdings gibt es in Deutschland Leute, die das Redetabu über die Kernenergie brechen“, schreibt Veronika Wendland *), „Leute, die sich im ökologisch-progressiven Spektrum verorten und sich dafür aussprechen, den Atomausstieg zu überdenken. Sie tun das, weil sie lieb gewordene vorherige Überzeugungen in Lernprozessen geändert haben, und weil sie angesichts der gescheiterten Energiewende und der Herausforderungen von Luftverschmutzung, Bevölkerungswachstum und Klimawandel auch über die nukleare Lösung wieder diskutieren wollen. Sie argumentieren, dass die Kernenergie eine technisch ausgereifte, landschaftlich minimal-invasive und luftschadstoffarme Form der Elektrizitätsversorgung sei, und dass fortgeschrittene Formen von Kerntechnik wesentlich mehr könnten als Strom zu produzieren: Fernwärme für Wohngebiete bereitstellen und Prozesswärme für die Treibstoffsynthese, medizinische Radionuklide generieren, und Atommüll verwerten.“ Am 21. Oktober 2018 stellt sich diese Initiative auf dem Münchener Marienplatz beim „Nuclear Pride Fest“ vor.

Die friedliche Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung war in Deutschland zu keiner Zeit eine in der Bevölkerung durchgängig akzeptierte Energieform. Bei diesem Thema kochten die Emotionen hoch und spaltete die Gesellschaft. Obwohl der ablehnende Teil der Bevölkerung in der Minderheit war, bildeten sich etliche Bürgerinitiativen, die in Teilen nicht vor Gewalt zurückschreckten. Beispielhaft sei an die heftigen Demonstrationen gegen die Kernkraftwerke Wyhl und Brokdorf erinnert. Das Wyhl-Vorhaben wurde daraufhin fallen gelassen. Das Kernkraftwerk Brokdorf ist noch heute am Netz, das erstmals im Oktober 1986 kritisch wurde. Die Rechtmäßigkeit der friedlichen Kernenergienutzung überzeugte nicht, jedenfalls nicht die, die aus Prinzip und Überzeugung gegen Kernenergie waren. Die atomare Zerstörungskraft war und ist offenbar noch in vielen Köpfen und dominiert den Nutzen der nuklearen Stromerzeugung. Das speziell in Deutschland verbreitete Phänomen der Angst gegen alles, was mit Strahlung zu tun hat (Ausnahme Medizin), wirkt trotz intensiver Aufklärung bis in die heutige Zeit und lässt sich rational so recht nicht begründen.

Überzeugend begründen lässt sich ebenso wenig der im März 2011**vom Bundestag beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie als Folge, so die Begründung, der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. Die Katastrophe, so schlimm sie auch war, hatte nachweislich keine nuklearen Todesopfer zur Folge. Zudem setzt Japan weiterhin auf die Kernenergie. 2022 soll das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz genommen werden. Trotz einer bis dato makellosen Bilanz des nuklearen Betriebes aller deutschen Kernkraftwerke und trotz einer außerordentlich hohen, bewährten Sicherheitstechnik. Und dann? Was stattdessen? Bis zum Zeitpunkt des Ausstiegsbeschlusses galt doch die friedliche Nutzung der Kernenergie im Parlament mehrheitlich als unverzichtbar! 

Bundesregierungen und Parlamentarier haben sich ihre Entscheidung für die Kernenergie in den 60er und 70er Jahre nicht leicht gemacht. Diskussionen und Begründungen fanden auf einem hohen Niveau statt. Die ungewöhnlich ausführliche Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Bundestagsfraktionen der SPD/FDP vom 08.06.1977, Drucksache 8/570 zur Energiepolitik mag dies verdeutlichen. Sie hat im Grundsatz bis heute Bestand. (Bemerkenswert: Die Fragesteller der Großen Anfrage stellen die Bundesregierung in jener Zeit!) Wegen der in der Sache unveränderten Gültigkeit sei die auf die Kernenergie bezogene Antwort hier in Auszügen wiedergegeben.

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Internationale Energieagentur warnt vor Herausforderungen beim Ersatz der Kernenergie

Das Nuklearforum Schweiz veröffentlichte am 10. Oktober 2018 diese Medienmitteilung:

“In ihrer Überprüfung der Schweizer Energiepolitik kommt die Internationale Energieagentur zum Schluss, dass der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie die Stromversorgung des Landes vor grosse Herausforderungen stellt. Es werde schwierig, die heute hohe Versorgungssicherheit und die tiefen CO2-Emissionen aus der Stromversorgung beizubehalten.

