Ein Zuviel ist schädlich. Dieses im Alltäglichen bekannte Prinzip – wissenschaftlich als Dosis-Wirkungs-Kurve bekannt – gilt gegenwärtig auch für die Solarstromerzeugung. Was einst eine Nischentechnologie war, ist in den Sommermonaten zur größten Stromquelle Europas geworden. Der massive Ausbau in den letzten fünf Jahren stößt jedoch auf ein Problem: Ein Haupttreiber für diesen Überschuss ist die massive Ausweitung der Solarenergie. In Zeiten hoher Sonnenstrahlung (sonnige Tage) und geringer Nachfrage an Wochenenden oder Feiertagen wird das Netz mit Solarstrom überflutet, und es wird immer schwieriger, das Stromnetz auszubalancieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kraftwerken, die leichter gedrosselt werden können, erfordert die schwankende Natur von Solar- und Windenergie komplexe Eingriffe, um Überlastungen im Netz zu verhindern. Der Netzausbau und die Stromspeicherung in Form von Batteriespeicher hat nicht Schritt gehalten. Direkte Folge: Eine Rekordmenge an Strom wird verschwendet, weil die Netze den Produktionsanstieg nicht bewältigen können und das Wachstum der installierten Leistung verlangsamt sich [1]. Solarstromproduzenten sind zunehmend gezwungen, Anlagen an sonnigen Tagen stundenweise abzuschalten.
Energie
Fernwärmeplanung: Wer soll, wer kann das bezahlen?
Nach dem Wärmeplanungsgesetz vom 1. Januar 2024 sind Gemeinden verpflichtet, Wärmepläne zu erstellen und vorzulegen, um den Umbau der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien bis 2045 zu regeln. Die Fristen für die Vorlage sind nach Einwohnerzahle gestaffelt:
- Großstädte (> 100.000 Einwohner): Bis spätestens 30. Juni 2026.
- Kleinere Städte und Gemeinden (< 100.000 Einwohner): Bis spätestens 30. Juni 2028.
Die jetzige Regierung plant eine Novelle des Gesetzes. Im Februar 2026 wurde von den Koalitionsfraktionen Eckpunkte der Novelle vereinbart, u.a.:
- Vereinfachung für kleine Kommunen:Die Wärmeplanung soll für kleinere Gemeinden deutlich vereinfacht und beschleunigt werden.
- Datenerhebung:Die Erhebung notwendiger Daten für die Wärmeplanung soll unter Wahrung des Datenschutzes vereinfacht werden.
Windenergie: Stagnierende Energieausbeute trotz steigender installierter Leistung
Der Ausbau der Windenergieanlagen soll unter der Voraussetzung eines angepassten Netzausbaues beibehalte werden. Zu häufig werde Windstrom erzeugt, der infolge mangelnder Netzkapazität nicht abgenommen werden könne. Doch die folgende Grafik von Rolf Schuster sollte den Befürwortern des Windenergieausbaus zu denken geben.

In der Grafik werden die installierte Onshore-Windleistung und der Windleistungsbeitrag jeweils für die Tage 1. – 21. Mai 2015 und 1. – 9. Mai 2026 gegenübergestellt. In den rund 11 Jahren wurde Windenergieleistung von 39,44 GW auf 69,25 GW ausgebaut, der Windleistungsbeitrag aber stagniert grosso modo in der betrachteten Zeitspanne. Für einige Leistungsspitzen und -täler wurde der jeweilige Leistungsbeitrag angegeben, zum Beispiel 17,514 GW am 2. Mai 2026. In den 11 Jahren schritt auch das Netzausbau (zwar noch ungenügend) voran, ohne dass sich dies in der Grafik abzeichnet.
„Ausstieg führt zum Abstieg“
Mit diesem Slogan warnte der langjährige Sprecher des Deutschen Atomforums Manfred Petroll bereits in 1998 vor der Abkehr von der Kernenergie, die den wirtschaftlichen Wohlstand und die technologische Führungsposition Deutschlands gefährden würden. Heute, 28 Jahre später zeigt sich, wie recht er hatte. Sein damaliges Eintreten und seine Argumente für die Kernenergie haben noch heute unverändert Gültigkeit:
EU warnt vor vorzeitiger Schließung von Kernkraftwerken
Die EU hat die Mitgliedsländer vor der vorzeitigen Schließung von Kernkraftwerken gewarnt, während sie Maßnahmen vorstellte, die darauf abzielen, die Auswirkungen einer durch den Konflikt im Iran verursachten Energiekrise zu mildern und die langfristige Abhängigkeit des Wirtschaftsblocks von fossilen Brennstoffen zu verringern [1][2].
Die Europäische Kommission erklärte in einer Mitteilung mit dem Titel „Bezahlbare und sichere Energie durch beschleunigtes Handeln“ [2], dass die Folgen des Krieges im Nahen Osten und der Schließung der Straße von Hormus erneut die Abhängigkeit Europas von importierten fossilen Brennstoffen zeigen.
ENDLICH: Schluss mit der Selbsttäuschung in der Energiepolitik

Wenn man vor dem Abgrund steht, ist jeder Schritt zurück ein Fortschritt.
„Wow, ein unglaublicher Artikel“, mit diesen Worten kommentierte Simon Wakter der politische Berater des schwedischen Energieministers auf X den folgenden in der FAZ [1] erschienenen Gastbeitrag der Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche. Ihr Artikel, so war zu lesen, sei wie eine Bombe bei Europas Energiekommentatoren eingeschlagen.
Deutschland deckt erst ein Fünftel seines Energieverbrauchs mit Erneuerbaren. Die Industrie leidet unter gestiegenen Preisen. Jetzt ist Zeit für ernsthafte Energiepolitik, schreibt die Bundeswirtschaftsministerin – und erläutert ihre Strategie.