Am 8. Oktober 2018 hat die Internationale Energieagentur (IEA) der OECD in Bern ihren Bericht «Energy Policies of IEA Countries – Switzerland 2018 Review» vorgestellt. Schon im Titel der dazu veröffentlichten Mitteilung warnt die IEA, die Versorgungssicherheit beim Strom stehe angesichts des schrittweisen Ausstiegs aus der Kernenergie vor Herausforderungen. Die Energieversorgung der Schweiz ist heute laut IEA die CO2-ärmste aller Mitgliedstaaten, was grösstenteils der dank Wasserkraft und Kernenergie praktisch emissionsfreien Stromproduktion geschuldet ist.

Mit dem politischen Entscheid für den schrittweisen Verzicht auf Strom aus Kernkraftwerken steht der Energiesektor des Landes jedoch in den kommenden Jahrzehnten vor einem beträchtlichen Wandel. Die Kernenergie zu ersetzen und gleichzeitig die CO2-Emissionen aus der Stromversorgung tief und die Versorgungssicherheit auf dem heutigen hohen Niveau zu halten, wird laut IEA schwierig. Es seien ambitioniertere Reformen notwendig als die «Energiestrategie 2050», um die Ungewissheiten bei der Versorgungssicherheit zu reduzieren.

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UN-IPCC bestätigt die Notwendigkeit der Kernenergie für das 1,5 Grad-Ziel

 

Der am 8. Oktober 2018 veröffentliche „IPCC Special Report on Global Warming of 1.5°C“ *) war ein Hauptthema in den Medien:

Hiernach muss der weltweite Kohlendioxidausstoß 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach deutlich absinken, um die 1,5 Grad-Grenze einzuhalten. Bis 2050 müsse Treibhausgasneutralität erreicht sein.

Der Anteil erneuerbarer Energieträger müsse nach Ansicht der Autoren bis zur Mitte des Jahrhunderts von derzeit etwa 20 % auf mindestens 70 % ansteigen. Der Kohle-Anteil müsse möglichst auf null, der Gas-Anteil selbst in Verbindung mit CO2-Abscheidern (die es in der Praxis noch nicht gibt) auf 8 % sinken. Der Rest müsse, was in den Medien zumeist unerwähnt bleibt, wohl vorwiegend auf die Nutzung der Kernenergie entfallen. Das wären 30 %!

 Der Bericht befasst sich mit den Auswirkungen der globalen Erwärmung um 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau und den damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit der Stärkung der globalen Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, die nachhaltige Entwicklung und die Bemühungen zur Beseitigung der Armut. In allen im Bericht dargestellten Szenarien, die mit 1,5 Grad kompatibel sind, steigt der Beitrag der Kernenergie. Der Anteil der nuklearen und fossilen Brennstoffe mit Kohlendioxidabscheidung und -speicherung bei der Stromerzeugung wird auf den meisten untersuchten 1,5-Grad-Pfaden “ohne oder mit begrenzter Überschreitung” zunehmen.

“Bei den meisten 1,5-Grad-Untersuchungspfaden nimmt der Kernenergie-Anteil bis 2050 zu, aber in einigen Pfaden sinkt sowohl die absolute Kapazität als auch der Anteil der Energie von Kernkraftwerken”, heißt es in der Zusammenfassung für Entscheidungsträger des Berichts. “Es gibt große Unterschiede in der Kernenergie zwischen den Modellen und den verschiedenen Wegen. Einer der Gründe für diese Variation ist, dass der zukünftige Einsatz der Kernenergie durch gesellschaftliche Präferenzen eingeschränkt werden kann, die in den Annahmen, die den Pfaden zugrunde liegen, unterstellt werden. Während bei einigen 1,5-Grad-Pfaden die Kernenergie bis zum Ende des Jahrhunderts keine Rolle mehr spielt, kommen andere Untersuchungspfade zu über 200 EJ im Jahr Kernkraft im Jahr 2100.”

Dies entspräche umgerechnet 56000 Mrd. kWh im Jahr. Die globale Stromerzeugung durch Kernenergie betrug hingegen in 2016 rund 2.477 Mrd. kWh.

Im Originaltext heißt es:

“Nuclear power increases its share in most 1.5-degree pathways by 2050, but in some pathways both the absolute capacity and share of power from nuclear generators declines,” the Summary for Policymakers of the report says. “There are large differences in nuclear power between models and across pathways. One of the reasons for this variation is that the future deployment of nuclear can be constrained by societal preferences assumed in narratives underlying the pathways. Some 1.5-degree pathways no longer see a role for nuclear fission by the end of the century, while others project over 200 EJ year of nuclear power in 2100.”

Mit der endgültigen Abschaltung des letzten deutschen Kernkraftwerkes im Jahr 2022 steigt Deutschland aus der nuklearen Stromerzeugung aus. Entgegen dem Rat der Fachwelt und entgegen dem weltweiten Ausbautrend der Kernkraftwerke hat sich die Bundesregierung in 2011 zu diesem Schritt entschlossen, ohne eine überzeugende Stromerzeugungsalternative anzubieten. Nach Lage der Dinge eine folgenschwere Fehlentscheidung.

*)  https://www.ipcc.ch/index.htm