Kleine Reaktoren (SMR) auf dem Vormarsch. Kanzler hält Rückkehr der Kernenergie für irreversibel
Zwölf der 27 EU-Mitgliedsstaaten verfolgen einen Energiemix unter Einschluss der Kernkraft und gehen in Sachen SMR voran. Nicht so Deutschland. Der Bundeskanzler bekundete zwar, dass er rückblickend den Ausstieg aus der Kernenergie für einen Fehler hält, hält andererseits aber die Rückkehr zur Kernenergie für „irreversibel“ und argumentiert, es gäbe in Deutschland dazu keinen gesellschaftlichen Konsens. Dann muss die Regierung für diesen Konsens mit Entschlossenheit sorgen! Nur diese Haltung überzeugt.
Dazu goss der Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag Öl in die nur noch glimmende Asche des Ausstiegs. Am Rande eines Forschungskongresses der Unionsfraktion sagte er vor Journalistinnen und Journalisten in Berlin [2], er könne sich vorstellen, deutsche Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Man solle dies miteinander prüfen. Er verwies auf Studien, wonach die stillgelegten Reaktoren der vergangenen Jahre „mit um die neun, zehn Milliarden Euro wieder ans Netz gehen könnten“. Man müsse diese Debatte gesellschaftlich führen. In anderen Staaten würden 30 bis 50 Milliarden Euro investiert, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen.
Die Energiewende ist noch teurer, als Sie glauben
Angesichts dessen, was und wie gegenwärtig wieder zu Energiefragen und Energiekosten diskutiert wird, ist es wohl erneut notwendig, mehr Redlichkeit und Rationalität anzumahnen.
Der Vorstoß von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, Kosten und Risiken der Energiewende zu reduzieren und gleichzeitig deren Effizienz zu verbessern, sollte eigentlich zumindest im Grundsatz von allen unterstützt werden, denen etwas am Wirtschaftsstandort Deutschland liegt.
Erstaunlicherweise wird die Debatte aber wieder von – man muss wohl sagen – „bekannten Seilschaften“ aus Politik, Medien und Instituten dominiert, die die Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums mit seltsamen/unredlichen Argumenten angreifen. Denen ist anscheinend die Pflege ihrer Illusionen trotz der inzwischen vorliegenden Erfahrungen immer noch wichtiger als Wirtschaftlichkeit. Dazu schrieb Ulrich Waas*) den folgenden Artikel, der am 15.4. im Magazin Cicero erschienen ist.
Ursachenbericht über Blackout in Spanien und Portugal
Vor etwa einem Jahr, am 28. April 2025 um 12:32 Uhr, legte ein Blackout das gesellschaftliche Leben in ganz Spanien und Portugal lahm. Nach fast einem Jahr belegt nun der ICS Investigation Expert Panel Final Report „Grid Incident in Spain and Portugal on 28 April 2025“ [1] als Ursache eine gefährliche Kombination aus starken Spannungsschwankungen, hoher Solar-Einspeisung und fehlender stabilisierender Kraftwerksleistung.
Nach den Ausführungen von Manfred Haferburg [2] über die „überwältigende Detailfülle“ des Berichtes war ein zentraler Punkt die zu geringe Netzträgheit, die durch rotierende Massen der Großgeneratoren und Dampfturbinen bereitgestellt wird. Stromsysteme mit hohem Anteil wetterabhängiger Einspeisung verfügen nicht darüber und versuchen, die Drehzahl durch sensible Elektronik zu regeln. Aber nur echte rotierende Massen stabilisieren Frequenz und Spannung eines Stromnetzes in kritischen Momenten.
Kohle ist vorerst nicht zu ersetzen
Kohle, Öl und Erdgas waren und sind das Herz der industriellen Entwicklung. Ihnen verdanken wir unseren Lebensstandard. Seit Bestehen der – bis zum heutigen Tage unbewiesenen- Hypothese, dass das vom Menschen durch Verbrennung der Kohle erzeugte CO2 zur Erderwärmung beiträgt, wird Kohle wie ein Relikt behandelt. Ein Relikt, das durch die Energiewende möglichst schnell aus der Welt zu schaffen ist. Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 OC ist das erklärte Ziel seit der Weltklimakonferenz Paris 2015. Asiatische Staaten und die USA halten sich nicht daran. Gesicherte Energieversorgung hat bei ihnen Vorrang. Global steigt die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre stetig an. Die von der UN geforderten CO2-Einsparungen sind derzeit und in den nächsten Dekaden in Sinne des Klimaschutzes global deutungslos.
Für Lars Schernikau, ein Energieökonom, Unternehmer, Rohstoffhändler und Buchautor, ist der natürliche Energieträger noch lange unverzichtbar:
„Der weltweite Kohleverbrauch ist definitiv nicht zurückgegangen, ganz im Gegenteil, er ist nur von etwa 6 Milliarden Tonnen im Jahr 2008 (als ich mein erstes Buch über Kohle „The Renaissance of Steam Coal“ schrieb) auf heute etwa 9 Milliarden Tonnen gestiegen. Ganz zu schweigen vom Kohlehandel per Schiffsversand, der sich fast verdoppelte! Die Frage ist also nicht, ob Kohle verschwindet, wie uns gesagt wurde, sondern ob wir auf diesen nützlichen schwarzen Stein überhaupt verzichten können. Unsere materielle Welt wird von ihm angetrieben.
Nur zu gern wollen wir in einer „sauberen“ digitalen Welt mit all unseren Geräten, Apps, KI und Cloud-Speicher leben, aber unsere physische Welt ist nicht verschwunden und sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden.